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Julius Kaerst
Januar 1930 in Würzburg) war ein deutscher Historiker. Er beschäftigte sich besonders mit dem Hellenismus, der Universalgeschichte und der Deutschen Frage.
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Kern und Bedeutung
Julius Kaerst (* 16. April 1857 in Gräfentonna; † 3. Januar 1930 in Würzburg) war ein deutscher Historiker. Seine wichtigsten Arbeitsgebiete waren der Hellenismus, die Universalgeschichte und die Deutsche Frage. Für Schüler ist er vor allem als Wissenschaftler wichtig, der die Geschichte des Altertums nicht isoliert betrachtete, sondern in größere weltgeschichtliche Zusammenhänge einordnen wollte.
Unter Hellenismus versteht der Artikel den geschichtlichen Zusammenhang um Alexander den Großen und die nachfolgende hellenistische Zeit. Kaerst untersuchte besonders, wie Alexander der Große zum Hellenismus stand und welche Bedeutung diese Epoche innerhalb der Geschichte des Altertums hatte. Zugleich beschäftigte er sich mit der Frage, wie Geschichte verstanden und geschrieben werden soll.
Ausbildung und akademischer Weg
Kaerst wurde als Sohn eines Pfarrers in Gräfentonna bei Gotha geboren. Ab 1869 besuchte er das Gymnasium Ernestinum in Gotha. Schon in seinem Reifezeugnis von Ostern 1874 wurde sein starkes Interesse an Geschichte hervorgehoben.
An der Universität Jena studierte er Geschichte, Klassische Philologie und Philosophie. Zu seinen Lehrern gehörten Rudolf Schöll, Carl Nipperdey, Wilhelm Adolf Schmidt, Erwin Rohde und Rudolf Eucken. Besonders prägend war Alfred von Gutschmid, der 1876 nach Jena kam und Kaerst dazu anregte, die Geschichte des Altertums zum Schwerpunkt seiner Forschung zu machen.
Im Frühjahr 1877 wechselte Kaerst zusammen mit Gutschmid nach Tübingen. Dort wurde er mit der von Gutschmid angeregten Dissertation Beiträge zur Quellenkritik des Quintus Curtius Rufus promoviert. Danach setzte er sein Studium an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität fort. Dort hörte er drei Semester lang Vorlesungen bei Adolf Kirchhoff, Johannes Vahlen, Wilhelm Wattenbach, Karl Wilhelm Nitzsch, Johann Gustav Droysen und Theodor Mommsen.
Am 20. Januar 1880 bestand Kaerst das Oberlehrerexamen in Geschichte, Geographie, Latein, Griechisch und Religion. Sein pädagogisches Probejahr absolvierte er am Gymnasium zum Grauen Kloster. Im Herbst 1881 kehrte er in seine Heimat zurück.
Lehrer, Professor und Forscher
Bis zum Frühjahr 1897 arbeitete Kaerst am Gymnasium Ernestinum in Gotha. Neben dem Schuldienst betrieb er intensiv historische und quellenkritische Studien. Nach dem Urteil Joseph Vogts hoffte Kaerst damals auf eine akademische Laufbahn, gab diesen Gedanken nach dem Tod Gutschmids im Jahr 1887 aber zunächst auf.
Da seine angestrengte pädagogische und wissenschaftliche Arbeit seine Gesundheit beeinträchtigte, widmete er sich ab 1897 ausschließlich der Wissenschaft. Am 6. Mai 1898 habilitierte er sich an der Universität Leipzig mit der Schrift Studien zur Entwickelung und theoretischen Begründung der Monarchie im Altertum. Eine Habilitation ist eine wissenschaftliche Qualifikation, die im deutschen Universitätssystem zur selbstständigen Lehre berechtigt.
Am 14. August 1902 wurde Kaerst zum außerordentlichen Professor in Leipzig ernannt. Schon ein Jahr später folgte er einem Ruf an die Universität Würzburg und übernahm dort zum Wintersemester 1903/1904 den Lehrstuhl für Geschichte. In Würzburg lehrte er bis zu seiner Emeritierung am 14. Januar 1929 und arbeitete danach weiter wissenschaftlich. Am 25. Februar 1927 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen gewählt. In der Nacht vom 2. zum 3. Januar 1930 starb er in Würzburg.
Forschung zum Hellenismus
Kaersts historische Forschung hatte drei Schwerpunkte: die Geschichte des Hellenismus, die Frage der Geschichtsauffassung und Geschichtsschreibung sowie den Wert und Sinn der deutschen nationalen Idee.
Seine Beschäftigung mit dem Hellenismus begann schon während des Studiums. Nach frühen Einzeluntersuchungen unter dem Einfluss Gutschmids wandte er sich dem Verhältnis von Alexander dem Großen zum Hellenismus und der Stellung des Hellenismus in der Geschichte des Altertums zu. Wichtige Arbeiten dazu waren die Monografie Forschungen zur Geschichte Alexanders des Großen von 1887 und der Aufsatz Alexander der Große und der Hellenismus in der Historischen Zeitschrift 74, 1895, S. 193 ff.
Kaerst trug dazu bei, das leidenschaftliche Bild Alexanders des Großen, das Johann Gustav Droysen in seiner Griechischen Geschichte gezeichnet hatte, zu überarbeiten und differenzierter zu betrachten. In seiner Habilitationsschrift behandelte Kaerst die Monarchie im philosophischen Denken und politischen Handeln der Griechen. Dabei zeigte er, wie sich die griechische Auffassung dieser Staatsform im Blick auf die spätere Zugehörigkeit zum römischen Reich veränderte.
Ein Hauptwerk Kaersts war seine Geschichte des Hellenismus. In der Erstauflage 1901–1909 trug sie noch den Titel Geschichte des hellenistischen Zeitalters. Kaerst erlebte eine zweite und dritte Auflage, konnte den geplanten dritten Band aber nicht mehr verfassen.
Geschichtsauffassung und Universalgeschichte
Kaersts Geschichtsauffassung war vom deutschen Idealismus und von der romantischen Bewegung geprägt. Im Gegensatz zur Aufklärung erkannte er die Wirksamkeit des Unbewussten im geschichtlichen Leben an. Die Aufgabe der Geschichtswissenschaft sah er darin, ein tiefes Verstehen der Eigenart von Menschen und Kulturen der Vergangenheit zu ermöglichen. Damit stand er in der Tradition von Leopold von Ranke und Barthold Georg Niebuhr.
Als Programmschrift für diese Auffassung gilt seine Abhandlung Die universalhistorische Auffassung in ihrer besonderen Anwendung auf die Geschichte des Altertums, erschienen in der Historischen Zeitschrift 83, 1899, S. 123 ff. Darin wandte er sich gegen das Bestreben, die Geschichte des Altertums getrennt von anderen geographischen und zeitlichen Räumen zu betrachten. Universalgeschichte bedeutet hier eine Geschichtsschreibung, die einzelne Epochen und Räume im Zusammenhang der allgemeinen geschichtlichen Entwicklung versteht.
Diesen Gedanken vertrat Kaerst auch in der Abhandlung Die Geschichte des Altertums im Zusammenhange der allgemeinen Entwickelung der modernen historischen Forschung, erschienen in Neue Jahrbücher für das klassische Altertum 5, 1902, S. 32 ff. Sein Plan, seine verstreuten historischen Schriften in einer Monografie mit dem Titel Universalgeschichte zusammenzufassen, wurde nicht mehr ausgeführt.
Deutsche Frage und ausgewählte Werke
Aus Kaersts Beschäftigung mit Nation und Weltreich im Altertum sowie aus seiner universalhistorischen Sicht entstand auch sein Versuch, die deutsche nationale Idee geschichtlich zu begründen. Seit Beginn des Ersten Weltkriegs befasste er sich mit der Entstehung der Nationalstaaten in Europa und besonders mit der Deutschen Frage. Die Deutsche Frage bezeichnet im Artikel das Problem der nationalen Ordnung und Stellung Deutschlands.
Die Reichsgründung 1871 stellte Kaerst als glückliche Verwirklichung des deutschen Nationalstaates dar. Er beschrieb sie als „Verschmelzung des preußischen staatlichen Machtgedankens mit dem Reichtum und der inneren Freiheit deutscher Bildung“. Die Grundlage des deutschen nationalen Wesens suchte er in der Reformation und im deutschen Idealismus. Die schwierige Stellung Deutschlands in der Zwischenkriegszeit behandelte er in dem Aufsatz Weltgeschichte, Antike und deutsches Volkstum, erschienen in Gnomon 1, 1925, S. 214 ff.
Zu den im Artikel genannten ausgewählten Werken gehören Forschungen zur Geschichte Alexanders des Großen, Stuttgart 1887, sowie Geschichte des hellenistischen Zeitalters. Bd. 2,1: Das Wesen des Hellenismus, Teubner, Leipzig 1909.