Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Gleichnis vom Senfkorn
Das von Jesus von Nazaret erzählte Gleichnis vom Senfkorn wird in den Evangelien im Neuen Testament nach Matthäus (Mt 13,31–32 EU), Lukas (Lk 13,18–19 EU) …
Inhalt4 Abschnitte
Kernaussage des Gleichnisses
Das Gleichnis vom Senfkorn ist ein von Jesus von Nazaret erzähltes Gleichnis über das Reich Gottes beziehungsweise das Himmelreich. Es wird im Neuen Testament in den Evangelien nach Matthäus (Mt 13,31–32), Lukas (Lk 13,18–19) und Markus (Mk 4,30–32) überliefert. In Matthäus und Lukas folgt unmittelbar danach das Gleichnis vom Sauerteig, das ebenfalls zeigt, wie aus kleinen Anfängen etwas Großes entsteht. Eine Variante steht auch im nichtkanonischen Thomasevangelium in Logion 20.
Die zentrale Aussage lautet: Das Reich Gottes erscheint am Anfang klein, unscheinbar und unbedeutend, wächst aber immer weiter, bis es groß, umfassend und nicht mehr zu übersehen ist.
Erzählter Inhalt
Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker sät. Das Senfkorn wird als das kleinste von allen Samenkörnern beschrieben. Trotzdem wächst daraus ein Baum, der alle anderen Gewächse überragt.
In den Zweigen dieses Baumes können sich die Vögel des Himmels niederlassen. Das Bild macht deutlich: Aus einem sehr kleinen Anfang entsteht etwas Großes, Festes und weit Sichtbares.
Deutung des Senfkorns
Das Senfkorn gilt in der westlichen und asiatischen Kultur als Metapher für etwas sehr Kleines. Der Artikel weist darauf hin, dass nicht alle Senfsorten besonders kleine Samen haben. Heute geht man davon aus, dass im Gleichnis die Samen des Schwarzen Senfs (Brassica nigra) gemeint sind.
Der methodistische Theologe Ian Howard Marshall deutet das Gleichnis als Hinweis auf das Wachstum des Reichs Gottes: Es beginnt klein und erreicht weltweite Größe. Der evangelikale Theologe Ben Witherington erklärt, Jesus habe seinen Zuhörern zeigen wollen, dass das von ihm verkündete Reich Gottes während seines Lebens noch klein wie ein Senfkorn sei, später aber groß und fest verwurzelt wie ein Baum werde.
Witherington ergänzt, dass manche unter den schattenspendenden Baum kommen würden, andere ihn aber als unerträglich ansehen und versuchen würden, ihn zu entwurzeln. Der US-Theologe Shane Claiborne deutet den Vergleich anders: Für ihn steht weniger der Gegensatz zwischen kleinem Samen und großer Pflanze im Mittelpunkt, sondern die schnelle Ausbreitung des Reichs Gottes.
Spätere Wirkung
Das Gleichnis hat auch sprachlich und kulturell nachgewirkt. Kleine Bibeln werden in Bezug auf das Gleichnis als Senfkornbibeln bezeichnet.
Außerdem tragen einige christliche Initiativen den lateinischen oder deutschen Begriff des Senfkorns in ihrem Namen, zum Beispiel der Senfkorn-Orden. Ein bekanntes volkssprachiges, mystisches Gedicht oder Lied aus mehreren Handschriften des 14. und 15. Jahrhunderts erhielt den Titel Granum sinapis durch einen lateinischen Kommentar, der dem Theologen Meister Eckhart zugeschrieben wird.