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Komm, Heiliger Geist, Herre Gott
Komm, Heiliger Geist, Herre Gott ist ein Kirchenlied für Pfingsten. Die erste Strophe stammt aus dem 15. Jahrhundert und ist eine Übersetzung der Antiphon …
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Bedeutung und Entstehung
„Komm, Heiliger Geist, Herre Gott“ ist ein Kirchenlied für Pfingsten, also das christliche Fest des Heiligen Geistes. Die erste Strophe stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie übersetzt die Pfingstantiphon „Veni Sancte Spiritus, reple tuorum corda fidelium“ und ist zusammen mit der heute üblichen Melodie um 1480 im Kloster Ebersberg nachgewiesen.
Martin Luther ergänzte zwei Strophen. Das dreistrophige Lied erschien 1524 erstmals in Wittenberg in Johann Walters „Eyn geystlich Gesangk Buchleyn“ und im selben Jahr im „Erfurter Enchiridion“. Es wurde zum Hauptlied für Pfingsten in deutschsprachigen lutherischen Kirchen. Im Evangelischen Gesangbuch trägt es die Nummer 125.
Inhalt und Aufbau der Strophen
Die ältere erste Strophe hält sich eng an die lateinische Vorlage zur Pfingstvesper. Mit den Bildern Feuer beziehungsweise „Brunst“, Sprachen beziehungsweise „Zungen“ und Einheit des Glaubens nimmt sie die Pfingsterzählung aus Apostelgeschichte 2,1–13 EU auf: Menschen aus aller Welt werden zum Glauben versammelt und loben Gott.
Luthers zweite und dritte Strophe beziehen sich unter anderem auf Gal 4,6 LUT, Mt 23,8–10 LUT und Röm 8,26 LUT. Die zweite Strophe nennt den Heiligen Geist „heiliges Licht“ und bittet um das „Wort des Lebens“, rechte Gotteserkenntnis und Schutz vor „fremder Lehr“. Luthers reformatorisches Anliegen zeigt sich darin, dass Jesus als einziger Meister und als Gegenstand des Glaubens und Vertrauens erscheint. Die dritte Strophe nennt den Geist „heilige Glut, süßer Trost“ und bittet um Standhaftigkeit im Dienst, Hilfe gegen Trübsal und Kraft im Ringen durch Tod und Leben.
Jede Strophe besteht aus neun Zeilen. Sie beginnt mit einer Anrede an den Heiligen Geist, enthält in der Mitte den Ruf „O Herr“ und schließt mit einem doppelten „Halleluja“. Luther übernahm diese Form aus der älteren ersten Strophe. Der Originaltext hat noch unregelmäßige Hebungen und Senkungen; er folgt also nicht der „Opitzschen Regel“. Die heutige Fassung gleicht dies an einigen Stellen aus.
Melodie und musikalische Bearbeitungen
Die anonyme Melodie wurde aus der Fassung von 1480 übernommen. Sie ähnelt der Melodie von „Adesto, sancte spiritus“ von Marchetus de Padua (ca. 1270). Als Cantus firmus, also als festgelegte Liedmelodie innerhalb eines mehrstimmigen Satzes, wurde sie vielfach verarbeitet.
Frühe mehrstimmige Sätze schrieben Heinrich Faber, Johann Walter, Arnold von Bruck und Samuel Scheidt. Johann Eccard komponierte eine fünfstimmige Motette; Heinrich Schütz schrieb das Geistliche Konzert SWV 417 innerhalb der „Symphnoniae sacrae III“. Eine vierstimmige Orgelbearbeitung steht bereits im „Tabulaturbuch“ von Leonhard Kleber von 1524.
Für Orgel entstanden unter anderem zwei Choralvorspiele von Dieterich Buxtehude, BuxWV 199 und 200, sowie Bearbeitungen von Heinrich Scheidemann, Nicolaus Hasse, Andreas Nicolaus Vetter, Georg Friedrich Kauffmann, Johann Gottfried Walther und Johann Ludwig Krebs. Johann Sebastian Bach nahm zwei Choralvorspiele in die „Achtzehn Choräle“ auf: „Fantasia super Komm, Heiliger Geist, canto fermo in Pedale“, BWV 651, und „Komm, Heiliger Geist, alio modo a 2 Clav. e Pedale“, BWV 652.
Bach verwendete die Melodie auch in Vokalwerken: als instrumental gespielten Cantus firmus im Duett seiner ersten Pfingstkantate „Erschallet, ihr Lieder, erklinget, ihr Saiten!“ (BWV 172, 1714), mit der ersten Strophe in Satz 3 der Pfingstkantate „Wer mich liebet, der wird mein Wort halten“ (BWV 59, 1723 oder 1724) und mit der dritten Strophe als Schlusschoral der Begräbnismotette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ (1729). Weitere Beispiele sind eine Messe von Georg Philipp Telemann für fünf Stimmen und Basso continuo sowie Motetten von Moritz Hauptmann, August Eduard Grell, Arnold Mendelssohn (1921), Hans Humpert (1932) und Rudolf Petzold (1957).
Übersetzungen
Eine dänische Übersetzung „Kom Helligaand herre Gud...“ von Claus Mortensen erschien im Gesangbuch Rostock 1529 als Nr. 31. Sie wurde in Ludwig Dietz’ „Salmebog“ von 1536 und Hans Tausens „En Ny Psalmebog“ von 1553 übernommen. Frederik Hammerich bearbeitete sie 1843 und 1850. Die Fassung „Kom, Helligånd, Gud Herre from, med miskundhed og nåde kom…“ steht in „Den Danske Salmebog“ von 1953 als Nr. 259 und im aktuellen dänischen Gesangbuch von 2003 als Nr. 301.
Eine schwedische Übersetzung entstand 1567. Für 1695 ist die Fassung „Kom Helge Ande Herre Gudh, upfyll medh tine nåde godh…“ genannt; Johan Olof Wallin bearbeitete sie 1816. Catherine Winkworth übersetzte das Lied 1855 ins Englische als „Come, Holy Ghost, God and Lord…“.