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Jean-Michel Jarre

Unter dem Einfluss von Pierre Schaeffer erschuf er ab Anfang der 1970er Jahre Kompositionen für den Synthesizer, die als wegbereitend für die elektronische …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Musiker und Pionier elektronischer Musik
  2. 2. Durchbruch mit Oxygène und neue Klangmethoden
  3. 3. Großkonzerte als audiovisuelle Ereignisse
  4. 4. Digitale und virtuelle Projekte seit 2019
  5. 5. Wirkung und weitere Hinweise

Musiker und Pionier elektronischer Musik

Jean-Michel André Jarre (* 24. August 1948 in Lyon) ist ein französischer Musiker, Komponist und Musikproduzent. Unter dem Einfluss des Komponisten Pierre Schaeffer entwickelte er seit Beginn der 1970er Jahre Synthesizer-Kompositionen, die als wegbereitend für die elektronische Musik gelten. Kennzeichnend für seine Arbeit sind elektronische Klänge, der Einsatz neuer Aufnahme- und Klangtechniken sowie große Konzerte, bei denen Musik mit Licht, Laser, Projektionen und Feuerwerk verbunden wird.

Jarre wurde als Sohn des Filmkomponisten Maurice Jarre und France Pejot geboren. Mit fünf Jahren lernte er Klavier; in den 1960er Jahren spielte er elektrische Gitarre in den Bands Mystère IV und The Dustbins. 1969 trat er der von Pierre Schaeffer geleiteten Groupe de Recherches Musicales bei. Dort beschäftigte er sich mit Musique concrète, einer Musikform, die aufgezeichnete Klänge als Ausgangsmaterial nutzt, und nahm seine erste eigene Komposition Happiness Is a Sad Song auf.

Durchbruch mit Oxygène und neue Klangmethoden

1971 wurde Jarres Elektronik-Ballett Aor in der Pariser Oper aufgeführt; er war damit der jüngste Komponist, dessen Werk dort gespielt wurde. Es folgten die Single La Cage (1971), das Album Deserted Palace (1972), Filmmusik und Produktionen für andere französische Musiker.

Den internationalen Durchbruch brachte Oxygène von 1976. Das Album wurde ab 1977 weltweit über Polygram vertrieben und bis 2003 rund 18 Millionen Mal verkauft. Zuvor hatten Plattenfirmen Musik ohne Gesang und Schlagzeug als kaum vermarktbar eingeschätzt. Das Rauschen am Anfang des Albums entstand, weil Jarres preiswertes Aufnahmegerät starkes Grundrauschen hatte; er verdeckte es mit Rauschen aus seinem AKS-Synthesizer und machte es zu einem musikalischen Element. Das ähnlich konzipierte Nachfolgealbum Equinoxe erschien 1978 und verkaufte sich bisher etwa 10 Millionen Mal.

Jarre erprobte wiederholt neue Methoden: Magnetic Fields (1981) führte Sampling ein, also die Verwendung aufgezeichneter Klänge in neuer Musik. Für Zoolook (1984) nutzte er bearbeitete menschliche Stimmen aus mehr als 20 Sprachen nicht wegen ihrer Wortbedeutung, sondern als Klangmaterial. Auf Music for Supermarkets (1983) reagierte er auf die Kommerzialisierung der Musikszene: Es wurde nur eine LP gepresst, am 6. Juli 1983 für 69.000 Francs versteigert und nach einer einzigen Radiosendung wurden die Mastertapes vernichtet. Teile der Musik verwendete er später erneut.

Zu den wichtigen Studioalben gehören außerdem Rendez-Vous (1986), Revolutions (1988), Waiting for Cousteau (1990), Chronologie (1993), Oxygene 7–13 (1997), Electronica 1: The Time Machine (2015), Electronica 2: The Heart of Noise und Oxygene 3 (beide 2016), Equinoxe Infinity (2018), Amazônia (2021) und Oxymore (2022). Electronica 1 und 2 entstanden jeweils mit zahlreichen weiteren Künstlern. Oxymore ist Pierre Henry gewidmet und knüpft mit einer dunkleren Atmosphäre an Musique concrète an.

Großkonzerte als audiovisuelle Ereignisse

Jarres erster Live-Auftritt fand am 14. Juli 1979 auf der Place de la Concorde in Paris statt. Er spielte Oxygène und Equinoxe, begleitet von Licht, Projektionen und Feuerwerk. Mehr als eine Million Zuschauer führten zu einem Guinness-Rekord für das zuschauerstärkste Konzert. Seine Auftritte waren oft an Orte oder besondere Anlässe gebunden und bezogen die Architektur der Umgebung in die Gestaltung ein.

1981 trat Jarre als erster westlicher Musiker nach Mao Zedongs Tod in der Volksrepublik China auf. Die fünf Konzerte in Peking und Shanghai wurden später als Doppel-LP The Concerts in China/Les concerts en Chine veröffentlicht. Für Houston komponierte er 1986 Rendez-vous. Das Konzert Rendez-vous Houston – A City In Concert war dem Unglück der Raumfähre Challenger gewidmet, bei dem am 28. Januar 1986 alle Besatzungsmitglieder starben; der Titel Last Rendez Vous / Dernier Rendez Vous „Ron’s Piece“ ist dem Astronauten Ronald Erwin McNair gewidmet. Mindestens 1,3 Millionen Menschen sahen die Show, deren Licht- und Lasereffekte die Skyline von Houston einbezogen.

Weitere große Veranstaltungen waren das Konzert in Lyon am 5. Oktober 1986 vor 800.000 Menschen, Destination Docklands in London 1988 und Paris La Défense – Une Ville En Concert am 14. Juli 1990. Für La Défense verzeichnete das Guinness-Buch der Rekorde 2.000.000 Zuschauer; andere Schätzungen nennen 2.500.000. Beim Konzert Oxygene in Moscow am 6. September 1997 wurden etwa 3.500.000 Zuschauer geschätzt. Neben solchen Großereignissen unternahm Jarre Tourneen durch Europa, Russland, Nordamerika und weitere Regionen. Von September 2007 bis November 2011 stand er insgesamt 157-mal auf der Bühne.

Auch technische Formen der Aufführung wurden wichtig: Das Album Aero von 2004 enthält neu eingespielte Stücke für 5.1-Raumklang, bei dem jede Note einen festgelegten Platz im Klangraum erhält. Bei Oxygene in Concert spielte Jarre ab 2007 Stücke mit dem Original-Equipment der Aufnahmen von 1976. Seine Konzerte konnten jedoch auch kleiner oder wohltätig sein, etwa die Akropolis-Shows 2001 zugunsten der griechischen Organisation Elpida.

Digitale und virtuelle Projekte seit 2019

2019 erschien die App EōN für iOS und iPadOS. Sie erzeugt mit Algorithmen aus Musik und Grafiken ein fortlaufendes audiovisuelles Erlebnis. Solche generative Musik wird mithilfe von Computerverfahren erzeugt und wiederholt sich nach Darstellung des Artikels nicht. Jarre veröffentlichte davon mit Snapshots from EōN ausgewählte, auf je 2.000 CD- und LP-Exemplare limitierte Klangmomente.

Am 31. Dezember 2020 spielte Jarre Welcome to the Other Side als Live-Stream in einer virtuellen Nachbildung von Notre-Dame. Er erschien dort als Avatar, war aber teilweise auch real bei der Aufführung zu sehen. Das Live-Streaming eines VR-Konzerts, also eines Konzerts in virtueller Realität, galt wegen der hohen technischen Anforderungen als Besonderheit. Amazônia (2021) wurde durch ein Projekt von Sebastião Salgado angeregt.

Zu Oxymore wurde die virtuelle Umgebung Oxyville veröffentlicht. Das VR-Konzert vom 24. Oktober 2022 war über YouTube in 2D und mit VR-Zugang erlebbar; Jarres Darstellung beim Bedienen von Synthesizern wurde in die virtuelle Stadt projiziert. Jarre betonte, Multi-Channel- und binaurale Klangformate als Klangwiedergabe mit mehreren Kanälen beziehungsweise räumlichem Höreindruck seien für ihn die Zukunft von Musik, Kreativität, Produktion und emotionalen Erfahrungen. Seit Ende 2022 unterstützt er außerdem das Sound-Design-Team von Renault bei Audioanlagen, Fußgängerwarnung und Willkommensmelodie elektrischer und hybrider Modelle.

2024 spielte Jarre zur Eröffnung des 7. Starmus-Festivals in Bratislava vor 100.000 Zuschauern mit Licht, Lasern, Feuerwerk, Drohnen und Projektionen auf Gebäude; Brian May trat zeitweise als Gast auf. Am 8. September 2024 wirkte Jarre bei der Abschlussfeier der Paralympischen Spiele in Paris mit. 2025 folgten Auftritte in Sevilla und beim Jazzopen Stuttgart.

Wirkung und weitere Hinweise

Musik Jarres wurde auch außerhalb seiner eigenen Veröffentlichungen verwendet. Oxygène II war etwa Titelmusik der zweiten Staffel der deutschen Bearbeitung von Mondbasis Alpha 1 und ist im Film Gallipoli (1981) zu hören. Équinoxe Part 4 war von 1982 bis 1986 Titelmusik von Terra X. Auf dem Commodore 64 wurden in frühen Spielen der 1980er Jahre Interpretationen seiner Stücke eingesetzt, zum Beispiel Magnetic Fields IV in Yie Ar Kung Fu.

Der Hauptgürtel-Asteroid (4422) Jarre wurde nach Jean-Michel Jarre und seinem Vater Maurice Jarre benannt. Jarre gehörte zu den frühen Musikern, die den Sampling-Computer Fairlight CMI einsetzten. Das Album Chronologie beginnt und endet mit derselben Sequenz und kann dadurch in einer Dauerschleife gehört werden.

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