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Mauersegler

Der Mauersegler (Apus apus) ist eine Vogelart aus der Familie der Segler. Sie ähnelt den Schwalben, ist aber mit diesen nicht näher verwandt; …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Systematik und Kennzeichen
  2. 2. Flug, Nahrung und Leben in der Luft
  3. 3. Verbreitung, Lebensraum und Wanderungen
  4. 4. Fortpflanzung und Entwicklung
  5. 5. Kommunikation, Feinde und Parasiten
  6. 6. Bestand, Gefährdung und Schutz an Gebäuden

Überblick, Systematik und Kennzeichen

Der Mauersegler (Apus apus) ist ein Vogel aus der Familie der Segler (Apodidae) und der Ordnung der Seglervögel (Apodiformes). Er ist die einzige in Mitteleuropa großräumig verbreitete Seglerart. Obwohl seine Gestalt an Schwalben erinnert, ist er mit ihnen nicht näher verwandt; die Ähnlichkeit entstand durch konvergente Evolution, also durch eine ähnliche Anpassung nicht nah verwandter Arten an dieselbe Lebensweise. Unterschieden werden Apus apus apus und die östlich verbreitete, etwas bräunlichere Unterart Apus apus pekinensis.

Der Körper ist durchschnittlich 17 Zentimeter lang, die Flügelspannweite beträgt 40 bis 44 Zentimeter und das Gewicht etwa 40 Gramm. Die langen, schmalen, sichelförmigen Flügel kreuzen sich im angelegten Zustand und überragen den kurzen, gegabelten Schwanz um ungefähr vier Zentimeter. Das Gefieder ist ruß- bis bräunlichschwarz; nur die Kehle besitzt einen im Flug schwer erkennbaren grauweißen Fleck. Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Jungvögel sind dunkler und weniger glänzend, haben eine ausgedehntere weiße Kehle und zunächst auffällige weiße Federsäume.

Von Schwalben lässt sich der Mauersegler an seinen schrillen Rufen, den längeren sichelförmigen Flügeln, der fast vollständig schwarzbraunen Unterseite und dem Wechsel zwischen schnellen Flügelschlägen und längeren Gleitphasen unterscheiden. Schwalben fliegen flattriger und zeigen eine helle Unterseite; Rauchschwalben besitzen außerdem lange Schwanzspieße. Ähnliche Seglerarten sind unter anderem Alpensegler, Fahlsegler und Einfarbsegler. Der größere Alpensegler ist durch seine weiße Kehle und Bauchseite gut erkennbar, während besonders die Unterscheidung vom Fahlsegler schwierig sein kann.

Flug, Nahrung und Leben in der Luft

Der Mauersegler ist extrem an das Fliegen angepasst. Außerhalb der Brutzeit verbringt er über einen Zeitraum von zehn Monaten mehr als 99 Prozent seiner Zeit in der Luft. Untersuchungen mit Bewegungssensoren ergaben bei einem Tier während 314 Tagen nur eine inaktive Phase von zwei Stunden. Nichtbrüter übernachten häufig fliegend, einzeln oder in Schwärmen, in 400 bis 3600 Metern Höhe. Wie sie sich dabei erholen, ist ungeklärt; vermutet wird eine Form des Halbhirnschlafs.

Der Körperbau ermöglicht schnellen, wendigen Schlag- und Gleitflug. Mauersegler erreichen gewöhnlich 20 bis 50 km/h im Gleitflug und 40 bis 100 km/h im Kraftflug; bei Flugspielen sind mehr als 200 km/h möglich. Die günstigste Durchschnittsgeschwindigkeit für ziehende Vögel liegt bei ungefähr 32 km/h. Die Flügelform wird an die Situation angepasst: Voll ausgestreckte Flügel ermöglichen langsames, energiesparendes Gleiten, zurückgezogene Flügel hohe Geschwindigkeiten und schnelle Richtungswechsel. Die kleinen Füße eignen sich kaum zum Sitzen, doch können Mauersegler klettern, hängen und als gesunde Tiere auch von ebenem Boden starten.

Als Luftjäger ernähren sie sich ausschließlich von Insekten und Spinnen. In Europa wurden mehr als 500 Beutearten nachgewiesen, besonders Blattläuse, Hautflügler, Käfer und Zweiflügler. Die Vögel sind wenig wählerisch, bevorzugen bei Auswahl aber Beute von mehr als 5 Millimetern Länge. Sie jagen meist 6 bis 50 Meter über dem Boden, an warmen Tagen über 100 Meter hoch und bei Thermik bis zu Wolkenuntergrenzen von etwa 3000 Metern. Zum Trinken gleiten sie geradlinig über Wasser und tauchen den Schnabel ungefähr einen halben Meter weit ein.

Am Abend und Morgen steigen Mauersegler häufig innerhalb kurzer Zeit auf 2000 bis 3000 Meter. Diese Steigflüge dienen wahrscheinlich nicht unmittelbar der Übernachtung. Als mögliche Funktionen werden die Kalibrierung des Magnetsinns sowie die Erfassung von Wind, Temperatur und anderen atmosphärischen Bedingungen diskutiert. Ganzjährig leben die Vögel gesellig. Besonders auffällig sind die lautstarken, schnellen Gruppenflüge der „Screaming Parties“, möglicherweise zur sozialen Synchronisation vor dem Wegzug.

Verbreitung, Lebensraum und Wanderungen

Das Brutgebiet umfasst große Teile der Paläarktis. In Europa fehlt der Mauersegler vor allem in Island, im Norden Skandinaviens, in den russischen Tundren und einigen Gebirgsregionen. Nach Osten reicht das Gebiet bis Sibirien, in die Innere Mongolei und in chinesische Provinzen. Die Winterquartiere liegen zwischen Äquatorial- und Südafrika. A. a. pekinensis brütet in den östlichen Teilen des Verbreitungsgebiets und überwintert in und um die Kalahari-Wüste.

In Mitteleuropa brütet der Mauersegler vor allem in Hohlräumen mehrgeschossiger älterer Gebäude, etwa an Wohnhäusern, Kirchen, Fabriken und Bahnhöfen. Neubauten mit dicht geschlossenen Fassaden und Dächern bieten dagegen kaum Nistplätze. Ursprünglich war die Art überwiegend Felsbrüter. Baumbruten kommen in Mitteleuropa nur vereinzelt vor; in Deutschland betreffen sie etwa ein Prozent der Brutpaare. Dafür werden meist über 100 Jahre alte Baumbestände mit verlassenen Spechthöhlen benötigt. In Teilen Nordeuropas und Russlands lebt die Art ausschließlich im Wald. Brutplätze von A. a. pekinensis liegen bis 3300 Meter hoch; Nahrungssuche wurde über 4000 Metern und Zug bis 5700 Meter Höhe beobachtet.

Mauersegler sind Langstreckenzieher. Im Brutgebiet und im südafrikanischen Winterquartier verbringen sie jeweils höchstens 3 bis 3½ Monate; den übrigen Teil des Jahres benötigen Weg- und Heimzug. Aus Mitteleuropa ziehen sie meist in der zweiten Julihälfte oder Anfang August ab. Ihre hauptsächliche Zugrichtung ist Südwest bis Süd, häufig über die Iberische Halbinsel und Nordwestafrika. In Afrika folgen viele Vögel der Innertropischen Konvergenzzone und damit den saisonalen Niederschlägen und dem erhöhten Insektenangebot. Nach Mitteleuropa kehren sie hauptsächlich in der zweiten Aprilhälfte und im ersten Maidrittel zurück. Das Wetter kann die lokale Ankunft um etwa drei Wochen verschieben.

Vor Tiefdruckgebieten unternehmen Mauersegler Wetterfluchten, teilweise schon bei einer 500 bis 600 Kilometer entfernten Kaltfront. Sie können ein Tief im Uhrzeigersinn umfliegen und erst nach 1000 bis 2000 Kilometern zurückkehren. Besonders Nichtbrüter nehmen daran teil, aber auch Brutvögel verlassen zeitweise ihre Jungen.

Fortpflanzung und Entwicklung

Mauersegler werden frühestens gegen Ende ihres zweiten Lebensjahres geschlechtsreif. Sie leben mindestens während einer Brutsaison monogam, meist aber über viele Jahre mit demselben Partner. Grundlage dieser Bindung ist vor allem die Treue zum Nistplatz; die Partner treffen gewöhnlich mit etwa zehn Tagen Abstand ein. Wegen der ungefähr dreimonatigen Brutzeit gibt es nur eine Jahresbrut, nach einem Gelegeverlust jedoch häufig eine Ersatzbrut.

Die Vögel brüten gesellig in Kolonien. Bevorzugt werden dunkle, meist waagerechte Hohlräume mit direkter Anflugmöglichkeit, gewöhnlich 6 bis 30 Meter über dem Boden. Jedes Paar nutzt normalerweise einen eigenen Eingang. Beide Partner bauen aus im Flug gesammelten Halmen, Blättern, Samen, Haaren, Federn sowie Papier- oder Textilstücken eine flache Schale und verkleben sie mit Speichel. Ein Nest wird oft über viele Jahre verwendet und erweitert; sein Durchmesser kann von 9 auf 15 Zentimeter wachsen.

In mehr als 90 Prozent der Fälle umfasst das Gelege zwei bis drei Eier. Sie messen 25 × 16 Millimeter, sind weiß und glanzlos. In Mitteleuropa werden sie gewöhnlich in der zweiten Maihälfte gelegt. Beide Eltern brüten annähernd zu gleichen Teilen. Die durchschnittliche Brutdauer beträgt 19 Tage, kann abhängig vom Wetter aber zwischen 18 und 27 Tagen liegen.

Die Jungen schlüpfen blind und nackt. Ihre Nestlingszeit dauert wetterabhängig 38 bis 56 Tage, meist etwas mehr als 40 Tage. Die Eltern sammeln Beutetiere im Kehlsack und formen sie mit Speichel zu einer haselnussgroßen Kugel. Unter optimalen Bedingungen steigt das Gewicht eines Nestlings von ungefähr 3 auf bis zu 60 Gramm in weniger als drei Wochen. Vor dem Ausfliegen sinkt es wieder auf das optimale Fluggewicht von etwa 40 Gramm. Die Jungen verlassen das Nest meist am Abend, sind sofort selbstständig und verbringen bereits ihre erste Nacht in der Luft.

Bei Nahrungsmangel können ältere Nestlinge in Hungerstarre, einen Zustand stark herabgesetzter Körperfunktionen, fallen. Die Körpertemperatur sinkt vom Normalwert von ungefähr 39 °C bis knapp über die Umgebungstemperatur. Dadurch überleben sie ein bis zwei Wochen ohne Nahrung; unter 20 °C tritt in der Regel der Tod ein. Erwachsene können diesen Zustand nur begrenzt nutzen und etwa drei bis vier Tage ohne Nahrung überstehen.

Die jährliche Sterberate adulter Tiere wird auf 20 Prozent geschätzt. Ihre mittlere Lebenserwartung liegt bei 4,3 bis 6,2 Jahren, die flügger Jungvögel bei ungefähr 2,4 Jahren. Zehn Jahre sind nicht ungewöhnlich; durch Beringung wurden mehrfach mehr als 20 Jahre nachgewiesen.

Kommunikation, Feinde und Parasiten

Der typische Ruf ist ein hohes, schrilles „srieh srieh“, das selbst Verkehrslärm übertönen kann. Seine Frequenz liegt zwischen 4000 und 7000 Hertz. Am Brutplatz duettieren Paare mit „swii-rii“: Der hellere erste Teil stammt vom Weibchen, der tiefere zweite vom Männchen. Dies ist die beste Möglichkeit, die äußerlich gleich aussehenden Geschlechter zu unterscheiden. Zugleich hilft der Ruf anfliegenden Vögeln zu erkennen, ob eine Bruthöhle besetzt ist und welches Geschlecht der dortige Vogel hat.

Gegenüber fremden Artgenossen und anderen Höhlenbrütern verteidigen Mauersegler ihre Bruthöhlen heftig. Kämpfe mit Flügelschlägen und Schnabelhieben können mehr als 20 Minuten, manchmal zwei bis fünf Stunden dauern; dabei können Eier oder Junge aus dem Nest fallen. Bei größeren Greifvögeln bilden Mauersegler dagegen Schwärme, teilweise gemeinsam mit Schwalben, umkreisen und verfolgen den Angreifer.

Wichtige natürliche Feinde sind Baumfalke und Wanderfalke. Andere Greifvögel, Eulen und Hauskatzen erbeuten vor allem geschwächte oder bei schlechtem Wetter niedrig fliegende Tiere. In Bruthöhlen können Steinmarder und Wiesel gefährlich werden.

Ein spezialisierter Parasit ist die 6 bis 10 Millimeter große Mauerseglerlausfliege (Crataerina pallida), deren Lebenszyklus mit dem des Wirts abgestimmt ist. Sie saugt vor allem an Hals und Bauch Blut. Bei einem Nestling wurden bis zu 12, bei einem Altvogel bis zu 20 Tiere festgestellt. Ob sie die Sterblichkeit erhöhen, ist nicht bekannt. Auch der Einfluss anderer Parasiten wie Bandwürmer, Milben, Wanzen und Läuse bleibt unklar.

Bestand, Gefährdung und Schutz an Gebäuden

Der Mauersegler wurde 2021 auf die Vorwarnstufe der Roten Liste gesetzt. Für 1997 wurde der europäische Bestand grob auf 4,0 bis 4,9 Millionen Vögel und die weltweite Population auf ungefähr 25 Millionen Individuen geschätzt. Diese Zahlen sind veraltet und unsicher; eine Schätzung von BirdLife International für 2000 lag für Europa mehr als dreimal so hoch. Während für das 20. Jahrhundert noch eine Bestandszunahme angenommen wurde, wird im 21. Jahrhundert europaweit ein Rückgang festgestellt. In Großbritannien nahm die Brutpopulation zwischen 1995 und 2020 um bis zu 60 Prozent ab.

Als Ursachen gelten der Verlust von Nistplätzen durch Sanierungen und dicht geschlossene Neubauten, das Insektensterben, extreme Hitze in den Brutgebieten sowie Dürren und Unwetter in den afrikanischen Wintergebieten. Einzelne Beobachtungsaktionen liefern nicht immer eindeutige Bestandstrends: Die 2022 in Berlin gemeldete Verdopplung gegenüber dem Vorjahr kann teilweise auf erhöhte Aufmerksamkeit zurückgehen.

Bei Neubau und Sanierung lassen sich Nisthilfen einbauen. Traufbretter oder Dachkästen können Langlöcher von ungefähr 33 × 60 Millimetern erhalten; Bohrungen mit 50 Millimetern Durchmesser können auch Haussperlinge nutzen. Fertige Brutkästen lassen sich in Wände oder Dämmschichten integrieren. Die Vögel verschmutzen Fassaden im Gegensatz zu lehmnestbauenden Schwalben nicht wesentlich, und eine regelmäßige Reinigung der Bruthöhlen ist nicht erforderlich.

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