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Muhlenberg-Legende

Das Gerücht entstand um 1840 und fand durch Franz von Löhers 1847 veröffentlichtes Buch Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika weite Verbreitung.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Kern der Muhlenberg-Legende
  2. 2. Sprachliche Verhältnisse in den Vereinigten Staaten
  3. 3. Politischer Hintergrund Muhlenbergs
  4. 4. Der tatsächliche Anlass der Erzählung

Kern der Muhlenberg-Legende

Die Muhlenberg-Legende behauptet, zur Zeit der Gründung der Vereinigten Staaten habe es in Pennsylvania eine Gesetzesvorlage gegeben, Deutsch als offizielle Landessprache einzuführen. Die Abstimmung sei mit gleicher Stimmenzahl ausgegangen und an nur einer Stimme gescheitert: Der deutschamerikanische Politiker Muhlenberg habe sich für Englisch entschieden. Mit dieser Geschichte wird vor allem Frederick Muhlenberg (1750–1801) verbunden, ein politisch bedeutendes Mitglied einer US-amerikanischen Familie deutscher Abstammung.

Der Legende zufolge soll Muhlenberg erklärt haben: „Je schneller die Deutschen Amerikaner werden, desto besser.“ Das Gerücht entstand um 1840 und wurde durch Franz von Löhers 1847 veröffentlichtes Buch Geschichte und Zustände der Deutschen in Amerika weit verbreitet. Löher nennt für seine Darstellung jedoch keine Quellen.

Sprachliche Verhältnisse in den Vereinigten Staaten

Die Vereinigten Staaten gingen aus englischen Kolonien hervor. Englisch war deshalb die Sprache von Gerichten und Verwaltung. Deutsch und andere Sprachen wurden daneben häufig im privaten sowie im kirchlich-öffentlichen Bereich verwendet.

Um 1830 machten deutschsprachige Einwanderer etwa ein Drittel der Bevölkerung Pennsylvanias aus; in den gesamten Vereinigten Staaten lag ihr Anteil bei knapp neun Prozent. Trotzdem fand auf Bundesebene der USA niemals eine Abstimmung über eine Amtssprache statt. Die Vereinigten Staaten gehören daher zu den wenigen Ländern ohne De-jure-Amtssprache, also ohne gesetzlich festgelegte Amtssprache auf Bundesebene. Englisch fungiert allerdings als De-facto-Amtssprache, wird also tatsächlich für staatliche Zwecke verwendet. In jüngerer Zeit legten mehrere Gliedstaaten Englisch als Amtssprache fest.

Politischer Hintergrund Muhlenbergs

Frederick Muhlenberg war 1780–83 Mitglied und Sprecher der pennsylvanischen Landesversammlung. 1787 leitete er den pennsylvanischen Konvent zur Ratifizierung der Bundesverfassung. Danach war er 1789–97 Mitglied des Repräsentantenhauses im Bundeskongress und dort 1789–91 sowie erneut 1793–95 Sprecher.

Seine tatsächlich überlieferte entscheidende Stimme bezog sich 1794 auf den Jay-Vertrag mit dem Königreich Großbritannien, nicht auf die Einführung einer Sprache. Diese Entscheidung löste großen Unmut aus: Sein Schwager Bernard Schaeffer stach zwei Tage nach der Ratifikation des Vertrags mit einem Messer auf ihn ein, und Muhlenberg wurde 1796 nicht wieder in den Kongress gewählt.

Auch sein Bruder, General Peter Muhlenberg (1746–1807), war Kongressabgeordneter. Er unterstützte die Einführung des Englischen anstelle des Deutschen als Kirchensprache in der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde in Philadelphia und wandte sich damit gegen Heinrich Helmuth. Solche politischen und kirchlichen Sprachkonflikte können zur späteren Verbindung der Familie Muhlenberg mit der Legende beigetragen haben.

Der tatsächliche Anlass der Erzählung

Am 9. Januar 1794 richteten deutsche Einwanderer aus Virginia eine Petition an das Repräsentantenhaus. Sie forderten, eine Sammlung von Gesetzen und Verordnungen ins Deutsche zu übersetzen. Deutsche, die kein Englisch sprachen, sollten dadurch die Gesetze ihrer neuen Heimat verstehen können.

Ein Ausschuss des Repräsentantenhauses unterstützte die Petition zunächst. Am 13. Januar 1795 wurde jedoch ein Antrag, die Entscheidung über diese Frage zu vertagen, mit 42 zu 41 Stimmen abgelehnt. Diese knappe Abstimmung wird wahrscheinlich mit der späteren Legende verbunden. Sie betraf aber keine Abstimmung über Deutsch als Amtssprache oder Landessprache Pennsylvanias.

Der bilinguale Frederick Muhlenberg unterstützte den Antrag nicht und nahm an der Abstimmung nicht teil. Als Begründung wird seine Äußerung überliefert, je schneller die Deutschen Amerikaner würden, desto besser. Die historische Überlieferung widerspricht damit dem Kern der Legende: Muhlenberg gab keine entscheidende Stimme gegen Deutsch ab, und auf Bundesebene gab es überhaupt keine Abstimmung über eine Amtssprache.

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