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Heroin

Heroin (griechisches Kunstwort: ἡρωίνη heroine, siehe Heros), auch Diamorphin oder Diacetylmorphin (DAM), Handelsname Diaphin, ist ein halbsynthetisches, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Herstellung
  2. 2. Wirkung und Abbau im Körper
  3. 3. Konsumformen und akute Risiken
  4. 4. Abhängigkeit, Überdosierung und Entzug
  5. 5. Behandlung und rechtliche Regeln
  6. 6. Produktion und Handel

Einordnung und Herstellung

Heroin, auch Diamorphin oder Diacetylmorphin (DAM; Handelsname Diaphin), ist ein halbsynthetisches, stark schmerzstillendes Opioid und Rauschgift. Es wirkt als Opioidrezeptor-Agonist, also als Stoff, der Opioidrezeptoren aktiviert. Sein Abhängigkeitspotenzial ist bei jeder Konsumform sehr hoch. Diamorphin wirkt 1,5- bis 3-mal stärker schmerzstillend als Morphin; therapeutische Anwendungen sind in den meisten Ländern verboten oder streng begrenzt.

Die Summenformel lautet C21H23NO5, die molare Masse 369,42 g·mol−1. Ausgangsstoff der Herstellung ist Morphin aus Rohopium, dem getrockneten Milchsaft der Samenkapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum). Morphin wird an zwei Hydroxy-Gruppen mit Essigsäureanhydrid oder Essigsäurechlorid acetyliert und dadurch zur Heroinbase umgewandelt. Als Nebenprodukt kann monoacetyliertes Morphin, etwa 6-MAM, entstehen. Mit organischen Lösungsmitteln und Salzsäure kann Heroinhydrochlorid hergestellt werden. Reines Heroin ist als Base und als Hydrochlorid-Salz ein farbloser kristalliner Feststoff.

Wirkung und Abbau im Körper

Heroin wirkt ähnlich wie Morphin euphorisierend und analgetisch, das heißt schmerzstillend. Normaler Schlaf wird eher gestört. Je nach Konsumform beträgt die Halbwertszeit, also die Zeit bis zum Abbau der Hälfte einer Stoffmenge, vier bis sechs Stunden. Für Organe gilt Heroin nicht als toxisch; bei ungewohnten Konsumenten können jedoch Übelkeit beziehungsweise Brechreiz, Atemdämpfung und Verstopfung auftreten. Gegen die Verstopfung bildet sich keine Toleranz.

Heroin bindet selbst nur schwach an Opioidrezeptoren und ist eine Prodrug: Seine aktiven Abbauprodukte vermitteln den Hauptteil der Wirkung. Es wird rasch nach dem Schema Heroin → 6-MAM → Morphin abgebaut. Die Plasmahalbwertszeit von Heroin beträgt etwa drei Minuten, die von Morphin etwa 20 Minuten. 6-MAM hat am µ-Opioidrezeptor eine höhere intrinsische Aktivität als Morphin und trägt besonders zum starken Rauschgefühl nach intravenöser Injektion bei.

Heroin ist fettlöslicher als Morphin und gelangt rasch ins Gehirn. Deshalb kann intravenöses Injizieren einen schnellen „Kick“ oder „Flash“ auslösen. Bei anderen Konsumformen ist dieser Effekt wegen langsamerer Aufnahme, vorzeitigem Abbau und First-Pass-Effekt stark abgeschwächt oder fehlt. Bei nicht toleranten Personen kann die Wirkung sechs Stunden bis über 24 Stunden anhalten; bei körperlich Abhängigen meist nur 6–8 Stunden. Täglicher Konsum steigert die Dosistoleranz rasch. Als therapeutische Einzeldosis zur Schmerzlinderung bei Erwachsenen werden 2,5 bis 20 mg genannt; körperlich Abhängige nehmen nicht selten das 10- bis 30-Fache dieser ursprünglichen Dosis.

Konsumformen und akute Risiken

Heroin kann intravenös injiziert, durch die Nase geschnupft, inhaliert oder oral eingenommen werden. Jede Form kann abhängig machen. Beim intravenösen Konsum wird die in Europa häufige, wasserunlösliche Heroinbase mit Wasser und Säure, etwa Ascorbinsäure oder Zitronensaft, erhitzt, damit ein wasserlösliches Salz entsteht. Nicht sterile Injektionen können Hämatome, Vernarbungen, Thrombosen und Abszesse verursachen. Gemeinsame Kanülen oder gemeinsames Aufteilen einer Zubereitung können HIV/AIDS sowie Hepatitis B und besonders Hepatitis C übertragen.

Beim intranasalen Konsum gelangt fein gemahlenes Pulver über die Nasenschleimhaut ins Blut. Längerer Konsum kann die Schleimhaut austrocknen und schädigen, Nasenbluten, Geschwüre und eine Perforation der Nasenscheidewand verursachen. Auch gemeinsam benutzte Ziehwerkzeuge können Infektionen übertragen. Beim Inhalieren wird Heroin auf Alufolie verdampft und der Dampf eingeatmet. Die Dosierung gilt dabei als besser kontrollierbar, weil die Wirkung sofort einsetzt. Seit 1982 werden unspezifische Veränderungen der weißen Hirnsubstanz, eine spongiforme Leukenzephalopathie, mit dieser Konsumform in Verbindung gebracht; Ursache und Entstehung sind ungeklärt. Oral wirkt Heroin verzögert und schwer kontrollierbar; wegen des First-Pass-Effekts ist eine größere Dosis nötig.

Besonders gefährlich ist Mischkonsum mit dämpfenden Stoffen wie Alkohol, Benzodiazepinen oder Barbituraten. Die Atemdämpfung kann bis zum Atemstillstand und Tod führen. Heroin zusammen mit Kokain heißt „Cocktail“ oder „Speedball“; die entgegengesetzten Wirkungen belasten besonders den Kreislauf. Bei einer Überdosierung ist vor allem die Atemdepression gefährlich. Opioidantagonisten wie Naloxon blockieren Opioidrezeptoren und werden als Gegenmittel eingesetzt, dürfen wegen möglicher schwerer Entzugssymptome aber nur ärztlich kontrolliert gegeben werden.

Abhängigkeit, Überdosierung und Entzug

Heroin zählt zu den Stoffen mit dem höchsten Abhängigkeitspotenzial. Körperliche Entzugssymptome können bereits nach zwei Wochen täglichen Konsums auftreten. Bei stark Abhängigen beginnen sie häufig 8 bis 12 Stunden nach dem letzten Konsum. Der Entzug ist meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, aber körperlich sehr belastend. Nach einer Konsumpause sinkt die Toleranz; die zuvor übliche Dosis kann bei erneutem Konsum zur Überdosierung führen. Ein „Turboentzug“ mit Antagonisten wie Naltrexon kann mit schweren Gesundheitsrisiken verbunden sein. Laut Artikel ist die Sterblichkeit im entzogenem Zustand deutlich höher als bei mit Methadon oder anderen Opioiden behandelten Abhängigen.

Die wirksame und die tödliche Dosis liegen bei Heroin besonders nah beieinander. Die tödliche Menge hängt stark von Toleranz und Zeitpunkt des letzten Konsums ab. Quellen nennen für Erstkonsumenten eine LD50 von 1 bis 5 mg pro Kilogramm Körpergewicht, also 75 bis 375 mg bei 75 kg Körpergewicht; tödliche Dosen beim Menschen wurden auch ab 10 mg absolut beobachtet. Die deutsche Rechtsprechung legte für die „nicht geringe Menge“ 50 mg als für nicht abhängige Personen tödliche Dosis zugrunde. Der Artikel weist jedoch darauf hin, dass diese Zahl wahrscheinlich nicht zutrifft und eher häufigen, teils unerkannten Mischkonsum abbilden könnte.

Abhängigkeit kann mit sozialer Marginalisierung, Infektionen und weiteren Erkrankungen verbunden sein. Die Sterblichkeit wird gegenüber der Normalbevölkerung mit dem 20- bis 50-Fachen, die Suizidrate mit dem 14-Fachen angegeben. Nicht jeder experimentierende, psychisch stabile und sozial abgesicherte Konsument wird zwangsläufig abhängig. Auch ein sozialer Abstieg folgt nicht zwingend: Es gibt eine unbekannte Zahl sozial integrierter Abhängiger, die ihre Sucht verheimlichen können.

Behandlung und rechtliche Regeln

In Deutschland ist Diamorphin seit Juli 2009 unter engen Voraussetzungen wieder verschreibungsfähig. Es darf unter staatlicher Aufsicht in zugelassenen Einrichtungen an Schwerstabhängige abgegeben werden. Voraussetzung sind ein suchttherapeutisch qualifizierter Arzt, ein Mindestalter von 23 Jahren, mindestens fünf Jahre Opiatabhängigkeit und mindestens zwei erfolglose Therapien. Kraftfahrzeugfahren unter Heroin-Einfluss ist nach § 24a StVG ordnungswidrig; bei Fahruntüchtigkeit ist es nach § 316 StGB strafbar.

Das deutsche Modellprojekt begann im März 2002 in Bonn und umfasste insgesamt 1032 Patienten. Personen, bei denen andere Therapien oder Methadonsubstitution nicht ausreichend erfolgreich waren, erhielten unter Aufsicht reines Diamorphin intravenös; eine Kontrollgruppe erhielt Methadon. Beide Gruppen bekamen medizinische und psychosoziale Betreuung. In der Diamorphingruppe traten mehr Zwischenfälle auf, ihre gesundheitliche und soziale Situation verbesserte sich im Vergleich zur Methadongruppe jedoch signifikant.

In der Schweiz ist Einfuhr, Herstellung und Verkehr grundsätzlich verboten. Eine ärztlich kontrollierte heroingestützte Behandlung schwer Abhängiger ist unter besonderen Bedingungen möglich; Diaphin ist für orale Anwendung mit rascher oder verzögerter Freisetzung sowie als Injektionslösung erhältlich. Die dauerhafte Abgabe in Sonderinstitutionen wurde 2008 per Volksabstimmung erlaubt. In Kanada und besonders Großbritannien wird Diacetylmorphin weiterhin als Schmerzmittel eingesetzt. In Großbritannien können zugelassene Ärzte es auch zur Erhaltungstherapie verordnen. Dänemark bestraft den Besitz einer geringfügigen Menge für den persönlichen Bedarf nicht; in Tschechien ist seit Anfang 2010 der Besitz von bis zu 1,5 g Heroin erlaubt. Oregon entkriminalisierte geringe Mengen ab 1. Februar 2021 als Ordnungswidrigkeit.

Produktion und Handel

Braunes Heroin, die Heroinbase, wurde 2015 hauptsächlich in Afghanistan und anderen Ländern Südwestasiens hergestellt. Weißes Heroin ist Heroinhydrochlorid; es wurde 2015 vor allem in Afghanistan und vermutlich im Iran und Pakistan produziert. Der Goldene Halbmond ist Hauptlieferant für Europa. Heroin ist wegen seines geringen Gewichts und Volumens im Verhältnis zum Wert leicht zu transportieren und zu verstecken.

Als wichtige Routen nennt der Artikel die Balkanroute über Ankara und Istanbul nach Westeuropa, die Südroute über Ostafrika nach Europa sowie seltener die nördliche Schwarzmeerroute. In Deutschland ist braune Heroinbase aus Afghanistan am gebräuchlichsten. Schwarzmarktheroin ist in seiner Reinheit stark unterschiedlich: Um 2008 lag braunes Heroin in den meisten europäischen Ländern bei 15 % bis 25 %, weißes bei 45 % bis 71 %. Unterschiedliche Reinheit und Streckmittel machen die Dosis schwer kalkulierbar und erhöhen das Risiko einer Überdosierung.

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