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Mansplaining
Der Begriff Mansplaining ist ein Kofferwort aus der englischen Sprache (man = Mann und explain[ing] = erklären) und bezeichnet Erklärungen, Interpretationen …
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Bedeutung und Kennzeichen
Mansplaining bezeichnet abwertend eine Erklärung, Interpretation oder Sprechweise eines Mannes, die herablassend oder bevormundend wirkt. Kennzeichnend ist die Annahme, der Mann wisse über ein Thema mehr als sein Gegenüber, meist eine Frau, obwohl deren Wissen oder Expertise größer sein kann.
Merriam-Webster beschreibt Mansplaining als herablassendes Sprechen eines Mannes über etwas, von dem er nur unvollständiges Wissen hat, während er fälschlich annimmt, mehr zu wissen als die angesprochene Person. Nach dem Cambridge Dictionary entsteht der Eindruck, das Gegenüber werde für dumm gehalten; besonders gemeint ist die Erklärung eines Mannes an eine Frau, die den Sachverhalt bereits versteht. Das Oxford English Dictionary betont die als herablassend oder bevormundend empfundene Art des Erklärens.
Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache definiert Mansplaining als unerwünschtes Erklären von Sachverhalten, bei dem ein Mann die Überzeugung ausdrückt, über größeres Wissen als die meist weiblichen Gesprächspartner zu verfügen. Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Erklärung liegt laut dem Artikel vor allem im Kontext, in Machtverhältnissen und in der Annahme von Überlegenheit oder Autorität. Mansplaining ignoriert typischerweise die Perspektive oder Expertise der Frau.
Anstoß und Verbreitung
Der Begriff ist ein englisches Kofferwort aus man („Mann“) und explain beziehungsweise splain („erklären“). Rebecca Solnits Essay „Men Explain Things to Me“ vom April 2008 war die wichtige Initialzündung für seine Verbreitung, verwendete das Wort Mansplaining jedoch selbst nicht. Daher ist es laut Artikel falsch, Solnit die Wortschöpfung zuzuschreiben; ihr Essay lieferte vor allem eine Beschreibung des gemeinten Verhaltens.
Solnit schildert eine Begegnung von 2003: Ein Gastgeber erklärte ihr ausführlich ein angeblich wichtiges neues Buch über Eadweard Muybridge, ohne abzuwarten, obwohl sie selbst dessen Autorin war. Er kannte das Buch späteren Erkenntnissen zufolge nur aus Rezensionen. Erst als ihre Freundin mehrfach darauf hinwies, dass es Solnits Buch sei, hörte er zu.
Solnit verband solche Situationen mit der Frage, ob Frauen Glaubwürdigkeit und Gehör erhalten. Sie betonte, viele Frauen kämpften sowohl für ein Thema als auch für das Recht, zu sprechen, als sachkundige Personen anerkannt zu werden und Wertschätzung zu erfahren. Zugleich stellte sie später klar, dass auch Frauen anderen, darunter Männern, herablassend Dinge erklären können. Das ändere jedoch nach ihrer Auffassung nichts an geschlechtlichen Machtgefällen und an Mustern des Geschlechterverhältnisses. Sie beschrieb ein Kontinuum von kleineren gesellschaftlichen Missständen bis zu gewaltsamem Zum-Schweigen-Bringen.
Der Ausdruck ist erstmals nachweislich am 21. Mai 2008 in Kommentaren auf dem LiveJournal-Blog Fandom_Wank belegt. Er wurde zunächst vor allem in feministischen Bloggerinnenszenen geprägt und verbreitet. 2009 erschien der erste Urban-Dictionary-Eintrag. 2010 führte die New York Times Mansplaining als eines ihrer Wörter des Jahres; ab 2012 verbreitete sich das Wort stärker in US-Medien und politischen Debatten.
Formen und Umgang im Alltag
Mansplaining kann vorkommen, wenn männliche Laien weiblichen Expertinnen deren Fachgebiet erklären. Es kann sich auch darin zeigen, dass eine zuständige Bundesministerin in einer politischen Auseinandersetzung als „weinerlich“ bezeichnet wird. Eine weitere Form ist die herablassende Reaktion auf Kritik an gesellschaftlich dominanten Normen, Diskursen oder Institutionen: Dann wird erklärt, warum der kritisierte Sachverhalt angeblich harmlos und unproblematisch sei.
Als zugrunde liegende Vorstellung nennen Kathrin Ganz und Anna-Katharina Meßmer ein androzentrisches Denken: Der Mann erscheine dabei als von Natur aus vernünftig, objektiv und allwissend und als Verkörperung des Allgemein-Menschlichen. Das Verhalten und die Abwehr des Begriffs seien meist nicht ausdrücklich antifeministisch, sondern implizit.
Als Reaktion auf die Benennung eines solchen Falls wird nach dem Artikel häufig „Nicht alle Männer sind so“ beziehungsweise „Not all men“ gesagt. Dieser Mechanismus kann strukturelle Probleme, sexistische Erfahrungen und männliche Privilegien relativieren, weil das kritisierte Verhalten zum Einzelfall erklärt wird. Dadurch kann die Aufmerksamkeit von der hierarchischen Geschlechterordnung abgelenkt werden.
Für den Umgang mit mansplainendem Verhalten werden im deutschsprachigen Internet unter anderem empfohlen: paternalistisches Verhalten klar benennen, aktiv Redezeit einfordern und durch Nachfragen prüfen, ob der Erklärende tatsächlich über vertieftes Wissen verfügt. Ein Gespräch kann auch beendet werden. Männern wird empfohlen, vor einer Erklärung zu überlegen, ob sie um Rat gebeten wurden und ob sie selbst ausreichend Bescheid wissen. Wissen sei nicht nach Geschlecht verteilt.
Einordnung in den Gender Studies
In den Gender Studies gilt Mansplaining als Wortschöpfung, die Geschlechterblindheit in der Kommunikation und hierarchische Geschlechterverhältnisse sichtbar machen soll. Der Begriff kann dazu dienen, Alltagssexismus und symbolische Gewalt zu benennen. Symbolische Gewalt meint hier Formen der Abwertung oder Machtausübung, die nicht körperlich sein müssen, aber soziale Ungleichheit stabilisieren können.
Sabine Hark und Paula-Irene Villa beschreiben ein alltagsweltliches Geschlechterwissen als doxisch, also als wirklich, wahr und nicht hinterfragbar geltend. Es kann sowohl die Vorstellung einer naturhaften, unveränderlichen Geschlechterdifferenz als auch den Mythos enthalten, Geschlechtergleichheit sei bereits erreicht. Die Benennung von Mansplaining kann dieses unbewusste und geschützte Geschlechterwissen infrage stellen.
Nach der Forschung verfolgen Männer beim Mansplaining nur selten absichtlich provokative Ziele. Als mögliche Ursache werden Sozialisation, Geschlechterrollen und ein spezifischer Geschlechtshabitus genannt. Trotzdem könne das Verhalten die Hierarchisierung des Wissens der Geschlechter stabilisieren und Menschen zum Schweigen bringen, die Machtverhältnisse ansprechen. Nicole Dular ordnet Mansplaining als Form epistemischer Ungerechtigkeit ein, also als Ungerechtigkeit beim Anerkennen von Wissen und Glaubwürdigkeit.
Stefan Hirschauer erklärte am 10. Dezember 2023, Mansplaining sei nicht wirklich wissenschaftlich belegt; es gebe vor allem Alltagsevidenzen für ermüdende Bevormundung durch Männer oder Statushöhere. Studien verknüpften jedoch herablassendes Erklären gegenüber sachkundigeren Personen mit der Neigung von Männern, sich zu überschätzen.
Kritik und sprachliche Verwendung
Kritisiert wird, dass herablassendes Erklären nicht zwingend vom Geschlecht des Sprechers abhänge. Einige Kommentatoren sehen eine Gefahr darin, dass ein inflationärer oder unangemessener Gebrauch die ursprüngliche Bedeutung verwässere und Männer stereotypisiere. Tom McLaughlin und Joshua Sealy-Harrington wandten 2014 ein, das Etikett Mansplaining könne als Ad-hominem-Argument genutzt werden, um eine sachliche Debatte zu verhindern; falsche Aussagen müssten inhaltlich widerlegt werden. Frankie Gaffney kritisierte ebenfalls die Stereotypisierung. Cathy Young sah den Begriff als Teil eines von sozialen Medien verstärkten Trends, männliches Verhalten besonders negativ auszulegen.
Auch Solnit meinte später, Mansplaining werde „ein bisschen inflationär angewandt“. Sie betonte zugleich, dass eine Debatte nötig sei, wie alle Menschen frei sein können. Stephen Marche argumentierte 2017, die Lösung könne nicht darin bestehen, Männer wieder zum weniger Sprechen anzuregen.
Im Deutschen wird gelegentlich „herrklären“ zur Erklärung des Begriffs verwendet, ist aber nicht gebräuchlich; in Solnits Essaysammlung steht „männerklären“. Häufiger ist die Bezeichnung „männlicher Chauvinismus“. Verwandte Wortbildungen sind Manspreading für breitbeiniges beziehungsweise raumgreifendes Sitzen, Manslamming für das Nichtausweichen und Anrempeln auf Gehwegen sowie Manterrupting für das häufige Unterbrechen oder Dominieren von Gesprächsbeiträgen von Frauen. Begriffe wie Whitesplaining und Straightsplaining übertragen die Idee des herablassenden Erklärens auf rassistische beziehungsweise LGBT-bezogene Erfahrungen.
Das Wort wurde in Wörterbücher aufgenommen, darunter 2014 in die Internet-Version der Oxford Dictionaries und im Januar 2018 in deren gedruckte Ausgabe. Das Macquarie Dictionary kürte Mansplaining 2014 in Australien zum Wort des Jahres. In Deutschland stand es auf der Auswahlliste für den Anglizismus des Jahres 2015.