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Hang (Musikinstrument)
Das Hang [haŋ] (Plural: Hanghang) ist ein melodisch-perkussives Musikinstrument. Es besteht aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten aus …
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Grundidee und Aufbau
Das Hang [haŋ] ist ein melodisch-perkussives Instrument aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten aus Stahlblech. Es wird mit Fingern und Händen gespielt und waagerecht oder senkrecht auf dem Schoß gehalten. Der Name kommt von „Hang“, berndeutsch für „Hand“. Die PANArt Hangbau AG bezeichnete ihre Produkte nicht als Musikinstrumente, sondern als Klangskulpturen; „Hang“ ist eine eingetragene Wortmarke.
Das Instrument wurde im Jahr 2000 von Felix Rohner und Sabina Schärer in Bern erfunden und ab 2001 in mehreren Entwicklungsstufen ausschließlich von der PANArt Hangbau AG gebaut. Ende 2013 wurde die Produktion des Hangs eingestellt. Die sehr hohe Nachfrage führte dazu, dass andere Hersteller ähnliche Instrumente bauten, die heute meist unter dem Oberbegriff Handpan zusammengefasst werden.
Körper, Klangfelder und Resonanz
Das Hang ist ein hohles Gefäß mit 52 cm Durchmesser und 24 cm Höhe. Auf der Oberseite liegen sieben oder acht Klangfelder kreisförmig um eine zentrale Klangzone, den Ding. Auf der Unterseite befindet sich der Gu, eine handgroße runde Resonanzöffnung mit nach innen gezogenem Hals. Die Oberseite heißt Ding-Seite, die Unterseite Gu-Seite.
Der Ding ist der zentrale Klang. Er ist meistens eine Quinte oder Quarte unterhalb des tiefsten Tones des Klangkreises gestimmt. Er besteht aus einem abgeflachten Bereich mit einer nach außen gewölbten Kuppel und gibt dem Hang gongähnliche Eigenschaften.
Die Klangfelder des Klangrings, auch Chor genannt, sind elliptisch und haben die Form eines flachen hyperbolischen Paraboloids. In jedem Klangfeld sind drei Teiltöne eingestimmt: Grundton, Oktave und Duodezime. Der Hohlraum bildet zusammen mit dem Gu einen Helmholtz-Resonator: Die Luft im Inneren schwingt mit einer bestimmten Frequenz und erzeugt einen Basston F2. Durch Verengung der Gu-Öffnung kann dieser Basston um bis zu eine Oktave abgesenkt werden.
Anders als bei der Steelpan sollen die Klangfelder beim Hang nicht möglichst getrennt klingen. Die Stimmung ist auf einen Gesamtklang angelegt: Wenn Ding oder einzelne Klangfelder angeregt werden, schwingen je nach harmonischer Beziehung auch andere Tonfelder und die Helmholtz-Resonanz des Körpers mit. Bis 2007 gab es verschiedene Klangmodelle; sie unterschieden sich in der Tonhöhe des Ding zwischen D3 und B3, in sieben oder acht Klangfeldern und in Skalen zwischen Ges3 und F5. Seit 2008 wurde nur noch ein Klangmodell gebaut.
Spielweise
Beim Spielen werden Finger, Daumen, Handfläche und Handwurzel eingesetzt. Die Klänge entstehen durch vorsichtig dosierte Bewegungen wie Berühren, Antippen, Anregen, leichtes Anschlagen, Streichen und Zupfen. Starkes frontales Schlagen verstärkt den Klang nicht wie bei einer Trommel, sondern verengt und verzerrt ihn.
Die Grundlage des Spiels ist die Verbindung von Gu und Ding zu einem Gesamtklang. Bei waagerechter Haltung auf dem Schoß wird sie durch Veränderung des Beinwinkels erreicht; bei senkrechter Haltung kann eine Hand in die Gu-Öffnung eingeführt werden. Dann liegt die Helmholtz-Resonanz genau eine Oktave unter der Frequenz des Ding. Diese Kopplung bringt das Hang in einen Resonanzzustand, in dem der Spieler den Klang durch feine Anregungen gestalten kann.
Entstehung und frühe Generationen
Die Entwicklung des Hangs ging aus der Pang-Instrumentenfamilie hervor, die Felix Rohner und Sabina Schärer in den 1990er Jahren aus der Steelpan weiterentwickelten. Statt Spundfässern verwendete PANArt tiefgezogene und anschließend gasnitrierte Stahlblechformen. Die Klangfelder erhielten eine neue Geometrie mit einer Kuppel im Zentrum, und für das Stimmen wurde ein eigenes Verfahren entwickelt. Der Perkussionist Reto Weber gab den Anstoß, zwei Halbschalen zu kombinieren, um Eigenschaften der indischen Ghatam und der Steelpan in einem mit der Hand gespielten Instrument zu vereinen. 2001 wurde das Hang auf der Musikmesse Frankfurt vorgestellt; 2003 wurde die Firma in PANArt Hangbau AG umbenannt.
Als erste Generation gelten die Hanghang von 2001 bis 2005. Sie hatten acht Klangfelder im Klangring und wurden zunächst in 30, später in 45 Klangmodellen angeboten, die sich an ethnomusikalischen Tonskalen orientierten. Der Ding war meist auf A3 oder G3, seltener auf F3 gestimmt. Insgesamt wurden etwa 4300 Instrumente dieser Generation hergestellt. 2005 entstanden tiefere „Low Hang“-Instrumente mit Ding in F3, E3 oder Es3 und sieben oder acht Klangfeldern.
Die zweite Generation entstand 2006. Ihre Oberfläche erhielt eine Beschichtung aus eingebürstetem und eingebranntem Messing, und die Klebenaht wurde mit einem Messingring eingefasst. PANArt löste sich von ethnomusikalischen Skalen und gab jedem Hang eine gemeinsame klangliche Basis: Helmholtz-Resonanz auf D2, Ding in D3, A3 als tiefster Ton im Klangring sowie D4 und A4 im Tonkreis. Die meisten Instrumente hatten sieben Klangfelder, einige acht. 2007 wurden die Klangfeld-Ellipsen um etwa 45° gedreht und in den Gu-Hals ein D5 eingestimmt. In zwei Jahren entstanden 826 Hanghang der zweiten Generation.
Spätere Hang-Modelle
Das „Gudu Hang“ war von 2004 bis 2007 erhältlich. Es hatte auf der Unterseite neben dem Gu eine kleinere Öffnung, den Du. Zusammen mit dem Gu ermöglichte sie uduähnliche Klänge. Wenn das Du-Loch nicht genutzt wurde, konnte es mit einer magnetischen Platte verschlossen werden.
Im Februar 2008 stellte PANArt das „Integrale Hang“ vor. Es hatte eine einfach abgesetzte Ding-Kuppel, einen leicht ovaloiden Gu und fast keine Messingbeschichtung mehr. Es wurde nur in einem Klangmodell gebaut: Ding in D3 mit A3, B3, C4, D4, E4, F4 und A4 im Tonkreis. Die Produktion des integralen Hang wurde 2018 wieder aufgenommen.
Das „Freie Integrale Hang“ wurde von 2009 bis 2013 gebaut. Die Klebenaht hatte keinen Messingring mehr, die Ding-Kuppel war nicht mehr messingbeschichtet und doppelt abgesetzt. Diese Instrumente wurden ohne Stimmgeräte eingestimmt. Die Frequenz des Ding unterschied sich von Instrument zu Instrument und lag ungefähr um D3; die Töne des Klangrings entsprachen relativ zum Ding denen des Integralen Hang. Im Mittelpunkt stand nicht ein mathematisch exaktes Frequenzverhältnis, sondern die Wirkung des Klangs.
Nachfolger und Weiterentwicklungen
Im Sommer 2013 stellte PANArt mit dem Gubal ein neues Instrument vor, das auf dem Hang aufbaute. Statt des Gu auf der Unterseite besitzt es den Gugel, eine halbkugelförmige Erweiterung des Hohlraums. Sie verstärkt die Helmholtz-Resonanz und senkt sie um einen Ganzton auf Es2. Die Gu-Öffnung liegt beim Gubal auf der Oberseite an der Stelle des Ding. Ihr Hals geht in den Ringding über, eine ringförmige abgeflachte Zone mit den Teiltönen Es3, B3, Es4 und G5. Der Klangring umfasst Bb3, C4, Db4, Eb4, F4, G4 und Bb4.
Anders als beim Hang konzentriert sich das Gubalspiel auf Gu und Ringding, mit denen ein Groove mit kräftigem Bass erzeugt werden kann. 2013 wurden Freies Integrales Hang und Gubal noch gemeinsam gebaut und verkauft; ab 2014 konzentrierte sich PANArt auf Bau und Weiterentwicklung des Gubals. 2015 entstanden außerdem Hang Gudu, Hang Urgu und drei verschiedene Pang-Saiteninstrumente, später Hang Bal und Hang Gede. Ziel war ein aufeinander abgestimmtes Panginstrumenten-Ensemble für improvisierte Musik.