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Kialo

Kialo ist eine Online-Debattenplattform mit Argumentenkarten in Baumstruktur. Das kollaborative Argumentationstool kann für ein besseres Verständnis …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip und Aufbau der Debatten
  2. 2. Funktionen zur Orientierung und Bearbeitung
  3. 3. Umfang, Betrieb und Zugang
  4. 4. Einsatz im Unterricht
  5. 5. Genannte Grenzen der Plattform

Grundprinzip und Aufbau der Debatten

Kialo ist eine Online-Debattenplattform für strukturierte Argumentation. Sie stellt Argumente als Baum dar, damit unterschiedliche Standpunkte nachvollziehbar verglichen und Gruppenentscheidungen vorbereitet werden können. Die Wurzel eines solchen Argumentationsbaums ist eine Hauptthese oder Frage; auch mehrere Thesen, etwa verschiedene politische Handlungsoptionen oder Hypothesen, können den Ausgangspunkt bilden.

Unter jeder Behauptung stehen zwei Spalten: Pro für unterstützende und Kontra für widerlegende oder abwertende Argumente. Registrierte Nutzer können Argumente ergänzen und bewerten, wie stark diese die Gewichtung oder Gültigkeit der übergeordneten Behauptung beeinflussen. Diese Bewertung heißt auf der Plattform „Impact“. Argumente werden nach ihrem Bewertungsdurchschnitt sortiert; dadurch sollen die stärksten Argumente oben erscheinen.

Ein einzelnes Argument darf höchstens 500 Zeichen lang sein und kann auf externe Quellen verweisen. Die hierarchische Baumform soll es ermöglichen, Argumente auf jeder Ebene zu prüfen: Man kann etwa verfolgen, welche Gründe eine Entscheidung besonders beeinflusst haben. Neue Teilnehmer können den bisherigen Verlauf lesen und ihren Beitrag an der passenden Stelle einordnen. Kialo bezeichnet sich als weltweit größte Website für Argumentationsmapping und strukturierte Debatten.

Funktionen zur Orientierung und Bearbeitung

Behauptungen können auf verwandte Debatten verweisen oder Ausschnitte daraus enthalten. Im Diskussions-Tab einer Behauptung können Nutzer Änderungsvorschläge machen, zum Beispiel zur Genauigkeit, zu Quellen oder zum Umfang. Sie können außerdem vorschlagen, ein Argument in einen anderen Zweig zu verschieben oder zu kopieren, eine Behauptung zu archivieren sowie Belege oder Klarstellungen anzufordern.

Für große und komplexe Debatten gibt es eine interaktive Sunburst-Visualisierung und eine Suchfunktion. Jede Debatte hat zudem ein Chatfenster. Wenn ein Kontra-Argument mehrere Pro-Argumente betrifft, können Nutzer es mit Unterstützung von Moderatoren an den passenden Stellen verknüpfen. Das soll doppelte Inhalte vermeiden und verdeutlichen, welche Argumente aufeinander reagieren. Zu den Gamification-Elementen gehört eine Funktion, mit der Nutzer für Beiträge danken können.

Mit „Perspektiven“ lassen sich die Impact-Bewertungen von Befürwortern und Gegnern einer These, Moderatoren oder einzelnen Teilnehmern anzeigen. Die Argumente werden dann entsprechend den Bewertungen dieser Gruppe oder Person sortiert. In Kialo Edu können Lehrkräfte dabei Stimmen einer ganzen Klasse, einzelner Personen oder von Befürwortern beziehungsweise Gegnern einer These betrachten. Nutzer können außerdem über das gesamte Debattenthema und über einzelne Behauptungen abstimmen. Die Abstimmung ist in Debatten mit aktivierter Abstimmung möglich oder mithilfe eines Abstimmungsassistenten, der durch die Zweige führt.

Umfang, Betrieb und Zugang

Ein Bericht aus dem Jahr 2018 nannte mehr als 10.000 Debatten in verschiedenen Sprachen; Kialo bietet auch private Debatten an. Nach Angaben der Website gab es im Juli 2023 mehr als 18.000 öffentliche Debatten, über eine Million Stimmen und mehr als 720.000 Behauptungen beziehungsweise Argumente. Debatten sind über die interne Suche und über bis zu sechs Tags je Debatte auffindbar; sie können als CSV-Dateien exportiert werden. Preprint-Studien erfassten öffentliche Debatten zu über 1400 Themen mit über 130.000 Stellungnahmen (Stand: Oktober 2019). Bis zum 26. Juni 2020 wurden 1628 Debatten zu über 1120 Kategorien und 124.312 Einzelaussagen erfasst.

Betreiber ist Kialo Inc. Die Website wurde im August 2017 von Errikos Pitsos gegründet; das Unternehmen hat Sitze in Brooklyn und Berlin. Das gewinnorientierte Unternehmen wurde 2011 gegründet. Pitsos begann 2012 mit der Entwicklung des Konzepts und beschrieb 2014 Einzelheiten des Systems. 2018 erklärte er, Einnahmen durch das Angebot der Plattform als Beratungs- und Entscheidungshilfe für Unternehmen erzielen zu wollen. Für die Öffentlichkeit sowie für den Bildungsbereich ist die Nutzung kostenlos. Laut Website war Kialo.com 2023 nicht umsatzgenerierend, werbefrei und verkaufte keine Nutzerdaten weiter.

Einsatz im Unterricht

Lehrkräfte und Professoren, auch an weiterführenden Schulen sowie unter anderem an den Universitäten Harvard und Princeton, nutzen oder nutzten Kialo für Unterrichtsdiskussionen. Mögliche Ziele sind kritisches Denken, Argumentieren, die Vertiefung bereits behandelter Inhalte, Fern- und E-Learning, das Aufklären von Fehlannahmen sowie das Lehren logischer Fehlschlüsse, rationaler Argumentation und Medienkompetenz. Die Plattform kann auch dazu anregen, vor einem Online-Beitrag ausreichend zu reflektieren oder zu recherchieren.

Kialo Edu ist speziell für den Klassenraum vorgesehen. Dort können Debatten privat bleiben und auf eingeladene Schülerinnen und Schüler beschränkt werden. Lehrkräfte können Rückmeldung zu Ideen, Argumentationsstruktur und Recherchequalität geben; Mitschüler können Argumente bewerten. Anonyme Diskussionen sind möglich und können bei kontroversen Themen oder zum Schutz der Privatsphäre hilfreich sein. Wenn Schülerinnen und Schüler Behauptungen mit Belegen untermauern, kann dies digitale Kompetenz und Recherchekompetenz fördern. Die Plattform kann außerdem helfen, Gedanken für Aufsätze oder Projekte zu ordnen. Weitere mögliche Anwendungsfelder werden etwa in der wissenschaftlichen Kommunikation gesehen.

Genannte Grenzen der Plattform

Zum Stand 2025 sind Debatten auf der öffentlichen Seite kaum noch aktiv. Ein Preprint kritisiert, Kialo habe seine Argumentationsstruktur für Skalierbarkeit so stark vereinfacht, dass wenig Flexibilität bleibe. Zudem seien die Daten nicht wiederverwendbar und die Plattform nicht Open Source, was eine breite Anwendung zwischen Wissenschaft und Politik erschwere.

Studien bewerten die Funktionen aktueller Systeme einschließlich Kialo für die „Synthese von Argumenten“ als unzureichend. Bemängelt wird auch, dass Nutzer im Wesentlichen zustimmen oder ablehnen könnten, statt konkrete Alternativen, Kompromisse, Ausnahmen, Geltungsbereiche oder Einschränkungen differenziert festzuhalten. Die Glaubwürdigkeit der Hauptthese könne bewertet werden, diese Bewertung sei aber meist kurz und werde selten überarbeitet.

Weitere genannte Probleme betreffen Moderation und Darstellung: Moderatoren können beeinflussen, welche Argumente zugelassen oder wie sie im Baum positioniert werden. Eine falsche unterstützende Behauptung kann auf einer höheren Ebene sichtbar bleiben, während ihre Widerlegung erst weiter unten steht. Außerdem ist es bei der Impact-Abstimmung nicht nötig, untergeordnete Argumente zu lesen; die Abstimmung kann jedoch deaktiviert werden.

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