Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Nordpol

Es folgen langsamer Sonnenuntergang, mehrwöchige Dämmerung, mehrere Monate Polarnacht, mehrwöchige Morgendämmerung und langsamer Sonnenaufgang. Da sich die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Lage
  2. 2. Geographischer Nordpol
  3. 3. Magnetischer und geomagnetischer Pol
  4. 4. Erforschung und Erreichen
  5. 5. Unzugänglichkeit, Umwelt und Politik

Begriff und Lage

Der Nordpol ist im allgemeinen Sprachgebrauch der nördlichste Punkt der Erde. Gemeint ist meist der geographische Nordpol, also der nördliche Schnittpunkt der Erdachse mit der Erdoberfläche. Daneben unterscheidet man den arktischen Magnetpol, den arktischen geomagnetischen Pol und den Nordpol der Unzugänglichkeit. Diese vier Punkte haben unterschiedliche Definitionen und liegen nicht an derselben Stelle.

Die Pole der nördlichen Hemisphäre befinden sich derzeit im Arktischen Ozean, auch Nordpolarmeer genannt, oder auf dessen Inseln. Während der geographische Nordpol durch die Rotationsachse bestimmt wird, verändern der arktische Magnetpol und der arktische geomagnetische Pol ihre Lage mit dem Erdmagnetfeld.

Geographischer Nordpol

Der geographische Nordpol liegt bei 90° 0′ N und besitzt keine eindeutige geographische Länge. Von diesem Punkt aus führt jede waagerechte Blickrichtung nach Süden. Er ist der Antipode, also der genau gegenüberliegende Punkt, des geographischen Südpols.

Der Nordpol liegt auf der Nordamerikanischen Platte, aber nicht auf Festland. Er befindet sich auf einer schwimmenden, etwa 2 bis 3 m dicken Eisdecke über dem dort 4087 m tiefen Nordpolarmeer. Der Polarstern steht fast im Zenit; 2008 betrug sein Abstand davon nur 42′. Vom 21. März bis zum 23. September geht die Sonne nicht unter. Auf diesen Polartag folgen ein langsamer Sonnenuntergang, mehrere Wochen Dämmerung, mehrere Monate Polarnacht, eine mehrwöchige Morgendämmerung und ein langsamer Sonnenaufgang.

Auch der geographische Pol ist langfristig nicht völlig ortsfest, weil sich die Lage der Erdachse verändert. Nachdem sich die durchschnittliche jährliche Polposition lange in Richtung Westgrönland bewegt hatte, begann sie etwa 2005 nach Osten zu driften. Satellitengestützte Schwerkraftmessungen führen rund 90 % dieser Änderung auf das beschleunigte Abschmelzen von Eisschilden und Berggletschern sowie den damit verbundenen Meeresspiegelanstieg zurück. Die Verschiebung ist mit ungefähr 3 Millimetern pro Jahr jedoch sehr klein und nicht mit der viel stärkeren Wanderung des Magnetpols vergleichbar.

Magnetischer und geomagnetischer Pol

Der arktische Magnetpol ist der Punkt, an dem die Feldlinien des Erdmagnetfeldes senkrecht zur Erdoberfläche in die Erde eintreten. Physikalisch handelt es sich deshalb um einen magnetischen Südpol, obwohl er in geographischen Zusammenhängen meist „magnetischer Nordpol“ heißt, weil er nahe dem geographischen Nordpol liegt. Diese gegensätzliche Benennung entstand, weil ursprünglich das nach Norden weisende Ende einer Magnetnadel als deren Nordpol bezeichnet wurde.

Gewöhnliche Kompasse können sich innerhalb eines Radius von ungefähr 2000 km um den Magnetpol nicht mehr zuverlässig nach Norden ausrichten: Die waagerechte Komponente des Erdmagnetfeldes ist dort zu schwach. Ein geeigneter Spezialkompass zeigt am arktischen Magnetpol mit seiner Norden-Markierung senkrecht nach unten.

James Clark Ross erreichte den arktischen Magnetpol erstmals am 1. Juni 1831 nahe Kap Adelaide auf der kanadischen Boothia-Halbinsel; damals wurden 70° 5′ N, 96° 28′ W bestimmt. Messdaten der Swarm-Satelliten ergaben für 2019 eine Lage bei 86,60° N, 171,66° O. Nach dem World Magnetic Model lag er 2025 rechnerisch bei 85,762° N, 139,298° O.

Der Magnetpol wandert ständig. In den vergangenen Jahrzehnten bewegte er sich von der kanadischen Arktis in Richtung Sibirien. Seine Geschwindigkeit stieg zeitweise auf mehr als 50 km pro Jahr und sank bis zur Veröffentlichung des World Magnetic Model 2025 auf etwa 35 km pro Jahr. Eine Studie von 2020 erwartete für das folgende Jahrzehnt eine weitere Bewegung um ungefähr 500 km, mit einer Spannweite von 390 bis 660 km, in Richtung Sibirien. Zusätzlich umläuft der Pol seine mittlere Position täglich auf einer elliptischen Bahn. Störungen des Erdmagnetfeldes können ihn vorübergehend um bis zu 50 km versetzen.

Die Abweichung zwischen geographischem Nordpol und Magnetpol heißt Deklination. Weil sie sich laufend verändert, müssen Karten, Funkfeuer und andere Navigationshilfen regelmäßig angepasst werden. In der Erdgeschichte hat sich das Magnetfeld mehrfach umgepolt, was sich an der Ausrichtung eisenhaltiger Ablagerungen in Sedimenten erkennen lässt. Einige Wissenschaftler betrachten die beschleunigte Polwanderung als mögliches Indiz für eine langfristig bevorstehende Umpolung.

Der arktische geomagnetische Pol ist dagegen ein theoretisch berechneter Pol. Sein Modell behandelt das unregelmäßige Erdmagnetfeld so, als befände sich im Erdmittelpunkt ein Stabmagnet. Magnetpole werden durch Messungen bestimmt, geomagnetische Pole durch Berechnungen. Auch die geomagnetischen Pole sind nicht ortsfest und bewegen sich ähnlich wie die Magnetpole. Die beiden geomagnetischen Pole liegen sich genauer gegenüber als die tatsächlich gemessenen Magnetpole.

Erforschung und Erreichen

Vor der tatsächlichen Erforschung gab es zahlreiche falsche Vorstellungen vom Nordpol, etwa von einem milden Land im höchsten Norden, einer sichtbaren Erdachse oder einem arktischen Vulkan.

Robert Edwin Peary, Matthew Henson und ihre Inughuit-Begleiter erklärten, den geographischen Nordpol am 6. April 1909 erreicht zu haben. Dies gilt jedoch nicht als wissenschaftlich gesichert, weil Pearys Aufzeichnungen ungenau sind und die angegebenen Reiseleistungen durch das Packeis als kaum möglich gelten. Auch Frederick Cooks Behauptung, bereits am 21. April 1908 dort gewesen zu sein, wird wegen mehrerer Ungereimtheiten nicht anerkannt.

Zweifelsfrei belegt ist die Überfliegung des Nordpols 1926 durch Umberto Nobile, Roald Amundsen und Lincoln Ellsworth mit dem Luftschiff Norge. 1937 flog eine sowjetische Gruppe unter Iwan Papanin bis auf etwa 20 km an den Pol heran, um die erste Polarstation Nordpol-1 zu errichten. Am 23. April 1948 erreichte die sowjetische Expedition Nord-2 unter Alexander Kusnezow den Pol zunächst mit dem Flugzeug und anschließend zu Fuß. Ihre Mitglieder waren damit die ersten Menschen, die nachweislich den Nordpol betraten.

Ralph Plaisted gelangte 1968 mit einer vierköpfigen Schneemobil-Expedition nachweislich über das Eis zum Pol. 1969 folgte Sir Walter William Herbert mit Hundeschlitten. Das nukleargetriebene U-Boot Nautilus erreichte den geographischen Nordpol am 3. August 1958 als erstes Schiff unter dem Eis. Am 17. März 1959 durchbrach die Skate dort als erstes U-Boot die Eisdecke. Der sowjetische Atomeisbrecher Arktika erreichte den Pol am 17. August 1977 als erstes über Wasser fahrendes Schiff.

Im April 1990 untersuchte eine deutsch-schweizerische Expedition die Verschmutzung von Eis, Schnee und Luft. 1991 gelangten mit dem schwedischen Eisbrecher Oden und dem deutschen Forschungsschiff Polarstern erstmals zwei konventionell angetriebene Schiffe zum Pol. Den Meeresgrund in 4087 m Tiefe erreichte dort erstmals 2007 eine russische Forschungsexpedition.

Unzugänglichkeit, Umwelt und Politik

Der Nordpol der Unzugänglichkeit bezeichnet den Punkt des Nordpolarmeeres, der am weitesten von den umgebenden Küsten entfernt liegt. Er wird als Mittelpunkt des größtmöglichen Kreises innerhalb der umliegenden Meeresufer bestimmt und befindet sich bei 84° 3′ N, 174° 51′ W, etwa 660 km vom geographischen Nordpol entfernt. Da sich Küstenlinien mit dem Meeresspiegel verändern, kann sich auch seine Position etwas verschieben. Der Punkt wurde erstmals 1927 erreicht. Unter ihm liegen kein Festland, sondern Eis und das dort ungefähr 3000 m tiefe Nordpolarmeer. Der Ausdruck gilt als irreführend, weil Arktisexpeditionen nicht hauptsächlich von den nächstgelegenen Küsten ausgehen; Unzugänglichkeitspole besitzen keine praktische Bedeutung.

Am Nordpol besteht die polare Eiskappe aus nur wenigen Metern dickem Meereis. Zum Vergleich liegt am Südpol über 1000 m dickes Gletschereis. Die polaren Eisschelfe sind infolge der menschengemachten globalen Erwärmung von zunehmender Eisschmelze betroffen. Beide Pole sind außerdem wichtige Zentren des weltweiten Wettergeschehens. Dazu gehören die Polarwirbel im Rahmen der arktischen Oszillation, Einflüsse auf den Jetstream und die Rolle der Polarregionen bei der thermohalinen Zirkulation der Ozeane, also der durch Temperatur- und Salzgehaltsunterschiede angetriebenen Meeresströmung.

Der politische Status ist wegen möglicher Rohstoffvorkommen und territorialer Ansprüche bedeutsam. Am 2. August 2007 setzten zwei russische Mir-Tauchboote in 4261 m Tiefe eine Titankapsel mit russischer Flagge auf dem Meeresgrund ab. Durch Bodenproben sollte die Behauptung gestützt werden, der Nordpol gehöre zum sibirischen Festlandsockel. Auch Dänemark, Kanada und Norwegen könnten Ansprüche erheben. Der Polarforscher Arved Fuchs bezeichnete 2007 einen politisch-wirtschaftlichen Wettlauf um den Nordpol und seine fossilen Brennstoffe als wahrscheinlich.

Weiterlesen

Pol der Unzugänglichkeit Nordpol der Unzugänglichkeit ; Festländern und Inseln entfernt ist. Er liegt 772 Kilometer vom ; geographischen Nordpol, 1465 Kilometer nördlich von Utqiaġvik ( … Pol (Geographie) Als Pol bezeichnet man in der Geographie und Astronomie die Durchstoßpunkte der Rotationsachse eines rotationssymmetrischen Himmelskörpers mit seiner … Norden Norden oder Nord ist eine der vier Haupthimmelsrichtungen. Norden bzw. die Nordrichtung wird verwendet zur Navigation und zur Angabe von Koordinaten. Erde Die Erde ist der dichteste, fünftgrößte und der Sonne drittnächste Planet des Sonnensystems. Bisher konnte auf keinem anderen Planeten unseres Sonnensystems … Erdachse Die Erdachse ist die Rotationsachse der Erde. Sie verläuft durch den Massenmittelpunkt des Erdkörpers, das Geozentrum. Im Rahmen des äquatorialen … Nordhalbkugel Bei den vier astronomischen Jahreszeiten bestimmen die Äquinoktien (Tagundnachtgleichen) und Solstitien (Sonnenwenden) jeweils das Datum von Beginn und Ende. Arktischer Ozean Der Arktische Ozean, auch Nordpolarmeer, Nördliches Eismeer, Arktische See oder kurz Arktik genannt, ist mit 14,09 Millionen km² der kleinste Ozean der Erde … Erdmagnetfeld Das Erdmagnetfeld durchdringt und umgibt die Erde. Es besteht aus drei Komponenten. · Ein zweiter Anteil des Erdmagnetfeldes entsteht durch elektrische Ströme in … Geographie Weitere sozialwissenschaftlich orientierte Bereiche der Geographie stellen die Bevölkerungsgeographie, die Bildungsgeographie und die Religionsgeographie dar. Geographische Breite Die geographische Breite (B oder φ), auch geodätische Breite oder Breitengrad genannt (lateinisch latitudo, englisch latitude; internationale Abkürzung Lat. Polartag Der Polartag ist in den Polargebieten ein Zeitraum um die Sonnenwenden, in der nördlichen Polarregion um die Sommersonnenwende im Juni. Dämmerung Als Dämmerung bezeichnet man den fließenden Übergang von Lichtverhältnissen zu Anfang und Ende des lichten Tages im Wechsel zur Nacht, die aufgrund des …