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Liste historischer Weltkarten

Diese Liste historischer Weltkarten umfasst Karten aus der Zeit bis 1800, die den zum Zeitpunkt und am Ort ihres Entstehens bekannten Teil der Erdoberfläche …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Entwicklung
  2. 2. Grundlagen der antiken Kartografie
  3. 3. Mittelalterliche Weltbilder und Kartenformen
  4. 4. Amerika und neue Projektionsmethoden
  5. 5. Von Terra Australis zum unvollständigen Australien

Gegenstand und Entwicklung

Die Liste umfasst Weltkarten bis zum Jahr 1800. Aufgenommen sind Karten, die den zur jeweiligen Entstehungszeit und am jeweiligen Entstehungsort bekannten Teil der Erdoberfläche darstellen und dabei den Anspruch einer Weltkarte erheben. Sie dokumentieren deshalb nicht nur geografisches Wissen, sondern auch Wissenslücken, überlieferte Vorstellungen und unterschiedliche Arten, die kugelförmige Erde auf einer Fläche abzubilden.

Die ältesten bekannten Weltkarten stammen aus der Antike und beruhen zunächst auf dem Modell einer flachen Erde. Karten auf Grundlage einer kugelförmigen Erde entstanden erstmals in hellenistischer Zeit. Seit Ptolemäus konnten Kartografen durch die Kenntnis der ungefähren Erdgröße abschätzen, wie groß der bekannte Teil des Planeten war. Bekannte, aber noch unerforschte Gebiete wurden als „terra incognita“, also unbekanntes Land, bezeichnet.

Im Mittelalter entstanden neben schematischen christlichen Rad- oder TO-Karten auch Weltkarten der islamischen und ostasiatischen Kartografie. Das Zeitalter der Entdeckungen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert erweiterte das Kartenbild schrittweise um Amerika, Australien und zahlreiche Küsten. Zugleich wurden Projektionen, Koordinatennetze und Seekarten verbessert. Die Erforschung der Antarktis, des Inneren Afrikas und weiterer Teile Australiens durch westliche Kartografen erfolgte jedoch erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert und liegt damit außerhalb der Liste.

Grundlagen der antiken Kartografie

Zu den frühesten Beispielen gehören die Babylonische Weltkarte aus der Zeit 700–500 v. Chr. sowie Karten von Anaximander und Hekataios von Milet. Hekataios korrigierte und erweiterte Anaximanders Darstellung und verband sie mit Beschreibungen von Ländern und Bewohnern. Sein Werk ist nur in ungefähr 374 Fragmenten überliefert.

Eratosthenes (276–194 v. Chr.) bezog als erster Geograf Parallelen und Meridiane in seine Karten ein. Parallelen sind Linien gleicher geografischer Breite, Meridiane Linien gleicher geografischer Länge. Seine Karte verarbeitete auch Erkenntnisse aus den Feldzügen Alexanders des Großen und seiner Nachfolger. Strabons Weltkarten sind dagegen spätere Rekonstruktionen aus seinen schriftlichen Angaben.

Marinos von Tyros schuf um 120 n. Chr. wichtige Grundlagen der mathematischen Kartografie. Er entwickelte die gleichwinklige Projektion und ordnete jedem Ort erstmals eine eigene geografische Breite und Länge zu. Als Nullmeridian, also Ausgangslinie der Längenzählung, verwendete er den „Meridian der Glücklichen Inseln“, womit die Kanarischen oder Kapverdischen Inseln gemeint waren. Seine Karten gehörten zu den ersten römischen Weltkarten, auf denen China erschien.

Den Höhepunkt der antiken griechisch-römischen Entwicklung bildete die Weltkarte des Claudius Ptolemäus um 150 n. Chr. aus der „Geographike Hyphegesis“. Keine Originalkarte ist erhalten; die älteste erhaltene ptolemäische Weltkarte wurde um 1300 in Konstantinopel unter Maximos Planudes nach Ptolemäus’ erster Projektion neu gezeichnet. Ptolemäus blieb für die mittelalterliche und frühneuzeitliche Kartografie maßgebend.

Andere antike Karten dienten besonderen Zwecken oder vermittelten abweichende Weltbilder. Die Tabula Peutingeriana geht auf eine römische Straßenkarte zurück. Macrobius beschrieb im frühen 5. Jahrhundert eine kugelförmige Erde mit Klimazonen und einem irrtümlich angenommenen äquatorialen Ozean. Seine Schriften beeinflussten die mittelalterliche Kartografie besonders stark. Cosmas Indicopleustes stellte im 6. Jahrhundert dagegen eine rechteckige Landmasse inmitten des Weltozeans dar; im äußersten Osten lag das irdische Paradies, von dem vier Flüsse ausgingen.

Mittelalterliche Weltbilder und Kartenformen

Eine typische mittelalterliche Form war die TO-Karte. Bei Isidor von Sevilla um 636 bildet das T das Mittelmeer, das Asien, Europa und Afrika voneinander trennt; das O steht für den umgebenden Ozean. Meist liegt Osten oben, Jerusalem befindet sich im Zentrum und Asien nimmt ungefähr so viel Raum ein wie Europa und Afrika zusammen. Solche Karten waren qualitative, konzeptionelle Darstellungen des bewohnten Teils einer grundsätzlich kugelförmig gedachten Erde und keine maßstabgetreuen Vermessungskarten.

Mittelalterliche Weltkarten waren jedoch vielfältiger als dieses Schema. Die Mappa mundi d’Albi aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zeigt 23 Länder in einer nach unten geöffneten Hufeisenform. Islamische Karten konnten anders ausgerichtet sein: Die Weltkarte al-Istachrīs aus dem 10. Jahrhundert ist rund und nach Süden orientiert, besitzt aber weder Projektion noch Koordinatengitter. Ibn Hauqal setzte ebenfalls Süden nach oben. Al-Idrisis „Tabula Rogeriana“ von 1154 wurde für Roger II. von Sizilien in arabischer Sprache gezeichnet und erfasst ganz Eurasien sowie den nördlichen Teil Afrikas.

Die Karten verbanden geografisches Wissen häufig mit religiösen, historischen oder symbolischen Inhalten. Die Hereford-Karte um 1290 und die Ebstorfer Weltkarte um 1300 sind nach Osten ausgerichtete Radkarten mit Jerusalem im Mittelpunkt; die Ebstorfer Karte deutet die Welt außerdem als Leib Christi. Die Karte Zayn al-Din ibn al-Wardis von etwa 1349 erhebt ausdrücklich keinen Anspruch auf geografische Genauigkeit, sondern gibt einen systematischen Überblick über das damalige Wissen; Mekka und Medina liegen in ihrer Mitte.

Daneben existierten stärker praktische Darstellungen. Eine im 12. Jahrhundert entstandene Kopie der Tabula Peutingeriana ist eine 680 cm × 34 cm große Rollkarte des römischen Straßennetzes von Britannien bis Indien. Die Da Ming Hunyi Tu, nach 1389 in China geschaffen, misst 386 × 456 cm und ist auf 17,6 m² Seide gemalt. China liegt darin im Zentrum, während Europa klein und gestaucht am Rand erscheint; die afrikanische Küste ist aus der Perspektive des Indischen Ozeans dargestellt.

Im 15. Jahrhundert näherten sich Reiseberichte, Portolankarten und die wiederentdeckte ptolemäische Geografie einander an. Fra Mauros Weltkarte von 1459 ist nach Süden ausgerichtet. Martin Behaims „Erdapfel“ von 1491–1493 ist der älteste erhaltene Erdglobus. Amerika fehlt noch; dargestellt sind ein stark vergrößertes Eurasien, ein leerer Ozean zwischen Europa und Asien sowie überproportional große asiatische Inseln.

Amerika und neue Projektionsmethoden

Mit den europäischen Entdeckungsfahrten musste das überlieferte ptolemäische Weltbild an neue Küstenkenntnisse angepasst werden. Juan de la Cosas Karte von 1500 enthält die erste bekannte europäische kartografische Darstellung Amerikas. Martin Waldseemüllers „Universalis Cosmographia“ von 1507 zeigt die Welt nördlich von 30° südlicher Breite; Nordamerika erscheint sehr schmal und Australien fehlt. Francesco Rossellis Karte von 1508 ist die früheste erhaltene Weltkarte, welche die Erde in einer ovalen Projektion mit 360 Längen- und 180 Breitengraden darstellt. Sie verdeutlicht zugleich die damalige Schwierigkeit, neue Entdeckungen mit Ptolemäus zu vereinbaren: Mittelamerikanische Ortsnamen liegen bei Rosselli entsprechend der Auffassung von Kolumbus an der Küste Asiens.

Der Name Amerika setzte sich schrittweise durch. Gerhard Mercators „Orbis imago“ von 1538 bezeichnet erstmals beide Teile des Doppelkontinents als „America“. Bereits Peter Apian hatte 1520 den Namen für die Neue Welt übernommen und damit wahrscheinlich zu seiner Erhaltung beigetragen.

Auch die Kartenprojektionen wurden weiterentwickelt. Eine Projektion überträgt die gekrümmte Erdoberfläche nach bestimmten Regeln auf eine Ebene. Oronce Finé verwendete eine doppelherzförmige Projektion; auf seiner Weltkarte von 1531 erschien erstmals der Name „Terra australis“. Gemeint war ein hypothetischer großer Südkontinent, der als Gegengewicht zu den Landmassen der Nordhalbkugel gedacht wurde. Gerhard Mercators Karte „Nova et Aucta Orbis Terrae Descriptio ad Usum Navigantium“ von 1569 verwendete erstmals die winkeltreue Mercator-Projektion. Winkeltreue bedeutet, dass sich örtliche Winkel und damit die Richtungen von Kurslinien korrekt darstellen lassen. Mercators Erdglobus von 1541 zeigte zuvor als erster Globus Loxodromen, also Linien, die alle Meridiane im gleichen Winkel schneiden.

Viele Karten kombinierten neue Erkenntnisse weiterhin mit Fehlern oder erfundenen Gebieten. Auf Karten von Abraham Ortelius, Rumold Mercator und Petrus Plancius nahm Terra Australis große Teile der Südhalbkugel ein. Nordamerikas Westküste wurde häufig erfunden, Nordamerika teilweise mit Asien verbunden und Kalifornien später als Insel dargestellt. Einzelne Karten hielten außerdem mythische Inseln wie Thule, Frischlant oder Sankt Brendan fest.

Zunehmend wurden Entdeckungs- und Handelsrouten eingezeichnet. Die Weltkarte Domingo Teixeiras von 1573 zeigt die Grenze des Vertrags von Tordesillas sowie die portugiesische Route Vasco da Gamas und die spanische Route Fernão de Magalhães’. Jodocus Hondius stellte 1595 die Weltumsegelungen von Francis Drake und Thomas Cavendish dar. Das spanische „Padrón Real“ von 1527/1529 war eine geheime amtliche Meisterkarte und diente als Vorlage für die Karten spanischer Schiffe. Matteo Riccis pazifikzentrierte „Kūnyú Wànguó Quántú“ von 1602 verband europäische Kartografie mit einer für China bestimmten Weltdarstellung.

Von Terra Australis zum unvollständigen Australien

Seit dem 17. Jahrhundert verdrängten tatsächliche Entdeckungen rund um Australien allmählich den angenommenen Südkontinent Terra Australis. Der Kartenwandel verlief jedoch langsam. Eckebrechts und Walchs Weltkarte von 1630 zeigt noch Terra Australis anstelle der Antarktis und den Nordwesten Australiens als Teil Neuguineas. Peter Schenks Karte um 1700 verarbeitet dagegen bereits die niederländischen Entdeckungen am australischen Kontinent aus den Jahren 1616–1644.

Zahlreiche Karten des 17. und 18. Jahrhunderts nutzten zwei stereografisch dargestellte Hemisphären. Bei dieser Projektion wird die Kugel von einem Projektionspunkt aus auf eine Ebene übertragen. Oft kamen Polarkarten, Himmelskugeln, Ekliptik, Jahreszeiten, Elemente, Winde oder allegorische Figuren hinzu. Niederländische Kartografen wie Willem Janszoon Blaeu, die Familien Visscher und de Wit sowie Joan Blaeu prägten diese aufwendig ausgestatteten Weltkarten. Blaeus Karte von 1606/1608 wurde bis 1662 als Standardweltkarte seiner Atlanten verwendet.

Trotz wachsender Genauigkeit blieben große Lücken und Irrtümer bestehen. Karten um 1658 bis 1691 lassen meist Alaska, Westkanada, die Südostküste Australiens und die Antarktis aus oder ersetzen Letztere noch durch Terra Australis. Kalifornien erscheint mehrfach als Insel. Selbst Karten des 18. Jahrhunderts zeigen Australien, Neuguinea, Tasmanien und den Malaiischen Archipel unvollständig oder verbinden Landmassen fälschlich miteinander. Johann Baptist Homanns Weltkarte, erstmals 1707 in einem Atlas veröffentlicht, enthält keine Antarktis; Australien und Ozeanien sind ungenau und teilweise nicht vorhanden.

Im späteren 18. Jahrhundert wurden Mercator-Gesamtkarten und verschiedene Nullmeridiane verwendet, etwa die Längenzählung von Paris, Ferro oder London. Jacques-Nicolas Bellin veröffentlichte 1778 eine atlantikzentrierte Mercator-Karte mit Längen von Paris. Robert de Vaugondy verwendete im selben Jahr Ferro als Bezug, Rigobert Bonne 1780 wiederum Paris.

Samuel Dunns Weltkarte von 1794 entstand nach James Cooks Erkundungen in der Arktis und im pazifischen Nordwesten, sodass der allgemeine Umriss Nordamerikas bekannt war. Bemerkenswert ist, dass Dunn keine Antarktis einzeichnete: Frühere Darstellungen eines südlichen Kontinents, etwa bei Ortelius 1570 und auf einer Karte für Ostasien von 1602, waren spekulativ, weil die Existenz der Antarktis noch nicht bewiesen war. Karten von 1799 und 1800 zeigen ebenfalls keine Antarktis; Tasmanien wird weiterhin als Teil des australischen Festlands dargestellt. Damit endete der erfasste Zeitraum mit einem stark erweiterten, aber noch immer unvollständigen Weltbild.

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