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Henry Le Chatelier
Im Jahr 1888 formulierte er ein thermodynamisches Prinzip, das heute als Prinzip vom kleinsten Zwang oder Le-Chatelier-Braun-Prinzip bezeichnet wird. Nach …
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Überblick
Henry Louis Le Chatelier (* 8. Oktober 1850 in Paris; † 17. Juni 1936 in Miribel-les-Échelles, Département Isère) war ein französischer Chemiker, Metallurge und Physiker. Er lieferte wichtige Beiträge zur Thermodynamik, also zur Lehre von Wärme, Energie und Gleichgewichtszuständen in physikalischen und chemischen Systemen.
Besonders bekannt ist er für ein 1888 formuliertes thermodynamisches Prinzip, das heute Prinzip vom kleinsten Zwang oder Le-Chatelier-Braun-Prinzip heißt. Dieses Prinzip ist wichtig, weil es beschreibt, wie ein System im Gleichgewicht auf äußere Veränderungen reagiert.
Ausbildung und Laufbahn
Le Chatelier war der Sohn des Bergbauingenieurs und Unternehmers Louis Le Chatelier. Schon während seiner Schulzeit interessierte er sich für Chemie, Metallurgie und Mathematik.
Nach dem Schulabschluss studierte er ab 1869 an der École polytechnique sowie an der École Nationale Supérieure des Mines und besuchte zusätzlich Chemievorlesungen. 1873 wurde er bei St. Claire Deville an der Universität von Paris promoviert.
Zwischen 1878 und 1925 unterrichtete er Chemie, nacheinander an der École des Mines, am Collège de France und an der Sorbonne. 1907 wurde er Generalinspekteur der École des Mines.
Le-Chatelier-Braun-Prinzip
Im Jahr 1888 formulierte Le Chatelier ein thermodynamisches Prinzip, das als Prinzip vom kleinsten Zwang oder Le-Chatelier-Braun-Prinzip bezeichnet wird.
Es besagt: Ein System, das sich im Gleichgewichtszustand befindet, versucht von außen einwirkende Zwänge, also Änderungen von Zustandsgrößen, durch eine Anpassung der anderen Zustandsgrößen zu kompensieren.
Eine Zustandsgröße ist eine Größe, die den Zustand eines Systems beschreibt, zum Beispiel Temperatur, Druck oder Konzentration. Das Prinzip hilft zu verstehen, wie chemische und physikalische Gleichgewichte auf Veränderungen reagieren.
Weitere Forschung und Anwendung
Le Chatelier beschäftigte sich außerdem mit der spezifischen Wärmekapazität von Gasen bei hohen Temperaturen. Die spezifische Wärmekapazität beschreibt, wie viel Wärme ein Stoff aufnehmen muss, damit sich seine Temperatur erhöht.
Er entwickelte auch ein thermoelektrisches Pyrometer. Ein Pyrometer ist ein Messgerät für hohe Temperaturen. Sein Gerät konnte Temperaturen oberhalb des Messbereichs eines Quecksilberthermometers bestimmen.
Le Chatelier setzte sich für eine breitere Anwendung der Chemie in der französischen Industrie ein. Seine Forschungen waren nützlich für Erzeugnisse wie Ammoniak, Zement, Stahl und Keramik. Zu seinen Werken gehört unter anderem De la méthode dans les sciences expérimentales (1936).
Anerkennung
Le Chatelier war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Institutionen. 1907 wurde er Mitglied der Académie des sciences. Die Preußische Akademie der Wissenschaften nahm ihn 1905 als korrespondierendes Mitglied auf; aus Protest gegen den Aufruf an die Kulturwelt legte er am 15. März 1915 seine Mitgliedschaft nieder.
1913 wurde er korrespondierendes und 1926 Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ebenfalls 1913 wurde er auswärtiges Mitglied der Royal Society und assoziiertes Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique. 1918 wurde er in die Accademia Nazionale dei Lincei sowie die Accademia delle Scienze di Torino gewählt, 1919 in die American Academy of Arts and Sciences und 1922 als auswärtiges Mitglied in die Accademia Nazionale delle Scienze.
Er erhielt verschiedene Auszeichnungen und wurde 31 Mal für den Chemie-Nobelpreis sowie einmal für den Physik-Nobelpreis nominiert, erhielt den Nobelpreis aber nie.