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Manuelles Schreiben
Manuelles Schreiben, fachsprachlich auch Chirografie, ist die Tätigkeit des Schreibens von Hand mit einem Schreibgerät, zum Beispiel einem Bleistift oder …
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Grundbegriff und Abgrenzung
Manuelles Schreiben, fachsprachlich Chirografie, ist das Schreiben von Hand mit einem Schreibgerät, etwa Bleistift oder Kugelschreiber. Das Ergebnis heißt besonders bei Büchern und Briefen Manuskript oder Handschrift. „Handschrift“ kann auch die für einen Menschen typische individuelle Schrift oder im übertragenen Sinn ein kennzeichnendes Merkmal seiner Arbeit meinen.
Zur Handschrift zählt alles, was nicht mit vorgefertigten Lettern gedruckt wird, also auch Schrift, die in Ton gedrückt, in Stein gemeißelt oder in Metall geritzt ist. Schreiben nutzt ähnliche Werkzeuge, Farbstoffe und Untergründe wie Zeichnen, unterscheidet sich aber durch eindeutige, im jeweiligen Schriftsystem vereinbarte Schriftzeichen. Es kommt in Alphabet-, Silben- und Wortschriften sowie deren Kombinationen vor und umfasst auch Zahlen, Musiknoten und Ähnliches. Im Unterschied zu Druck, Schreibmaschine oder Computer wird jedes Zeichen individuell gestaltet.
Entwicklung und Schreibgeräte
Manuelles Schreiben ist die älteste ursprüngliche Form des Schreibens; vor dem Buchdruck wurde Schrift von Hand geschrieben, geritzt, geschnitzt oder gemeißelt. Die Paläographie untersucht die ältesten erhaltenen Schriften. Als Beschreibstoffe dienten unter anderem Ton, Holz, Baumrinde, Blätter, Stein und Metall.
Im Alten Orient wurde Keilschrift mit einem Griffel in Tontafeln eingeritzt oder eingedrückt. Griechen, Römer und Etrusker schrieben mit Griffeln auf wiederverwendbaren Wachstafeln; mit der spachtelartigen Rückseite des römischen Stilus ließ sich die Schrift löschen. Aus der Antike stammen auch Pinsel aus Binsen oder Schreibrohre mit Tinte auf Papyrus oder Pergament. Daraus entwickelte sich im frühen Mittelalter der Federkiel, Ende des 18. Jahrhunderts die metallene Schreibfeder und später Füllfederhalter, Patronenfüllfederhalter, Kugelschreiber und Filzstifte.
Papier wurde zuerst im antiken China erfunden, verbreitete sich in der arabischen Welt und Indien, kam im 11. Jahrhundert nach Europa und wurde dort schließlich maschinell massenproduziert. Das Prinzip des Minenstifts mit gegossenem Blei war bereits in der Antike bekannt; im 16. Jahrhundert wurde Graphit als besseres Material entdeckt. In europäischen Schulen dienten lange Schiefergriffel und abwischbare Schiefertafeln, Lehrkräfte schrieben mit Tafelkreide auf löschbare Schultafeln.
Gegenwärtige Nutzung
Das Schilfrohr, der Qalam, blieb in arabischer und hebräischer Schrift bis in die Neuzeit gebräuchlich; in Ostasien wurde seit der Antike vor allem mit Schreibpinseln geschrieben. Im Alltag werden heute in praktisch allen Schriftkulturen überwiegend westliche Schreibgeräte verwendet. Traditionelle Geräte bleiben für Kalligrafie wichtig, weil moderne Geräte nicht dasselbe Schriftbild erzeugen können.
Schreibmaschine, Computer sowie E-Mail, Chat und Instant Messaging haben den Anteil handgeschriebener Schriftstücke verringert. Viel Schrift wird heute über Tastaturen, Bildschirmtastaturen oder teilweise Spracherkennung eingegeben. Weiterhin überwiegend handschriftlich entstehen Notizen, Post- und Glückwunschkarten sowie Texte auf Tafeln, Whiteboards und Flipcharts. Tablets werden zunehmend für handschriftliche Notizen und Mitschriften verwendet.
Druckschrift und Schreibschrift
Durch die starke Verwendung von Ligaturen, also Buchstabenverbindungen, entstanden in manchen Schriftkulturen Schreibschriften. Dabei muss das Schreibgerät seltener abgesetzt werden; Schreiben kann dadurch schneller und flüssiger sein. Da Buchstaben deutlich anders aussehen können als Druckbuchstaben, muss Schreibschrift teils wie ein eigenes Alphabet gelernt werden.
Im deutschen Sprachraum wurden früher deutsche Kurrentschrift sowie parallel Kurrent und lateinische Schreibschrift verwendet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist praktisch nur noch die lateinische Schreibschrift gebräuchlich. Viele Menschen nutzen eine individuelle Mischform aus lateinischer Schreibschrift und Druckbuchstaben. Formulare verlangen oft Druckbuchstaben, um die Leserlichkeit zu erhöhen.
Schreibhand und persönliche Schrift
Meist führt nur eine Hand das Schreibgerät; gewöhnlich ist dies die dominante Hand entsprechend der Händigkeit. Früher mussten Schulkinder unabhängig von ihrer Händigkeit mit der rechten Hand schreiben. In vielen Ländern wurde diese Praxis wieder aufgegeben.
Der Duktus ist der individuelle Schreibstil und kann Rückschlüsse auf den Schreiber ermöglichen. Die Graphologie versucht, aus Handschrift auf Eigenschaften der schreibenden Person zu schließen. Handschrift kann außerdem zur Identifizierung eines Schreibers dienen; daraus ergibt sich die juristische Bedeutung der Unterschrift. Schriftvergleichung ist eine Methode der Forensik.
Gesundheit und Schönschreiben
Manuelles Schreiben ist eine anspruchsvolle feinmotorische Tätigkeit. Überlastung kann einen Schreibkrampf verursachen; ein Tremor beim Schreiben kann Begleitsymptom unterschiedlicher Krankheiten sein. Dysgraphie bezeichnet Schwierigkeiten beim manuellen Schreiben trotz vorhandener Feinmotorik der Hand und Intellekt. Beim vollständigen Verlust der Schreibfähigkeit spricht man von Agrafie.
Im Schulfach Schönschreiben steht die gute Leserlichkeit eines Textes im Mittelpunkt. Kalligrafie bedeutet ebenfalls „Schönschreiben“, bezeichnet aber die ästhetisch anspruchsvolle Gestaltung handgeschriebener Schrift für Kunst oder Grafikdesign.