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Mehrproduktunternehmen

... werden. Die Break-even-Analyse kann wie folgt aussehen: Produkt, Absatz- menge- (Stück), Verkaufspreis (€), Umsatzerlöse (€), Variable Kosten

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Merkmale
  2. 2. Produktionsformen und Beispiele
  3. 3. Produktionsbeziehungen
  4. 4. Wirtschaftliche Bedeutung und Kostenrechnung

Begriff und Merkmale

Mehrproduktunternehmen sind Unternehmen, die mindestens zwei Produkte oder Dienstleistungen gleichzeitig in eigener Produktion herstellen. Ihr Gegensatz sind Einproduktunternehmen, die nur ein Produkt oder eine Dienstleistung anbieten.

Mehrproduktunternehmen können durch die Produktionstechnik entstehen. Bei der Kuppelproduktion fallen neben einem Hauptprodukt zwangsläufig Nebenprodukte an. Beispiele sind Motorenbenzin als Hauptprodukt und leichtes Heizöl als Nebenprodukt in Raffinerien sowie Gas als Hauptprodukt und Koks und Teer als Nebenprodukte in Gaswerken. Andere Mehrproduktunternehmen organisieren die Herstellung verschiedener Produkte freiwillig. Henkel stellt beispielsweise gleichzeitig Wasch- und Reinigungsmittel, Produkte der Schönheitspflege und Klebstoffe her.

Die Produkte oder Dienstleistungen können sehr heterogen, also technisch und inhaltlich sehr unterschiedlich, sein. Deshalb werden sie häufig in verschiedenen Fabriken mit unterschiedlichen Produktionsanlagen hergestellt. Es ist nicht erforderlich, dass alle Produkte auf einer einzigen Anlage produziert werden. In der Produktion kommen unterschiedliche Produktionsfaktoren gleichzeitig zum Einsatz. Das gilt besonders für den Faktor Werkstoffe, der verschiedene Arten und Mengeneinheiten von Roh-, Betriebs- und Hilfsstoffen sowie Halb- und Fertigerzeugnissen umfasst. Diese Stoffe dienen „als Ausgangs- und Grundstoffe für die Herstellung von Erzeugnissen“ und werden durch Form- und Substanzänderungen oder durch Einbau in Fertigerzeugnisse zu Bestandteilen neuer Produkte. Daher benötigen Mehrproduktunternehmen eine besondere Aufbau- und Ablauforganisation.

Produktionsformen und Beispiele

Die Produktion in Mehrproduktunternehmen kann als Kuppelproduktion, Sortenfertigung oder Serienfertigung erfolgen; auch Mischformen sind möglich.

Unterschiedliche Packungsgrößen mit identischen Inhaltsstoffen, etwa Klein- und Familienpackungen von Waschmittel, gelten dagegen nicht als verschiedene Produkte. Ebenso handelt es sich bei unterschiedlichen Konfektionsgrößen S, M und L derselben Herrenhose um ein Einproduktunternehmen. Erst unterschiedliche Inhaltsstoffe, beispielsweise Waschpulver und Flüssigwaschmittel, begründen verschiedene Produkte eines Mehrproduktunternehmens.

In der Automobilfertigung können unterschiedliche Fahrzeugmodelle auf derselben Produktionsanlage hergestellt werden. Dafür muss die Fließbandfertigung im Rahmen der Arbeitsvorbereitung für jedes Modell umgestellt werden. Die Produktionsstruktur lässt sich als geschlossene Intervall-Algebra verstehen: Hintereinanderliegende Fertigungsstufen bilden eine sequentielle Materialflussstrecke. Die einzelnen Strecken, also Intervalle, werden durch Erfassungspunkte oder Zählpunkte voneinander abgegrenzt. Auf dieser Grundlage kann der gesamte Fertigungsverlauf mit Regelkreisen geplant und gesteuert werden.

Jedes Modell durchläuft während der Fließfertigung mehrere Fertigungsstufen. Am Ende werden beispielsweise die Karosserie und der Motor oder der komplette Antriebsstrang zusammengeführt. Dieser Vorgang wird als „Hochzeit“ bezeichnet.

Auch Dienstleistungsunternehmen können Mehrproduktunternehmen sein. Universalbanken sind stets Mehrproduktunternehmen, während Spezialbanken häufig Einproduktunternehmen sind. Im Versicherungswesen überwiegen Unternehmen, die mehrere Versicherungsarten anbieten. Monoliner, die nur eine Versicherungsart anbieten, sind selten. Ein Restaurant, in dem mehrere Speisen gleichzeitig hergestellt werden, ist ebenfalls ein Mehrproduktunternehmen.

Produktionsbeziehungen

Mehrproduktunternehmen lassen sich nach ihren Produktionsbeziehungen in Parallelproduktion und Verbundproduktion einteilen.

Bei der Parallelproduktion, auch unverbundene Produktion genannt, laufen die Produktionsprozesse technisch getrennt voneinander ab. Die Herstellung eines Produkts ist dabei technisch nicht mit der Herstellung eines anderen Produkts verbunden.

Die Verbundproduktion wird in Alternativproduktion und Kuppelproduktion unterteilt. Bei der Alternativproduktion konkurrieren die verschiedenen Produkte um gemeinsame freie Produktionskapazitäten. Die Kapazitäten können deshalb jeweils für das eine oder das andere Produkt eingesetzt werden. Bei der Kuppelproduktion entstehen dagegen mehrere Produkte aus einem technisch verbundenen Produktionsprozess; hierzu gehören Haupt- und Nebenprodukte wie bei der Raffinerie- oder Gasproduktion.

Wirtschaftliche Bedeutung und Kostenrechnung

Durch horizontale Diversifikation kann ein Einproduktunternehmen sein Produktionsprogramm um Produkte erweitern, die mit dem bisherigen Produkt zusammenhängen. Dabei lassen sich gleiche Produktionsverfahren, Rohstoffe, Technologien oder Vertriebswege nutzen. Auf diese Weise kann aus einem Einproduktunternehmen ein Mehrproduktunternehmen werden.

Massenproduktion findet in Einproduktunternehmen statt. In Mehrproduktunternehmen erfolgt sie meist als Großserienfertigung. Beide Produktionsformen sind innerhalb jedes einzelnen Produkts durch eine hohe Produkthomogenität gekennzeichnet. Zwischen den Produkten oder Dienstleistungen können jedoch Interdependenzen, also gegenseitige Abhängigkeiten, in Produktion und Vertrieb bestehen. Sehr heterogene Produkte erfordern außerdem unterschiedliche Produktionsverfahren.

Die Kosten- und Leistungsrechnung ist in Mehrproduktunternehmen schwieriger, weil jedes Produkt als eigener Kostenträger betrachtet werden muss. Das Gesamtkostenverfahren eignet sich dort weder für die Erfolgsanalyse noch für die Vertriebssteuerung. Fixkosten können nach dem Kostenzurechnungsprinzip einem einzelnen Produkt nicht eindeutig zugerechnet werden.

Auch die Break-even-Analyse, also die Ermittlung der Gewinnschwelle, muss angepasst werden. Sie kann mehrdimensional auf Ausbringungskombinationen aller Produkte oder auf einen durchschnittlichen Deckungsbeitrag pro Umsatzerlös (DBU) ausgerichtet werden. Für vier Produkte zeigt die im Artikel angeführte Berechnung folgende Werte:

  • Produkt A: Absatzmenge 100.000 Stück, Verkaufspreis 1,20 €, Umsatzerlöse 120.000 €, variable Kosten 100.000 €, Deckungsbeitrag 20.000 €, Deckungsbeitrag/Umsatzerlöse 17 %.
  • Produkt B: Absatzmenge 20.000 Stück, Verkaufspreis 7,00 €, Umsatzerlöse 140.000 €, variable Kosten 60.000 €, Deckungsbeitrag 80.000 €, Deckungsbeitrag/Umsatzerlöse 57 %.
  • Produkt C: Absatzmenge 30.000 Stück, Verkaufspreis 3,00 €, Umsatzerlöse 90.000 €, variable Kosten 30.000 €, Deckungsbeitrag 60.000 €, Deckungsbeitrag/Umsatzerlöse 67 %.
  • Produkt D: Absatzmenge 50.000 Stück, Verkaufspreis 1,00 €, Umsatzerlöse 50.000 €, variable Kosten 10.000 €, Deckungsbeitrag 40.000 €, Deckungsbeitrag/Umsatzerlöse 80 %.

Es gibt viele Kombinationen von Absatzmengen, die zur Gewinnschwelle führen. Ein Deckungsumsatz kann deshalb nur ermittelt werden, wenn die mengenmäßige Zusammensetzung der Umsatzerlöse gleich bleibt.

Einproduktunternehmen besitzen eine Monostruktur, sind kaum oder nicht diversifiziert und deshalb anfälliger für negative Marktentwicklungen. Mehrproduktunternehmen können ihre Produkte auf mehreren wirtschaftlich voneinander unabhängigen Absatzmärkten anbieten. Dadurch können sie konjunkturelle Absatzrisiken, etwa Rezession oder Marktwachstum, sowie strukturelle Absatzrisiken durch Angebots- oder Bedarfsverschiebungen eher ausgleichen.

Außerdem können Verbundeffekte entstehen, wenn die gemeinsame Produktion mehrerer Produkte kostengünstiger ist als ihre getrennte Produktion in zwei oder mehr unabhängigen Einproduktunternehmen. Solche Effekte führen zu Kostensenkungen, „wenn die Kosten der gemeinsamen Produktion zweier Produkte geringer sind als die einer getrennten Produktion“. Bei unbeschränkter horizontaler Integration kann die Bildung von Mehrproduktunternehmen schließlich zu einer Monopolisierung des Marktes führen.

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