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Reflex
Reflexe ermöglichen Lebewesen ein Leben in einer langfristig konstanten Umwelt: durch ein auf derartige Lebensbedingungen eingestelltes automatisches, …
Grundprinzip und biologische Bedeutung [Abschnitt: mehrere]
Ein Reflex ist eine unwillkürliche, rasche und stets gleichartige Reaktion eines Tieres auf einen bestimmten Reiz. Die Reaktion wird über Nervenzellen vermittelt. Voraussetzung ist die Reizbarkeit eines Organismus: Er muss Wahrnehmungen aufnehmen, automatisch verarbeiten und durch das Zusammenspiel von Sinnesorganen, Nerven und Muskeln eine passende Reaktion entwickeln können.
Reflexe reichen vom einfachen Reflexbogen bis zu komplexen Reflexkreisen „höherer“ Art. Ein Reflexbogen verbindet die Reizaufnahme, die Verarbeitung im Nervensystem und die Reaktion eines Muskels oder Organs. Reflexe können angeboren oder erworben sein. Angeborene Reflexe gelten als biologisch vorgeformte und genetisch verankerte Reaktionsweisen. Sie werden als evolutionäre Anpassungen an langfristig konstante Lebensbedingungen verstanden. Ein Lebewesen muss solche Reaktionen nicht erst erlernen; sie können seine Anpassungs- und Überlebensfähigkeit sichern.
Reflexe ermöglichen ein automatisches, schematisches oder stereotypes Reagieren. Unter gleichbleibenden Bedingungen kann dies ausreichen, bis ein Lebewesen die Geschlechtsreife erreicht und Nachkommen zeugt. Einige angeborene Reflexe schützen den Körper oder einzelne Organe vor Schäden und heißen deshalb Schutzreflexe. Ein Beispiel ist der Lidschlussreflex.
Angeborene und erworbene Reflexe [Abschnitt: Reflexformen]
Unbedingte, unkonditionierte oder angeborene Reflexe sind bei der Geburt vollständig ausgebildet oder entwickeln sich während des Wachstums und der Reifung bis zur Geschlechtsreife. Individuen einer Art zeigen bei gleichartigen Reizkonstellationen grundsätzlich identische Reaktionen und Abläufe. Unterschiede können jedoch in der Intensität, Schnelligkeit oder Heftigkeit auftreten. Ein Beispiel ist der Lidschlussreflex.
Bedingte, konditionierte oder erworbene Reflexe sind nicht angeboren, sondern erlernt. Auch viszerale Reaktionen, also Reaktionen innerer Organe, können konditioniert werden. Iwan Petrowitsch Pawlow (1849–1936) untersuchte dies besonders ausführlich. In seinem Hunde-Experiment wurde gemeinsam mit dem Futter stets ein Glockenton dargeboten. Nach einiger Zeit produzierten die Hunde Verdauungssekrete bereits beim Glockenton allein. Der ursprünglich neutrale und für die Fütterung bedeutungslose Ton hatte damit die Auslöserfunktion des Futters übernommen. Futter und Glockenton waren durch klassische Konditionierung miteinander assoziiert worden. Durch solches assoziatives Lernen können dazu fähige Lebewesen zahlreiche Reaktionsweisen ausbilden; dieses Prinzip wurde auch bei Tierdressuren angewandt.
Reflexe nach ihrer Verschaltung und Funktion [Abschnitt: Reflexformen]
Bei einem Eigenreflex liegen Reiz und Reflexantwort im selben Organ, meist in einem Muskel. Beim Knie- oder Patellarsehnenreflex löst ein kurzer Schlag unterhalb des Knies auf die Sehne des entspannten Musculus quadriceps femoris eine Reizung der Muskelspindeln aus. Über einen im Rückenmark verschalteten Reflexbogen kontrahiert sich der Muskel, wodurch das Kniegelenk kurz gestreckt wird. Diese Gegenregulation hilft, die Körperhaltung nach einem Stoß, einer plötzlichen Lageänderung oder beim Stolpern zu erhalten oder wiederherzustellen. Eigenreflexe zeigen keine Habituation, also keine Abschwächung oder kein Ausbleiben der Antwort bei wiederholter Reizung.
Bei einem Fremdreflex nehmen ein Organ und führen ein anderes Organ die Reaktion aus. Beim Kornealreflex reizt etwa ein Luftzug die Hornhaut; daraufhin schließt sich zum Schutz das Augenlid. Fremdreflexe sind im Gegensatz zu Eigenreflexen habituierbar.
Koordinierte Reflexbewegungen aktivieren eine größere Muskelgruppe und möglicherweise zusätzlich Drüsen, Herz oder Darm. Dazu gehören der Saugreflex und der Greifreflex des Säuglings, die später normalerweise nicht mehr auftreten. Auch Gefühlsäußerungen werden als hochgradig koordinierte Reflexbewegungen beschrieben, sind wegen ihrer Komplexität jedoch teilweise bewusst beeinflussbar. Frühkindliche oder primitive Reflexe bilden eine weitere Gruppe. Stellreflexe stammen aus dem Mittelhirn und steuern die Rückkehr in eine übliche Körperhaltung, etwa wenn sich eine fallende Katze in der Luft dreht. Sie gehören zusammen mit Stehreflexen zu den statischen beziehungsweise statokinetischen Reflexen. „Atavistischer Reflex“ ist keine verhaltensbiologische Fachbezeichnung, sondern wird eher für einen „primitiven Reflex“ oder jargonhaft für situationsunangemessenes, regressives Verhalten verwendet.
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