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Internationale Geografie-Olympiade
Der Test besteht aus drei Teilen: einer schriftlichen Prüfung, einem multimedialen Test sowie einer umfangreichen geographischen Feldarbeit, die eine gute …
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Überblick und Zweck
Die Internationale Geographie-Olympiade (iGeo) ist ein internationaler Schülerwettbewerb für 16- bis 19-Jährige. Sie richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die sich zuvor in nationalen Geographie-Olympiaden oder vergleichbaren Auswahlverfahren besonders erfolgreich qualifiziert haben. Organisiert wird die iGeo von der Internationalen Geographischen Union (IGU), die die Aufgaben mit Bezug zum Austragungsort und zur internationalen Teilnehmerschaft erstellt.
Geprüft wird das Verständnis räumlicher Muster und Prozesse, also die Fähigkeit, geographische Zusammenhänge in Räumen zu erkennen, zu analysieren und darzustellen. Neben dem Wettbewerb fördert die Veranstaltung Interesse an Geographie und ökologischen Problemen, die Qualität geographischer Bildung sowie den Austausch zwischen Jugendlichen verschiedener Länder. Der Anschluss an den IGU-Kongress soll außerdem Forschung, Lehre, Wissenschaft und Schule vernetzen. Kultureller Austausch soll Stereotype aufdecken, Vorurteile entkräften und internationale Kontakte ermöglichen.
Entstehung und Entwicklung
1994 schlugen Teilnehmende des IGU-Kongresses in Prag aus Polen und den Niederlanden einen internationalen geographischen Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler von 15 bis 19 Jahren vor. Die erste Internationale Geographie-Olympiade fand zwei Jahre später, 1996, in Den Haag statt; zunächst nahmen fünf Länder teil.
Der Wettbewerb wurde nach 1996 zunächst im Zweijahresrhythmus ausgetragen. Wegen seiner wachsenden Popularität findet er seit 2012 jährlich statt, wie andere große internationale Wissenschaftsolympiaden. Die Zahl der beteiligten Länder stieg bis 2008 auf 24. In Peking 2016 nahmen 45 Länder teil; außerdem waren Kanada und Kirgisistan als offizielle Beobachter vertreten.
Teilnahme und Ablauf
Ein Land wird jeweils von vier Schülerinnen oder Schülern vertreten. Der internationale Wettbewerb dauert meist vier bis fünf Tage, je nach Programm bis zu sieben Tage; die offizielle Sprache ist Englisch. Neben theoretischen und praktischen Tests gibt es Exkursionen, kulturelle Veranstaltungen und Möglichkeiten, Gastgeberland und Austragungsort kennenzulernen.
Teilnehmen darf, wer bis zum 30. Juni des Olympiadejahres 16 bis 19 Jahre alt ist, ein technisches oder allgemeinbildendes Gymnasium besucht und noch nicht an einer Hochschule oder Universität eingeschrieben ist. Die englischsprachigen Aufgaben müssen bearbeitet werden können. Nicht-Muttersprachler erhalten Wörterbücher, Übersetzungen ausgewählter geographischer Begriffe und bei längeren Tests zusätzliche Zeit. Die Teilnahme ist für jeden Schüler auf zwei Mal begrenzt.
Vor der iGeo ist eine nationale Qualifikation erforderlich; Auswahlregeln und Verfahren unterscheiden sich je nach Land. Häufig folgt ein nationales Trainingslager. In Deutschland ist eine erfolgreiche Teilnahme am Diercke iGeo Wettbewerb erforderlich, in der Schweiz gibt es eine eigene Vorausscheidung. In Japan entscheidet eine hohe Gesamtpunktzahl im nationalen Meisterschaftswettbewerb; die besten vier im englischen Testteil werden ausgewählt.
Prüfungen und Regeln
Die iGeo besteht aus drei Prüfungsbereichen. Erforderlich sind kartographische Fähigkeiten, Bildanalyse sowie das Interpretieren von Diagrammen, Schaubildern und Statistiken. Inhaltlich reichen die 12 Kategorien von Klima und Klimawandel, Ressourcen, Umwelt und nachhaltiger Entwicklung über Landschaften, Landnutzung, Landwirtschaft und Bevölkerung bis zu Wirtschafts-, Entwicklungs-, Stadt-, Tourismus- und Kulturgeographie.
Der schriftliche Test heißt written response test (WRT). Er umfasst sechs Themen, für die jeweils 20 bis 25 Minuten vorgesehen sind. Karten, Fotos, Graphen oder Statistiken dienen als Materialien. Gefordert sein können Stichpunkte, längere Aufsätze, Tabellen oder Matrizen sowie graphische Darstellungen. Die sechs Themen werden so ausgewählt, dass physische und humangeographische Themen ausgewogen vertreten sind. Entscheidend ist nicht nur Faktenwissen, sondern dessen Anwendung in konkreten regionalen Zusammenhängen.
Das multimedia quiz hat 40 Teile, die am Computer jeweils in ein bis zwei Minuten zu lösen sind. Jede Aufgabe kombiniert eine Karte und/oder Foto, Film, Schau- oder Satellitenbild mit einer Multiple-Choice-Frage und vier Antwortmöglichkeiten. Es prüft vor allem geographische Analysefähigkeit unter Zeitdruck, nicht bloß das Wiedergeben von Fakten; dies berücksichtigt die stark unterschiedlichen Lehr- und Bildungspläne der teilnehmenden Länder.
Die fieldwork, die geographische Feldarbeit, umfasst Beobachten und Kartieren, die Bearbeitung einer Aufgabe im Untersuchungsgebiet mit zusätzlicher Datenerhebung sowie eine Problemlösung als Raumplan oder Karte. Sie verlangt genaue Arbeit im Gelände, praktische Anwendung von Wissen und soziale Fähigkeiten. Kartographische Richtlinien machen Kartenanforderungen und Bewertungskriterien transparent. Nicht autorisierte elektronische Geräte sowie Kommunikation oder Zusammenarbeit während Tests sind verboten, sofern Zusammenarbeit nicht ausdrücklich erlaubt ist, etwa bei der Datenerhebung. Regelverstöße führen zur Disqualifikation.
Programm und Bewertung
Die Olympiade beginnt nach der Vorstandssitzung der IGU mit einer Eröffnungszeremonie. Am folgenden Morgen findet gewöhnlich der WRT statt, der etwa drei, teilweise vier Stunden dauert. Danach können Exkursionen und die Einführung in die Feldarbeit folgen. Einen überall gleichen Zeitplan gibt es nicht, weil Gastgeberländer das Zusatzprogramm frei gestalten. Kulturelle Veranstaltungen, Sightseeing und Posterpräsentationen ergänzen die Prüfungen.
Die Poster sollen das Thema des IGU-Kongresses aufgreifen. Bei iGeo 2016 entwarfen die Teams beispielsweise Plakate zu „Nachhaltige Städte“: Sie zeigten, wie eine Stadt ihres Heimatlandes mit ökologischen, ökonomischen und sozialen Problemen umgeht und eine nachhaltige Zukunft erreichen will. Die 90-minütige Posterpräsentation bringt keine Wettbewerbspunkte, doch das beste Team erhält einen unabhängigen Preis. Nach der Olympiade ist ein Post-iGeo-Trip zu weiteren Orten im Gastgeberland möglich.
Medaillen werden einzelnen Teilnehmern verliehen, auch wenn Teams antreten und nationale Leistungen ausgewertet werden. Die Endpunktzahl besteht zu 40 % aus der schriftlichen Prüfung, zu 40 % aus der Feldarbeit und zu 20 % aus dem Multimedia-Quiz. Gold-, Silber- und Bronzemedaillen werden proportional zur Teilnehmerzahl vergeben. 2014 wurden 12 Gold-, 24 Silber- und 36 Bronzemedaillen verliehen, 2015 13 Gold-, 27 Silber- und 40 Bronzemedaillen.
Austragungsorte und deutsche Teilnahme
Die Gastgeberländer wechseln. Nach Den Haag 1996 führten Austragungen unter anderem über Lissabon, Seoul, Durban, Danzig, Brisbane, Tunis, Taipeh, Köln, Kyōto, Krakau, Twer, Peking, Belgrad, Québec und Hongkong. Die für 2020 in Istanbul geplante Olympiade wurde wegen der COVID-19-Pandemie auf 2021 verschoben und dort online durchgeführt. 2022 fand Paris online statt; 2023 war Bandung Gastgeber. Als zukünftige Austragungsorte nennt der Artikel Dublin 2024, Bangkok 2025 und Istanbul 2026.
Deutsche Schülerinnen und Schüler nehmen seit 2006 teil und gewannen seitdem drei Gold-, neun Silber- und acht Bronzemedaillen. Der nationale Auswahlwettbewerb findet alle zwei Jahre an weiterführenden Schulen statt und richtet sich an die Klassen 10 bis 13 im Alter von 16 bis 19 Jahren. Diercke iGeo ist ein mehrstufiger bilingualer Klausurenwettbewerb für die Oberstufe: Aufgaben, Materialien und Karten liegen auf Englisch vor und müssen auf Englisch beantwortet werden; außerdem gibt es einen Wissenstest.
Zunächst wird an Gymnasien, Gesamt- und Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe ein Schulsieger bestimmt. Dieser wird an einen Landesbeauftragten gemeldet, der einen Landessieger auswählt. Alle Landessieger nehmen am zweitägigen Bundeswettbewerb teil, in dem ein vierköpfiges Nationalteam bestimmt wird. Dort gehören neben Klausuren ein Multimedia-Test und eine Exkursion dazu. Veranstaltet wird der Wettbewerb vom Verband Deutscher Schulgeographie e.V. (VDSG) gemeinsam mit der Westermann Gruppe.