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Lexikon der Antike
Das Lexikon der Antike ist eines der meistverbreiteten Lexika zur Klassischen Antike im deutschsprachigen Raum. Inhaltsverzeichnis. 1 Geschichte und …
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Bedeutung und Entstehung
Das Lexikon der Antike ist eines der meistverbreiteten deutschsprachigen Nachschlagewerke zur Klassischen Antike. Es entstand als eines der ersten Großprojekte des 1969 gegründeten Zentralinstituts für Alte Geschichte und Archäologie der Akademie der Wissenschaften der DDR.
Herausgegeben wurde das Werk vom Gräzisten Johannes Irmscher in Verbindung mit Renate Johne, die den größten Teil der redaktionellen Arbeit übernahm. Insgesamt wirkten 112 Autoren mit. Bis auf Hildegard Waldner-Boková kamen sie aus Akademien, Universitäten oder Museen der DDR. Damit vereinte das Projekt nahezu die gesamte altertumswissenschaftliche Fachkompetenz der DDR.
Inhalt und Aufbau
Das mehr als 700 Seiten umfassende Lexikon enthält mehrere Tausend überwiegend kurze Artikel. Hinzu kommen 600 Zeichnungen und 200 Abbildungen auf 54 Bildtafeln. Ein Anhang bietet genealogische Tafeln zur griechischen Mythologie und zu den römischen Herrscherdynastien sowie Listen der hellenistischen Regenten und der römischen Kaiser. Die Kurzbibliografie nennt hauptsächlich ältere Literatur und Werke von Autoren aus der DDR.
Das Werk behandelt die wichtigsten Bereiche der Altertumswissenschaften: Klassische Philologie, Alte Geschichte und Klassische Archäologie. Berücksichtigt werden außerdem Nachbar- und Hilfswissenschaften wie Epigraphik, also die Erforschung von Inschriften, Numismatik, die Münzkunde, Papyrologie, die Erforschung antiker Papyrustexte, sowie Rechtsgeschichte, Philosophie und Religionsgeschichte. Eine Besonderheit ist die Rezeptionsgeschichte, die untersucht, wie die Antike in späteren Zeiten aufgenommen und gedeutet wurde. Sie fehlt in vielen vergleichbaren Nachschlagewerken.
Randgebiete wie Altorientalistik, Vorderasiatische Archäologie, Ägyptologie, Ur- und Frühgeschichte und Keltologie werden dagegen nur begrenzt behandelt.
Auflagen und Verbreitung
Die erste Auflage erschien 1971. Bis 1990 veröffentlichte das Bibliographische Institut in Leipzig allein in der DDR zehn Auflagen. Seit 1974 erschienen beim westdeutschen Heyne Verlag mehrere Lizenzausgaben unter dem Titel Das grosse Lexikon der Antike. Weitere Ausgaben wurden vom Fourier-Verlag in Wiesbaden und in acht Auflagen vom Gondrom-Verlag in Bindlach veröffentlicht.
Das Lexikon wurde ins Estnische übersetzt; 1985 erschien im Tallinner Valgus-Verlag die zweite Auflage dieser Übersetzung unter dem Titel Antiigileksikon. Die bislang letzte gedruckte Ausgabe wurde 1994 als Taschenbuch bei Heyne veröffentlicht. Als elektronische Ressource erschien das Werk bei Directmedia Publishing als Band 18 der Digitalen Bibliothek und erlebte dort zwischen 1999 und 2004 drei Auflagen.
Wissenschaftliche Ausrichtung und Wirkung
Die Artikel orientieren sich an der marxistischen Lehre des historischen Materialismus. Dieser erklärt geschichtliche Entwicklungen vor allem anhand der materiellen Lebensbedingungen und gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse. Nach der Darstellung des Artikels sind die Beiträge jedoch im Allgemeinen nicht dogmatisch.
An verschiedenen Auflagen lässt sich erkennen, wie sich die Haltung der DDR-Althistorie zu ideologisch bedeutsamen Themen veränderte. Ein Beispiel ist der mehrfach überarbeitete Artikel zur Sklaverei. Dadurch ist das Lexikon nicht nur ein Nachschlagewerk über die Antike, sondern selbst ein historisches Dokument zur Wissenschaftsgeschichte der DDR.
Das Werk diente weiteren Lexika der Akademie der Wissenschaften der DDR als Vorbild, darunter dem Lexikon der Renaissance und dem Lexikon Alter Orient. Letzteres entstand allerdings nicht durch eine große Fachredaktion, sondern wurde von nur vier Fachautoren verfasst.