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Grande Nation
Grande Nation. im deutschsprachigen Raum häufig verwendetes Synonym für Frankreich. Artikel · Diskussion.
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Bedeutung des Ausdrucks
„Grande Nation“ ist Französisch für „große Nation“ und wird besonders im Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen mit bestimmtem Artikel als „die“ oder „La Grande Nation“ verwendet. Gemeint ist dabei meist Frankreich oder die französische Nation. Im Deutschen ist eine Form mit unbestimmtem Artikel, also „eine“ oder „une Grande Nation“, unüblich.
Wichtig ist die Unterscheidung zur französischen Verwendung: In Frankreich selbst ist „La Grande Nation“ heute kaum verbreitet. Deutlich wichtiger ist dort der Begriff „Grandeur“, also die Größe, Herrlichkeit oder Sonderstellung Frankreichs. Wer im Deutschen „La Grande Nation“ als heutiges Synonym für Frankreich benutzt, verwendet den Ausdruck daher anders, als er in Frankreich normalerweise verstanden wird.
Historische Herkunft
Im Französischen wird „La Grande Nation“ fast nur noch geschichtlich verwendet, vor allem mit Bezug auf die Napoleonische Zeit. Damals bezeichnete der Ausdruck ein Frankreich in seinen „natürlichen“, also geographischen Grenzen. Gemeint war ein geeintes, zentralistisch regiertes republikanisches Frankreich und nicht ein Land aus vielen einzelnen Provinzen.
In Frankreich wurde der Begriff in diesem Sinn vor allem zwischen 1790 und 1800 benutzt. Der Brockhaus von 1907 führte ihn auf Napoleon während des Italienfeldzugs 1797 zurück. Auch deutsche Bewunderer der Französischen Revolution, zum Beispiel Christoph Martin Wieland im Jahr 1790, verwendeten den Ausdruck als Bezeichnung für Frankreich.
Wandel der Bewertung im Deutschen
Während der Befreiungskriege gegen Napoleon bekam „Grande Nation“ im Deutschen einen negativen Beiklang. Später wurde der Ausdruck häufig abwertend verwendet, etwa während der Rheinkrise 1840, im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und bis 1945 im Zusammenhang mit der Vorstellung einer deutsch-französischen „Erbfeindschaft“. Ein Beispiel für höhnische Verwendung nennt der Artikel bei Berichten der Deutschen Wochenschau über die französische Niederlage 1940.
Durch den europäischen Einigungsprozess und besonders seit der Zeit von Charles de Gaulle verlor der Ausdruck im deutsch-französischen Verhältnis weitgehend seine negative Bedeutung. In der deutschsprachigen Presse kommt er aber weiterhin oft vor. Je nach Zusammenhang kann er leicht spöttisch oder herablassend gemeint sein, manchmal aber auch bewundernd, etwa im Sinn eines ungebrochenen französischen Verhältnisses zur eigenen Vergangenheit.
Mögliche Missverständnisse
In Deutschland gibt es teilweise die Annahme, Franzosen würden „La Grande Nation“ selbst als aktuelle Eigenbezeichnung für Frankreich verwenden. Der Artikel vergleicht dies mit der deutschen Selbstbeschreibung „Land der Dichter und Denker“. Ein Grund für diese Annahme können patriotisch klingende Reden französischer Politiker sein.
Charles de Gaulle betonte häufig den Begriff der französischen „Nation“ und sprach auch von „grande nation“, allerdings ohne bestimmten Artikel. Jacques Chirac verwendete Formulierungen wie „une très grande nation“, wörtlich „eine sehr große Nation“, sinngemäß „eine bedeutende Nation“. Er sagte zum Beispiel: „Nos compatriotes sont bien conscients que la France a tous les atouts pour être une grande nation.“ In solchen französischen Aussagen steht fast immer der unbestimmte Artikel „une“, oft mit einem zusätzlichen Adjektiv wie „une grande nation culturelle“. Wird dagegen „La Grande Nation“ mit bestimmtem Artikel als Synonym für das heutige Frankreich benutzt, kann das zwischen Deutsch- und Französischsprachigen zu Irritationen und Missverständnissen führen.
Grandeur als politischer Begriff
Für das Verständnis der französischen Außenpolitik und des französischen Selbstverständnisses ist laut Artikel der Begriff „Grandeur“ weiterhin wichtig. „Grandeur“ bedeutet Größe oder Sonderstellung Frankreichs. Sie war und ist ein wichtiger Bestandteil des Gaullismus, also der politischen Tradition, die mit Charles de Gaulle verbunden ist.
Diese Vorstellung wurde dem Gaullismus auch aus linker Sicht zugeschrieben, etwa von Régis Debray. Die Grandeur und die Sonderstellung Frankreichs erscheinen außerdem an zentraler Stelle in de Gaulles Kriegsmemoiren. Der Begriff taucht auch in mehreren Buchtiteln auf, darunter bei Balzac „Grandeur et décadence“ und bei Louis Aragon „Servitude et Grandeur des Français. Scènes des années terribles“ von 1945. Noch 1992 veröffentlichte der ehemalige Botschafter Gilbert Perol ein ernst gemeintes Buch über die „Grandeur de la France“.