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Landwirtschaft in Entwicklungsländern

Die Landwirtschaft in Entwicklungsländern stellt meist einen der wichtigsten Wirtschaftszweige in den jeweiligen Ländern dar. Häufig liegt der Anteil der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundprobleme
  2. 2. Klima als Rahmenbedingung
  3. 3. Subsistenzwirtschaft und Exportproduktion
  4. 4. Oasenwirtschaft
  5. 5. Reformen und Förderung
  6. 6. Grüne Revolution

Bedeutung und Grundprobleme

Landwirtschaft in Entwicklungsländern ist meist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Ihr Anteil am nationalen Bruttoinlandsprodukt liegt häufig bei über 10 %, ohne die weiterverarbeitende Industrie mitzuzählen. In vielen Ländern arbeiten 60 bis 90 % der Bevölkerung im primären Wirtschaftssektor. Trotzdem ist die überlieferte Landwirtschaft oft wenig produktiv; viele Subsistenz-Bauern können sich nicht zuverlässig selbst versorgen.

Wichtige Ursachen für die Probleme ländlicher Räume sind Krieg und Bürgerkrieg, korrupte Verwaltungen, unzureichende Marktstrukturen und politische Vernachlässigung. Folgen können sehr geringe Deviseneinnahmen, Unterernährung, Hungersnöte, Abhängigkeit von Hilfslieferungen sowie ein niedriges Niveau von Bildung und Gesundheit sein. Als negatives Beispiel nennt der Artikel Simbabwe, wo eine zuvor funktionierende Landwirtschaft und der Anbau von Cash Crops auf Großfarmen von Regierungsseite systematisch zerstört worden seien.

Einige ehemalige Entwicklungsländer konnten diesen Kreislauf durch steigende landwirtschaftliche und industrielle Produktivität durchbrechen und Hungersnöte bekämpfen. Genannt werden die Volksrepublik China, Indien und besonders Brasilien. Brasilien entwickelte ein an das lokale Klima angepasstes „Agrobusiness“, unter anderem durch Einführung ausländischer Arten, Hybridisierung von Nutztierrassen, neue Zuckerrohr-, Soja- und Baumwollsorten, Aufwertung und Düngung von Böden, intensive Mechanisierung und Direktpflanzung. Solche Länder können ihre Interessen auch auf globalen Märkten und in der WTO gegenüber entwickelten Ländern vertreten.

Klima als Rahmenbedingung

Viele Entwicklungsländer liegen nicht wie die klassischen Industrienationen vor allem in der nördlichen gemäßigten Zone, sondern in den Tropen, Subtropen, mediterranen und monsunalen Klimazonen. Daraus entstand in politischen und wirtschaftlichen Gesprächen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern die Bezeichnung „Nord-Süd-Konflikt“.

Aufgrund ihrer geographischen Lage haben viele Entwicklungsländer große Anteile an Wüsten und Savannen. Solche ariden Räume, also sehr trockene Gebiete, eignen sich nur eingeschränkt für Landwirtschaft. Häufig ist Ackerbau dort nur mit Bewässerungstechnik möglich. Diese kann jedoch Versalzungserscheinungen verursachen und fruchtbare Gebiete dauerhaft schädigen.

Besonders betroffen sind die Länder der Sahelzone. Sie sind von Desertifikation bedroht, also der Ausbreitung wüstenähnlicher Bedingungen, gehören zu den ärmsten Ländern der Erde und werden regelmäßig von Hungersnöten heimgesucht.

Subsistenzwirtschaft und Exportproduktion

Eine in Entwicklungsländern weit verbreitete Form ist die Subsistenzwirtschaft. Sie bezeichnet traditionelle Wirtschaftsformen, die vor allem der Selbstversorgung dienen und keine Überschussproduktion anstreben. Zur Subsistenzwirtschaft können trotzdem lokaler Güteraustausch, Arbeitsteilung und die Koordination von Produktionsweisen gehören. Entscheidend ist, dass der Gebrauchswert der Produkte im Vordergrund steht, nicht ihr Tauschwert auf dem Markt. Ziel ist nicht Gewinnmaximierung, sondern der Erhalt von Einkommen und Auskommen.

Subsistenzlandwirtschaft wird meist von Klein- und Kleinstbetrieben innerhalb von Familien und Dorfgemeinschaften betrieben. Sie wird aus westlicher Sicht oft als wenig entwickelt oder „primitiv“ betrachtet, kann aber die Unabhängigkeit der Bauern sichern, soziales Wirtschaften stützen und den Naturhaushalt bewahren, sofern die ursprünglichen Rahmenbedingungen, besonders die Bevölkerungsdichte, weitgehend unverändert bleiben. Dann kann sie hohe Lebensqualität, nachhaltige Existenz und robuste soziale und kulturelle Identität ermöglichen.

Seit der Kolonialzeit wurden traditionelle Subsistenzsysteme jedoch vielerorts durch sozialen Wandel gestört: Bevölkerungsexplosion, Landflucht, veränderte Sozialstrukturen, neue politische Abhängigkeiten, Einführung von Geld- und Marktwirtschaft, neue Konsumwünsche und Übernutzung der Ressourcen. Dadurch arbeiten oft nur noch einige Familienmitglieder für den Eigenbedarf, während andere zeitweise anderen Erwerbsquellen nachgehen. Die Wirtschaftsweise kann sogar von Jahr zu Jahr wechseln, etwa zwischen Plantagenarbeit, Eigenbedarfsproduktion und reiner Marktproduktion.

In Entwicklungsländern stammen noch bis zu 50 % der Agrarproduktion aus Subsistenzproduktion. Das Spektrum Lexikon der Geographie von 2001 nennt für Lateinamerika 30–40 %, für Afrika über 50 %, zum Vergleich Deutschland 11 % und die USA 3 %. Zugleich sind bis zu 1,2 Milliarden Subsistenzler akut von Hunger und Armut betroffen, weshalb Subsistenzwirtschaft heute in vielen Fällen keine zukunftssichere Alternative mehr ist.

Der Subsistenzwirtschaft steht häufig die exportorientierte Produktion von Cash Crops gegenüber. Cash Crops sind Agrarprodukte, die vor allem für den Verkauf und damit zur Erzielung von Geldeinkommen angebaut werden. Sie können auf dem Binnenmarkt oder auf dem Weltmarkt verkauft werden. Typische Cash Crops sind Kakao, Baumwolle, Erdnüsse, Kaffee und Bananen.

Oasenwirtschaft

Oasenwirtschaft ist eine besondere Form der Landwirtschaft in Entwicklungsländern mit großem Wüstenanteil. Eine scharfe Definition von „Oase“ gibt es laut Artikel nicht, weil der Begriff sowohl fachsprachlich als auch umgangssprachlich verwendet wird. Typische Merkmale sind aber ein Inselcharakter in einem trockenen, weitgehend unbesiedelten Umland, nutzbares Wasser, ein eng begrenzter Bewuchs mit Kulturpflanzen, Bewässerung als Lebensgrundlage, die Dominanz der Dattelpalme und kompakte Siedlungen, sogenannte Qsar, die an die Bewässerungsflur anschließen.

Die traditionelle Oasenwirtschaft ist sehr intensiv. Kennzeichnend ist der „Stockwerkbau“ mit drei Ebenen: Unten wachsen Weizen, Gerste, Mais, Gemüse, Reis und Futterpflanzen. In der zweiten Ebene dominieren niedrige Baumkulturen wie Feigen und Granatäpfel. In der dritten Ebene stehen Dattelpalmen, deren Früchte als Nahrungsgrundlage und Exportgüter dienen. Zusätzlich werden Ölbäume, Granatäpfel und Aprikosenbäume angebaut. Das Wasser wird meist in offenen Kanälen nach einem strikt festgelegten Schema verteilt.

Früher waren Oasen Versorgungsstellen für Karawanen und Handelsplätze für Nomaden und Oasenbauern. Seit dem Ende der Kolonialzeit und dem Beginn der Erdöl- und Erdgasförderung verloren sie an Bedeutung; traditionelle Oasen sind heute selten. Ursachen für den Bedeutungsverlust sind natürliche Klimaveränderungen, sinkende Wasservorräte, das Ende des transsaharischen Karawanenverkehrs, Abwanderung, feudalistische Besitzstrukturen, Ernährungsengpässe, ineffiziente Bewässerungstechniken, hohe Arbeitsbelastung und die Sesshaftwerdung nomadischer Völker.

Einige nordafrikanische Oasen haben durch die Erschließung tiefer liegender Wasserreserven einen Strukturwandel erlebt. Dadurch wurden Landwirtschaft und Fremdenverkehr ausgeweitet. Die Produktion ist heute stärker marktorientiert; früher musste wegen der Lage meist Subsistenzwirtschaft betrieben werden, und nur die Dattel war ein wichtiges Exportgut. Auch die Siedlungen wurden größer und verlagerten sich an den Rand der Oasenflur. Der Tourismus verbesserte die sozioökonomische Situation, erhöhte aber auch die Nachfrage nach Trinkwasser. Dadurch sind die Wasserreserven stark bedroht, und Wasser fehlt in der Oasenwirtschaft.

Reformen und Förderung

Zu den Förderungsmaßnahmen für landwirtschaftlich geprägte Räume gehören Bodenreform, Erschließung neuer Landreserven und Bewirtschaftungsreform. Eine Bodenreform soll die Besitzverhältnisse verbessern. Typisch für viele Entwicklungsländer ist der Gegensatz zwischen wenigen Großgrundbesitzern, etwa mit Latifundien, und vielen landlosen Lohnarbeitern, Pächtern oder Kleinbetrieben, etwa Minifundien. Deren Produktion reicht oft nicht zur Selbstversorgung, was Landflucht begünstigt. Hohe Pachtabgaben führen zudem häufig zur Verschuldung der Pächter.

Bodenreform kann durch Neu- und Umverteilung von Bodeneigentum erfolgen, meist durch Enteignung von Großgrundbesitzern zugunsten von Kleinbauern und Landarbeitern. Produktionsgemeinschaften bis hin zur vollständigen Kollektivierung sollen größere Betriebseinheiten schaffen und moderne Produktionsmethoden ermöglichen. Auch ein verbessertes Pachtsystem kann helfen, etwa durch feste Verträge, den Übergang von Naturalpacht zu Geldpacht und die Abschaffung von Zwischen- und Unterpacht. Der Artikel betont aber, dass Landreform allein nicht ausreicht; viele Reformen, auch solche mit radikalen Enteignungen und sozialistisch-marxistischen Umgestaltungen, hatten nur geringen Erfolg.

Eine weitere Möglichkeit ist die Erschließung neuer Landreserven: Wald-, Grasland-, Moor- und Sumpfgebiete werden in Agrarland umgewandelt, oder Bewässerungsflächen in Trockengebieten werden vergrößert. Dabei können Staat oder Entwicklungsgesellschaften moderne Betriebsformen, Anbaumethoden und Vertriebssysteme fördern und an das jeweilige Land anpassen. Viele nicht erschlossene Reserven liegen jedoch in ökologisch labilen Zonen wie tropischem Regenwald, Feucht-, Trocken- und Dornsavannen oder Gebirgsregionen. Ihre Nutzung kann Erosion, Versalzung, Desertifikation, Bodendegradation und Klimaveränderungen verursachen.

Da neues Ackerland nur begrenzt erschlossen werden kann, ist auch die Intensivierung der Produktion wichtig. Dazu gehören mehr Bewässerungstechnik, Mineraldüngung, Pflanzenschutz sowie hochwertigeres Pflanzen- und Tiermaterial. Extensive Landwirtschaft, zum Beispiel Wanderfeldbau, soll in intensive Landwirtschaft mit dauerhafter Bodennutzung umgewandelt werden; außerdem sollen Fruchtfolgen eingeführt und verbessert werden. Im weiteren Sinn gehören auch die Neuorganisation von Markt- und Kreditwesen, die Förderung von Genossenschaften und die Umwandlung der Subsistenzwirtschaft in Marktproduktion dazu.

Grüne Revolution

Die „Grüne Revolution“ bezeichnet laut Artikel eine Reihe ertragssteigernder Innovationen seit den 60er Jahren. Der bereitgestellte Text bricht nach dieser Definition ab, daher werden keine weiteren Einzelmaßnahmen oder Beispiele genannt.

Lernvideos zu Landwirtschaft in Entwicklungsländern

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