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Hauptrefinanzierungsinstrument

Das Hauptrefinanzierungsinstrument (main refinancing operation, MRO) ist das wichtigste geldpolitische Instrument der Europäischen Zentralbank (EZB).

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und Funktionsweise
  2. 2. Ablauf der Geschäfte
  3. 3. Tenderverfahren
  4. 4. Wirkung auf Banken und Wirtschaft
  5. 5. Geldpolitischer Einsatz und Einordnung

Kern und Funktionsweise

Das Hauptrefinanzierungsinstrument (englisch main refinancing operation, MRO) ist das wichtigste geldpolitische Instrument der Europäischen Zentralbank (EZB). Damit beeinflusst die EZB indirekt die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt und steuert so die Kosten, zu denen sich Geschäftsbanken refinanzieren können.

Bei einem Hauptrefinanzierungsgeschäft tauschen Geschäftsbanken zeitlich begrenzt notenbankfähige Sicherheiten, also von der Zentralbank akzeptierte Wertpapiere, gegen Zentralbankgeld. In einem normalen Marktumfeld stellt die EZB den Geschäftsbanken auf diesem Weg rund drei Viertel der Geldbasis zur Verfügung. Diese Geschäfte werden auch Haupttender genannt.

Rechtlich und wirtschaftlich handelt es sich um Wertpapierpensionsgeschäfte: Die Banken erhalten Zentralbankgeld gegen Sicherheiten und müssen es nach Ablauf des Geschäfts zurückzahlen. Der dafür geltende Hauptrefinanzierungssatz ist der wichtigste Leitzins der EZB. Seit dem 16. September 2026 beträgt er 2,65 %. Zum Vergleich liegen der Einlagesatz bei 2,50 % und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,90 %.

Ablauf der Geschäfte

Das Hauptrefinanzierungsgeschäft gehört zu den Offenmarktgeschäften, also zu Geschäften, mit denen eine Zentralbank dem Bankensystem Geld zuführt oder entzieht. Beim Standardtender geht die Initiative von der EZB aus. Die nationalen Zentralbanken führen die einzelnen Geschäfte für sie durch.

Die EZB bietet den Geschäftsbanken einmal pro Woche Zentralbankgeld an. Die Termine werden mindestens drei Monate vorher in einem unverbindlichen Tenderkalender bekannt gegeben. Die Laufzeit beträgt eine Woche; vor 2004 waren es zwei Wochen. Wegen dieser kurzen Laufzeit können die Bedingungen für einen großen Teil des Refinanzierungsvolumens jede Woche neu festgelegt werden.

Tenderverfahren

Vom 1. Januar 1999 an verwendete die EZB zunächst das Mengentenderverfahren. Dabei gibt die Zentralbank den Zinssatz vor, beim Hauptrefinanzierungsinstrument also den Hauptrefinanzierungssatz. Die Geschäftsbanken nennen die gewünschte Geldmenge. Anschließend verteilt die Zentralbank ein zuvor festgelegtes Gesamtvolumen nach einer passenden Zuteilungsquote auf die Banken.

Am 26. Juni 2000 wechselte die EZB zum Zinstenderverfahren. Hierbei bestimmt sie die insgesamt anzubietende Geldmenge und einen Mindestbietungssatz, also den niedrigsten Zins, zu dem sie das Geschäft abschließt. Interessierte Banken geben an, welchen Zinssatz sie zu zahlen bereit sind. Nach Ende der Gebotsphase werden die Mittel entsprechend der Höhe der angebotenen Zinssätze zugeteilt. Die EZB verwendet dabei das amerikanische Verfahren.

Während der Finanzkrise kehrte die EZB im Oktober 2008 zum Mengentenderverfahren zurück und verwendet es weiterhin. Seitdem erfolgte die Zuteilung stets zu 100 %, sodass die eingereichten Gebote vollständig bedient wurden.

Am 8. September 2022 erhöhte die EZB den Hauptrefinanzierungssatz zur Bekämpfung der Inflation von 0,50 % auf 1,25 %. Dies war die höchste Leitzinserhöhung seit der Einführung des Euro.

Wirkung auf Banken und Wirtschaft

Die Zentralbankgeldmenge ist normalerweise klein im Vergleich zur öffentlich umlaufenden Geldmenge M3 und steht zu ihr in keinem festen Verhältnis. M3 ist eine umfassende Geldmengengröße. Abgesehen vom Bargeld in Kundenbesitz gehört Zentralbankgeld nicht zu M3, weil Guthaben bei der Zentralbank nur zwischen Banken als Zahlungsmittel verwendet werden.

Trotzdem haben Änderungen der Leitzinsen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. Sie setzen obere und untere Grenzen für Geldmarktzinsen wie EURIBOR oder LIBOR, zu denen Geschäftsbanken einander Kredite gewähren. Der Grund ist, dass ein Kredit zwischen Banken durch die Übertragung von Zentralbankgeld ersetzt werden kann.

Durch den Wettbewerb unter den Geschäftsbanken werden Veränderungen der Geldmarktzinsen an die Kredit- und Einlagezinsen für Kunden weitergegeben. Über die mittel- bis langfristigen Erwartungen an die Zentralbanken und weitere Transmissionsmechanismen beeinflussen Leitzinsen außerdem längerfristige Spar- und Kreditzinsen sowie wirtschaftliche Größen wie Lohnniveau, Inflation und Wirtschaftswachstum. Die EZB richtet ihre Geldpolitik hauptsächlich an ihrem Inflationsziel aus. Andere Zentralbanken berücksichtigen zusätzlich Wachstums- oder Beschäftigungsziele.

Geldpolitischer Einsatz und Einordnung

Die kurze Laufzeit ist ein wesentlicher Vorteil des Hauptrefinanzierungsinstruments: Da die Bedingungen für einen großen Teil der Refinanzierung jede Woche neu festgelegt werden können, kann die EZB fortlaufend auf den Geldmarkt einwirken.

In einer wirtschaftlich schlechten Phase kann sie eine expansive Geldpolitik verfolgen. Dadurch werden Kredite günstiger. In einer wirtschaftlich guten Phase kann sie restriktiv beziehungsweise kontraktiv handeln, um die Inflation niedrig zu halten. Eine restriktive Politik ist auch in einer schwachen Wirtschaftsphase möglich, wenn die Teuerungsrate zu hoch ist. Zentralbanken wägen einen solchen Schritt meist sorgfältig ab.

Innerhalb des Instrumentariums der EZB nimmt das Hauptrefinanzierungsgeschäft eine mittlere zeitliche Stellung ein: Für eine längerfristige Geldvergabe dienen die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte. Besonders kurzfristig können sich Banken über die Spitzenrefinanzierungsfazilität Zentralbankgeld beschaffen.

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