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Modale Tonleitern
Besondere Merkmale kirchentonaler Modi ; Dur · 1, Mixolydisch, 1, 2 ; Moll, 0, Dorisch, 1, 2 ; Moll · -1, Äolisch, 1, 2 …
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Begriff und Einordnung
Modale Tonleitern, auch modale Skalen oder Modi genannt, sind Tonleitern. Der Ausdruck kann zwei Bedeutungen haben: Einerseits bezeichnet er Skalen, die Namen und Tonvorrat alter europäischer Modi beziehungsweise Kirchentonarten übernehmen, aber wichtige historische Merkmale wie Ambitus (Tonumfang), Finalis, Repercussa sowie die Unterscheidung von authentisch und plagal nicht berücksichtigen. Andererseits meint er Tonleitern außerhalb des Dur-Moll-Systems, etwa im modalen Jazz und in orientalischer Musik.
Der Artikel weist selbst darauf hin, dass die Darstellung grundlegend überarbeitet werden müsse. Insbesondere kritisiert er die ahistorische und eurozentristische Beschränkung auf den Vergleich kirchenmodaler Skalen mit Dur und Moll. Die folgenden Aussagen beziehen sich daher vor allem auf die hier als Kirchentonleitern behandelten Skalen.
Ableitung und Transposition
Modi können als verschiedene Ausschnitte aus dem Tonvorrat einer Durtonleiter verstanden werden. Dieses Verfahren wird jedoch als ahistorisch und eurozentristisch bezeichnet und soll historische oder heute gebräuchliche modale Strukturen nur wenig erklären.
Jede modale Tonleiter lässt sich auf jede Stufe der chromatischen Tonleiter transponieren. Für die Vorzeichen ist hilfreich, auf welcher Stufe der zugehörigen Durtonleiter ein Modus liegt. Dorisch steht auf der zweiten Stufe: e-Dorisch hat daher die gleichen Vorzeichen wie D-Dur, fis-Dorisch die gleichen wie E-Dur. Lydisch steht auf der vierten Stufe; As-Lydisch hat beispielsweise die gleichen Vorzeichen wie Es-Dur.
Klangcharakter und Tongeschlecht
Die kirchentonalen Modi werden anhand ihrer Terz dem Dur- oder Moll-Geschlecht zugeordnet. Ihre Klangfarbencharakteristik entsteht durch die Verbindung charakteristischer Töne beziehungsweise diatonischer Stufenakkorde, der jeweiligen Halbtonschritte und eines erhaltenen tonalen Zentrums, der Tonika.
Als Dur-geschlechtlich gelten Lydisch, Ionisch und Mixolydisch. Ihre Stufen sind:
- Lydisch: 1, 2, 3, #4, 5, 6, 7; kennzeichnend ist die lydische Quarte.
- Ionisch: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7.
- Mixolydisch: 1, 2, 3, 4, 5, 6, b7; kennzeichnend ist die mixolydische Septime.
Moll-geschlechtlich sind Dorisch, Äolisch, Phrygisch und Lokrisch:
- Dorisch: 1, 2, b3, 4, 5, 6, b7; kennzeichnend ist die dorische Sexte.
- Äolisch: 1, 2, b3, 4, 5, b6, b7.
- Phrygisch: 1, b2, b3, 4, 5, b6, b7; kennzeichnend ist die phrygische Sekunde.
- Lokrisch: 1, b2, b3, 4, b5, b6, b7; kennzeichnend ist die lokrische Quinte.
So sind feinere Übergänge zwischen Dur und Moll möglich: Statt unmittelbar von Ionisch nach Äolisch zu wechseln, kann zuerst die b7 des Mixolydischen und danach die b3 des Dorischen eingefügt werden.
Abweichungen von Dur und natürlichem Moll
Dorisch unterscheidet sich von der natürlichen Molltonleiter durch die erhöhte 6. Stufe, die dorische Sext. Phrygisch besitzt gegenüber natürlichem Moll eine erniedrigte 2. Stufe, die phrygische Sekunde.
Lydisch weicht von der Durtonleiter durch die erhöhte 4. Stufe, die lydische Quart, ab. Mixolydisch hat gegenüber Dur eine erniedrigte 7. Stufe, die mixolydische Sept.
Ionisch und Äolisch wurden im 16. Jahrhundert als Modi hinzugefügt. Die ionische Skala ist mit der Durtonleiter identisch, die äolische Skala mit der natürlichen Molltonleiter.
Der lokrische Modus und die Übersicht
Um aus einer Molltonleiter eine lokrische Skala zu bilden, müssen zwei Stufen erniedrigt werden: die zweite und die fünfte. Lokrisch hat daher nicht nur ein einzelnes charakteristisches Unterscheidungsintervall zu Dur oder Moll.
Einen Modus Lokrisch gab es im System der Kirchentöne nie. Er wurde erst in neuerer Zeit unter einer Bezeichnung konstruiert, die sich unter anderem bei Cleonides findet, dort aber den hypodorischen Modus der alten Griechen von A bis a meint. Über dem Grundton liegt bei Lokrisch statt einer reinen eine verminderte Quint, also ein Tritonus. Deshalb gilt die Skala im Kontext der Dur-Moll-Tonalität als unbrauchbar. In der Akkord-Skalen-Theorie des Jazz wird das Material des locrian mode hauptsächlich bei halbverminderten Septakkorden verwendet.
Die abschließende Übersicht nennt sieben Kirchentonleitern: Ionisch (Dur), Dorisch, Phrygisch, Lydisch, Mixolydisch, Äolisch (reines Moll) und Lokrisch; zu ihnen sind Grafiken und Hörbeispiele vorgesehen.