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Kohäsion (Linguistik)
Die Kohäsion oder Textkohäsion ist ein Begriff aus der Textlinguistik und bezeichnet den formalen Zusammenhalt eines gesprochenen oder geschriebenen Textes, …
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Begriff und Funktion
Kohäsion oder Textkohäsion bezeichnet in der Textlinguistik den formalen Zusammenhalt eines gesprochenen oder geschriebenen Textes. Dieser Zusammenhalt wird durch äußerlich erkennbare sprachliche Markierungen hergestellt, zum Beispiel durch bestimmte Tempusformen, Pronomen oder Deiktika.
Kohäsion ist von Textkohärenz zu unterscheiden. Kohärenz bezeichnet im engeren Sinn den inhaltlichen beziehungsweise semantischen Zusammenhang zwischen Sätzen. In einem weiteren Sprachgebrauch kann „Kohärenz“ auch als Oberbegriff für Kohäsion und den semantischen Zusammenhang verwendet werden.
Nach Halliday und Hasan ist Kohäsion eine textkonstitutive, also textbildende, semantische Relation. Sie sorgt dafür, dass Sätze syntaktisch zusammenhängen oder als zusammenhängend verstanden werden. Dadurch unterscheidet sich ein kohäsiver Text von einer grammatisch oder interaktiv zusammenhanglosen Folge von Sätzen oder Wörtern.
Verknüpfung und Wiederaufnahme
Kohäsion entsteht durch verschiedene Kohäsionsmittel:
- Konnektive: Konjunktionen und Pronominaladverbien verbinden Sätze oder andere Textelemente. Sie gelten als besonders typische Kohäsionsmittel. Beispiele sind „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ und „Heute ist Freitag. Darüber freue ich mich.“
- Rekurrenz: Ein bereits eingeführtes Lexem, also eine sprachliche Einheit beziehungsweise ein Wort, wird im weiteren Text erneut verwendet: „Morgen kommt der Nikolaus. Vor dem Nikolaus hab ich Angst.“
- Partielle Rekurrenz: Nicht das ganze Wort, sondern ein Wortbestandteil, genauer ein lexikalisches Morphem, wird wiederaufgegriffen. Dies geschieht meist durch Ableitung oder Zusammensetzung. Beispiele aus dem Artikel sind „Zusammenhang“, „zusammenhängend“ und „zusammenhanglosen“.
- Substitution: Verschiedene Wörter verweisen auf dasselbe Referenzobjekt. Dazu gehören Synonyme, Metaphern sowie Ober- und Unterbegriffe, also Hyperonyme und Hyponyme. Beispiel: „Mohammed VI verliert an Popularität. Der junge König hat viele Erwartungen enttäuscht.“
Pro-Formen und Deixis
Pro-Formen sind Pronomen, Adverbien oder Pronominaladverbien, die auf ein Bezugselement im sprachlichen Kontext verweisen. In „Mein Vater sitzt im Gefängnis. Er ist sehr einsam“ verweist „Er“ auf „mein Vater“.
Die Textdeixis bezeichnet die Bezugnahme auf Wissen, das zuvor im Text eingeführt wurde. Ein typischer Fall ist der bestimmte Artikel, der auf ein Bezugselement verweist, das vorher mit einem unbestimmten Artikel eingeführt wurde. Im Beispiel „Kommt ein Mann mit einem Frosch auf dem Kopf zum Arzt. Sagt der Frosch: Herr Doktor, ich glaube, ich habe mir was eingetreten!“ wird der Frosch anschließend mit dem bestimmten Artikel bezeichnet.
Die Vorwissensdeixis verweist dagegen auf textexternes Weltwissen, das für das Verständnis vorausgesetzt wird. In „Der Papst bestellt ein Bier“ setzt der bestimmte Artikel bei „der Papst“ voraus, dass dem Leser aufgrund seines Weltwissens bekannt sein sollte, wer oder was damit bezeichnet wird.
Die Situationsdeixis stellt einen Bezug zur konkreten Situation her, in die ein Text eingebettet ist. Dazu können Pro-Formen und bestimmte Artikel gehören. Das Beispiel „Wir treffen uns morgen hier“ verweist mit „wir“, „morgen“ und „hier“ auf die jeweilige Gesprächs- oder Handlungssituation.
Zeit, Auslassung und Selbstverweise
Die Verwendung des Tempus, also der Zeitform, kann die zeitliche Abfolge von Ereignissen anzeigen. Im Satz „Als der Hurrikan das Festland erreichte, hatte man bereits alles evakuiert“ macht die Tempusverwendung deutlich, dass die Evakuierung vor dem Erreichen des Festlands abgeschlossen war.
Bei einer Ellipse wird der Textverweis durch eine Leerstelle erzeugt. Ein Teil des Satzes wird ausgelassen, kann aber aus dem vorhergehenden Text erschlossen werden: Auf „Ich will nach Hause“ folgt „Ich _ auch _.“
Bei der expliziten Textverknüpfung oder Metakommunikation verweist der Text ausdrücklich auf vorangehende oder folgende Textstellen und spricht damit über sich selbst. Typische Ausdrücke sind „siehe oben“, „im Folgenden“ und „wie erwähnt“.