Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Henderson-Hasselbalch-Gleichung

Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung, auch Puffergleichung genannt, beschreibt den Zusammenhang zwischen dem pH-Wert und der Lage des Gleichgewichts einer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Anwendungsbereich
  2. 2. Gleichung und Größen
  3. 3. Herleitung aus dem Massenwirkungsgesetz
  4. 4. Titrationsgrad und Grenzen
  5. 5. Verlauf der Titrationskurve

Bedeutung und Anwendungsbereich

Die Henderson-Hasselbalch-Gleichung, auch Puffergleichung genannt, beschreibt in verdünnten wässrigen Lösungen bis 1 mol/l den Zusammenhang zwischen dem pH-Wert und dem Gleichgewicht einer Säure-Base-Reaktion zwischen einer mittelstarken Säure und ihrer korrespondierenden mittelstarken Base. Eine korrespondierende Base entsteht, wenn die Säure ein Proton abgibt.

Die Gleichung wird vor allem verwendet, um den pH-Wert von Pufferlösungen und von Gemischen aus mittelstarken Säuren und Basen zu berechnen. Ein Puffer ist eine Lösung, deren pH-Wert sich bei Zugabe kleiner Mengen Säure oder Base nur verhältnismäßig wenig ändert. Außerdem beschreibt die Gleichung einen Teil des Verlaufs von Säure-Base-Titrationskurven mittelstarker Säuren oder Basen.

Gleichung und Größen

Ausgangspunkt ist die allgemeine Säure-Base-Reaktion

HA + H₂O ⇌ A⁻ + H₃O⁺.

Dabei bezeichnet HA die Säure, A⁻ ihre korrespondierende Base und H₃O⁺ das Oxoniumion. Für die Säure gilt die Säurekonstante K_S = K · c(H₂O), wobei K die Gleichgewichtskonstante und c die Stoffmengenkonzentration bezeichnet.

Der pK_S-Wert ist definiert als

pK_S = −log₁₀(K_S · l/mol).

Der pH-Wert wird über die Aktivität a der Oxoniumionen definiert:

pH = −log₁₀[a(H₃O⁺)] ≈ −log₁₀[c(H₃O⁺) · l/mol].

Die Näherung ersetzt die Aktivität durch die Konzentration. Daraus folgt die Henderson-Hasselbalch-Gleichung:

pH = pK_S + log₁₀(c(A⁻)/c(HA)).

Äquivalent dazu ist

pH = pK_S − log₁₀(c(HA)/c(A⁻)).

Der pH-Wert hängt somit vom pK_S-Wert der Säure und vom Konzentrationsverhältnis zwischen korrespondierender Base und Säure ab. Sind beide Konzentrationen gleich, ist ihr Verhältnis 1. Weil log₁₀(1) = 0 gilt, folgt dann pH = pK_S.

Herleitung aus dem Massenwirkungsgesetz

Das Massenwirkungsgesetz für die allgemeine Reaktion lautet:

K = [c(H₃O⁺) · c(A⁻)]/[c(H₂O) · c(HA)].

Nach der Multiplikation mit c(H₂O) · l/mol und mit K_S = K · c(H₂O) ergibt sich:

K_S · l/mol = c(H₃O⁺) · l/mol · c(A⁻)/c(HA).

Der Logarithmus zur Basis 10 wandelt das Produkt in eine Summe um:

log₁₀(K_S · l/mol) = log₁₀(c(H₃O⁺) · l/mol) + log₁₀(c(A⁻)/c(HA)).

Nach dem Umstellen und Einsetzen der Definitionen von pH und pK_S erhält man:

pH = pK_S + log₁₀(c(A⁻)/c(HA)).

Mit der Quotientenregel für Logarithmen lässt sich der letzte Term umformen:

log₁₀(c(A⁻)/c(HA)) = −log₁₀(c(HA)/c(A⁻)).

Damit entsteht die gleichwertige zweite Schreibweise der Gleichung.

Titrationsgrad und Grenzen

Im Pufferbereich einer Säure-Base-Titration kann das Konzentrationsverhältnis durch den Titrationsgrad beziehungsweise Assoziationsgrad τ beschrieben werden:

c(A⁻)/c(HA) = τ/(1 − τ).

Damit lautet die Puffergleichung:

pH = pK_S + log₁₀(τ/(1 − τ)).

Der Titrationsgrad beschreibt das Verhältnis der Stoffmenge beziehungsweise Konzentration der zugefügten Maßlösung zur Stoffmenge beziehungsweise Konzentration des zu bestimmenden Stoffes.

Für τ ≈ 0 und τ ≈ 1 sowie bei stärkerer Verdünnung unter 0,01 M wird die Berechnung zunehmend ungenau. Dann können die Protolyse von HA oder A⁻ mit dem Lösungsmittel und die Autoprotolyse des Wassers, besonders um pH 7, einen merklichen Einfluss haben. Dies ist beispielsweise beim Phosphatpuffer relevant. Werden diese Beiträge nicht berücksichtigt, sind Abweichungen von bis zu 0,4 pH-Einheiten möglich.

Für genauere Berechnungen müssen die Gleichungen aus den Massenwirkungsgesetzen aller beteiligten Komponenten hergeleitet werden. Streng genommen sind dabei Aktivitäten statt Konzentrationen zu verwenden.

Verlauf der Titrationskurve

Die Form mit dem Titrationsgrad kann als Funktion im offenen Intervall 0 < τ < 1 untersucht werden:

f(τ) = pK_S + log₁₀(τ/(1 − τ)).

Die erste Ableitung lautet

f′(τ) = 1/[ln(10) · τ(1 − τ)].

Sie ist im gesamten Definitionsbereich positiv. Deshalb steigt f(τ) überall streng monoton: Mit zunehmendem Titrationsgrad nimmt auch der berechnete pH-Wert zu.

Die zweite Ableitung ist

f″(τ) = (2τ − 1)/[ln(10) · (τ(1 − τ))²].

Sie ist für τ < 1/2 negativ, bei τ = 1/2 gleich null und für τ > 1/2 positiv. Daher besitzt die Kurve genau einen Wendepunkt:

W(τ = 1/2 | pH = pK_S).

Dieser Punkt ist der Halbäquivalenzpunkt der alkalimetrischen Titration einer mittelstarken Säure. Dort ist die Steigung der Kurve minimal, sodass der pH-Wert bei einer Veränderung von τ am wenigsten schwankt. Im betrachteten Abschnitt ist die Pufferwirkung daher bei pH ≈ pK_S am stärksten.

Die Funktion ist außerdem punktsymmetrisch zu diesem Wendepunkt. In einer geeigneten Umgebung des Halbäquivalenzpunkts stimmt der theoretisch berechnete Verlauf gut mit dem experimentell gefundenen Verlauf überein. Diese Übereinstimmung setzt voraus, dass die zusätzlichen Effekte nahe τ ≈ 0 und τ ≈ 1 vernachlässigt werden können.

Lernvideos zu Henderson-Hasselbalch-Gleichung

Weiterlesen

PH-Wert Der pH-Wert ist ein Maß für den Säure- oder Basencharakter einer wässrigen Lösung. Abgeleitet von der Gleichgewichtskonstante für die Autoprotolyse des Wassers … Chemisches Gleichgewicht Das chemische Gleichgewicht ist das thermodynamische Gleichgewicht, dem eine Mischung aus miteinander reagierenden chemischen Stoffen im Verlauf der … Säure-Base-Reaktion Säure-Base-Reaktionen nach Brønsted sind chemische Reaktionen, bei denen Wasserstoff-Kationen H + (Protonen) zwischen Molekülen oder Molekül-Ionen … Säuren Säuren in verschiedenen Säure-Base-Konzepten ; Brønsted und Lowry, Eine Säure ist ein Protonendonator, das Molekül kann also Protonen abgeben. ; Lewis, Eine Säure … Basen (Chemie) Als Basen (zu altgriechisch βάσις basis, deutsch ‚Grundlage') werden in der Chemie mit enger Definition Verbindungen bezeichnet, die in wässriger Lösung in … Säure-Base-Titration Der Äquivalenzpunkt kann durch den Farbumschlag eines geeigneten Indikators angezeigt werden, wenn sich bei der Titration der pH-Wert am Äquivalenzpunkt stark … Massenwirkungsgesetz Das Massenwirkungsgesetz (Abkürzung „MWG“) definiert das chemische Gleichgewicht für chemische Reaktionen. Dem Massenwirkungsgesetz zufolge ist im … Säurekonstante Dabei steht HA für eine Brønsted-Säure (nach Johannes Nicolaus Brønsted), die ein Proton H + an ein Lösungsmittel wie Wasser abgeben kann, wobei ein Anion A − … Titrationsgrad Titrationskurven können in Abhängigkeit des Titrationsgrades dargestellt werden, da dieser proportional zur zugegebenen Menge der Maßlösung ist. Am … Stoffmenge enthält die durch die Avogadro-Konstante (NA = 6.02214076e23 mol−1) festgelegte Teilchenzahl. Die Avogadro-Konstante ist der Proportionalitätsfaktor … Protolyse Die Protolyse ist der entscheidende Vorgang nach der wichtigen Brønstedschen Säure-Base-Theorie. Danach überträgt eine Säure ein Proton (H +) an einen … Aktivität (Chemie) Aktivität (Chemie) ... ist eine dimensionslose thermodynamische Größe, die in der physikalischen Chemie anstelle der Stoffkonzentration verwendet wird. Mit ihr …