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Haussegen
Haussegen sind in der christlichen Volkstradition Segenssprüche für das Heim, die im Haus angebracht werden. Sie sollen das Haus, den gesamten Besitz und …
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Bedeutung und Zweck
Haussegen sind Segenssprüche der christlichen Volkstradition, die in einem Haus angebracht werden. Sie sollen das Heim, den gesamten Besitz und die Bewohner unter den Schutz Gottes stellen. Zugleich sollten die vor dem 19. Jahrhundert verbreiteten Haussegen zur Gottesfurcht ermahnen.
Formen und Verbreitung
Ursprünglich wurden Haussegen direkt auf Wände aufgebracht oder in das Gebälk geschnitzt. Später hängte man Tafeln mit dekorativ umrahmten oder in Bildmotive eingefügten Sprüchen auf. Durch den Fortschritt der Druckindustrie wurden sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammen mit anderen Wandsprüchen zur Massenware; um 1900 waren sie besonders beliebt.
Drucke konnten unterschiedliche Texte mit denselben Bildmotiven oder dieselben Texte mit verschiedenen Motiven verbinden. Weil Haussegen bei Katholiken und Protestanten beliebt waren, enthielten katholische Ausgaben Marien- oder Heiligenbilder, protestantische dagegen Christusbilder, Kreuze oder manchmal ein Porträt Martin Luthers.
Ab den 1880er Jahren waren gestickte Haussegen weit verbreitet. Sie wurden oft mit kleinen Chromolithografien, sogenannten Scraps, Chromos oder Oblaten, mit getrocknetem Edelweiß und Farnkräutern oder mit Églomisés kombiniert. Églomisé bezeichnet eine Hinterglastechnik. Manche Arbeiten waren groß, aufwendig und enthielten mehrere Segenssprüche. Gestickte Haussegen galten als beliebte Hochzeitsgeschenke und waren nicht an eine soziale Schicht gebunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verbreiteten sie sich auch in ländlichen Gebieten und Arbeiterwohnungen, während bürgerliche Mittelschicht und Kleinbürgertum sie zunehmend ablehnten.
Typische Sprüche
Eine Gruppe von Drucken trägt den Titel „Häusliche Tugenden“. Ihr Vers lautet: „Des Hauses Zier ist Reinlichkeit, des Hauses Ehr Gastfreundlichkeit, des Hauses Segen Frömmigkeit, des Hauses Glück Zufriedenheit“. Erhaltene Exemplare stammen aus der Zeit um 1860–70. Sie hingen oft neben einem Pendant mit dem Titel „Christlicher Haussegen“ oder „Göttlicher Haussegen“ und dem Text „Wo Glaube, da Liebe…“.
Geschnitzter Haussegen
Eine besondere Form ist ein aufgehängtes dreidimensionales Holzkreuz statt einer Spruchtafel. Es entwickelte sich aus dem Tischkreuz in Bauernstuben. Dieses wurde jährlich zu Weihnachten oder Ostern verbrannt und vom Vorknecht neu geschnitzt.
Vor allem in der Weststeiermark entstand daraus der an die Decke gehängte Haussegen. Sein Grundgerüst ist ein Doppelkreuz: die Achsen einer doppelten Quadratpyramide, umgeben von Bögen aus Weide oder Haselnuss. Die Bögen sind mit fächerförmigen Ornamenten geschmückt; unten hängt oft der Heilige Geist in Gestalt einer Taube. Für diese Schnitzereien eignet sich Pappelholz besonders gut.
Redewendung
Die Redewendung „der Haussegen hängt schief“ bedeutet, dass es in einer Ehe oder Familie vorübergehend Missstimmungen oder Streit gibt.