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Jugendwort des Jahres (Deutschland)
Liste der Jugendwörter · 1. Platz, hartzen, Arbeitslos sein, „rumhängen“ · 2. Platz, bam, Variante von „cool“ · 3. Platz …
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Bedeutung und Entwicklung
Das Jugendwort des Jahres ist eine jährliche Wahl zu einem Begriff der Jugendsprache. Sie begann 2008 und wurde zunächst von einer Jury unter Leitung des Langenscheidt-Verlags bestimmt. Langenscheidt gehört seit 2019 zu Pons in der Klett Gruppe. Die Wahl dient auch der Werbung für das Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“.
2019 wurde kein Jugendwort gewählt: Nach der Übernahme durch Pons sei das Lexikon „in keinem vernünftigen Zustand“ gewesen. Seit 2020 wird die Wahl wieder durchgeführt; dabei kann grundsätzlich jeder mitwählen. Das Ergebnis der 15. Wahl wurde 2023 erstmals öffentlich auf der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Vor mehreren hundert Zuschauern gab der Poetry-Slammer Sebastian Rabsahl das Siegerwort in einem Gedicht bekannt.
Abstimmung
Im Internet können Begriffe vorgeschlagen werden. In einem mehrstufigen Verfahren werden die Einreichungen zunächst auf eine Top-10-Liste und danach auf eine Top-3-Liste eingegrenzt. Auf der Website des Langenscheidt-Verlags kann jede Person über die Listen abstimmen.
Dass nicht nur Jugendliche, sondern Internetnutzer aller Altersgruppen teilnehmen dürfen, ist ein wichtiger Kritikpunkt. Seit 2020 sollte die offene Einreichung und Abstimmung der jungen Community mehr Mitspracherecht geben.
Siegerwörter seit 2008
Die Erstplatzierten waren: 2008 „Gammelfleischparty“ für eine Party für Menschen über 30 Jahren, 2009 „hartzen“ für arbeitslos sein oder „rumhängen“, 2010 „Niveaulimbo“ für ein ständiges Absinken des Niveaus und 2011 „Swag“ für eine beneidenswert lässig-coole Ausstrahlung.
2012 gewann „YOLO“, die Abkürzung für „you only live once“ und Aufforderung, eine Chance zu nutzen. Es folgten 2013 „Babo“ für Boss, Anführer oder Chef, 2014 „Läuft bei dir“ für Erfolg oder Glück und 2015 „Smombie“. „Smombie“ ist ein Kofferwort aus Smartphone und Zombie und beschreibt Menschen, die durch ihr Smartphone ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.
2016 wurde „fly sein“ gewählt, wenn etwas oder jemand besonders abgeht. 2017 gewann „I bims“, also „Ich bin’s“ in der sogenannten Vong-Sprache. 2018 war „Ehrenmann / Ehrenfrau“ Sieger; gemeint ist eine Person mit ehrenhafter Gesinnung oder jemand, der etwas Gutes oder Besonderes getan hat. 2019 fiel die Wahl aus.
Seit der Wiederaufnahme gewann 2020 „lost“ für ahnungslos, verloren oder verirrt. 2021 siegte „cringe“ für etwas Peinliches, bei dem man sich fremdschämt. 2022 gewann „smash“ für jemanden attraktiv finden oder mit jemandem etwas anfangen; umgangssprachlich kann es „mit jemandem Sex haben“ bedeuten. 2023 wurde „goofy“ gewählt, eine tollpatschige oder alberne Person beziehungsweise Verhaltensweise, die andere amüsiert.
2024 war „Aura“ Siegerwort. Es bezieht sich, oft scherzhaft, auf Ausstrahlung, Charisma oder Status einer Person. Die weiteren Finalisten waren „Talahon“, eine Bezeichnung für Personen mit stereotypen Merkmalen oder Verhaltensweisen, meist bezogen auf junge Männer mit arabischem Migrationshintergrund, und „Schere“: „die Schere heben“ bedeutet in der Gamerszene ein Schuldeingeständnis oder Bekenntnis. 2025 gewann „das crazy“, ein Füllwort ähnlich wie „Aha“ oder „Okay“, wenn jemand freundlich bleiben, aber nichts zum Thema sagen möchte.
Kritik und Kontroversen
Die Aktion wird als kommerzielles Marketing des Verlags kritisiert. Außerdem wird bezweifelt, dass Jugendliche tatsächlich so sprechen wie die ausgewählten Wörter nahelegen. Die Gesellschaft für deutsche Sprache bezeichnet die Wahl als schöne Idee, ihr Sprachberater Lutz Kuntzsch nennt sie jedoch ein „Sprachspiel“, aus dem sich nicht ableiten lasse, dass die Jugend tatsächlich so spreche. Wolfgang Gaiser vom Deutschen Jugendinstitut sieht eher Verlagsmarketing als Sozialforschung und warnt vor einem verzerrten Bild der Jugend.
2009 wurde „hartzen“ kritisiert, weil es Arbeitslosen Faulheit und ein freiwilliges Leben auf Kosten des Staates unterstelle. 2015 entfernte der Verlag „Alpha-Kevin“ aus der Abstimmung, weil Namensträger diskriminiert werden könnten. Journalisten bezweifelten zudem, ob „Smombie“ tatsächlich Jugendsprache sei, da es vor der Nominierung nicht im Internet vorkam; es wurde über eine Erfindung des Verlags spekuliert.
2020 reichte die Reddit-Community /r/ich_iel massenhaft „Hurensohn“ ein. Langenscheidt erklärte auf Instagram, der Begriff sei als Jugendwort ungeeignet, weil Begriffe dieser Kategorie nicht unterstützt würden; er sollte aber in ein im Oktober 2020 erscheinendes Lexikon aufgenommen werden. 2024 war „Talahon“ umstritten, weil das Wort trotz rassistischen Gebrauchs einen Finalistenplatz erhielt; der Verlag ergriff keine gesonderten Maßnahmen.
2026 führte der Ausschluss des in die Top 10 gewählten Wortes „Mehrzweckeier“ zu einer breiten Protestkampagne. Langenscheidt begründete die Entscheidung damit, der Begriff gehe auf eine Kampagne zurück und beruhe auf einer persönlichen Beleidigung. Am 28. Juli 2026 rief die BUNDjugend mit weiteren Jugendverbänden zur parallelen Wahl eines alternativen „Bundesjugendwortes“ auf. Nach Angaben der Herausgeber gab es bereits am ersten Tag 15.000 Stimmabgaben. Die Verbände kritisierten besonders die fehlende Beteiligung junger Menschen und dass deren Themen nicht ernst genommen würden.