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La Source (Ballett)

La Source („die Quelle“) oder Naïla die Quellenfee ist ein fantastisches Ballett von Arthur Saint-Léon über ein Libretto von Charles Nuitter, das 1866 in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Grundidee
  2. 2. Musik und ihre Besonderheiten
  3. 3. Handlung: Quelle, Liebe und Palast
  4. 4. Handlung: Opfer der Quellenfee
  5. 5. Aufführungen und spätere Fassungen

Werk und Grundidee

La Source („die Quelle“), auch Naïla die Quellenfee genannt, ist ein fantastisches Ballett von Arthur Saint-Léon. Das Libretto schrieb Charles Nuitter; die Musik stammt gemeinschaftlich von Ludwig Minkus und Léo Delibes. Das Werk verbindet zwei typische Themen des Balletts im 19. Jahrhundert: Naturgeister und eine exotisch-orientalische Welt. Die märchenhafte Handlung beruht auf einer persischen Legende.

Das Ballett wurde im Auftrag von Emile Perrin, dem Leiter der Pariser Opéra, geschaffen. Die Uraufführung fand am 12. November 1866 in der Salle Le Peletier in Paris statt. Guglielmina Salvioni tanzte die Quellnymphe Naïla, Eugénie Fiocre die Nouredda und Louis Mérante den Djémil. Ursprünglich war Adèle Grantzow für die Titelrolle vorgesehen, musste aber wegen einer Verletzung absagen. Später hatte sie in dieser Rolle großen Erfolg.

Das Werk war erfolgreich und wurde bis 1876 insgesamt 73-mal aufgeführt. 1875 wurde es außerdem zur Eröffnung der neu erbauten Opéra Garnier sowie bei einem Staatsbesuch des damaligen Schahs von Persien gezeigt.

Musik und ihre Besonderheiten

Bei La Source waren von Anfang an zwei Komponisten vorgesehen. Ludwig Minkus hatte bereits mit dem Choreografen Saint-Léon in Russland zusammengearbeitet. Der junge Léo Delibes war wahrscheinlich durch seine Ballettmusik zu Meyerbeers letzter Oper L’Africaine von 1865 empfohlen worden.

Die Aufgaben waren zwischen den Komponisten geteilt: Minkus schrieb die Musik zur ersten und zur letzten Szene, Delibes vertonte die beiden mittleren Szenen 2 und 3. Dadurch treffen zwei deutlich unterschiedliche Stile aufeinander. Minkus’ Musik ist sehr melodisch und ausdrucksvoll, wirkt duftig, schwermütig und melancholisch und zeigt auch russische Einflüsse. Delibes’ Musik ist frischer und rhythmischer, komplexer orchestriert und durch einen französischen, teilweise vor-impressionistischen Klangsinn geprägt. Der stilistische Gegensatz wurde bereits nach der Premiere als passend zu den unterschiedlichen Teilen des Balletts beschrieben.

Für Delibes bedeutete seine Mitarbeit den Durchbruch. Sie führte zu seiner nächsten Zusammenarbeit mit Saint-Léon und Nuitter bei Coppélia (1870). Besonders bekannt ist der sogenannte „Naïla-Walzer“ (Valse de Naïla). Delibes baute ihn 1867 zum berühmten Pas des fleurs für eine Wiederaufführung von Adolphe Adams Le Corsaire aus. Allerdings soll die Valse de Naïla gar nicht in La Source verwendet worden sein. Auszüge aus Delibes’ Musik erschienen später wiederholt in Sammelprogrammen. Eine Gesamtaufnahme der ursprünglichen Partitur lag bis zum Stand 2020 nur unter der Leitung von Richard Bonynge vor.

Handlung: Quelle, Liebe und Palast

Naïla ist eine Quellnymphe, also ein weiblicher Naturgeist, der mit einer Quelle verbunden ist. Sie lebt in einer unberührten Gebirgslandschaft im Kaukasus, umgeben von Naturgeistern, Schmetterlingen, Blumen und anderen Erscheinungen der Natur.

Die böse Zigeunerin Morgab will Naïlas Quelle vergiften. Djémil hindert sie daran und beobachtet anschließend eine vorbeiziehende Karawane. Zu ihr gehören Nouredda, ihr Bruder und ein großes Gefolge. Nouredda reist als Braut zum Khan von Ghendidjib. Sie entdeckt eine wunderschöne Blume auf einem gefährlichen Felsvorsprung. Niemand wagt es, die Blume zu holen, doch Djémil klettert hinauf und bringt sie ihr.

Als Belohnung verlangt Djémil nur, Noureddas Gesicht sehen zu dürfen. Er lüftet jedoch eigenmächtig ihren Schleier. Noureddas Bruder ist darüber so empört, dass er Djémil fesseln und in der Wildnis zurücklassen lässt. Die Quelle und Naïla befreien Djémil. Die Nymphe erfüllt ihm außerdem einen Wunsch. Djémil wünscht sich, Nouredda wiederzusehen.

Im Palast des Khans befindet sich Nouredda im Harem. Andere Frauen unterhalten sie mit Tänzen. Djémil erscheint verkleidet und fordert Nouredda auf, sich aus einer Truhe ein Geschenk auszusuchen. Sie sieht darin die oder eine wunderschöne Blume, die sie aus den Bergen kennt. Djémil erklärt, dass es eine Zauberblume sei und er sie ihr nicht geben dürfe. Er wirft die Blume in einen Berg Laub; daraufhin erscheint Naïla.

Der Khan ist von der Quellnymphe so beeindruckt, dass er sie heiraten möchte. Naïla stimmt nur unter der Bedingung zu, seine einzige Ehefrau zu sein. Der Khan akzeptiert. Nouredda muss den Palast gemeinsam mit Morgab verlassen.

Handlung: Opfer der Quellenfee

Im Zelt der Morgab werden Nouredda und Morgab von Djémil überrascht. Djémil macht Nouredda Vorwürfe, weil sie seine Liebe nicht erwidert. In einer Vision erscheint die traurige Naïla. Danach kommen Noureddas Bruder und seine Männer hinzu. Sie wollen Djémil und Nouredda voneinander trennen. Die Zauberblume lässt die Männer jedoch erstarren, sodass das Paar fliehen kann.

In der letzten Szene geht es Naïla sehr schlecht. Sie ist unglücklich, und ihre Quelle steht kurz vor dem Versiegen. Naïla lässt Djémil und Nouredda erscheinen und erklärt Djémil, dass Nouredda ihn nicht wirklich liebe. Djémil ist davon nicht überrascht. Er sagt, Naïla besitze mit ihrer Zauberblume die Macht, Noureddas Liebe zu verändern.

Naïla antwortet, dass sie dafür selbst sterben müsse. Am Ende opfert sich die Quellnymphe für Djémils Glück. Die Originalhandlung wird in seltenen moderneren Produktionen häufig verändert.

Aufführungen und spätere Fassungen

La Source wurde 1869 erstmals in Sankt Petersburg aufgeführt, dort in Saint-Léons Choreografie und unter dem Titel Le Lys („die Lilie“). 1876 brachte der italienische Ballettmeister Cesare Marzagora das Werk in Mailand als La Sorgente heraus. In Wien erschien es 1878 unter dem Titel Naïla die Quellenfee.

In Russland blieb das Ballett länger im Repertoire. Vaslav Nijinsky hatte 1907 seinen ersten großen Auftritt als Solist des kaiserlichen Mariinski-Theaters in La Source, mit Julia Sedova als Partnerin. Agrippina Vaganova debütierte 1911 als Ballerina in der Rolle der Naïla. 1925 brachte sie das vollständige Ballett in einer neuen Fassung als Choreografin auf die Bühne.

George Balanchine schuf 1968 ein eigenes Ballett namens La Source für Violette Verdy und John Prinz. Er verwendete nur wenige Ausschnitte aus Delibes’ Partitur, besonders die Valse de Naïla, und ergänzte sie durch einen Pas de deux aus Delibes’ Sylvia (1876). Diese Fassung dauert knapp eine halbe Stunde, gehört weiterhin zum Repertoire des New York City Ballet und hat inhaltlich nichts mit Saint-Léons Original zu tun.

Nach langer Vergessenheit erarbeitete Jean-Guillaume Bart 2011 eine neue Version für die Opéra National de Paris. Die Kostüme entwarf Christian Lacroix, das Bühnenbild mit von oben herabhängenden Stricken Eric Ruf. Bart verband klassische und neuere Elemente, kürzte die pantomimischen Szenen und veränderte Handlung und Partitur. Minkus’ Musik wurde gekürzt; zusätzlich verwendete man Musik von Delibes aus späteren Werken wie Lakmé und Kassya (1893). Marc-Olivier Dupin orchestrierte die Musik neu. Von dieser Fassung existiert ein Film mit Ludmila Pagliero als Naïla, Karl Paquette als Djémil und Isabelle Ciaravola als Nouredda.

Eine Gesamtaufnahme erschien 1987–88 mit dem Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden, unter Richard Bonynge. Sie wurde bei Decca als Teil der CD-Box Delibes: The Three Ballets – Coppélia, Sylvia, La Source veröffentlicht. 2019 nahm das Royal Scottish National Orchestra unter Neeme Järvi bei Chandos nur einige Auszüge von Delibes aus La Source auf.

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