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Textualität

Unter Textualität versteht man in der Textlinguistik die Eigenschaft, ein Text zu sein. Verschiedene Kriterien der Textualität unterscheiden also Texte von …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundidee
  2. 2. Zwei Sichtweisen auf Texte
  3. 3. Sieben Kriterien der Textualität
  4. 4. Regulative Prinzipien

Begriff und Grundidee

Textualität bezeichnet in der Textlinguistik die Eigenschaft, ein Text zu sein. Textualitätskriterien sollen daher Texte von sogenannten „Nicht-Texten“ unterscheiden. Eine einheitliche, in der Sprachwissenschaft allgemein anerkannte Definition von „Text“ gibt es bislang jedoch nicht.

Im alltäglichen Sprachgebrauch werden sprachliche Äußerungen ebenfalls nur dann als Texte bezeichnet, wenn sie bestimmte Kriterien erfüllen. Als grobe Definition gilt: Ein Text ist eine abgeschlossene, schriftliche oder potentiell schreibbare sprachliche Äußerung. Er besteht aus mehreren vollständigen oder unvollständigen Sätzen, die sowohl inhaltlich als auch formal zusammenhängen.

Zwei Sichtweisen auf Texte

Die sprachsystematische Betrachtung zielt auf eine Textgrammatik. Sie versteht den Text als komplexes sprachliches Zeichen und untersucht seine sprachliche Struktur über einzelne Sätze hinaus. Im Mittelpunkt stehen also die Beziehungen zwischen den Teilen eines Textes.

Kommunikationsorientierte Ansätze beziehen zusätzlich textexterne Faktoren ein: Einflüsse aus der Kommunikationssituation, in der ein Text entsteht oder verwendet wird. Sie können deshalb Eigenschaften erklären, die sich nicht allein aus einzelnen Textteilen ableiten lassen. Auf Grundlage der Sprechakttheorie wird ein Text hierbei als sprachliche Handlung aufgefasst, die einen bestimmten Zweck erfüllen soll.

Klaus Brinker beschreibt eine Entwicklung der Linguistik: Von einer sprachsystematisch ausgerichteten Textlinguistik, die sich auf strukturalistische Linguistik und generative Transformationsgrammatik bezieht, verlagerte sich die Orientierung hin zu einer kommunikationsorientierten Textlinguistik mit pragmatischen Zugängen.

Sieben Kriterien der Textualität

Viele Textdefinitionen und Diskussionen über den Textbegriff beruhen auf den 1981 von Robert-Alain de Beaugrande und Wolfgang U. Dressler formulierten Kriterien. Sie definieren einen Text als „kommunikative Okkurrenz (…), die sieben Kriterien der Textualität erfüllt. Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text als nicht kommunikativ. Daher werden nicht-kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt.“ (De Beaugrande / Dressler, 1981, S. 3.)

Die sieben textkonstitutiven Prinzipien sind:

  • Textkohäsion: der formale, sprachliche Zusammenhang der Textteile.
  • Textkohärenz: der inhaltliche Sinnzusammenhang.
  • Intentionalität: die Absicht des Textproduzenten.
  • Akzeptabilität: die Annahme beziehungsweise Akzeptanz des Textes durch den Adressaten.
  • Informativität: der Informationsgehalt des Textes.
  • Situationalität: die Beziehung des Textes zur jeweiligen Kommunikationssituation.
  • Intertextualität: die Beziehung eines Textes zu anderen Texten.

Heinz Vater kritisiert diese Definition. Sie lege nahe, dass sich Texte anhand der sieben Merkmale scharf von Nicht-Texten abgrenzen ließen; das sei äußerst problematisch. So könne Kohäsion in manchen Texten ohne Weiteres fehlen. Auch die anderen Kriterien seien, mit Ausnahme der Kohärenz, häufig verzichtbar.

Regulative Prinzipien

Neben den sieben textkonstitutiven Prinzipien nennen de Beaugrande und Dressler drei regulative Prinzipien:

  • Effizienz: Ein Text ist umso effizienter, je weniger Aufwand seine Produktion und Verarbeitung durch den Adressaten kosten. Er ist dann besonders „benutzerfreundlich“.
  • Effektivität: Ein Text ist effektiv, wenn er beim Adressaten den gewünschten Eindruck hinterlässt oder günstige Voraussetzungen für das Ziel schafft, das der Textproduzent und möglicherweise auch der Adressat verfolgt.
  • Angemessenheit: Ein Text ist angemessen, wenn er den Textualitätskriterien genügt und Verarbeitungstiefe sowie Verarbeitungsleichtigkeit in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Angemessenheit beschreibt damit das Zusammenspiel von Effektivität, Effizienz und Anpassung an die gegebene Kommunikationssituation.

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