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Hoss und Hopf
Hoss und Hopf (Eigenschreibweise Hoss & Hopf) war ein deutscher Podcast der Finanzinfluencer Kiarash Hossainpour und Philip Hopf.
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Überblick und Entwicklung
Hoss & Hopf war ein deutschsprachiger Podcast der Finanzinfluencer Kiarash Hossainpour, genannt Kian Hoss, und Heiner Philip Steven Hopf, genannt Philip Hopf. Er erschien vom 22. September 2022 bis zum 5. Dezember 2025, umfasste 305 Folgen von jeweils etwa 20 bis 90 Minuten und verband Finanzthemen mit Politik, Gesellschaft und aktuellen Ereignissen. Medien und Politikwissenschaftler ordneten ihn häufig als rechtspopulistisch oder rechtslibertär ein und warfen den Podcastern wiederholt Falschinformationen und Verschwörungstheorien vor.
Zu Beginn gab es nach Angaben der Moderatoren keine feste thematische Ausrichtung. Sie sprachen über Wirtschaft, Politik, Alltag, aktuelle Trends und persönliche Interessen. Hossainpour behandelte auf seinem später eingestellten YouTube-Kanal vor allem Kryptowährungen und verdiente unter anderem an Affiliate-Links von Kryptobörsen. Hopf war Geschäftsführer der Firma HKCM, die umstrittene Finanzanalysen anbietet, und stellte auf seinem eigenen YouTube-Kanal Anlagestrategien vor. Hossainpour lebte nach eigenen Angaben in Dubai; Hopf zog im Herbst 2024 nach Zürich.
Im Januar 2026 wurde bekannt, dass der gemeinsame Podcast mit der Folge vom 5. Dezember 2025 geendet hatte. Hopf bezeichnete die Trennung in der Jungen Freiheit als einvernehmlich. Hossainpour sprach dagegen von Streit und Ego-Problemen und drohte mit Enthüllungen über Hopf. Seit Februar 2026 produziert Hopf gemeinsam mit dem umstrittenen Edelmetallhändler Dominik Kettner den Podcast Hopf & Kettner.
Reichweite und Geschäftsmodell
Der Podcast erschien zweimal pro Woche und erreichte im Dezember 2023 hohe Positionen in den deutschsprachigen Spotify-Podcastcharts. Mitte August 2024 lag er dort insgesamt auf Platz 15 und in der Kategorie „Gesellschaft & Kultur“ auf Platz 2. Bis September 2024 wuchs sein YouTube-Kanal auf mehr als 317.000 Abonnements und 201 Videos. Eine Millionenreichweite entstand besonders durch kurze Ausschnitte, die Nutzer auf TikTok und Instagram veröffentlichten; die vollständigen Folgen waren unter anderem auf YouTube, iTunes und Spotify verfügbar.
Die Verbreitung der Kurzvideos wurde durch einen monatlichen Wettbewerb gefördert. Teilnehmer konnten für stark geklickte Ausschnitte mehrere hundert bis mehrere tausend Euro erhalten. Die kurzen Beiträge führten laut Kritikern zu einer zusätzlichen Zuspitzung und Dramatisierung der Aussagen.
Der Stern-Autor Phil Göbel sah ein Erfolgsprinzip im Spiel mit Zweideutigkeit und angedeuteten, vermeintlich verborgenen Informationen: Wer die Anspielungen verstehe, fühle sich einer eingeweihten Gruppe zugehörig; ob die Aussagen stimmten, werde dabei zweitrangig. Der Finanzwissenschaftler Hans-Peter Burghof hielt die Verbindung politischer und wirtschaftlicher Themen für charakteristisch. Nach seiner Einschätzung entstand eine gemeinsame Marke mit Hopf als scheinbar umfassendem Erklärer, die das Publikum band und zugleich genutzt wurde, um Finanzprodukte anzubieten. Philip Hopf erklärte selbst, die Erzeugung von Reichweite sei ein Ziel des Podcasts gewesen.
Kritik durch Medien und Fachleute
Seit 2023 kritisierten zahlreiche Medien die politischen und gesellschaftlichen Aussagen des Podcasts. Belltower.News verband seine Inhalte über den „Großen Austausch“ und die Familie Rothschild mit reaktionären Ideologien, Antifeminismus und Faschismus. Der Lehrer und Bildungsinfluencer Bob Blume bezeichnete die Inhalte im Januar 2024 als „Gift für die Jugend“. Er sah darin eine Verbindung von scheinbar objektivem Finanzwissen, männlich dominierter Esoterik und einem aus den USA kommenden libertären Kapitalismus, der rassistische Haltungen begünstigen könne.
Eine breitere öffentliche Debatte begann im Februar 2024 nach einem Stern.de-Artikel über eine Mutter, deren Sohn nach dem Kontakt mit dem Podcast durch „AfD-nahe“ Äußerungen aufgefallen sei. Danach berichteten unter anderem Deutschlandfunk Nova, Der Spiegel, Zeit Online, Focus Online, Süddeutsche Zeitung und WDR. Die Beiträge ordneten Hoss & Hopf wiederholt als rechtslibertär und AfD-nah ein und warfen den Moderatoren vor, unter Jugendlichen rechtspopulistische Aussagen, Verschwörungstheorien und Falschmeldungen zu verbreiten. Betroffen waren unter anderem die Themen Klimawandel, Flüchtlingspolitik und Gesundheit. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb eine inszenierte Wahrnehmung Deutschlands als desolaten Staat. Die Zeit kritisierte rechtskonservative Parolen, rassistische Ressentiments, einen antisemitischen Verschwörungsmythos und die Leugnung des Klimawandels.
Mathias Greffrath schrieb im Juni 2024 in der taz, die Podcaster hätten frühere „faschistoide Sprüche“ zwar verringert, leugneten aber weiterhin unter anderem den Klimawandel. Er sah eine gezielte Ansprache orientierungssuchender Jugendlicher und ein verstärktes Eintreten für die AfD. Übermedien bewertete einige Zuschreibungen und Vorwürfe als berechtigt, kritisierte die Berichterstattung jedoch teilweise als ungenau, oberflächlich und zugespitzt. Die Wirkung des Podcasts sei subtiler als offener Rechtsextremismus und daher nur durch ausführliche Recherche angemessen zu erklären.
Der Politikwissenschaftler Hans-Peter Burghof bezeichnete Hopfs persönliche Finanzanalysen als „Kaffeesatzleserei“. Hopf nutze politische Unzufriedenheit, um durch gemeinsame Empörung ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen; wirtschaftliche Eigeninteressen seien dabei erkennbar. Eine zunächst auf beide Moderatoren bezogene Kritik wurde später vom Deutschlandfunk und von der Tagesschau berichtigt und auf Hopf eingeschränkt. Michael Blume, Politikwissenschaftler und baden-württembergischer Beauftragter gegen Antisemitismus, nannte beide „Verschwörungsunternehmer“. Er sah bei ihnen eine „libertäre Verschwörungsmythologie des Geldes“, die besonders jungen Männern Identifikationsangebote mache und mit Selbstoptimierung und Selbstfindung verbunden werde.
Der Tages-Anzeiger kritisierte nach einer Veranstaltung in Zürich eine Aneinanderreihung von Binsenweisheiten und die Behauptung, Erfolg entstehe allein durch ausreichenden Willen. 2025 erhielt der Podcast den Negativpreis Goldenes Brett vorm Kopf der Wiener Regionalgruppe der GWUP für „besonders herausragenden pseudowissenschaftlichen Unsinn“. Zur Begründung hieß es, Verschwörungserzählungen seien wohlwollend unterstützt und widersprechende Fakten marginalisiert oder ignoriert worden.
Kontroverse um TikTok
Besondere Kritik galt im Februar 2024 dem Wettbewerbssystem zur Verbreitung von Podcastausschnitten auf TikTok. Kritiker sahen in der selektiven Auswahl der Informationen und einer „rechten Wortwahl“ die Gefahr einer verzerrten Wahrnehmung. TikTok entfernte daraufhin einen Kanal mit 160.000 Followern, der Ausschnitte des Podcasts veröffentlicht hatte. Als Grund nannte die Plattform „gefährliche Falschinformationen und gefährliche Verschwörungstheorien“. Auf anderen Plattformen waren die Inhalte weiterhin zugänglich. Spotify erklärte, der Podcast verstoße nicht gegen seine Regeln, die beispielsweise gewalttätigen Extremismus untersagen.
Eine Watson-Recherche von 2023 kritisierte, dass Empfehlungsmechanismen von Spotify und YouTube nach dem Aufrufen eines rechten Profils weitere ähnliche Inhalte vorschlagen könnten. Ruben Rupp, medienpolitischer Sprecher der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg, bezeichnete die TikTok-Sperrung dagegen als einen der größten Zensurskandale der Bundesrepublik und verlangte die Wiederherstellung des Kanals. Erik Ahrens, damals Social-Media-Stratege der rechtsextremen Szene, beschrieb rechtslibertäre „Kryptobros“ als geeignet, Jugendliche mit Kryptowährungen und Luxusbildern anzulocken, ihnen ein „AfD-Mindset“ zu vermitteln und damit den politischen Diskurs zugunsten der Rechten zu verschieben.
Reaktion der Podcaster
Hossainpour und Hopf wiesen die Vorwürfe überwiegend zurück und bezeichneten die breite Berichterstattung als „koordinierte Medienattacke“, legten dafür aber keine Belege vor. Sie bestritten insbesondere eine AfD-Nähe, eine rechtslibertäre Ausrichtung und Frauenfeindlichkeit. Die Einordnung als rechtslibertär oder rechtsextrem nannten sie unter anderem mit dem Hinweis absurd, Hossainpour sei iranischer Herkunft und Hopf mit einer Muslima aus Tunesien verheiratet.
Nach Angaben von SWR Aktuell kündigten sie Anfang 2024 Verbesserungen an. Sie wollten zusätzliche Faktenchecker beschäftigen und durch Gäste mehr Dialog und Meinungsvielfalt ermöglichen. Hopf nahm die falsche Aussage zurück, Deutschland habe mehr Geflüchtete aufgenommen als alle anderen EU-Länder zusammen. Beide distanzierten sich von dem Ziel, durch Falschinformationen Reichweite zu erzielen, und von dem Ruf, Informationen verkürzt darzustellen.
Nach ihren Angaben machten Jugendliche gemäß den Auswertungsmöglichkeiten von YouTube nur 0,4 Prozent ihres Publikums aus. Zugleich erklärten sie, sie seien keine Journalisten und betrachteten es deshalb nicht als ihre Pflicht, Informationen einzuordnen oder objektiv zu behandeln.