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KISS-Prinzip
Adjektive wie englisch simple und short können sowohl alleine für sich stehen als auch auf das nächste Wort, oft ebenfalls ein Adjektiv, Bezug nehmen …
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Grundidee
Das KISS-Prinzip, auch KISS-Formel, KISS-Gesetz oder K.I.S.S.-Prinzip genannt, fordert, für ein Problem eine möglichst einfache Lösung anzustreben. Es ist damit ein Grundsatz für Denken, Planen, Technik und Programmierung: Eine Lösung soll verständlich, übersichtlich und möglichst wenig kompliziert sein.
In seiner Grundaussage ähnelt es Ockhams Rasiermesser: Wenn es mehrere Erklärungen für einen Sachverhalt gibt, soll die einfachste bevorzugt werden, also diejenige mit den wenigsten Annahmen und Variablen. In der Softwareentwicklung gilt KISS auch als Prinzip von Clean Code, also von gut lesbarem und wartbarem Programmcode.
Bedeutungen der Abkürzung
Ursprünglich steht KISS für „Keep It Simple, Stupid!“, etwa „Halte es einfach, Dummkopf!“ oder sinngemäß „Mach’s doch so einfach wie möglich.“ Das Wort „Stupid!“ ist hier als scherzhafte, flapsige Anrede gemeint: Man soll sich nicht unnötig den Kopf zerbrechen, wenn es auch einfach geht.
Weil diese Formulierung leicht beleidigend wirken kann, wurde sie oft umgedeutet. Häufige Varianten sind zum Beispiel „Keep it simple and straightforward“ („Halte es einfach und unkompliziert“), „Keep it short and simple“ („Gestalte es kurz und einfach“) aus dem Marketing oder „Keep it simple and smart“ („Mach es einfach und schlau“). Meist bleibt dabei das Wort „simple“ erhalten.
Da KISS selbst ein englisches Wort bildet („kiss“, deutsch „Kuss“), wird es als Apronym bezeichnet. Die Schreibweise K.I.S.S. macht dagegen deutlicher, dass es sich um eine Abkürzung handelt, wird aber seltener verwendet.
Entstehung und Anwendung
Das Apronym wurde angeblich von Clarence Johnson geprägt, einem leitenden Ingenieur bei Lockheed Martin Skunk Works. Diese Firma stellte unter anderem die Spionageflugzeuge Lockheed U-2 und SR-71 Blackbird her. Während die Allgemeinheit KISS lange meist als „Keep it simple[,] stupid“ verstand, soll Johnson selbst es als „Keep it simple [and] stupid.“ aufgelöst haben.
Eine Anekdote über Johnson erklärt die praktische Bedeutung des Prinzips: Ingenieure sollten ein Düsentriebwerk entwerfen und bekamen dafür nur bestimmte Werkzeuge. Das Triebwerk sollte von einem durchschnittlichen Mechaniker im Kriegseinsatz repariert werden können, und zwar ausschließlich mit diesen Werkzeugen. Die Idee dahinter: Eine gute Lösung ist nicht nur technisch möglich, sondern auch unter schwierigen Bedingungen einfach zu verstehen, zu warten und zu reparieren.
Das KISS-Prinzip verbreitete sich besonders in der United States Air Force und in der Softwareentwicklung. Als Designprinzip meint es eine möglichst einfache, minimalistische und leicht verständliche Problemlösung. Es steht damit im Gegensatz zu einer bloßen Fehlerumgehung, einem sogenannten „workaround“.
Beispiele
Ein wichtiges Beispiel ist das Internet, das auf der TCP/IP-Protokollfamilie basiert. Der einfache Aufbau dieser Protokolle trug dazu bei, dass das Netz das sehr schnelle Wachstum seit dem Aufkommen des World Wide Web ohne große Probleme bewältigen konnte. Dabei waren die TCP/IP-Protokolle ursprünglich für ein wesentlich kleineres Netzwerksystem entwickelt worden, nämlich für die Forschungszentren der DARPA.
Eine weitere Anwendung ist die Version „Keep It Short and Simple“. Sie wird zusammen mit PEE gelehrt, einer Methode für Texte: Point, Evidence, Explain, auf Deutsch etwa „Behaupte, Belege, Erkläre“. Diese Verbindung wird an englischen Schulen und Universitäten beim Schreiben von Essays, Inhaltsangaben und Interpretationen verwendet und auch als Maxime für gutes Marketing propagiert.
Unix-Philosophie
In der Unix-Philosophie zeigt sich das KISS-Prinzip besonders deutlich. Bei der Entwicklung des Betriebssystems Unix und der Unix-Kommandos erwiesen sich einfache, spezialisierte Programmeinheiten als vorteilhaft gegenüber großen, monolithischen und komplexen Programmen.
Solche kleinen Programmeinheiten erleichtern mehrere Arbeitsschritte: Der Programmieraufwand lässt sich besser zerlegen, Fehler können leichter gefunden werden, einzelne Teile können gezielt optimiert werden, und der Quellcode bleibt besser wartbar. Der Kern der Unix-Philosophie lässt sich deshalb auf das KISS-Prinzip zurückführen.
Besonders gut passt dazu die Formulierung von Douglas McIlroy für Programme unter Unix: „Mache nur eine Sache und mache sie gut.“ Damit ist gemeint, dass ein Programm möglichst eine klar abgegrenzte Aufgabe erfüllen soll, statt viele verschiedene Funktionen kompliziert zu vermischen.