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Geographie Kanadas
Breitengrad im Süden bis zum Arktischen Ozean im Norden. Im Süden liegen die Vereinigten Staaten (Continental United States), im Nordwesten der US …
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Lage und Grunddaten
Kanada ist ein Staat in Nordamerika und bedeckt den größten Teil der nördlichen Hälfte des Kontinents, insgesamt 41 % Nordamerikas. Mit 9.984.670 km² Fläche ist Kanada nach Russland der zweitgrößte Staat der Erde. Davon sind 9.093.507 km² Land und 891.163 km² Wasser, also 8,92 %. Die Küstenlinie beträgt 202.080 km. Das Land reicht vom Pazifischen Ozean im Westen bis zum Atlantischen Ozean im Osten und von den Großen Seen und dem 49. Breitengrad im Süden bis zum Arktischen Ozean im Norden. Der Wahlspruch „A Mari Usque Ad Mare“ bedeutet „Von Meer zu Meer“.
Kanada grenzt im Süden an die Vereinigten Staaten und im Nordwesten an Alaska. Die Grenze zu den USA ist 8893 km lang, davon 2477 km mit Alaska, und gilt als längste unverteidigte Staatsgrenze der Welt. Seit 2022 gibt es auf der Hans-Insel außerdem eine etwa 1,2 km lange Landgrenze zwischen Kanada und Grönland. Vor der Südküste Neufundlands liegt Saint-Pierre und Miquelon, ein französisches Überseegebiet. Kanada beansprucht seit 1925 den arktischen Raum zwischen 60° W und 141° W bis zum Nordpol; dieser Anspruch ist umstritten.
Das Klima reicht von gemäßigt bis arktisch. Der höchste Punkt ist der Mount Logan mit 5959 m, der tiefste Punkt ist der Meeresspiegel mit 0 m. Der längste Fluss ist der Mackenzie River mit 4241 km, das größte Binnengewässer ist der Große Bärensee mit 31.153 km².
Großlandschaften
Die physische Geographie Kanadas ist sehr vielfältig. Im Südosten liegen die kanadischen Teile der Appalachen. Dieser Gebirgszug reicht insgesamt über mehr als 2400 km von Alabama in den USA bis zur Gaspésie-Halbinsel in Québec; auch ein Teil Neufundlands gehört dazu. Die nördlichen Teilketten, darunter die Notre Dame Mountains und die Long Range Mountains, sind stark erodierte, rund 380 Millionen Jahre alte Gebirge. Bekannte Berge sind der Mont Jacques-Cartier in Québec mit 1268 m, der Mount Carleton in New Brunswick mit 817 m und The Cabox auf Neufundland mit 814 m.
Das Tiefland am Sankt-Lorenz-Strom und um die Großen Seen im Süden Québecs und Ontarios ist eine sehr fruchtbare Ebene aus Sedimenten. Vor der Kolonialisierung und der Verstädterung des 20. Jahrhunderts war es von Mischwäldern bedeckt. Große Teile wurden für Landwirtschaft abgeholzt; die übrigen Waldreste stehen meist unter strengem Schutz. Das Relief ist überwiegend flach. Auffällige Ausnahmen sind die Niagara-Schichtstufe, über die die Niagarafälle fließen, und die Montérégie-Hügel in Québec.
Der Kanadische Schild ist ein riesiger Felssockel und nimmt fast die Hälfte Kanadas ein. Er umfasst unter anderem den Norden von Saskatchewan, Manitoba, Ontario und Québec sowie fast ganz Labrador. Typisch sind erodiertes Hügelland, viele Flüsse und Seen, borealer Nadelwald und zahlreiche mineralische Bodenschätze. Intensive Landwirtschaft ist dort kaum möglich. Nördlich der Baumgrenze prägen Felsen, Eis und Tundrenvegetation die Landschaft.
Die Prärie besteht aus ausgedehnten Sedimentebenen. Sie umfasst große Teile Albertas, das südliche Saskatchewan, das südwestliche Manitoba und Gebiete der Nordwest-Territorien. Der südliche Teil wird landwirtschaftlich genutzt, besonders für Weizenanbau; der nördliche Teil ist bewaldet. Im Westen liegen die Rocky Mountains, die Teil der kontinentalen Wasserscheide sind. Weiter westlich befinden sich eine Hochebene in British Columbia, die Coast Mountains, die Mackenzie Mountains sowie Vancouver Island, Haida Gwaii und die Gulf Islands. Dort liegt auch der einzige gemäßigte Regenwald Kanadas. Die Arktis umfasst alle Gebiete nördlich der Baumgrenze; Eisflächen, Tundra und Permafrost erschweren Infrastruktur und machen Landwirtschaft praktisch unmöglich.
Gewässer und Wasserscheiden
Kanada besitzt sehr große Wasserreserven. Über seine Flüsse werden 9 % des weltweiten Wassers abgeleitet. Das Land besitzt ein Viertel aller Feuchtgebiete weltweit und nach der Antarktis und Grönland die größte Gletscherfläche. Wegen der starken Vereisung während der letzten Eiszeit gibt es mehr als zwei Millionen Seen. Von den Seen, die vollständig in Kanada liegen, sind mehr als 31.000 zwischen 3 und 100 km² groß; 563 weitere sind größer als 100 km².
Das Land wird in fünf Haupt-Einzugsgebiete gegliedert. Ein Einzugsgebiet ist der Raum, aus dem Flüsse und Bäche ihr Wasser in ein bestimmtes Meer oder Gewässersystem ableiten. Die wichtigsten Zielräume sind der Arktische Ozean, der Atlantische Ozean, der Pazifische Ozean, die Hudson Bay und der Golf von Mexiko.
Das atlantische Einzugsgebiet entwässert die Atlantischen Provinzen, das südliche Québec und große Teile des südlichen Ontario. Besonders wichtig ist der Sankt-Lorenz-Strom mit Zuflüssen wie Saguenay, Manicouagan und Ottawa; auch die Großen Seen und der Nipigonsee gehören dazu. Das Einzugsgebiet der Hudson Bay entwässert mehr als ein Drittel Kanadas, darunter Manitoba, große Teile von Saskatchewan und nördliche Teile von Ontario und Québec. Es ist wichtig gegen Dürren in der Prärie und für Wasserkraft. Der Wollaston Lake liegt genau auf der Wasserscheide zwischen Hudson Bay und Atlantik und ist der größte See der Welt, der auf natürliche Weise in zwei Richtungen abfließt.
Das pazifische Einzugsgebiet liegt vor allem in British Columbia und wird intensiv zur Energiegewinnung genutzt; wichtige Flüsse sind Yukon River, Columbia River und Fraser River. Das arktische Einzugsgebiet umfasst große nördliche Gebiete und wird, mit Ausnahme des Mackenzie River, kaum zur Energiegewinnung genutzt. Ganz im Süden Albertas entwässert der Milk River mit seinen Zuflüssen zum Golf von Mexiko.
Vulkanismus und Naturressourcen
Der Westen Kanadas besitzt viele Vulkane und gehört zum Pazifischen Feuerring, einem Vulkansystem rund um den Pazifik. Dort gibt es über 200 vulkanisch aktive Gebiete, die sich von der Kaskadenkette nach Norden bis Yukon erstrecken. Sie werden in fünf Vulkangürtel mit unterschiedlichen Vulkantypen und tektonischen Bedingungen eingeteilt. Tektonik bezeichnet Bewegungen und Wechselwirkungen von Erdplatten.
Die Northern Cordilleran Volcanic Province entstand durch Verwerfung, Auseinanderbrechen und die Interaktion zwischen der Pazifischen Platte und der Nordamerikanischen Platte. Der Garibaldi-Vulkangürtel entstand durch Subduktion, also das Abtauchen einer Erdplatte unter eine andere: Hier taucht die Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerikanische Platte. Der Anahim-Vulkangürtel entstand, weil die Nordamerikanische Platte über den Anahim-Hotspot glitt. Die Chilcotin Plateau Basalts wurden möglicherweise durch eine Backarc-Erweiterung der kaskadischen Subduktionszone geformt. Das Wrangell-Vulkanfeld hängt mit der Subduktion der Pazifischen Platte am östlichen Ende des Aleutengrabens zusammen.
Auch auf dem Kanadischen Schild gab es Vulkanismus. Dort liegen über 150 Vulkangürtel, die zwischen 600 und 2800 Millionen Jahre alt sind. Sie sind heute deformiert und fast zu Ebenen erodiert. Viele kanadische Erzvorkommen stehen mit diesen präkambrischen Vulkanen in Zusammenhang. In den Nordwest-Territorien gibt es Kissenlava, die über 2600 Millionen Jahre alt ist und im Cameron-River-Vulkangürtel erhalten blieb. Sie zeigt, dass es in frühen Phasen der Erdkrustenbildung riesige ozeanische Vulkane gab. Zu Kanadas natürlichen Rohstoffen zählen Wasserkraft, Eisenerz, Fisch, Kalisalz, Erdgas und Erdöl, Diamanten, Blei, Gold, Silber, Molybdän und Holz.
Bevölkerung, Räume und Umwelt
Kanada ist in dreizehn Provinzen und Territorien gegliedert. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt. Laut Statistics Canada leben 72 % der Bevölkerung in einem 150 km breiten Streifen entlang der Südgrenze zu den USA. 70 % leben südlich des 49. Breitengrades, und über 60 % wohnen entlang der Großen Seen und des Sankt-Lorenz-Stroms zwischen Windsor und Québec, dem Québec-Windsor-Korridor. Dadurch ist der größte Teil des kanadischen Territoriums sehr dünn besiedelt. Die Bevölkerungsdichte beträgt 3,5 Einwohner je km². Gleichzeitig leben 79,4 % der Bevölkerung in urbanen Ballungsgebieten.
Kanadas Lage hatte auch politische Bedeutung. Während des Kalten Krieges lag das Land strategisch zwischen der Sowjetunion, heute Russland, und den USA, weil die Route über den Nordpol und Kanada eine direkte Verbindung für Kampfflugzeuge und Interkontinentalraketen bildete. Seit dem Ende des Kalten Kriegs wird darüber spekuliert, dass Kanadas Gebietsansprüche in der Arktis wichtiger werden könnten, wenn die globale Erwärmung genug Eis abschmelzen lässt, um die Nordwestpassage für Frachtschiffe passierbar zu machen.
Ökologisch wird Kanada in 15 terrestrische und 5 marine Ökoregionen eingeteilt. Ökoregionen sind größere Naturräume mit ähnlichen Klima-, Pflanzen-, Tier- und Landschaftsmerkmalen. Beispiele sind Arktische Kordillere, Nördliche Arktis, Südliche Arktis, Borealer Schild, Prärie, Pacific Maritime und mehrere marine Regionen wie Arctic Basin Marine und Pacific Marine.
Die Umweltbilanz Kanadas wird im Artikel kritisch dargestellt. Der Pro-Kopf-Ausstoß von Kohlenstoffdioxid gehört zu den weltweit höchsten und hängt mit der wirtschaftlichen Ausrichtung und der Größe des Landes zusammen. Eine Studie der Simon Fraser University im Auftrag der David Suzuki Foundation zählt Kanada zu den Industriestaaten mit der schlechtesten Umweltschutzbilanz: Unter 30 untersuchten OECD-Staaten liegt Kanada auf Platz 28. Beim Atommüll und bei Kohlenmonoxid-Emissionen liegt es auf dem letzten Platz, beim Wasserverbrauch auf Platz 29.
Geographische Eckpunkte
Die äußersten Punkte zeigen die große Ausdehnung Kanadas. Für Gesamt-Kanada liegt der nördlichste Landpunkt am Kap Columbia auf Ellesmere Island in Nunavut bei 83°08' N, 74°13' W. Als nördlichster Wasserpunkt wird der Nordpol bei 90° N genannt. Der südlichste Landpunkt ist Middle Island im Eriesee in Ontario bei 41°41' N, 82°40' W; der südlichste Wasserpunkt liegt im Eriesee an der Grenze Ontario-Ohio bei 41°40'35" N.
Der westlichste Punkt Kanadas liegt an der Grenze zwischen Yukon und Alaska bei 141°00' W. Der östlichste Punkt ist Cape Spear auf Neufundland bei 47°31' N, 52°37' W. Betrachtet man nur das Festland, ist der nördlichste Punkt Kap Rennell auf der Boothia-Halbinsel in Nunavut bei 71°58' N. Der südlichste Festlandpunkt ist Point Pelee in Ontario bei 41°54'23" N. Der östlichste Festlandpunkt ist Cape St. Charles in Labrador bei 52°13' N, 55°37' W. Der tiefste Punkt liegt auf Meeresspiegelhöhe bei 0 m, der höchste Punkt ist der Mount Logan mit 5959 m.