Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Irrealis
Der Konjunktiv II kann dazu benutzt werden, einen Irrealis der Gegenwart ... Konjunktiv II dient und nur selten eine temporale Funktion hat. Türkische …
Inhalt5 Abschnitte
Grundbegriff
Der Irrealis ist ein Begriff aus Grammatik und Sprachwissenschaft. Er kann in einzelnen Sprachen ein grammatisches Konzept oder ein eigenständiger Verbmodus sein. Als Verbmodus bezeichnet er Formen, mit denen Sprecher Ereignisse ausdrücken, die nicht real stattgefunden haben.
In der Sprachwissenschaft wird „Irrealis“ auch als Oberbegriff verwendet. Darunter fallen grammatische Modi, deren Gegenstand irreale Ereignisse sind. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass wichtige Informationen fehlen, besonders zu Systemen, in denen ein eigentlicher Irrealis dem Modus Realis gegenübersteht.
Sprachwissenschaftliche Einordnung
In der Sprachwissenschaft wurde der Begriff vom Gebrauch in einzelnen Sprachen gelöst und zu einer allgemeinen Kategorie weiterentwickelt. Er fasst Modi zusammen, die nicht tatsächlich eingetretene Ereignisse beschreiben.
Einige Autoren ordnen auch die Zukunft dem Irrealis zu. Der Grund ist, dass in manchen Einzelsprachen die Zukunft durch eine Verbform markiert wird, die in dieser Sprache als Irrealis dient.
Irrealis im Deutschen
Die deutsche Sprache hat keinen Irrealis als eigenständigen Modus, aber sie kennt das Konzept. Dafür wird vor allem der Konjunktiv II verwendet. Mit ihm kann ein Irrealis der Gegenwart und ein Irrealis der Vergangenheit gebildet werden, besonders in irrealen oder unerfüllbaren Konditionalgefügen.
Ein Konditionalgefüge besteht aus einem bedingenden Satz, der Protasis, und einem bedingten Satz, der Apodosis. Beispiel für den Irrealis der Gegenwart: „Wenn ich reich wäre, böten sich mir mehr Möglichkeiten.“ Beispiel für den Irrealis der Vergangenheit mit Konjunktiv II Plusquamperfekt: „Wenn ich zur Stelle gewesen wäre, hätte ich sie gerettet.“
Gegenwart und Vergangenheit können sich in Protasis und Apodosis abwechseln: „Wenn ich gelernt hätte, säße ich nun nicht ahnungslos herum.“ Dabei steht „gelernt hätte“ für einen Irrealis der Vergangenheit und „säße“ für einen Irrealis der Gegenwart.
Zukunft und Potentialis im Deutschen
Der Irrealis der Gegenwart kann im Deutschen auch auf Zukünftiges bezogen sein, wenn der Zusammenhang dies zeigt, zum Beispiel durch das Wort „morgen“: „Wenn das Wetter morgen gut wäre, könnte ich im Garten arbeiten.“
Je nach Kontext liegt aber nicht unbedingt ein Irrealis vor, sondern ein Potentialis. Potentialis bedeutet hier, dass etwas möglich ist, der Sprecher aber nicht sicher ist. Ein echter „Irrealis der Zukunft“ existiert im Deutschen nicht. Das Futur-Hilfsverb „werden“ dient nämlich als Hilfsverb für einen analytischen Konjunktiv II und hat nur selten eine zeitliche Funktion.
Türkisch und andere Sprachen
Die türkische Sprache verfügt über eine eigenständige Verbform für den Irrealis. Beispiel: „Lotoda kazan saydım ev alırdım.“ Das bedeutet: „Hätte ich im Lotto gewonnen, hätte ich ein Haus gekauft.“ Anders als im Deutschen enthält der Irrealis im Türkischen für sich allein keine Information über die Zeitstufe.
In anderen Sprachen wird der Irrealis manchmal ähnlich wie im Deutschen ausgedrückt, zum Beispiel im Lateinischen. Das Englische verwendet im bedingten Satz Formen wie „Konditional I“ mit „would + Infinitiv“ und „Konditional II“ mit „would have + Partizip II“. Eine entsprechende Umschreibung mit dem Konjunktiv von „werden“ ist auch im Deutschen häufig, heute auch im bedingenden Satz.