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Himmelsbestattung

Die Himmelsbestattung ist als Form der Luftbestattung eine in verschiedenen Ländern Zentralasiens praktizierte Bestattungsart. Objektiv begründet ist sie …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Voraussetzungen
  2. 2. Form in Tibet
  3. 3. Mongolische Tradition
  4. 4. Zoroastrismus und Indien
  5. 5. Weitere historische Hinweise
  6. 6. Kulturelle Rezeption

Grundidee und Voraussetzungen

Die Himmelsbestattung ist eine Form der Luftbestattung, die in verschiedenen Ländern Zentralasiens praktiziert wurde oder wird. Dabei wird ein Leichnam nicht in der Erde begraben und nicht verbrannt, sondern so abgelegt, dass Vögel oder andere Tiere ihn aufnehmen können. Objektiv erklärt wird diese Bestattungsart durch die natürlichen Bedingungen: In Steppenregionen ist die Erde oft zu hart für eine Erdbestattung, und für eine Feuerbestattung fehlt häufig Brennholz. Aus diesen praktischen Gründen entstanden später ethische Grundsätze und religiöse Deutungen.

Der englische Begriff Sky Burial bezieht sich auf die erhöhte Platzierung Verstorbener. Er umfasst sowohl Bestattungsbäume als auch eigens errichtete Plattformen, etwa in baumarmen Regionen wie den Great Plains. Solche Formen wurden unter anderem von verschiedenen indigenen Völkern Nordamerikas, zum Beispiel den Sioux, praktiziert. Die erhöhte Lage ermöglichte eine langsame Verwesung außerhalb der Reichweite von Raubtieren.

Form in Tibet

In Tibet ist die Himmelsbestattung am weitesten verbreitet und wird bis heute neben Feuer- und Erdbestattungen regelmäßig durchgeführt. Obwohl diese Bestattungsart für den Buddhismus sonst unüblich ist, wurde sie in den regionalen Buddhismus eingebunden. Gründe dafür sind der Mangel an Brennholz und der im Winter gefrorene Boden. Himmelsbestattungen finden im „Tal des Buddha“ statt, das in der Nähe des Kailash liegt, dem tibetischen „Sitz der Götter“.

Die tibetische Bezeichnung lautet jhator (བྱ་གཏོར་), wörtlich „Vogel-verstreut“. Der Leichnam bleibt zunächst einige Tage im Haus und wird symbolisch weiter mit Essen versorgt. Während dieser Zeit von drei bis fünf Tagen liest ein Lama dem Toten aus dem Tibetischen Buch der Toten vor. Dadurch soll die Seele des Toten zum Verlassen des Körpers bewegt werden.

Am Tag der Bestattung wird der Leichnam nach einer letzten Beschwörung durch den Lama noch vor Sonnenaufgang zum Bestattungsplatz gebracht. Dort zerteilen die Leichenbestatter, die Ragyapas, den Körper und überlassen ihn den zuvor angelockten Geiern. Nach tibetischer Vorstellung tragen die Geier den Verstorbenen ins Bardo. Das Bardo ist ein Zustand zwischen dem Tod und der Wiedergeburt.

Während der Deutschen Tibet-Expedition Ernst Schäfer 1938/39 wurde eine Himmelsbestattung von Expeditionsteilnehmern gefilmt. Die Szene wurde auch Teil des Dokumentarfilms Geheimnis Tibet von 1943.

Mongolische Tradition

In der Mongolei und bei benachbarten Steppenvölkern war die Himmelsbestattung bis Anfang des 20. Jahrhunderts üblich. Dort handelt es sich um einen schamanistischen Brauch mit jahrhundertealter Tradition, der bereits vor der Einführung des Buddhismus bestand.

Im Unterschied zu Tibet wurde der Körper nicht zerteilt, sondern als Ganzes in die Steppe gelegt. Beim Transport durfte der Leichnam nicht durch die Tür der Jurte getragen werden, weil die Schwelle als Hindernis für seinen Geist galt. Stattdessen öffnete man neben der Tür das Scherengitter der Wand, um einen Durchlass zu schaffen.

Die Geschwindigkeit, mit der Vögel und andere Wildtiere den Leichnam beseitigten, galt als Hinweis auf den Lebenswandel des Verstorbenen. In der Zeit des Sozialismus wurde dieser Brauch zugunsten der Erdbestattung im europäischen Stil bekämpft. Diese Erdbestattung setzte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts weitgehend als übliche Bestattungsform durch.

Zoroastrismus und Indien

Im Zoroastrismus wurde die Himmelsbestattung in sogenannten „Türmen der Stille“ oder Dachmas praktiziert. Eine Dachma ist ein zum Himmel offener Turm, in dem Tote abgelegt und Geiern überlassen werden. Diese Praxis gibt es heute beispielsweise bei Parsen in Mumbai.

Der Artikel erwähnt außerdem eine Darstellung des italienischen Autors Antonio Tabucchi in seinem Indischen Nachtstück. Dort wird beschrieben, dass die Kanalisation der Stadt verschlossen wurde, um eine Verunreinigung des Wassers durch Leichenteile zu verhindern, die von Krähen oder Raben verteilt wurden.

Weitere historische Hinweise

Auch für andere Kulturen und frühe Fundorte werden Formen oder mögliche Spuren der Himmelsbestattung genannt. Bei den späten Kelten heißt es, dass sie ihre Toten nicht mehr bestatteten, sondern in Bäume hängten, vielleicht auf Totenbetten platzierten.

Für die Vorgeschichte wird die neolithische Siedlung Çatalhöyük in der Türkei erwähnt. Dort fand man eine Wandmalerei mit kopflosen Leichnamen und Geiern. Diese Darstellung wird als mögliche absichtliche Entfleischung durch Geier gedeutet. Gegen diese Deutung spricht jedoch, dass eine größer dargestellte Figur die Vögel offenbar mit einer Schleuder angreift. Gewöhnlich wurden Leichen in Çatalhöyük im Innern der Häuser in Lehmbänken bestattet.

Klaus Schmidt, der Leiter der Ausgrabung der Siedlung auf dem Göbekli Tepe aus der Zeit des PPNA, hielt es für möglich, dass dieses Bauwerk auch als Dachma verwendet wurde.

Kulturelle Rezeption

Als Beispiel für moderne kulturelle Rezeption nennt der Artikel den Song Jhator der österreichischen Post-Black-Metal-Band Harakiri for the Sky. Der Song ist von der gleichnamigen tibetischen Himmelsbestattung inspiriert.

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