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Geographie Osttimors
2010 machte der Erdölsektor 79 % des Bruttoinlandsprodukts, 67 % des Bruttonationaleinkommens und 58 % des verfügbaren Bruttonationaleinkommen aus.
Inhalt6 Abschnitte
Lage und Raumstruktur
Osttimor liegt im Übergang von Asien zu Australien und ist das einzige Land Asiens, dessen Staatsgebiet vollständig südlich des Äquators liegt. Es umfasst die östliche Hälfte der Insel Timor, die Exklave Oe-Cusse Ambeno an der Nordküste des indonesischen Westtimors sowie die Inseln Atauro und Jaco. Timor gehört zu den Kleinen Sundainseln im östlichen Teil des malaiischen Archipels. Im Nordwesten liegt die Sawusee, nördlich die Bandasee und südlich die Timorsee, die sich etwa 500 km bis Australien erstreckt.
Die Gesamtfläche beträgt 14.918,72 km². Die Hauptlandmasse ist 260 km lang und bis zu 80 km breit; mit Exklave und Inseln erreicht Osttimor eine maximale Ost-West-Ausdehnung von 364 km und eine maximale Nord-Süd-Ausdehnung von 149 km. Die Küstenlinie ist 783 km lang und von Korallenriffen umgeben. Die Landgrenze zu Indonesien misst insgesamt 228 km.
Die Grenzziehung zu Indonesien war lange teilweise umstritten. 2013 wurde der Streit um das Gebiet bei Memo beigelegt. Am 23. Juli 2019 erklärten Osttimor und Indonesien, man habe sich über den Verlauf der Landesgrenze geeinigt. Weiterhin umstritten sind laut Stand 2022 aber die Zugehörigkeit von Naktuka und der Insel Fatu Sinai. Verhandlungen über Seegrenzen laufen seit 2015 weiter.
Gebirge, Ebenen und geologische Risiken
Osttimor ist stark gebirgig. Timor liegt am äußeren Rand des Bandabogens, der zum pazifischen Feuerring gehört. In einer Subduktionszone schiebt sich die Nordwestecke der Australischen Platte unter die Eurasische Platte. Dadurch entstanden Gebirgsketten, die fast die ganze Insel von Südwesten nach Nordosten durchziehen. Der höchste Berg Osttimors ist der Tatamailau mit 2963 m in den Ramelau-Bergen. Weitere wichtige Erhebungen sind der Foho Olopana mit 1791 m, der Curi mit 1763 m, der Monte Mundo Perdido mit 1332 m, der Matebian mit 2316 m und die Paitchau-Kette mit 995 m. 32,1 % der Landesfläche liegen zwischen 500 und 1500 m Höhe, 2,6 % über 1500 m.
Geologisch ist Osttimor jung: Die Insel wurde erst in den letzten etwa vier Millionen Jahren aus dem Meer gehoben. Wegen der geologischen Aktivität besteht eine ständige Gefahr durch Erdbeben und Tsunamis. 1995 starben elf Menschen durch einen Tsunami nach einem Beben bei Alor; auch 1857 verwüsteten ein Beben und ein Tsunami die Nordküste Osttimors. Am 7. Juni 2026 verursachte ein Erdbeben der Stärke M 5,2 am Builo einen großen Erdrutsch.
Im Norden fällt das Gebirge teils steil ins Meer ab. Küstenterrassen und Plateaus von 400 bis 700 m Höhe, etwa bei Baucau, prägen dort das Bild. An der Südküste liegen breite Küstenebenen von drei bis zehn Kilometern Breite, oft mit saisonalen Sümpfen, versumpften Wäldern und hohem Grasbewuchs. Besonders auffällig ist das Fuiloro-Plateau in Lautém, das ursprünglich die Lagune eines urzeitlichen Atolls war.
Geologie, Rohstoffe und Energie
Die Felsen Timors gehören zur Australischen Platte. Das Grundgebirge, der Lolotoi-Komplex, wurde angehoben und bildet die zentrale Gebirgskette. Entlang der Nordküste liegen metamorphe Gesteine des Aileu-Komplexes; Atauro gehört dagegen zum inneren Bandabogen und ist vulkanischen Ursprungs. Geologen beschreiben Timor wegen der stark vermischten und verformten Gesteine als „tektonisches Chaos“. Eine häufige Bodenform ist der weiche Tonboden des Bobonaro-Komplexes, überlagert von Kalkstein, Kalkmergel, vulkanischem Material und Gesteinen vom Meeresboden.
Erdöl ist das wichtigste Wirtschaftsgut Osttimors. 2010 machte der Erdölsektor 79 % des Bruttoinlandsprodukts, 67 % des Bruttonationaleinkommens und 58 % des verfügbaren Bruttonationaleinkommens aus. Erdölvorkommen an Land waren früh bekannt; bereits 1884 wurden Lampen in Dili mit Öl aus Laclubar versorgt. 2012 produzierte Osttimor 3,965 Mio. t Rohöl. Bedeutend sind auch Vorkommen in der Timorsee, darunter die Greater Sunrise Area. Nach Konflikten mit Australien wurde 2019 ein neuer Vertrag von den Parlamenten Australiens und Osttimors ratifiziert.
Weitere Bodenschätze spielen derzeit eine geringere Rolle. Genannt werden Marmor, etwas Gold und Kupfer sowie ein 2025 entdecktes reiches Manganvorkommen im Verwaltungsamt Lautém. Heiße Quellen deuten auf geothermische Energie hin. Außerdem wird an mehreren Orten der Nordküste Salz durch Verdunstung von Meerwasser gewonnen. Für Exploration und Abbau wurden 2022 sieben Konzessionszonen ausgewiesen; sie enthalten Hinweise auf verschiedene metallische und nichtmetallische Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Mangan, Chrom, Zink, Silber, Kalkstein, Marmor, Bentonit, Kaolin und Gips.
Wasser und Klima
Fast alle Flüsse Osttimors entspringen im zentralen Bergland und fließen wegen des starken Gefälles nach Norden oder Süden. Das hydrografische Netz ist dicht, besteht aber meist aus kurzen, gewundenen und schnell fließenden Bächen, die den größten Teil des Jahres trocken liegen. In der Regenzeit entstehen Sturzbäche, die starke Erosion verursachen und Erde sowie Geröll mitführen. Nach dem Ende der Regenzeit bleiben oft nur dünne Rinnsale in breiten Flussbetten. Keiner der Flüsse ist schiffbar.
Ganzjährig wasserführende Flüsse gibt es genau genommen nur im Süden. Im Norden führen manche Flüsse Wasser, weil sie aus dem Süden gespeist werden, darunter der nördliche Lacló mit dem größten hydrografischen Becken Osttimors, der Seiçal und der Lóis, der mit 80 km der längste Fluss Osttimors ist. Der größte See ist der Ira Lalaro in Lautém mit 6,5 km Länge und 3 km Breite. Weitere Gewässer sind der Maubarasee und die Tasitoluseen.
Das Klima ist tropisch, heiß und schwül, mit Regen- und Trockenzeit. Der Ostmonsun von Mai bis November bringt oft Dürre, besonders an der Nordküste. Die Regenzeit dauert von Ende November bis April; dann werden Felder wieder bewirtschaftet, aber Überschwemmungen können Straßen unterbrechen. Dili hat etwa 840 mm Jahresniederschlag, Manatuto 565 mm, die Südküste 1500 bis 2000 mm. Lolotoe erreicht mit 2837 mm die höchste jährliche Niederschlagsmenge im Land. In Dili liegt die durchschnittliche Jahrestemperatur bei 27,8 °C; in höheren Lagen sinkt sie deutlich, etwa auf 14 °C in 2000 m Höhe.
Der Klimawandel betrifft Osttimor deutlich. 2016 führte El Niño zu extremer Dürre, Wasser- und Nahrungsmittelknappheit, Ernteausfällen und dem Tod von 70.000 Nutztieren. Bis 2050 werden ein Temperaturanstieg um 1,5 °C, 10 % mehr Niederschlag und ein Meeresspiegelanstieg um 1,3 bis 2,3 Millimeter erwartet. Küstenebenen könnten häufiger überflutet werden, und Grundwasser kann versalzen.
Lebensräume, Tiere und Pflanzen
Timor gehört zu Wallacea, einer biogeographischen Übergangszone zwischen asiatischer und australischer Tier- und Pflanzenwelt. Australische Arten sind selten, ein Beispiel ist der Graue Kuskus. Viele Säugetiere, Vögel und Insekten ähneln malaiischen Formen. Für Vögel ist Osttimor besonders bedeutsam: 23 Vogelarten kommen nur in der Timor and Wetar Endemic Bird Area vor. Insgesamt gibt es etwa 240 Vogelarten, darunter Papageien, Amadinen, Kakadus und die Wetar-Taube.
Bei Reptilien werden unter anderem der Timor-Waran, der Timor-Wasserpython und die Timor-Riffschlange genannt. Eine besondere Rolle spielt das Leistenkrokodil, kulturell als „Großvater Krokodil“ bezeichnet. Seit 2007 registrierte CrocBITE bis September 2016 in Osttimor 15 tödliche und fünf weitere Angriffe auf Menschen. In den Gewässern gibt es wenige reine Süßwasserfische, darunter die endemischen Arten Oryzias timorensis und Craterocephalus laisapi. Die Meere gehören zum Korallendreieck, einer Region mit sehr hoher Vielfalt an Korallen und Rifffischen. Um Atauro wurden 2016 an einzelnen Stellen bis zu 314 Fischarten festgestellt; insgesamt sind dort 643 Fischarten nachgewiesen.
Osttimor hat schätzungsweise etwa 2500 Pflanzenarten. Die Vegetation besteht vor allem aus Sekundärwald, Savannen und Grasland, mit Kasuarinengewächsen, Eukalyptus, Sappanholz, Sandelholz und Palmyrapalmen. Die Waldfläche nahm zwischen 1972 und 1999 um fast 30 % ab; der ursprüngliche Primärwald ist auf 220.000 ha beziehungsweise ein Prozent des Territoriums geschrumpft. Mangroven bedecken etwa 7500 ha und kommen vor allem an der ruhigeren Nordküste vor.
Verwaltung, Siedlungen und Verkehr
Osttimor ist in 13 Gemeinden und die Sonderverwaltungsregion Oe-Cusse Ambeno gegliedert. Die bisherigen Distrikte wurden 2014/2015 in Gemeinden und die Subdistrikte in Verwaltungsämter umbenannt. Insgesamt gibt es 70 Verwaltungsämter, 461 Sucos und 2233 Aldeias. Oe-Cusse Ambeno besitzt laut Artikel 71 der Verfassung eine Sonderrolle in Verwaltung und Wirtschaftspolitik; 2014 wurde dafür die Autoridade da Região Administrativa Especial de Oecusse geschaffen.
Die Hauptstadt Dili ist mit Abstand die größte Stadt. Sie hatte 2015 einschließlich Atauro und ländlicher Gebiete der Gemeinde 277.279 Einwohner. Dili liegt an der Nordküste, ebenso wie Baucau, die zweitgrößte Stadt mit 17.357 Einwohnern im Jahr 2015. Die Hauptorte der Gemeinden gelten ebenfalls als Städte und sind jeweils die größten Siedlungen ihrer Gemeinden; in Ainaro gibt es mit Maubisse zusätzlich eine zweite Stadt.
Die Infrastruktur wird stark durch Gebirge, Regenzeit und Flüsse geprägt. Von 5320 km Straßen sind 70 % reparaturbedürftig. Es gibt 1426 km Nationalstraßen, 869 km Gemeindestraßen und 3025 km örtliche Straßen. Wichtige Verkehrsachsen sind die Küstenstraßen im Norden und Süden, verbunden durch fünf Nord-Süd-Überlandstraßen. Der erste Abschnitt der Autobahn Suai-Beaco wurde 2018 eröffnet und war die erste Autobahn Osttimors. Dilis Flughafen Presidente Nicolau Lobato ist der einzige Flughafen mit internationalen Passagierflügen; der Hafen von Tibar wurde am 30. November 2022 eröffnet und übernahm den Frachtverkehr.