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Marianne Zoff

Sie war von 1922 bis 1927 die erste Ehefrau von Bertolt Brecht und anschließend von 1928 bis zu dessen Tod 1978 mit Theo Lingen verheiratet. Marianne Zoff vor …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Herkunft
  2. 2. Ausbildung und Opernkarriere
  3. 3. Beziehung, Ehe und Scheidung mit Bertolt Brecht
  4. 4. Ehe mit Theo Lingen, Familie und spätere Jahre

Überblick und Herkunft

Marianne Josephine Zoff, auch Marianne Brecht, war eine österreichische Schauspielerin und Opernsängerin mit der Stimmlage Mezzosopran. Sie wurde am 30. Juni 1893 in Hainfeld geboren und starb am 22. November 1984 in Wien. Von 1922 bis 1927 war sie die erste Ehefrau Bertolt Brechts; von November 1928 bis zu dessen Tod 1978 war sie mit dem Schauspieler Theo Lingen verheiratet.

Zoff war die Tochter des österreichischen Offiziers und späteren Reichsbahn-Oberinspektors Otto Andreas Zoff und Zdenka Zoff, geborene Jellinek. Zu ihren Vorfahren gehörten laut Artikel „spanische Aristokraten und tschechische Juden“. Ihre Mutter stammte aus einer alten sephardischen Familie. Ihr Bruder war der Schriftsteller Otto Zoff.

Ausbildung und Opernkarriere

Nach dem Abitur nahm Marianne Zoff in Wien Schauspiel- und Gesangsunterricht. Dort sang sie zunächst kleinere Mezzopartien. Im September 1919 begann sie mit der Spielzeit 1919/20 als „Spezialsängerin“ am Stadttheater Augsburg. Ihr Debüt hatte sie Ende September 1919 als Zigeunermädchen Mercédès in Georges Bizets Carmen. Bis Ende 1919 sang sie unter anderem Lola in Cavalleria rusticana und Venus in Orpheus in der Unterwelt. Eine zeitgenössische Kritik berichtete außerdem, sie habe im November 1919 angeblich Martha in Wilhelm Kienzls Der Evangelimann gesungen.

Ende November 1919 übernahm sie vertretungsweise ihre erste Hauptrolle in Augsburg: die Titelpartie in Carmen unter der Leitung von Karl Tutein. Es ist möglich, dass Bertolt Brecht sie in dieser Rolle erstmals auf der Bühne sah. Nach ihrem, wenn auch bescheidenen, Erfolg als Carmen erhielt sie 1920 zahlreiche weitere Rollen, darunter Agnes in Die verkaufte Braut, Magdalena in Der Goldschmied von Toledo, Waltraute in Die Walküre, Gräfin Ceprano in Rigoletto, Siebel in Margarethe und Hänsel in Hänsel und Gretel.

Im Januar 1921 sang sie in Hoffmanns Erzählungen die Hosenrolle des Niklaus sowie die Zweite Dame in Mozarts Die Zauberflöte. Weitere Partien in Augsburg waren Flora Bervoix in La Traviata, Dorabella in Così fan tutte, Pepa in Tiefland und Emilia in Othello. Ihre letzte Vorstellung dort gab sie im Mai 1921 in Wagners Die Walküre. Mit dem Ende der Spielzeit 1920/21 endete auch ihr Engagement in Augsburg.

Bereits im April 1921 hatte sie ein Angebot von Intendant Carl Hagemann angenommen, ab August 1921 als Charaktersängerin am Nassauischen Landestheater Wiesbaden zu arbeiten. Ihre Antrittsrolle war Wellgunde in Das Rheingold. Im Oktober 1921 sang sie Kate Pinkerton in Madame Butterfly. Außerdem studierte sie Carmen und Octavian im Rosenkavalier ein. Im Dezember 1921 teilte Hagemann ihr jedoch mit, dass ihr Vertrag, der von August 1921 bis Januar 1922 lief, nicht verlängert werde.

Nach mehreren Jahren Familienpause kehrte Zoff im Juni 1925 für die Spielzeit 1925/26 an das Stadttheater Münster zurück. Dort wurde sie vor allem als Opern- und Operettensoubrette eingesetzt, also in komischen oder leichteren Gesangsrollen. Ihre erste Premiere war im September 1925 Echo in Ariadne auf Naxos und die Sängerin in Molières Der Bürger als Edelmann. Zu ihren weiteren Rollen gehörten Katharina in Der Widerspenstigen Zähmung, Bettina in Casanova, Lotte Nachtigall in Die beiden Nachtigallen und im Dezember 1925 Prinz Orlofsky in Die Fledermaus.

Beziehung, Ehe und Scheidung mit Bertolt Brecht

Seit 1917 war Marianne Zoff in einer losen Beziehung mit dem deutlich älteren, gut situierten Münchner Verleger und Geschäftsmann Oskar Camillus Recht. Sie ließ sich von ihm finanziell unterstützen. Ein Kind, das sie von Recht erwartete, ließ sie abtreiben.

Ende 1920, wahrscheinlich im Dezember, lernte sie am Stadttheater Augsburg Bertolt Brecht kennen. Nach einer Aufführung soll Brecht in ihre Garderobe gekommen sein, ihr Komplimente gemacht und sich als Liebhaber angeboten haben. Zoff begann eine Beziehung mit ihm, obwohl beide weiterhin andere Partner hatten: Zoff Oskar Camillus Recht und Brecht Paula Banholzer. Sie führte die Beziehungen zunächst parallel weiter. Anfang 1921 lehnte sie einen Heiratsantrag Rechts zunächst ab, wollte ihn Ende April aber heiraten. Zwischen Recht und Brecht kam es zu Auseinandersetzungen, Eifersuchtsszenen und Aussprachen. Ostern 1921 verprügelte Recht Zoff schwer, nachdem sie ihm erklärt hatte, dass sie die Beziehung zu Brecht nicht beendet habe.

1921 wurde Zoff erstmals von Brecht schwanger, verlor das Kind jedoch im Mai bei einem Abgang. Im Juni 1921 versöhnten sich Zoff und Brecht; anschließend verbrachten sie einen Liebesurlaub in München, Possenhofen und Tutzing am Starnberger See. Als Zoff 1922 erneut von Brecht schwanger wurde, heirateten beide am 3. November 1922 in München, damit das Kind nicht unehelich geboren wurde. Einer der Trauzeugen war Lion Feuchtwanger. Am 12. März 1923 wurde die Tochter Hanne Marianne in der gemeinsamen Münchner Wohnung in der Akademiestraße geboren. Auf Brechts Wunsch wurde sie in Starnberg katholisch getauft.

Die Ehe verschlechterte sich danach zunehmend. Im Sommer 1923 lernte Brecht Helene Weigel kennen, die Anfang 1924 von ihm schwanger wurde. Im Oktober 1923 drohte Brecht erstmals mit Scheidung, nahm die Drohung jedoch aus Angst zurück, Hanne zu verlieren.

Während Zoffs Engagement in Münster lernte sie Ende 1925 den dort beschäftigten, zehn Jahre jüngeren Schauspieler Theo Lingen kennen. Lingen kümmerte sich auch um Hanne. Als Brecht dies im Februar 1926 erfuhr, drohte er aus Eifersucht, alle finanziellen Zahlungen einzustellen. Er versuchte mehrfach, Hanne zu Zoffs Eltern nach Baden bei Wien bringen zu lassen, um sie Lingens Einfluss zu entziehen. Ende März 1926 drohte Zoff Brecht mit einer Klage, falls die Zahlungen ausblieben. Im April 1926 reichte Brecht die Scheidung ein. Sie wurde am 22. November 1927 vor dem Preußischen Landgericht III in Berlin-Charlottenburg ausgesprochen. Im September 1928 stellte das Landgericht fest, dass beide Parteien die Schuld an der Scheidung trügen.

Ehe mit Theo Lingen, Familie und spätere Jahre

Im November 1928 heiratete Marianne Zoff in zweiter Ehe Theo Lingen. Danach verwendete sie den Doppelnamen Lingen-Zoff; ihr bürgerlicher Ehename war wahrscheinlich Schmitz-Lingen. Hanne, Zoffs Tochter aus der Ehe mit Brecht, wuchs bei Zoff und Lingen auf und wurde später unter dem Ehenamen Hanne Hiob als Bühnendarstellerin erfolgreich. Im Juni 1935 stimmte Brecht ihrer Adoption durch Theo Lingen zu. Zoff und Lingen hatten außerdem die Tochter Ursula Lingen, die ebenfalls Schauspielerin wurde.

Zoff galt nach den damals geltenden nationalsozialistischen Rassengesetzen als „Halbjüdin“ beziehungsweise „Mischling 1. Grades“. Die Popularität Theo Lingens, der seit Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft hauptsächlich komische Rollen spielte, in denen Joseph Goebbels Gefallen fand, schützte Zoff und ihre Töchter Hanne und Ursula vor Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Nach Brechts Rückkehr aus dem Exil nahm er brieflich wieder Kontakt zu Marianne Zoff auf. Bis zu seinem Tod bestand gelegentlicher Briefkontakt, vor allem wegen Familien- und Erbangelegenheiten, etwa zur Erhaltung des väterlichen Landhauses in Utting am Ammersee für Hanne, sowie wegen Hilfsdiensten für gemeinsame Freunde.

Marianne Zoff wurde 91 Jahre alt. Sie ruht auf dem Wiener Zentralfriedhof neben Theo Lingen.

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