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Katalanische Musik des 20. Jahrhunderts

Für die Musik im 20. Jahrhundert und die Neue Musik in Katalonien und Barcelona waren der deutschsprachige und der französische Musikkulturbereich die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernidee und Bedeutung
  2. 2. Avantgarde am Jahrhundertanfang
  3. 3. Barcelona vor dem Bürgerkrieg
  4. 4. Bruch durch den Bürgerkrieg
  5. 5. Neue Wege nach 1950
  6. 6. Katalonien als Musikregion

Kernidee und Bedeutung

Die katalanische Musik des 20. Jahrhunderts entstand unter starken sozialen, ästhetischen und politischen Umbrüchen. Besonders prägend war der Spanische Bürgerkrieg, der Musiker verschiedener Generationen sehr unterschiedlich traf: Einige gingen ins Exil oder in die innere Emigration, andere versuchten nach dem Krieg, das öffentliche Musikleben wieder aufzubauen.

Für die Neue Musik in Katalonien und besonders in Barcelona waren vor allem zwei europäische Referenzräume wichtig: der deutschsprachige Musikkulturbereich, besonders Wien, und der französische Musikkulturbereich, besonders Paris. Barcelona entwickelte musikalisch einen „dritten Weg“ zwischen diesen beiden Zentren.

Avantgarde am Jahrhundertanfang

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wirkte der Geist der Avantgarde stark auf die Musik. Ein wichtiger Impuls kam von der Zweiten Wiener Schule um Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern. Ihre ästhetischen und harmonischen Ideen waren mit dem neuen Zwölf-Ton-System verbunden. Die Zwölf-Ton-Technik ist eine Kompositionsweise, bei der die zwölf Töne der chromatischen Skala nach bestimmten Ordnungen verwendet werden.

Robert Gerhard führte dieses neue musikalische Paradigma in die katalanische Musikkultur ein. Er war Schüler von Enric Granados und Felip Pedrell. Pedrell brachte die modernistischen Musiker Kataloniens um 1920 besonders mit der internationalen Avantgarde in Kontakt.

Gerhard gehörte zu einer Gruppe von Komponisten, die den postromantischen Stil überwinden und den Weg zu einer Neuen Musik gehen wollten. Dazu zählten Manuel Blancafort, Ricard Lamote de Grignon, Joan Gibert i Camins, Agustí Grau, Baltasar Samper, Eduard Toldrà und Frederic Mompou. Ab 1931 organisierten sie sich in der Gruppe Compositors Independents de Catalunya.

Barcelona vor dem Bürgerkrieg

Arnold Schönberg besuchte Robert Gerhard 1931 und 1932 zweimal in Barcelona. Diese Besuche waren wichtig, weil sie die katalanische Musikkultur eng mit einer europäischen Musikkultur verbanden, die selbst neue und unabhängige künstlerische Wege suchte.

Diese Verbindung wurde 1936 in Barcelona besonders sichtbar: beim 14. Festival der Internationalen Gesellschaft für zeitgenössische Musik (SIMC) und bei der Gründung der International Society of Musicology. Die Tagungen wurden von Hermann Scherchen geleitet. Dabei wurde Alban Bergs Violinstück Dem Andenken eines Engels uraufgeführt.

Auch die Sängerin Conxita Badia sowie der Cellist und Dirigent Pau Casals unterstützten das Projekt Neue Musik aktiv. Durch diese Ereignisse rückte Barcelona an die Seite der europäischen Musikkapitalen.

Bruch durch den Bürgerkrieg

Der Spanische Bürgerkrieg beendete Robert Gerhards musikalischen Traum. Gerhard wurde als Anhänger einer katalanischen und Gegner einer „wahren“ spanischen Musikkultur stigmatisiert. Er ging Mitte der 1930er Jahre zunächst nach Paris und später nach Oxford ins Exil. Auch andere Musiker wie Jaume Pahissa sowie Joan und Ricard de Lamote de Grignon mussten ins Exil oder in die innere Emigration.

Nach dem Bürgerkrieg befand sich Katalonien kulturell in einer schwierigen Lage. Eduard Toldrà spielte eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau des öffentlichen Musiklebens. Er wurde Leiter des Orquestra Municipal de Barcelona, aus dem später das heutige Symphonieorchester Barcelonas und das katalanische Nationalorchester hervorgingen.

Toldrà verband die musikalische Sensibilität der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Werken wie der Oper El giravolt de maig („Mai-Wirbel“) und dem Streichquartett Vistes al mar („Meerblick“). Diese Werke griffen auch französische Traditionslinien der Neuen Musik auf. Manuel Blancafort tat dies in seiner Cantata a la Verge Maria („Kantate für die Jungfrau Maria“), Frederic Mompou in Música callada („Stille Musik“); beide bezogen sich auf Gabriel Fauré und Claude Debussy.

Neue Wege nach 1950

Etwas entfernt von der Generation Toldrà, Blancafort und Mompou standen Joaquim Homs (1906–2003) und Xavier Montsalvatge. Beide wurden als Komponisten der „Verlorenen Generation“ bezeichnet, konnten aber ein eigenes musikalisches Erbe schaffen. Dieses Erbe verband künstlerische Unabhängigkeit mit dem Bewusstsein für Tradition.

Homs war Schüler von Robert Gerhard und wirkte auch als Violoncellist. Er hinterließ ein breites Werk in vielen musikalischen Gattungen, das den Forderungen der Zwölf-Ton-Technik entsprach. Montsalvatge nutzte in seinen Kompositionen ausdrücklich Mittel von Maurice Ravel und Igor Stravinsky, um eine expressionistische Atonalität zu erzeugen, ohne seine „mediterrane Leuchtkraft“ aufzugeben. Als Musikkritiker in Medien wie Destino und La Vanguardia hatte er zudem eine besondere Perspektive auf das katalanische Musikleben. Zu seinen genannten Werken gehören Cinco canciones negras („Fünf schwarze Gesänge“) und das Concerto breve per a piano, das Alicia de Larrocha gewidmet ist.

Anfang der 1950er Jahre trat eine neue Komponistengeneration hervor. Xavier Benguerel (* 1931) kehrte 1954 nach Barcelona zurück, nachdem seine Familie Katalonien nach Francos Sieg im Bürgerkrieg verlassen musste. Er gehörte wie Joan Guinjoan und Josep Soler zur Generació de 51. Alle bezogen sich auf Cristòfor Taltabull als Lehrer und Vorbild. Taltabull bildete eine Brücke zwischen den Ansätzen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und den Künstlern, die ab 1960 Ziele einer Neuen Musik verfolgten. Guinjoan war wie Benguerel Schüler Taltabulls; seine Ästhetik war stark von Bartók und Strawinsky beeinflusst, nahm aber auch deutliche Elemente der französischen Schule auf.

Katalonien als Musikregion

Katalonien erscheint in dem Artikel als Musikregion, in der verschiedene Strömungen produktiv zusammenliefen. Neben der deutschen und französischen Tradition wirkten auch italienische und spanische Einflüsse auf das katalanische Musikleben.

Komponisten wie Josep M. Mestres Quadreny gingen auf dem Weg zu einer Neuen Musik immer größere künstlerische Risiken ein. Dadurch entstand ein spezifischer Stil, vergleichbar mit eigenständigen Entwicklungen in der Bildenden Kunst bei Künstlern wie Joan Miró und Joan Brossa.

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