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Hessenkrieg
Der Konflikt geht zurück auf eine Erbteilung nach dem Tod des letzten gesamthessischen Landgrafen Philipp I. im Jahre 1567. Hessenkrieg. Teil von: …
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Überblick und Bedeutung
Der Hessenkrieg war ein langjähriger Erb- und Machtkonflikt zwischen den Linien Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt des Hessischen Fürstenhauses. Im weiteren Sinn bezeichnet er die fast 80 Jahre dauernden, teils diplomatischen und teils militärischen Auseinandersetzungen, die auf die hessische Erbteilung von 1567 zurückgingen. Im engeren Sinn meint er den offenen Krieg von 1645 bis 1648.
Auslöser war das Marburger Erbe: Nach dem Aussterben von Hessen-Marburg 1604 beanspruchten Kassel und Darmstadt dessen Gebiet. Der Konflikt war eng mit dem Dreißigjährigen Krieg verbunden. Das reformierte Hessen-Kassel stand auf protestantisch-schwedischer Seite, Hessen-Darmstadt trotz lutherischer Konfession auf katholisch-kaiserlicher Seite. Der eigentliche Hessenkrieg spielte vor allem in Oberhessen; hessische Söldner kämpften jedoch auch etwa in Westfalen, Obergeldern, am Niederrhein und im Herzogtum Braunschweig.
Hessen-Kassel gewann 1648. Oberhessen wurde geteilt: Kassel erhielt ein Viertel des früheren Hessen-Marburg einschließlich Marburg, während der übrige Teil bei Hessen-Darmstadt blieb.
Erbteilung und Marburger Erbe
Nach dem Tod Philipps I. „des Großmütigen“ 1567 wurde die Landgrafschaft Hessen nach einem Hausgesetz unter seine vier Söhne geteilt. Wilhelm erhielt Hessen-Kassel im Norden mit Kassel, etwa die Hälfte Hessens. Ludwig erhielt Hessen-Marburg in Oberhessen mit Marburg und der Festung Gießen, etwa ein Viertel. Philipp der Jüngere erhielt Hessen-Rheinfels mit Rheinfels und Katzenelnbogen, etwas mehr als ein Achtel. Georg erhielt Hessen-Darmstadt mit Darmstadt, etwas weniger als ein Achtel. Als die Linie Hessen-Rheinfels 1583 erlosch, wurde ihr Gebiet unter den drei Brüdern des verstorbenen Philipp II. geteilt.
Ludwig IV. von Hessen-Marburg starb 1604 kinderlos. Sein Testament bestimmte, dass Hessen-Marburg zu gleichen Teilen an die Söhne seiner verstorbenen Brüder Wilhelm von Hessen-Kassel und Georg von Hessen-Darmstadt gehen sollte. Voraussetzung war die einheitliche Erhaltung des lutherischen Glaubens. Zunächst stritten beide Seiten, ob hälftig oder nach der Zahl der Neffen geteilt werden müsse. Der Reichshofrat entschied nach einer Klage Darmstadts zugunsten Kassels; Hessen-Marburg wurde zunächst hälftig geteilt.
Der Streit verschärfte sich, als Moritz von Hessen-Kassel 1605 zum Calvinismus übertrat und calvinistisch geprägte Regelungen einführte. Viele lutherische Pfarrer gingen nach Hessen-Darmstadt, die lutherischen Theologen der Universität Marburg wechselten zum Gymnasium illustre in Gießen, das ab 1607 ebenfalls Universitätsstatus hatte. Darmstadt sah durch Moritz’ Konfessionswechsel die Bedingung des Testaments verletzt und leitete daraus den Anspruch auf ganz Hessen-Marburg ab.
Vorteil Hessen-Darmstadts bis 1629
Im Krieg um die Kurpfalz verhielt sich Ludwig V. von Hessen-Darmstadt zunächst neutral, neigte aber zur kaiserlich-katholischen Seite. Hessen-Kassel kämpfte auf Seiten der Protestantischen Union. Nach dem Einmarsch Christians von Braunschweig-Wolfenbüttel in Oberhessen 1621 verbündete sich Ludwig V. offen mit dem Kaiser.
Die Kämpfe von 1622 schwächten die protestantische Seite: Tilly besiegte Mansfeld am 10. Juni auf der Lorscher Heide und Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel am 20. Juni bei Höchst am Main. Anschließend besetzte Tilly fast ganz Niederhessen. Damit setzte er ein Urteil des Reichshofrats vom 11. April 1623 durch: Hessen-Darmstadt sollte das gesamte Erbe Hessen-Marburgs, rückwirkend auch dessen Steuereinnahmen, sowie die Grafschaft Katzenelnbogen, die Festung Rheinfels und die Pfandschaft Rhens erhalten. Nach der Belagerung wurde Rheinfels am 2. September 1626 an Darmstadt übergeben.
Landgraf Moritz musste 1627 abdanken. Sein Sohn Wilhelm V. akzeptierte im Hauptakkord vom 24. September 1627 das Urteil von 1623 und verzichtete auf die umstrittenen Gebiete. Ganz Oberhessen, die Niedergrafschaft Katzenelnbogen und die Herrschaft Schmalkalden gingen an Hessen-Darmstadt; im Gegenzug erhielt Kassel zuvor verpfändete niederhessische Gebiete zurück. Das Restitutionsedikt von 1629 entzog Kassel außerdem das seit 1604 verwaltete Stift Hersfeld.
Wechselnde Kriegslage 1630 bis 1644
Wilhelm V. hatte seit 1627 heimlich ein neues Söldnerheer aufgebaut. Im Oktober 1630 verbündete er sich als erster deutscher protestantischer Fürst mit Gustav Adolf II. von Schweden; der Vertrag von Werben vom 22. August 1631 bestätigte dies. Kasseler Truppen vertrieben kaiserliche Besatzer und eroberten am 24. August 1631 Hersfeld sowie am 9. September Fritzlar. Die erhoffte Rückgabe Oberhessens blieb jedoch aus: Im Vertrag von Höchst vom 29. November 1631 erkannte Schweden die Neutralität Hessen-Darmstadts an, das dafür Rüsselsheim aufgab und Oberhessen behielt.
Nach Gustav Adolfs Tod 1632 und der protestantischen Niederlage bei Nördlingen im September 1634 zerfiel die Allianz. Hessen-Kassel schloss sich dem Prager Frieden von 1635 nicht an und kämpfte erneut auf schwedischer und französischer Seite; Darmstadt kämpfte offen für den Kaiser. Wilhelm V. wurde am 19. August 1636 mit der Reichsacht belegt, während Darmstadts Landgraf zum Administrator über ganz Hessen bestellt wurde. Kaiserliche kroatische Truppen verwüsteten 1637 große Teile Niederhessens. Wilhelm V. floh nach Friesland und starb am 21. September 1637 im Feldlager bei Leer.
Sein achtjähriger Sohn Wilhelm VI. wurde von seiner Mutter Amalie Elisabeth vertreten. Sie ließ dem Sohn huldigen, schloss zunächst zum Schein Waffenstillstand mit dem Kaiser, baute das Heer wieder auf und verbündete sich im August 1639 bei Dorsten mit Frankreich und Schweden. Kassel verlor 1641 Dorsten, besiegte aber mit französisch-weimaranischer Unterstützung unter Guébriant die Kaiserlichen in der Schlacht auf der Kempener Heide. Danach wurden Teile des nördlichen Kurkölns um Neuss sowie Teile des neutralen Herzogtums Jülich von Hessen-Kassel besetzt.
Offener Krieg und Friedensvertrag
Ab 1644 nahm Amalie Elisabeth den Kampf um das Marburger Erbe wieder auf. Sie ließ den Hauptakkord von 1627 durch ein juristisches Gutachten für ungültig erklären. Ende 1645 zogen kasselische Truppen unter Johann von Geyso gegen Marburg. Nach kurzen Belagerungen kapitulierten Marburg und Butzbach; Anfang 1646 stand der Großteil Oberhessens wieder unter Kasseler Herrschaft.
1647 eroberte ein kaiserliches Heer unter General Melander die Stadt Marburg zurück, nicht aber das Schloss. Der Erfolg hielt nicht an, weil französische Truppen unter Marschall Turenne Darmstadt und die Obergrafschaft angriffen. Bis Ende 1647 besetzte Kassel erneut den Großteil Oberhessens und auch die Niedergrafschaft Katzenelnbogen. Anfang 1648 räumten Melanders Truppen Marburg.
Parallel zum Westfälischen Friedenskongress vermittelten Verhandlungen unter Herzog Ernst von Sachsen-Gotha. Im April 1648 wurde ein Einigungs- und Friedensvertrag geschlossen, noch vor dem Westfälischen Frieden. Kassel siegte zuvor in der Schlacht bei Wevelinghoven zusammen mit anderen protestantischen Truppen gegen die kaiserliche Seite; Hessen-Darmstadt war daran nicht beteiligt. Der Vertrag teilte Oberhessen dauerhaft. Darmstadt musste auf einen beträchtlichen Teil mit Marburg sowie auf weitere besetzte Gebiete verzichten, darunter die Niedergrafschaft Katzenelnbogen und die Herrschaft Schmalkalden. Die Niedergrafschaft Katzenelnbogen mit der Festung Rheinfels fiel an die kasselische Sekundogenitur Hessen-Rheinfels-Rotenburg.