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Landkreis Barnim
Der Landkreis Barnim (ˈbarnɪm) ist ein Landkreis im Bundesland Brandenburg. Er ist benannt nach dem Höhenzug und ehemaligen Kreis Barnim.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und Raum
Der Landkreis Barnim ist ein Landkreis in Brandenburg. Er ist nach dem Höhenzug und ehemaligen Kreis Barnim benannt; Kreisstadt und Verwaltungssitz ist Eberswalde. Seine Fläche beträgt 1.479,59 km². Am 31. Dezember 2025 lebten 194.885 Einwohnerinnen und Einwohner im Kreis, das entspricht 132 Einwohnern je km².
Barnim grenzt an die Landkreise Uckermark, Oberhavel und Märkisch-Oderland sowie an Berlin. Im Osten verläuft die deutsche Staatsgrenze zu Polen, zur Woiwodschaft Westpommern. Der Süden liegt auf der Barnimhochfläche, Eberswalde und das Umland im Eberswalder Urstromtal. Der Norden gehört zum Hügelland der Uckermark und im Nordwesten zur Waldlandschaft Schorfheide; ein kleiner östlicher Teil liegt im Tal der unteren Oder. 46,3 % der Fläche sind Wald, rund 5 % Wasserflächen.
Gemeinden und Kreisbildung
Der heutige Landkreis entstand durch die brandenburgische Kreisreform am 6. Dezember 1993. Er setzte sich aus den ehemaligen Kreisen Eberswalde ohne Bölkendorf und Bernau sowie aus Hohensaaten und Tiefensee aus dem ehemaligen Kreis Bad Freienwalde zusammen. Der Name knüpft an die bis 1952 bestehenden Kreise Niederbarnim und Oberbarnim an, deren Gebiete aber nur teilweise mit dem heutigen Kreisgebiet übereinstimmen. Hohensaaten wurde am 1. Januar 2009 als Stadtteil von Bad Freienwalde (Oder) dem Landkreis Märkisch-Oderland zugeordnet.
Der Kreis umfasst 25 Gemeinden: drei amtsfreie Städte, vier weitere amtsfreie Gemeinden und drei Ämter. Ein Amt ist ein Verwaltungsverbund mehrerer Gemeinden. Die größten Städte sind Bernau bei Berlin mit 44.706 und Eberswalde mit 41.867 Einwohnern (jeweils 31. Dezember 2025); Werneuchen hat 9.430 Einwohner. Die amtsfreien Gemeinden sind Ahrensfelde, Panketal, Schorfheide und Wandlitz. Die Ämter heißen Biesenthal-Barnim, Britz-Chorin-Oderberg und Joachimsthal (Schorfheide).
Seit 1993 gab es zahlreiche Eingliederungen und Zusammenschlüsse, etwa die Bildung von Panketal aus Schwanebeck und Zepernick am 26. Oktober 2003 sowie von Wandlitz aus neun Gemeinden am selben Tag. Ahrensfelde-Blumberg erhielt am 1. Oktober 2004 wieder den Namen Ahrensfelde.
Bevölkerung und Religion
Die Einwohnerzahl stieg langfristig von 149.143 im Jahr 1993 auf 194.885 im Jahr 2025. Wichtige Werte sind 170.288 Einwohner im Jahr 2000, 176.848 im Jahr 2010, 177.411 im Jahr 2015 und 187.343 im Jahr 2020. Die Angaben beziehen sich jeweils auf den 31. Dezember; ab 2011 beruhen sie auf dem Zensus 2011, ab 2022 auf dem Zensus 2022.
Nach Angaben für 2011 gehörten 12,7 % der Bevölkerung der evangelischen Kirche und 2,5 % der katholischen Kirche an. 84,8 % waren konfessionslos, einer anderen Religionsgemeinschaft verbunden oder machten keine Angabe.
Kreispolitik und Verwaltung
Der Kreistag ist die gewählte Vertretung des Landkreises. Er wird von einem Vorsitzenden geleitet, tritt mindestens alle drei Monate zusammen und bereitet Entscheidungen in acht Fachausschüssen vor. Diese befassen sich unter anderem mit Haushalt und Finanzen, Bauen und Wirtschaft, Umwelt und Abfallwirtschaft, Gesundheit und Soziales, Bildung und Kultur sowie Jugendhilfe.
Bei der Kreistagswahl vom 9. Juni 2024 lag die Wahlbeteiligung bei 67,9 %; 2019 hatte sie 58,0 % betragen. Von 56 Sitzen entfielen 14 auf die AfD, 10 auf die CDU, 7 auf BVB/Freie Wähler, je 6 auf SPD und Die Linke, 4 auf Bündnis 90/Die Grünen, je 2 auf Bauernverband Barnim und FDP sowie je 1 auf Die PARTEI, Bündnis Barnim, Bürgerfraktion Barnim, Ahrensfelder Wählergemeinschaft und Bündnis für Bernau.
Landrat ist seit 2018 Daniel Kurth (SPD), zuvor hatte Bodo Ihrke (SPD) das Amt von 1993 bis 2018. Kurth erhielt in der Stichwahl vom 6. Mai 2018 61,2 % der gültigen Stimmen, verfehlte wegen 18,7 % Wahlbeteiligung aber das Quorum von 15 % der Wahlberechtigten. Deshalb wählte ihn der Kreistag am 4. Juli 2018. Am 10. Mai 2026 wurde er mit 66,1 % der gültigen Stimmen bestätigt; die Amtszeit beträgt acht Jahre.
Kreistag und Kreisverwaltung sitzen im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde. Im Kreis befinden sich außerdem Brandenburgisches Bodenschutzamt, Untere Wasserbehörde und Untere Abfallwirtschaftsbehörde als Ansprechpartner des Landesumweltministeriums für Wasser, Wald und Grünland. Das am 17. Oktober 1995 genehmigte Wappen ist geviert von Silber und Rot und zeigt oben einen wachsenden, golden bewehrten Adler in verwechselten Farben mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln.
Wirtschaft und Verkehr
Die Wirtschaft stützt sich auf Landwirtschaft, produzierendes Gewerbe einschließlich Handwerk, Touristik und Dienstleistungen sowie Energie und Gesundheit. Ende 2005 gab es 6.668 landwirtschaftliche Betriebe unterschiedlicher Größe. Eberswalde ist einer von 15 Regionalen Wachstumskernen Brandenburgs, in denen ausgewählte zukunftsorientierte Branchen gefördert werden. Im Zukunftsatlas 2016 lag Barnim auf Rang 312 von 402 deutschen Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten und galt als Region mit „Zukunftsrisiken“. 2019 verbesserte sich der Kreis auf Rang 251; Chancen und Risiken wurden als ausgeglichen bewertet.
Wichtige Straßenverbindungen sind die Autobahnen A 10 (Berliner Ring) und A 11 von Berlin nach Stettin. Hinzu kommen die Bundesstraßen B 2, B 109, B 158, B 167, B 168, B 198 und B 273. Das Rückgrat des öffentlichen Personenverkehrs bilden die Bahnlinie Berlin–Stettin/Stralsund über Eberswalde und Angermünde, die Wriezener Bahn, die Heidekrautbahn und regionale Busunternehmen. Für den Güterverkehr sind die Bahnverbindungen und der Oder-Havel-Kanal bedeutsam.
Die Kfz-Kennzeichen sind BAR seit dem 1. Januar 1994 sowie BER für Bernau und EW für Eberswalde seit dem 19. März 2013.
Umwelt und Klimaschutz
Seit August 2008 verfolgt der Landkreis auf Grundlage eines Kreistagsbeschlusses eine Null-Emissions-Strategie. Ziel war, Klimaschutzvorgaben von EU und Bund bereits 2011 zu erfüllen; das Modellvorhaben wurde durch die Klimaschutzinitiative des Bundes gefördert. Nach dem Artikel wurden 2011 bereits die Klimaschutzziele der Bundesregierung für 2020 erreicht.
Der I. Klimaplan Barnim 2025–35 soll die bisherigen Ergebnisse auswerten, die Energieversorgung und die Verringerung von Treibhausgasen neu ausrichten sowie Ziele für die Anpassung an die Klimaerwärmung festlegen. Dazu gehören die Bilanzierung der kreisweit entstehenden Treibhausgase sowie die Untersuchung, wie stark Bevölkerung und Region von Folgen der Erwärmung betroffen und verwundbar sind.
Das Paul-Wunderlich-Haus erhielt 2008 das goldene Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB). Seine Erfahrungen führten zu einem an DGNB-Kriterien ausgerichteten Leitfaden für Neubau und Bauerneuerung; seit Anfang 2009 beziehen alle kreislichen Liegenschaften Ökostrom. Schulmodule zu erneuerbaren Energien, Klima- und Umweltschutz sollen diese Themen in den Unterricht einbinden. Genannt werden Solar-, Biogas- und Biomasseanlagen, das geplante Energiedorf Brodowin, eine öffentliche Stromtankstelle und ein Elektrofahrzeug im Fuhrpark. Im Kreis gab es im Februar 2017 31 ausgewiesene Naturschutzgebiete.