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Hydro-Québec
Hydro-Québec (französisch, [iˈdʀo keˈbɛk]) ist ein kanadisches Unternehmen der Elektrizitätsversorgung. Das der Regierung der Provinz Québec unterstellte …
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Überblick und Bedeutung
Hydro-Québec ist ein kanadisches Staatsunternehmen der Elektrizitätsversorgung mit Sitz in Montreal. Es untersteht der Regierung der Provinz Québec und ist für Erzeugung, Übertragung und Verteilung elektrischer Energie in Québec verantwortlich. Ein Teil des Stroms wird in den Nordosten der Vereinigten Staaten exportiert. Das Unternehmen wurde am 14. April 1944 gegründet; 2023 hatte es 22.806 Mitarbeiter, einen Umsatz von 16,086 Milliarden CAD und wurde von Michael Sabia geleitet.
Hydro-Québec ist besonders wichtig, weil es Québecs Energieversorgung stark auf Wasserkraft stützt. Mit 61 Wasserkraftwerken gilt es als größter Elektrizitätsproduzent Kanadas und als weltweit größter Produzent elektrischer Energie aus Wasserkraft. 2013 betrug die installierte Leistung 36.068 MW. Die Wasserkraftprojekte senkten die Abhängigkeit von fossilen Energien; 2011 war Elektrizität mit 39,7 % die wichtigste konsumierte Primärenergie Québecs. Gleichzeitig zahlt das Unternehmen hohe Dividenden an seine einzige Aktionärin, die Provinzregierung, und ermöglicht stabile, einheitliche Stromtarife, die zu den niedrigsten in Nordamerika gehören.
Entstehung und Verstaatlichung
Die Elektrizitätsversorgung in Québec begann im späten 19. Jahrhundert. Das erste Wasserkraftwerk ging 1885 am Montmorency-Fall in Betrieb. Später dominierten private Anbieter wie Shawinigan Water and Power Company und Montreal Light, Heat and Power den Markt; vor allem in Montreal entstand ein mächtiges Gas- und Strommonopol. In den 1930er Jahren wuchs die Kritik an hohen Preisen, hohen Gewinnen und einem als undurchsichtig empfundenen „Elektrizitäts-Trust“.
1944 schuf die Regierung von Premierminister Adélard Godbout mit dem Gesetz 17 die Commission hydroélectrique de Québec, bekannt als Hydro-Québec. Das neue Staatsunternehmen übernahm Montreal Light, Heat and Power und erhielt in der Region Montreal ein Monopol auf Strom- und Gasverteilung. Es sollte die Kunden zu möglichst niedrigen Tarifen versorgen, das veraltete Netz erneuern und die ländliche Elektrifizierung fördern.
Der zweite große Schritt erfolgte während der „Stillen Revolution“. Nach einer öffentlichen Kampagne von René Lévesque wurden 1963 elf weitere private Elektrizitätsgesellschaften verstaatlicht. Hydro-Québec wurde dadurch zum mit Abstand größten Stromversorger der Provinz. Die Verstaatlichung hatte auch eine politische Bedeutung: Der Wahlslogan „Maîtres chez nous“ („Herren im eigenen Hause“) verband die Kontrolle über Energie mit wirtschaftlicher Selbstbestimmung Québecs.
Ausbau der Stromerzeugung
Seit den 1950er Jahren baute Hydro-Québec vor allem große Wasserkraftwerke im Norden Québecs. Wichtige frühe Projekte waren Bersimis-1 und Bersimis-2 am Rivière Betsiamites. In den 1960er und 1970er Jahren folgte das Projekt Manic-Outardes mit vier Kraftwerken am Rivière Manicouagan und drei am Rivière aux Outardes. Dazu gehörte der 1314 Meter breite Daniel-Johnson-Damm. Das Projekt erreichte insgesamt 3675 MW am Manicouagan und 1842 MW am Outardes. Um Strom über große Entfernungen zu übertragen, entwickelte Hydro-Québec 735-kV-Leitungen; die erste Leitung dieser Art ging am 29. November 1965 in Betrieb.
Ein weiteres wichtiges Projekt war Churchill Falls in Labrador. Hydro-Québec verpflichtete sich 1969, während 65 Jahren den größten Teil der Produktion zu einem Viertelcent pro kWh zu kaufen, und erhielt Anteile an der Betreiberfirma. Das Kraftwerk Churchill Falls mit 5428 MW ging 1971 in Betrieb. Neufundland versuchte später, den Vertrag neu zu verhandeln; der Oberste Gerichtshof von Kanada bestätigte 1984 und 1988 seine Gültigkeit.
Das größte Symbol des Ausbaus wurde das Baie-James-Projekt, 1971 von Premierminister Robert Bourassa als „Projekt des Jahrhunderts“ angekündigt. Es sah einen Wasserkraftkomplex von 10.000 MW in der Region der Baie James vor. Nach Widerstand der Cree kam es 1975 zum Abkommen der Baie James und des Quebecer Nordens, das Entschädigungen, Landrechte, Einrichtungen für Gesundheit und Bildung sowie Selbstverwaltung zusicherte. Das Kraftwerk La Grande-2, später Robert-Bourassa, ging 1979 mit 5616 MW in Betrieb. Weitere Anlagen wie La Grande-3, La Grande-4, La Grande-1, La Grande-2-A, Laforge-1, Laforge-2 und Brisay folgten bis 1996.
Eine nukleare Option spielte nur eine Nebenrolle. Gentilly-1 lief wegen technischer Probleme nur kurz und wurde endgültig stillgelegt. Gentilly-2 mit 675 MW war von 1983 bis zum 28. Dezember 2012 in Betrieb. Danach stammte fast die gesamte Produktion aus Wasserkraft.
Netz, Organisation und Finanzen
Hydro-Québec blieb ein vertikal integriertes Unternehmen, schuf aber in den 1990er Jahren getrennte Geschäftseinheiten für Stromerzeugung, Übertragung und Verteilung. Die Übertragungseinheit TransÉnergie wurde 1997 ausgegliedert. Das Gesetz 116 führte 2000 eine funktionale Trennung ein. Hydro-Québec Production muss Hydro-Québec Distribution jährlich 165 TWh Energie sowie zusätzliche Leistungen zu einem festen „Heimattarif“ von 2,79 Cents pro kWh liefern. Zusätzlicher Bedarf wird durch Ausschreibungen und Verträge gedeckt.
TransÉnergie betreibt das größte Höchstspannungsnetz Nordamerikas. Das Netz umfasste 33.885 km Hochspannungsleitungen, davon 11.422 km mit 765 kV und 735 kV, sowie 527 Umspannwerke. Das Québecer Netz arbeitet asynchron zu benachbarten Netzen der Eastern Interconnection; für Stromhandel nutzt Hydro-Québec deshalb Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung und Gleichstromkurzkupplungen. Dieses Merkmal trug dazu bei, dass Québec vom großen Stromausfall in Nordostamerika am 14. August 2003 weitgehend verschont blieb.
Die Regulierung erfolgt vor allem durch die Régie de l’énergie du Québec. Sie legt Verkaufspreise und Übertragungstarife fest, genehmigt Budgets, Investitionen, Lieferverträge und Programme zur Energieeffizienz. Neue Kraftwerke und Leitungen benötigen Umweltverträglichkeitsprüfungen und öffentliche Anhörungen des Bureau d’audiences publiques sur l’environnement.
Finanziell ist Hydro-Québec für Québec bedeutend. 2013 erzielte das Unternehmen einen Reingewinn von 2,942 Milliarden Dollar, einen Umsatz von 12,881 Milliarden Dollar und schüttete 2,207 Milliarden Dollar Dividende an die Provinzregierung aus. Zwischen 2009 und 2013 gingen insgesamt 8,867 Milliarden Dollar Dividenden an die Regierung. Eine wiederkehrende Debatte betrifft Privatisierung; Befürworter verweisen auf mögliche Einnahmen und Effizienz, Gegner auf höhere Preise, den Verlust eines strategischen Vermögenswerts und Hydro-Québecs Rolle als Symbol des nationalen Erfolgs Québecs.
Kunden, Tarife und Export
Hydro-Québec versorgt Haushalte, Landwirtschaft, gewerbliche und institutionelle Kunden, Kleinindustrie und Großindustrie. Ende 2013 hatte das Unternehmen 4.141.990 Kunden; 2023 waren es nach Betriebsstatistik 4.556.092 Kunden. Die Tarife sind in ganz Québec einheitlich und hängen von Kundentyp und Verbrauchsmenge ab. Nach stabilen Preisen von 1998 bis 2004 genehmigte die Regulierungsbehörde zwischen 2004 und 2010 acht Erhöhungen von insgesamt 18,4 %, danach kleine Senkungen in den Jahren 2011 und 2012.
Haushalte verbrauchen vergleichsweise viel Strom, weil viele Gebäude elektrisch beheizt werden. 68 % aller Haushalte besaßen eine Elektroheizung; das Heizen macht mehr als die Hälfte des häuslichen Energieverbrauchs aus. Die Spitzennachfrage entsteht deshalb meist im Winter. Der bisherige Rekord lag am 22. Januar 2014 um 7:26 Uhr bei 39.240 MW.
Die Industrie profitiert von niedrigen Tarifen, besonders energieintensive Branchen wie Aluminium und Papier. 2012 verbrauchten industrielle Kunden 65,9 TWh, also 32,8 % der Verkäufe auf dem Heimmarkt. Umstritten ist, ob niedrige Preise für Großindustrie wirtschaftlich sinnvoller sind als höhere Exporterlöse.
Hydro-Québec verkauft überschüssigen Strom an benachbarte Netze in Kanada und den USA, über langfristige Verträge und Spotmärkte in Neuengland, New York und Ontario. 2013 wurden 32.208 GWh exportiert, mit Einnahmen von 1,525 Milliarden CAD. Wasserkraft bietet im Handel Vorteile: Sie benötigt keinen Brennstoff, lässt sich flexibel an Nachfrage anpassen, und Québecs Winterspitzen unterscheiden sich von den Sommerspitzen benachbarter Netze.
Umwelt, Konflikte und Gesellschaft
Der Ausbau der Wasserkraft brachte große wirtschaftliche Vorteile, aber auch erhebliche ökologische und soziale Folgen. Stauseen überfluteten weite Gebiete, veränderten Lebensräume, erhöhten zeitweise Quecksilbergehalte in Fischen und konnten Treibhausgasemissionen aus überfluteten Flächen verursachen. Studien in der Baie-James-Region zeigten, dass der Quecksilberanteil in Fischen in den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Überflutung auf das Fünf- bis Sechsfache steigt und danach allmählich zum ursprünglichen Wert zurückgeht.
Besonders betroffen waren indigene Gruppen wie Cree, Inuit und Innu. Wasserkraftprojekte beeinflussten Bootsfahrten, Jagdgründe, Fischerei, Fallenstellergebiete und Ernährungsgewohnheiten. Die Cree erreichten beim Baie-James-Projekt Entschädigungen und Rechte; 2002 folgte der „Paix des Braves“, der den Cree über 50 Jahre 4,5 Milliarden Dollar zusicherte und neue Regeln für künftige Projekte festlegte.
In den 1980er und 1990er Jahren wuchs der Widerstand gegen neue Großprojekte. Das Grande-Baleine-Projekt mit drei Kraftwerken und 3,160 GW Leistung wurde nach Protesten der Cree und von Umweltgruppen 1994 suspendiert. Auch das geplante Suroît-Gaskraftwerk mit 836 MW wurde 2004 aufgegeben, weil es jährlich 2,25 Millionen Tonnen CO₂ ausgestoßen und die Emissionen der Provinz um fast drei Prozent erhöht hätte.
Hydro-Québec wurde außerdem durch Naturereignisse herausgefordert. 1989 verursachte ein geomagnetischer Sturm einen neunstündigen Stromausfall. Der Eissturm vom 5. bis 10. Januar 1998 führte zum größten Stromausfall in der Geschichte des Unternehmens: Rund 1,4 Millionen Abonnenten waren mehrere Stunden bis fünf Wochen ohne Strom. Danach investierte Hydro-Québec über eine Milliarde Dollar in die Stärkung des Netzes.
In Québec hat Hydro-Québec auch kulturelle Bedeutung. Das Unternehmen gilt als Symbol der wirtschaftlichen Modernisierung und des frankophonen Selbstbewusstseins der Provinz. Zugleich machte der Ausbau im Norden die politischen und rechtlichen Forderungen der Ureinwohner sichtbarer.