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Geographie der Schweiz

Das Land besteht aus 26 Kantonen und ist von fünf weiteren Ländern umgeben: Deutschland im Norden, Österreich und Liechtenstein im Osten, Italien im Süden und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage und räumlicher Aufbau
  2. 2. Geologie und Naturräume
  3. 3. Wasser, Klima und Natur
  4. 4. Biodiversität, Bodennutzung und Naturgefahren
  5. 5. Bevölkerung, Verwaltung und Wirtschaft
  6. 6. Grenzen, Schutzgebiete und Forschung

Lage und räumlicher Aufbau

Die Geographie der Schweiz beschreibt die natürlichen Grundlagen, die Bevölkerung, die Wirtschaft und die Siedlungsräume eines Binnenstaates in Mitteleuropa. Die Schweiz umfasst 26 Kantone, ist bis zu 350 km lang und bis zu 220 km breit und grenzt an Deutschland, Österreich, Liechtenstein, Italien und Frankreich. Die Landesgrenze ist 1935 km lang. Der nördlichste Punkt liegt bei Bargen, der südlichste bei Chiasso, der westlichste bei Chancy und der östlichste am Piz Chavalatsch.

Die Landschaft entstand vor allem durch die alpidische Orogenese, also die Gebirgsbildung infolge des Zusammenstosses der afrikanischen und der eurasischen Platte. Daraus entwickelten sich drei Grossregionen: Die Alpen bedecken rund 60 % der Landesfläche, das Mittelland 30 % und der Jura 10 %. Nur die Region Basel im Grabenbruch der Oberrheinischen Tiefebene und das Mendrisiotto als Teil der Po-Ebene gehören nicht zu diesen drei Regionen. Bern und Waadt haben Anteil an allen drei Grossregionen.

Die Schweiz reicht vom Seespiegel des Lago Maggiore auf 193 m ü. M. bis zur Dufourspitze auf 4634 m ü. M. und gehört nach Andorra zu den durchschnittlich höchstgelegenen Ländern Europas. Wegen ihrer Gebirge, der hohen Niederschläge und der wichtigen Flüsse wird sie als «Wasserschloss Europas» bezeichnet. Der geographische Mittelpunkt liegt auf der Älggi-Alp. Der Rhein ist mit 375,5 km der längste Fluss; der Neuenburgersee ist das grösste vollständig in der Schweiz liegende Binnengewässer.

Geologie und Naturräume

Die geologische Entwicklung begann mit einem kristallinen Sockel, der sich im Paläozoikum vor rund 540 bis 360 Millionen Jahren bildete. Zwischen Afrika und Eurasien lag später das Meer Paratethys, das vor rund 205 bis 96 Millionen Jahren grosse Teile des Gebietes überflutete. Am Ende des Jurazeitalters vor 135 Millionen Jahren faltete sich am Nordrand dieses Meeres der Jura. Als die Kontinentalplatten zusammenstiessen, schrumpfte das Meer, die Alpen wurden aufgefaltet und Ablagerungen aus der Gebirgserosion bildeten die Molasse des Mittellandes.

Die Alpen sind der höchste Gebirgsraum im Inneren Europas. Der Schweizer Anteil umfasst etwa 60 % des Landes und wird vollständig den Zentralalpen zugerechnet. In der Schweiz liegen 48 Viertausender. Neben der Dufourspitze ist der Dom mit 4546 m ü. M. der höchste vollständig in der Schweiz liegende Berg. Das Matterhorn, Eiger, Mönch, Jungfrau und Piz Bernina gehören zu den bekanntesten Bergen. Im Gotthardmassiv treffen wichtige Gebirgskämme zusammen; von dort führen die Täler von Reuss, Ticino und Aare in verschiedene Richtungen. Dort verläuft auch die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Nordsee und Mittelmeer.

Der Jura ist ein über 300 km langer, geologisch junges Faltengebirge aus Kalkstein entlang der französischen und deutschen Grenze. Sein höchster Schweizer Berg ist der Mont Tendre mit 1679 m ü. M. Man unterscheidet Faltenjura mit Ketten- und Plateaujura sowie ungefalteten Tafeljura. Wegen des porösen Kalksteins versickert viel Regenwasser, weshalb der Jura ein vergleichsweise wenig dichtes Gewässernetz besitzt.

Das Mittelland liegt zwischen Jura und Alpen auf durchschnittlich 400 bis 600 m ü. M. Es ist eine Beckenzone, aber keine vollständig ebene Landschaft. Molasse, Seen, Hügel und Höhenzüge prägen den Raum. Die eiszeitlichen Gletscher formten Täler, Moränen und Findlinge. Der Napf ist mit 1408 m ü. M. die höchste Erhebung des Mittellandes.

Wasser, Klima und Natur

Die Schweiz gehört zu fünf europäischen Einzugsgebieten. 68 % der Landesfläche entwässern über den Rhein zur Nordsee, 18 % über die Rhone zum Mittelmeer, 9,3 % über den Po zur Adria, 4,4 % über die Donau zum Schwarzen Meer und 0,3 % über die Etsch zur Adria. Rhein und Rhone entspringen im Gotthardmassiv; wichtige Zuflüsse der übrigen Gebiete sind Ticino, Inn und Rambach. Beim Zusammenfluss von Aare, Reuss und Limmat östlich von Brugg liegt das «Wasserschloss». Dort sammelt sich Wasser aus 40 % der Schweiz. Die Aare führt an ihrer Mündung 590 m³/s und damit mehr Wasser als der Rhein mit 439 m³/s.

Die Schweiz besitzt rund 1500 Seen. 15 haben mehr als 10 km² Fläche. Viele natürliche Seen entstanden durch Gletscher. Der Neuenburgersee ist mit 215,2 km² der grösste vollständig in der Schweiz liegende See; der Thunersee ist mit 47,7 km² der grösste vollständig in einem Kanton liegende See. Künstliche Speicherseen dienen vor allem der Wasserkraft. Der Lac des Dix fasst 401 Millionen m³ und ist bis zu 227 m tief; der Sihlsee besitzt mit 10,72 km² die grösste Fläche unter den Speicherseen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts gab es rund 2000 Gletscher in den Schweizer Alpen. Der Jura ist unvergletschert. Seit dem Ende der kleinen Eiszeit um 1850 schmelzen die Gletscher deutlich; ihre Gesamtlänge nahm ungefähr um ein Drittel ab. Der Aletschgletscher war 2005 mit 23,1 km der längste Gletscher der Schweiz und der Alpen.

Das Klima ist gemässigt und liegt zwischen atlantischem Seeklima, Kontinentalklima und Mittelmeerklima; im Hochgebirge kommen polare Verhältnisse vor. Die Alpen bilden eine Klimascheide. Der Jahresniederschlag beträgt durchschnittlich 1457 mm, im Tessin und in den zentralen Hochalpen etwa 2000 mm, im Mittelland rund 1000 mm und im Rhonetal sowie im Engadin 500 bis 700 mm. Die höchste gemessene Temperatur betrug 41,5 °C am 11. August 2003 in Grono, der tiefste Wert −41,8 °C am 12. Januar 1987 in La Brévine. Die grösste Schneehöhe von 816 cm wurde im April 1999 auf dem Säntis gemessen.

Biodiversität, Bodennutzung und Naturgefahren

Die Vielfalt an Böden, Höhenstufen und Landschaften schafft zahlreiche Lebensräume. In der Schweiz kommen rund 49'000 Tier-, Pilz- und Pflanzenarten vor. Die Biodiversitäts-Konvention wurde 1994 ratifiziert und trat 1995 in Kraft; das Biodiversitätsmonitoring Schweiz erfasst die Artenvielfalt. Mehr als 500 Arten galten 2007 als akut vom Aussterben bedroht. Etwa 40 % der Tierarten gelten als gefährdet. Die biologische Vielfalt wird insgesamt als stabil beschrieben, regional nimmt sie im Jura und Mittelland ab, während sie in den Alpen zunimmt.

Die Wälder bedeckten 2007 rund 1,3 Millionen Hektaren oder 31 % der Landesfläche. Zwischen 1993/95 und 2004/06 wuchs die Waldfläche um 4,9 %, besonders stark in den Alpen und auf der Alpensüdseite. Das Holzvolumen betrug 420 Millionen m³. Rund 20'000 Arten sind von Wäldern abhängig. 2009 wurden 6,4 Millionen m³ Bauholz genutzt, gegenüber einem Zuwachs von 9,5 Millionen m³ nutzbarem Holz.

Die Arealstatistik unterscheidet Siedlungs- und Infrastrukturflächen, Landwirtschaftsflächen, bestockte Flächen sowie unproduktive Flächen. Nach den angegebenen Daten entfielen 7,5 % auf Siedlungsflächen, 35,9 % auf Landwirtschaftsflächen, 31,3 % auf bestockte Flächen und 25,3 % auf unproduktive Flächen. Siedlungen wachsen vor allem im Mittelland, an Seen, Flüssen und Verkehrsachsen. Zwischen 1990 und 2001 stieg die Bevölkerung um 9 %, die Wohnfläche aber um 25 %. Landwirtschaftsflächen gehen besonders durch Siedlungswachstum zurück; in den Alpen führt aufgegebene Nutzung häufig zur natürlichen Ausbreitung von Wald und Gehölzen.

Naturgefahren sind Hochwasser, Überschwemmungen, Lawinen, Gletscherabbrüche, Erdrutsche und Erdbeben. Täglich werden ungefähr zwei Erdbeben registriert, etwa zehn pro Jahr sind spürbar. Im Durchschnitt ist alle 60 bis 100 Jahre mit einem Beben der Magnitude etwa 6 zu rechnen. Besonders gefährdet sind unter anderem Wallis, Basel, das St. Galler Rheintal, Mittelbünden, das Engadin und die Zentralschweiz. Zudem wurden in der Schweiz bisher acht eindeutige Meteoriten geborgen; bei vier Fällen wurde der Fall beobachtet.

Bevölkerung, Verwaltung und Wirtschaft

Die Bevölkerungszahl wird im Artikel unterschiedlich angegeben: Zum 30. September 2025 werden 9'104'063 Menschen genannt, im Kantonstableau für dasselbe Datum jedoch 8'962'258. Die Bevölkerungsdichte wird allgemein mit 220, im Tableau mit 217 Einwohnern pro km² angegeben; die Fläche beträgt dort 41'290.69 km², in der Übersicht 41'291 km². Die Bevölkerung konzentriert sich auf das Mittelland, während Alpen und Jura dünn besiedelt sind. Im Mittelland leben rund 450 Einwohner pro km².

Seit 1848 besitzen die Kantone grundsätzlich alle Rechte, die nicht dem Bund übertragen wurden. Seit der Abspaltung des Kantons Jura von Bern 1979 gibt es 26 Kantone. 17 Kantone sind in Bezirke gegliedert; alle Kantone bestehen zudem aus politischen Gemeinden. Am 1. Januar 2010 gab es 2'596 Gemeinden. Seit 1999 ist die Schweiz für statistische Zwecke in sieben Grossregionen nach dem System NUTS 2 eingeteilt.

Die vier Landessprachen sind Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Bei der Volkszählung 2000 entfielen 63,7 % auf Deutsch, 20,4 % auf Französisch, 6,5 % auf Italienisch und 0,5 % auf Rätoromanisch; 8,9 % nannten eine andere Hauptsprache. Die Deutschschweiz ist überwiegend alemannisch geprägt, die Romandie französischsprachig. Italienisch wird vor allem im Tessin und in Teilen Graubündens gesprochen. Rätoromanisch hat seine wichtigsten Gebiete in der Surselva, im Oberhalbstein und im Unterengadin. Die grössten Religionsgemeinschaften waren 2000 die römisch-katholische Kirche mit 41,82 % und die evangelisch-reformierte Kirche mit 33,04 %; 11,11 % waren konfessionslos.

2007 lebten 73,6 % der Bevölkerung in städtischen Siedlungen. Als Stadt gilt statistisch eine Gemeinde mit mehr als 10'000 Einwohnern. Zürich, Basel und Genf-Lausanne werden als Metropolitanräume bezeichnet. 2009 arbeiteten 3,6 % der Erwerbstätigen im Primärsektor, 23,0 % im Sekundärsektor und 73,4 % im Tertiärsektor. Das Verkehrsnetz verbindet die städtischen Zentren des Mittellandes in Ost-West-Richtung und führt über Pässe und Tunnel in Nord-Süd-Richtung über die Alpen.

Grenzen, Schutzgebiete und Forschung

Die längste Grenze besteht zu Italien mit 782 km, gefolgt von Frankreich mit 585 km, Deutschland mit 347 km, Österreich mit 180 km und Liechtenstein mit 41 km. Von der Grenze verlaufen 717 km auf festem Boden, 472 km in Gewässern und 746 km im Gebirge oder Hochgebirge. 7'132 Grenzzeichen markieren feste Grenzabschnitte. In Flüssen und Seen verläuft die Grenze meist in der Mitte, im Doubs teilweise entlang des Schweizer Ufers; im Bodensee ist sie nicht abschliessend festgelegt. Im Gebirge folgt sie meist der Wasserscheidelinie. Durch das Abschmelzen des Gletschers am Furggsattel verschob sie sich in 70 Jahren um 100 bis 150 m zugunsten der Schweiz. Bedeutende Grenzkorrekturen erfolgten unter anderem 1862 im Dappental, 1952 im Valle di Lei, 1955 am Ellhorn und 1967 im Kanton Schaffhausen.

Pärke von nationaler Bedeutung umfassen Nationalparks, regionale Naturparks und Naturerlebnispärke. Der Schweizerische Nationalpark im Engadin und Val Müstair wurde 1914 geschaffen, umfasste 2009 170,3 km² und besitzt den höchsten Schutzstatus der Kategorie Ia. Zusätzlich gibt es 15 regionale Naturparks und einen Naturerlebnispark. Der Nationalpark sowie Entlebuch und Val Müstair tragen den Status eines UNESCO-Biosphärenreservats.

Der Artikel nennt zwölf UNESCO-Welterbeobjekte, führt aber drei Naturerbe- und sieben Kulturerbestätten auf; diese Zahlen sind daher nicht vollständig deckungsgleich. Zum Weltnaturerbe gehören Schweizer Alpen Jungfrau-Aletsch mit 823,9 km², Monte San Giorgio mit 13,89 km² und die Tektonikarena Sardona mit 328,5 km². Zum Weltkulturerbe zählen unter anderem die Berner Altstadt, das Kloster St. Johann in Müstair, die Fürstabtei St. Gallen, die Burgen von Bellinzona, die Weinbauterrassen von Lavaux, die Albula- und Berninabahn sowie La Chaux-de-Fonds und Le Locle.

Die Schweizer Geographie entwickelte sich von frühen Landesbeschreibungen und Karten zu universitärer Forschung. Lehrstühle entstanden 1886 in Bern, 1895 in Zürich, 1896 in Fribourg, 1912 in Basel und 1915 an der ETH Zürich. Seit 1945 spezialisierten sich unter anderem Hydrologie und Klimatologie; in der Humangeographie gewannen wirtschaftsgeographische Themen an Bedeutung. Die amtliche Kartografie führte von frühen Karten über die Dufourkarte von 1845 bis 1865 und die Siegfriedkarte von 1870 bis 1926 zur Landeskarte der Schweiz, deren Blätter seit 1938 mehrfarbig und seither alle sechs Jahre aktualisiert werden. 1946 erstellten US-Bomber in 64 Flügen aus 6000 bis 8000 m Höhe tausende Luftbilder der Schweiz, die bis 2015 restauriert und digitalisiert wurden.

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