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Geschichte Zyperns

Die (Kultur-)Geschichte Zyperns begann am Ende der Altsteinzeit. Die strategische Lage der Insel war ein wesentlicher Grund für ihre wechselvolle Geschichte.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Lage, Besiedlung und frühe Kulturen
  2. 2. Eisenzeit und antike Großreiche
  3. 3. Römische, byzantinische und arabische Herrschaft
  4. 4. Kreuzfahrer, Lusignans und Venedig
  5. 5. Osmanische und britische Epoche
  6. 6. Unabhängigkeit, Teilung und Gegenwart

Lage, Besiedlung und frühe Kulturen

Die Geschichte Zyperns reicht von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Wegen seiner strategischen Lage im östlichen Mittelmeer stand die Insel im Einflussbereich der Ägäis, Anatoliens, der Levante und Ägyptens. Handel, Rohstoffe und die Nähe zu verschiedenen Großreichen führten zu häufigen Herrschaftswechseln.

Am Ende der Altsteinzeit erreichten Jäger und Sammler aus der Levante die Insel. Die umstritten auf etwa 9500 v. Chr. datierten Funde von Aetokremnos sind die ältesten bekannten Spuren; die Einwanderer rotteten vermutlich das zyprische Zwergflusspferd und den Zwergelefanten aus. Eine dauerhafte Besiedlung erfolgte im akeramischen Neolithikum, also vor Einführung der Keramik. Die mindestens 10.600 Jahre alten Siedlungsspuren von Klimonas sind die ältesten sicher datierten. Die Kolonisten brachten Emmer, Einkorn, Hund, Katze, Rind, Schaf, Ziege und Damhirsch mit. Sie bauten runde oder abgerundete Häuser und legten Brunnen an. Keramik entstand erst seit der Sotira-Phase.

Das Chalkolithikum, die Kupferzeit, wird in die Zeiträume 3800–3500, 3500–2800 und 2800–2500 v. Chr. gegliedert. Ab etwa 3000/2300 v. Chr. wurden die reichen Kupfervorkommen ausgebeutet. Während der Bronzezeit entwickelte sich Zypern zu einer wichtigen Handelsstation zwischen Kreta, Griechenland, der Levante und Ägypten. Kupfer wurde besonders in Form von Ochsenhautbarren exportiert, die von Sardinien und Süddeutschland bis in den Irak gefunden wurden. Die spätzyprische Bronzezeit dauerte ungefähr von 1650 bis 1050 v. Chr.; ihr Beginn muss nach neueren Radiokarbondatierungen deutlich vor 1600 v. Chr. angesetzt werden.

Im 2. Jahrtausend v. Chr. wurde die nicht entzifferte alt-kyprische Silbenschrift verwendet. Das aus ägyptischen, hethitischen und ugaritischen Quellen bekannte Alašija wird meist mit Zypern oder einer zyprischen Stadt gleichgesetzt. Wahrscheinlich bestand zeitweise ein Königtum über die gesamte Insel. Seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. wurde mykenische Keramik eingeführt; ab etwa 1200 v. Chr. verstärkte sich der ägäische Einfluss. Ob dies auf Invasionen mykenischer Griechen oder auf die dauerhafte Ansiedlung und Eingliederung von Händlern zurückging, ist umstritten. Das politisch-ökonomische Modell betont die Verschmelzung zyprischer, ägäischer und levantinischer Elemente ohne eindeutigen Kulturbruch.

Eisenzeit und antike Großreiche

Im 12. Jahrhundert v. Chr. gelangte die Technik der Eisengewinnung und -verarbeitung nach Zypern und von dort gegen Ende des 11. Jahrhunderts nach Griechenland. Der Fernhandel ging zunächst zurück, doch Kupfer wurde weiterhin über weite Strecken gehandelt. Phönizische Präsenz ist bereits im 11. Jahrhundert v. Chr. durch Bestattungen und Keramik belegt. Seit etwa 800 v. Chr. entstanden phönizische Kolonien wie Qart-Hadasht, das Stadtkönigreich Kition beim heutigen Larnaka.

Zugleich nahm der griechische Einfluss zu. Der sogenannte Obelos aus Palaepaphos-Skales trägt mit „O-pe-le-ta-u“, gewöhnlich als Opheltas gelesen, den ältesten bekannten griechischen Namen auf der Insel. Ob er einen eingewanderten Griechen oder die Hellenisierung der einheimischen Oberschicht belegt, bleibt umstritten. Vor der assyrischen Eroberung war Zypern ein bedeutendes Handelszentrum.

Sargon II. berichtete vermutlich 708/707 v. Chr., dass sich sieben zyprische Königtümer freiwillig unterworfen hätten; seine Annalen nennen für 711 v. Chr. zwölf tributpflichtige Könige. Ein Prisma Asarhaddons von 673/672 v. Chr. nennt zehn Herrscher. Zu den eisenzeitlichen Stadtkönigreichen gehörten unter anderem Salamis, Kition, Paphos, Kurion, Soli, Tamassos und Idalion. Ob ihre Herrscher achäische Kolonisten oder einheimische Zyprer waren, ist ungeklärt; neuere Forschung deutet eher auf Einheimische. Die Herrschaft wechselte anschließend zwischen Assyrien, Ägypten und Persien. Ein Teil der Bevölkerung sprach das bis heute nicht entzifferte Eteokyprische.

Auch der Beginn der persischen Herrschaft ist umstritten: vorgeschlagen werden eine Zeit vor 539 v. Chr. oder kurz vor 525 v. Chr. Im Ionischen Aufstand erhoben sich die Zyprer gegen Persien. Trotz eines ionischen Seesiegs wurden sie bei Salamis zu Land geschlagen; Soloi fiel nach fünfmonatiger Belagerung. Danach setzte die zyprische Münzprägung ein, zunächst mit Legenden in zyprischer Silbenschrift, später teilweise in phönizischer Schrift.

Nach der Schlacht bei Issos wechselten die zyprischen Könige zu Alexander dem Großen und stellten ihm 332 v. Chr. 120 Schiffe zur Verfügung. Nach Alexanders Tod kämpften seine Nachfolger um die Insel. Seit 294 v. Chr. blieb sie bis 58 v. Chr. im Ptolemäerreich und wurde meist von einem ägyptischen Statthalter regiert.

Römische, byzantinische und arabische Herrschaft

58 v. Chr. wurde Zypern römische Provinz und tributpflichtig. Nach einer vorübergehenden Übertragung an Kleopatra und Arsinoë IV. gehörte es dauerhaft zum Römischen Reich. Bis etwa 22 n. Chr. verwaltete ein Vertreter des Kaisers die Insel, danach ein Prokonsul im Auftrag des Senats. Zypern galt als fruchtbar und rohstoffreich; wichtige Städte waren unter anderem Salamis, Paphos, Kition, Kurion und Amathous.

Um 46 n. Chr. brachten Paulus von Tarsus und der auf Zypern geborene Barnabas das Christentum auf die Insel. 325 nahmen drei zyprische Bischöfe am Konzil von Nicäa teil. Nach der Reichsteilung von 395 gehörte Zypern zum Oströmischen Reich. Auf dem Konzil von Ephesos erhielt die Zypriotisch-Orthodoxe Kirche 431 als erste die Autokephalie, also kirchliche Selbstverwaltung und Unabhängigkeit von den Patriarchaten. Kaiser Zenon bestätigte sie später. Unter Justinian I. wurde Zypern unmittelbar dem Kaiser unterstellt und entwickelte sich zu einem Zentrum der Seidenherstellung.

649 eroberten und plünderten arabische Truppen Salamis und die Insel. Nach arabischen Quellen musste Zypern jährlich 7000 oder 7200 Dinare zahlen, führte aber zugleich weiterhin Steuern an Konstantinopel ab. Nach einem weiteren Angriff zwischen 651 und 654 entstand eine arabische Garnison. 685 vereinbarten Byzanz und das Kalifat eine gemeinsame Kontrolle: Die Insel wurde entmilitarisiert und die Steuereinnahmen wurden geteilt. Dieses arabisch-byzantinische Kondominium wurde durch Konflikte, Umsiedlungen und Überfälle wiederholt gestört. Unter Basileios I. gewann Byzanz die Insel für sieben Jahre zurück.

965 stellte Niketas Chalkutzes die dauerhafte byzantinische Oberhoheit wieder her. Im 11. und 12. Jahrhundert kam es zu Aufständen, Angriffen und einem Ausbau der Burgen Kyrenia, St. Hilarion, Buffavento und Kantara. 1153 plünderten Rainald von Chatillon und armenische Truppen die Insel. Nach dem Sturz der Komnenen herrschte Isaak Komnenos kurzzeitig unabhängig, bis Richard Löwenherz seine Herrschaft 1191 beendete.

Kreuzfahrer, Lusignans und Venedig

Richard Löwenherz landete am 6. Mai 1191 bei Limassol, besiegte Isaak Komnenos und eroberte Zypern. Er verkaufte die Insel zunächst für 100.000 weiße Bézants an die Templer. Nach einem Aufstand gaben diese sie zurück. 1192 kaufte Guido von Lusignan Zypern für 60.000 Bézants. Damit begann die bis 1489 dauernde lateinische Herrschaft.

Unter den Lusignans entstand ein feudales Königreich mit einer katholischen, überwiegend französischen Oberschicht. König Amalrich erkannte 1196 Kaiser Heinrich VI. als Lehnsherrn an und erhielt den Königstitel. Viele griechische Grundbesitzer wurden enteignet. Das Land gehörte dem König, Baronen oder Ritterorden. Nur Katholiken konnten Lehen und wichtige Gerichtsämter erhalten. Freie Pächter hießen Francomati; die als Paroikoi bezeichneten Leibeigenen waren an den Boden gebunden, mussten ein Viertel bis ein Drittel der Ernte abgeben und häufig zwei Tage pro Woche Frondienst leisten. Die orthodoxen Bistümer wurden von 14 auf vier vermindert. Armenier und Maroniten behielten eigene Kirchen.

Nach dem Fall Akkons 1291 wurde Zypern zum wichtigsten Zufluchtsort vieler Kreuzfahrer. Unter Peter I. griff ein aus 115 Schiffen bestehendes Kreuzfahrerheer 1365 Alexandria an, plünderte die Stadt, tötete Einwohner und verschleppte 5000 Menschen. Dauerhafte militärische Erfolge entstanden daraus nicht. Die kostspieligen Unternehmungen schwächten das Königreich.

Seit 1374 kontrollierte Genua Famagusta und machte Zypern faktisch zu seinem Protektorat. 1426 besiegten die Mamluken König Janus bei Khirokitia, plünderten mehrere Orte und nahmen den König gefangen. Gegen 200.000 Florin Lösegeld und einen jährlichen Tribut kam er frei. Wirtschaftskrisen, Pest, Hungersnöte und Bauernaufstände beschleunigten den Niedergang.

Nach einem Bürgerkrieg setzte sich Jakob II. gegen seine Halbschwester Carlotta durch. Er heiratete 1473 die Venezianerin Caterina Cornaro, starb jedoch kurz darauf unter ungeklärten Umständen. Nachdem auch sein Sohn Jakob III. gestorben war, regierte Caterina. 1489 musste sie Zypern an Venedig abtreten.

Venedig verwaltete und besteuerte die Insel streng. Die orthodoxe Kirche erhielt Religionsfreiheit, doch wirtschaftliche Ausbeutung, Korruption, Frondienste und die Bindung vieler Bauern an den Boden erzeugten Widerstand. Dürre, Erdbeben und Heuschreckenplagen verschärften die Not. 1561 wurden ältere Paroikoi entlastet; am 2. Juli 1570 erklärte Venedig alle für frei. Dennoch unterstützten zahlreiche Dörfer die anrückenden Osmanen.

Osmanische und britische Epoche

Im Juli 1570 landeten osmanische Truppen auf Zypern und belagerten Nikosia mit 50.000 Mann. Famagusta fiel 1571 nach elf Monaten. Venedig erkannte die Abtretung am 7. März 1573 an. Bis 1878 gehörte Zypern als Vilayet Kıbrıs zum Osmanischen Reich. Die Bauern wurden von Frondiensten und der persönlichen Bindung an Grundherren befreit, mussten aber Steuern zahlen. Aus Südanatolien kamen muslimische und christliche Siedler sowie Juden. Öffentliche Ämter waren weitgehend Muslimen vorbehalten; Konvertiten wurden rasch in die türkische Gesellschaft aufgenommen. Religion war lange wichtiger als ethnische Zugehörigkeit, Mischehen kamen vor. Von 1683/85 bis 1690 war die Insel unter Mehmed Ağa Boyacıoğlu unabhängig.

Am 4. Juni 1878 überließ das Osmanische Reich Großbritannien die Verwaltung der Insel, behielt aber zunächst Souveränitätsrechte. Hintergrund waren der Suezkanal, britische Interessen in Asien und die russische Expansion. Großbritannien annektierte Zypern am 5. November 1914, nachdem das Osmanische Reich in den Ersten Weltkrieg eingetreten war. Von 1916 an dienten mehr als 12.000 Zyprioten im Cypriot Mule Corps als nicht-soldatische Beschäftigte der britischen Armee. Der Vertrag von Lausanne bestätigte 1923 die Annexion; 1925 wurde Zypern Kronkolonie.

Unter den Zyperngriechen wuchs die Forderung nach Enosis, dem Anschluss an Griechenland. Nach der Oktoberrevolte von 1931 schränkten die Briten politische und kirchliche Freiheiten ein. 1950 stimmten 96 % der Zyperngriechen in einer Abstimmung für Enosis. Seit 1955 führte die EOKA unter Georgios Grivas einen gewaltsamen Aufstand; 1957 verschärfte die Gründung der türkischen TMT den Konflikt. Griechen und Türken lebten damals nicht in geschlossenen Gebieten: Die Volkszählung von 1946 erfasste 369 griechische, 112 türkische und 146 gemischte Dörfer. Sprache und Religion waren nicht immer deckungsgleich.

Unabhängigkeit, Teilung und Gegenwart

Auf Grundlage des Zürcher Abkommens von 1959 wurde Zypern am 16. August 1960 unabhängig. Griechenland, die Türkei und Großbritannien waren Garantiemächte; Akrotiri und Dhekelia blieben britische Militärbasen. Erzbischof Makarios III. wurde erster Präsident. Die Verfassung erklärte die griechisch- und türkischsprachigen Gruppen für gleichberechtigt und gab dem türkisch-zyprischen Vizepräsidenten umfassende Vetorechte. Gleichzeitig wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt.

Makarios wollte 1963 die Verfassung ändern und unter anderem die Vetorechte abschaffen. Darauf folgten Gewalt, die Abriegelung türkisch-zyprischer Dörfer und gegensätzliche Ziele: Enosis auf griechischer sowie Taksim, die Teilung, auf türkischer Seite. UN-Truppen beendeten den Bürgerkrieg; am 10. August 1964 trat ein Waffenstillstand in Kraft. Nikosia wurde durch eine Pufferzone geteilt.

Am 15. Juli 1974 stürzte die von der griechischen Militärregierung gelenkte Nationalgarde Makarios. Die Putschisten unter Nikos Sampson strebten Enosis an. Am 20. Juli intervenierte die Türkei unter Berufung auf den Garantievertrag. Obwohl die griechische Militärregierung am 23. Juli zusammenbrach, weitete die Türkei ihre Invasion am 14. August völkerrechtswidrig aus. Bis zum 16. August kontrollierte sie knapp 37 % der Insel, darunter ein Gebiet, in dem zuvor 70 % der Wirtschaftsleistung erbracht worden waren. 162.000 griechische Zyprer flohen oder wurden vertrieben; etwa 48.000 türkische Zyprer mussten den Süden verlassen. Türkische Angaben nennen 120.000 griechische und 65.000 türkische Betroffene.

1983 erklärte der Norden seine Unabhängigkeit als Türkische Republik Nordzypern. Nur die Türkei erkennt sie an; der UN-Sicherheitsrat erklärte die Unabhängigkeitserklärung mit Resolution 541 für rechtsungültig und forderte mit Resolution 550 die Nichtanerkennung. Etwas mehr als 57 % der Insel stehen unter Kontrolle der Republik Zypern, knapp 37 % unter Kontrolle Nordzyperns; etwas mehr als 5 % entfallen auf Pufferzone und britische Gebiete, wobei die Basen etwa 2,7 % ausmachen.

Beim Referendum über den Annan-Plan am 26. April 2004 stimmten 64,9 % der türkischen Zyprer dafür, aber 75,8 % der griechischen Zyprer dagegen. Da beide Seiten zustimmen mussten, scheiterte die Wiedervereinigung. Die Republik Zypern trat am 1. Mai 2004 rechtlich als Ganzes der Europäischen Union bei; tatsächlich gilt das EU-Recht nur im Süden. Seit dem 3. April 2008 ist der Übergang an der Ledrastraße in Nikosia geöffnet. Weitere Einigungsgespräche führten bisher nicht zur Wiedervereinigung.

Während des Libanonkriegs 2006 nahm Zypern zahlreiche Flüchtlinge auf. Am 11. Juli 2011 explodierten 98 Munitionscontainer auf der Marinebasis Evangelos Florakis. 15 Menschen starben, 60 wurden schwer verletzt. Das größte Kraftwerk der Insel und mehrere Meerwasserentsalzungsanlagen fielen aus, wodurch Engpässe bei der Wasser- und Stromversorgung entstanden.

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