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Masdar City

Masdar City (arabisch مصدر , DMG Maṣdar ‚Quelle“ oder „Ursprung') ist ein Stadtbauprojekt in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Sein Kern ist eine …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Projekt und Entwicklungsstand
  2. 2. Nachhaltiges Stadtkonzept
  3. 3. Forschung und wirtschaftliche Ziele
  4. 4. Verkehrssystem
  5. 5. Baufortschritt und Kritik

Projekt und Entwicklungsstand

Masdar City ist ein Stadtbauprojekt im Emirat Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sein Kern ist eine als CO₂-neutral angekündigte Ökosiedlung, die zugleich als Forschungs-, Wirtschafts- und Demonstrationsstandort für nachhaltige Technologien dienen soll. Sie entsteht rund 30 Kilometer östlich der Hauptstadt Abu Dhabi, unmittelbar westlich des Abu Dhabi International Airport. Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) hat dort ihren Hauptsitz.

Das 2006 initiierte Projekt umfasst sechs Quadratkilometer und ist für 47.500 Einwohner sowie rund 1500 Unternehmen und Institute aus dem Ökologiebereich ausgelegt. Der Bau begann im Februar 2008. Ursprünglich war ein Erstbezug beziehungsweise die Fertigstellung für 2016 vorgesehen. Nach Unterbrechungen während der Weltfinanzkrise 2007–2008 und weiteren Verzögerungen wurde das Ziel mehrfach verschoben; 2016 wurde mit einer Fertigstellung bis 2030 gerechnet. Im März 2024 lebten rund 3000 Menschen in Masdar City.

Nachhaltiges Stadtkonzept

Masdar City soll vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Vorgesehen sind unter anderem ein eigenes Solarkraftwerk, Windkraftanlagen und solarbetriebene Meerwasserentsalzung. Der Energieaufwand pro Kopf soll nur 25 Prozent des heutigen Verbrauchs betragen. Konsequentes Recycling soll die Abfallmenge stark reduzieren; zugleich soll die Stadt ohne CO₂-Emissionen auskommen.

Frischluftkorridore und Parkanlagen sollen das Stadtgebiet durchziehen und die Temperatur gegenüber Abu Dhabi deutlich senken. Die eng stehenden, schattenspendenden Gebäude orientieren sich an traditionellen arabischen Siedlungen: Weil nur wenig direkte Sonne in die Gassen fällt, sinkt der Kühlbedarf. Modernisierte Windtürme sollen Luftbewegung zur Kühlung nutzen. Die niedrige Gassenbauweise ist außerdem als öffentlicher Raum für persönliche Begegnungen gedacht. Teile der teilweise organisch geformten Architektur wurden von Norman Foster entworfen; die Gesamtplanung stammt von Foster + Partners.

Kein Ort innerhalb der Stadt sollte mehr als 200 Meter von einer Haltestelle des öffentlichen Verkehrs entfernt liegen. Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen sollten ursprünglich außerhalb der Siedlung bleiben. Damit war Masdar auch als groß angelegtes Experiment geplant, das zeigen sollte, ob Menschen bereit sind, ihren Alltag an ökologische Anforderungen anzupassen.

Forschung und wirtschaftliche Ziele

Masdar City soll neue nachhaltige Verfahren nicht nur einsetzen, sondern auch als Forschungs- und Entwicklungsort hervorbringen. Das Masdar Institute of Science and Technology war als Hochschule vorgesehen, die sich ausschließlich mit ökologischer Nachhaltigkeit auf Grundlage erneuerbarer Energien beschäftigt. Erste Einrichtungen wurden seit 2009 bezogen; zum Semester 2010/2011 nahm das Institut 170 ausgewählte postgraduale Studierende auf. Ein Teil der Studierenden sollte in Masdar wohnen und durch Studienprogramme praktisch an Planung und Bau mitwirken. 2016 lebten dort 300 Studierende kostenlos, während weniger als 2000 Menschen auf dem Campus arbeiteten.

Unternehmen und Institute sollten während des Baus Erfahrungen mit nachhaltigen Systemen sammeln, neue technische Verfahren entwickeln und das gewonnene Wissen auf dem Weltmarkt anbieten. Genannt werden unter anderem das Massachusetts Institute of Technology, General Electric, Siemens, BP, Shell, Mitsubishi, Rolls-Royce, Total, BASF, die RWTH Aachen und Bosch Solar Energy. Die veranschlagten Projektkosten betrugen 22 Milliarden US-Dollar. 2019 wurde in Masdar City außerdem die Mohamed bin Zayed University of Artificial Intelligence (MBZUAI) gegründet.

Verkehrssystem

Der Verkehr sollte ursprünglich auf mehreren Ebenen organisiert und weitgehend autofrei sein. Auf dem „Podium Level“, den ebenerdigen Straßen, waren nur Fußgänger und Radfahrer vorgesehen. Darüber sollte eine Hochbahn, das Light Rail Transit (LRT), Masdar mit anderen Stadtteilen und dem Flughafen verbinden; unterhalb des innerstädtischen Verkehrs war zusätzlich eine Regionalbahn geplant.

Als Besonderheit wurde ein Personal-Rapid-Transit-Netz (PRT) der niederländischen Firma 2getthere erprobt. PRT bezeichnet elektrisch angetriebene, führerlose Kabinen, die Fahrgäste ohne festen Fahrplan zu einem selbst gewählten Ziel bringen. Seit August 2011 waren zehn Kabinen zwischen lediglich zwei Stationen im Einsatz. Sie bewegen sich auf bodengleichen Leitschwellen mit bis zu 40 km/h; auch ein eigener Frachttransport war vorgesehen.

Der geplante flächendeckende Ausbau wurde jedoch eingestellt. Das Netz blieb bei zwei Stationen und einer Gesamtlänge von 1,4 Kilometern. Seit 2018 wurden zudem Straßen und Tiefgaragen gebaut. Damit wurde das ursprüngliche Ziel einer vollständig autofreien Stadt deutlich eingeschränkt.

Baufortschritt und Kritik

Bis 2017 waren 13 Gebäude errichtet, was etwa 5 Prozent der vorgesehenen Baumaßnahmen entsprach. Deshalb gilt als unsicher, ob Masdar City jemals vollständig fertiggestellt wird. Geschäftsführer Sultan Ahmed Al Jaber hielt dennoch am Ziel einer Realisierung bis 2030 fest. Bereits entstanden ist eine Photovoltaikanlage mit 10 MW Leistung auf mehr als 22 Hektar. Zusammen mit 1-MW-Dachanlagen des Instituts erzeugt sie ungefähr 19,1 GWh Strom pro Jahr. Als weiteres Hindernis wurde fehlende Planungssicherheit genannt, weil Vereinbarungen unter der autokratischen Staatsführung von der Herrscherfamilie widerrufen werden könnten.

Kritik richtet sich außerdem gegen die Berechnung der CO₂-Neutralität. Nach dem vorgesehenen Clean Development Mechanism werden Masdars vermiedene Emissionen als „Certified Emissions Reductions“ zertifiziert und verkauft; Käufer dürfen entsprechende Mengen selbst ausstoßen. Als Einsparung zählt die Differenz zwischen Masdars tatsächlichen Emissionen und den geschätzten Emissionen einer hypothetischen, in der Region gewöhnlich gebauten Stadt. Kritiker halten diese Vergleichsrechnung für problematisch, weil die Vereinigten Arabischen Emirate 2007 mit 28,2 Tonnen CO₂ pro Person die weltweit zweithöchsten Pro-Kopf-Emissionen hatten. Dadurch kann Masdar trotz des Nachhaltigkeitsanspruchs weiterhin hohe Emissionen pro Einwohner verursachen.

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