Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ionische Bindung

Ionische Bindung tritt immer zusammen mit kovalenter Bindung auf, bei der die Elektronen zwischen den Atomen geteilt werden. Von ionischer Bindung spricht man, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundprinzip der ionischen Bindung
  2. 2. Elektronegativität und Ionenbildung
  3. 3. Ionengitter und Gitterenergie
  4. 4. Aufbau und Arten von Ionengittern
  5. 5. Typische Eigenschaften von Salzen

Grundprinzip der ionischen Bindung

Eine ionische Bindung, auch Ionenbindung, heteropolare oder elektrovalente Bindung, ist eine chemische Bindung zwischen positiv und negativ geladenen Ionen. Sie beruht auf deren elektrostatischer Anziehung und ist besonders für Salze kennzeichnend.

Eine vollständig reine Ionenbindung, bei der ein Atom oder Molekül ein Elektron komplett an ein anderes abgibt, kommt nicht vor. Ionische und kovalente Bindungsanteile treten immer gemeinsam auf. Kovalente Bindung bedeutet, dass Elektronen zwischen Atomen geteilt werden. Von einer Ionenbindung spricht man, wenn der ionische Anteil überwiegt.

Elektronegativität und Ionenbildung

Als Orientierung dient die Elektronegativitätsdifferenz ΔEN: Ab ΔEN = 1,7 wird ein 50 % partiell ionischer Charakter angegeben; bei einer Differenz größer als 1,7 liegen demnach ionische Bindungen vor. Diese Grenze ist relativ willkürlich, weil die reine Ionenbindung nur ein idealisierter Grenzfall ist.

Ionenbindungen entstehen grob zwischen Elementen links im Periodensystem und Elementen rechts im Periodensystem. Ein Beispiel ist Astatfluorid At⁺F⁻ mit ΔEN = 1,78. Natriumchlorid besitzt etwa 75 Prozent Ionenbindungsanteil, Caesiumfluorid etwa 92 Prozent. Unter ΔEN = 1,7 liegen polare, überwiegend kovalente Bindungen vor. Innerhalb von Elementmolekülen kann dagegen eine 100-prozentige kovalente Bindung vorkommen.

Atome streben durch Elektronenaufnahme oder -abgabe für ihre äußerste besetzte Schale die Edelgaskonfiguration und damit einen energieärmeren Zustand an. Elemente mit geringerer Elektronegativität, meist links im Periodensystem, geben Elektronen ab und werden zu einfach oder mehrfach positiv geladenen Kationen. Elemente mit höherer Elektronegativität und hoher Elektronenaffinität, meist rechts im Periodensystem, nehmen Elektronen auf und werden zu einfach oder mehrfach negativ geladenen Anionen.

Ionengitter und Gitterenergie

Kationen und Anionen ziehen sich elektrostatisch an und ordnen sich regelmäßig zu einem Ionengitter an. Die dabei freiwerdende Energie heißt Gitterenergie; sie ist die eigentliche Triebkraft der Salzbildung.

Zur Gitterenergie gehören vier Komponenten: die Nullpunktenergie der Ionen; Abstoßungsenergien zwischen Kernen sowie zwischen Elektronenhüllen; Bindungsenergie aus London-Kräften zwischen unterschiedlich gut polarisierbaren Elektronenhüllen oder aus Multipol-Wechselwirkungen, etwa bei Ionen mit unsymmetrischer Ladungsverteilung wie NO₂; sowie die coulombsche Kraft zwischen entgegengesetzt geladenen Ionen. Empirisch lässt sich die Gitterenergie mit dem Born-Haber-Kreisprozess bestimmen, theoretisch durch die Born-Landé-Gleichung und die Kapustinskii-Gleichung.

Aufbau und Arten von Ionengittern

Weil sich das elektrostatische Feld gleichmäßig in alle Raumrichtungen erstreckt, bilden sich sehr regelmäßige Ionengitter. Die Größe der Ionenradien führt jedoch zu unterschiedlichen Strukturen. Beispiele sind die Kochsalzstruktur NaCl, die Caesiumchloridstruktur CsCl, die Zinkblendestruktur ZnS und die Fluorit-Struktur CaF₂.

Die Strukturen sind nach ihren charakteristischen Vertretern benannt. Ihre relativen Stabilitäten hängen von Koordinationsstrukturen und Koordinationszahlen der Ionen ab. Diese werden durch die für die jeweilige Struktur charakteristischen Madelung-Konstanten widergespiegelt.

Typische Eigenschaften von Salzen

Ionenverbindungen bilden im festen Zustand Kristalle. Sie haben hohe Schmelz- und Siedepunkte, weil die ungerichteten Bindungskräfte einen relativ stabilen Verbund durch den gesamten Kristall erzeugen. Die starken Anziehungskräfte können aber durch Lösungsmittel wie Wasser überwunden werden.

In wässriger Lösung dissoziieren Salze in ihre Ionen. Wie gut sich eine Ionenverbindung löst, ist unterschiedlich: Natriumchlorid ist sehr gut wasserlöslich, Silberchlorid dagegen nahezu unlöslich. Feste, kristalline Ionenverbindungen leiten keinen Strom, da die Ionen nicht frei beweglich sind. In Schmelzen oder Lösungen leiten sie Strom; die Ionen transportieren die Ladung und werden an Elektroden entladen. Dabei werden Salze häufig in ihre Elemente zersetzt. Ionenleiter heißen deshalb Leiter 2. Ordnung.

Ionenkristalle sind hart und spröde. Bei einer plastischen Verformung können gleich geladene Ionen nebeneinandergeschoben werden; ihre Abstoßung löst die Bindung, sodass der Kristall meist zerspringt. Ionenkristalle von Hauptgruppenelementen sind oft farblos, weil ihre Valenzelektronen stark gebunden sind und erst durch Photonen mit höherer Energie als sichtbares Licht angeregt werden können.

Weiterlesen

Chemische Bindung Die chemische Bindung ist ein physikalisch-chemisches Phänomen, durch das zwei oder mehrere Atome oder Ionen fest zu chemischen Verbindungen aneinander gebunden … Elektrostatik Die Elektrostatik ist das Teilgebiet der Physik, das sich mit ruhenden elektrischen Ladungen, Ladungsverteilungen und den elektrischen Feldern geladener … Ion Ein Ion [i̯oːn] ist ein elektrisch geladenes atomares oder molekulares Teilchen. Ionen bilden als chemische Verbindungen oft Salze. Sie existieren auch in … Salze Als Salze bezeichnet man eine große Gruppe chemischer Verbindungen, die aus elektrisch positiv geladenen Kationen und negativ geladenen Anionen aufgebaut … Kovalente Bindung Die Atome bilden zwischen sich mindestens ein Elektronenpaar aus. Dieses Elektronenpaar hält zwei (Zweizentrenbindung) oder mehr (Mehrzentrenbindung) Atome … Elektronegativitätsdifferenz Die Elektronegativitätsdifferenz (im Laborjargon auch Delta-EN (ΔEN) genannt) ist in einer Bindung die Differenz der Elektronegativitäten der beteiligten … Halogene Die Gruppe der Halogene steht am rechten Rand des Periodensystems zwischen den Chalkogenen (6. Hauptgruppe) und Edelgasen (8. Hauptgruppe). Die Namensgebung … Elektronegativität Die Elektronegativität wird von der jeweiligen Kernladung und dem Atomradius bestimmt und kann zur Abschätzung der Polarität und des Ionenbindungscharakters … Periodensystem Erste Periode: 1Wasserstoff bis 2Helium · Zweite Periode: 3Lithium bis 10Neon · Dritte Periode: 11Natrium bis 18Argon · Vierte Periode: 19Kalium bis 36Krypton. Natriumchlorid Natriumchlorid ; Löslichkeit · Brechungsindex ; gut in Wasser (358 g/l Wasser bei 20 °C), löslich in Methanol (1,31 g/100 g) und Ethanol (0,065 g/100 g bei 25 °C). Prozent Laut DIN 5008 wird dabei zwischen der Zahl und dem Prozentzeichen ein Leerzeichen gesetzt. Eine Prozentangabe kann als Bruch (19 % = 19/100) oder als … Elementmolekül Elementmoleküle sind Moleküle, die lediglich aus zwei oder mehreren Atomen eines einzigen chemischen Elementes bestehen. Bildet sich eine Bindung zwischen …