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Geographie Japans
Das Land verfügt heutzutage durch Messbojen im Pazifik über ein effektives Tsunami-Frühwarnsystem. Für die Bevölkerung finden regelmäßig Trainingsprogramme …
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Lage, Inseln und Relief
Japan ist nach Indonesien, Madagaskar und Papua-Neuguinea der viertgrößte Inselstaat der Welt. Es liegt im Pazifik vor den Küsten Russlands und Koreas und bildet eine Inselkette entlang der Ostküste Asiens. Der Archipel gehört als nordwestliches Teilstück zum Pazifischen Feuerring.
Zu den fünf Hauptinseln gehören Hokkaidō im Norden, Honshū als größte zentrale Insel sowie Shikoku, Kyūshū und Okinawa im Süden. Daneben gibt es mehr als 6847 kleinere Inseln; sie liegen besonders in der Seto-Inlandsee und bei den Ryūkyū-Inseln. Japan ist im Wesentlichen ein aus dem Meer aufragendes Gebirge: Etwa drei Viertel des Landes sind so stark geneigt, dass sie kaum für Landwirtschaft oder Siedlungen nutzbar sind. Siedlungen konzentrieren sich daher auf Ebenen, Küstenstreifen und Bergtäler.
Eine Gebirgskette durchzieht den gesamten Archipel und umfasst ungefähr 73 % seiner Landmasse. Der höchste Punkt ist der Berg Fuji auf Honshū mit 3776 m über dem Meeresspiegel. Größere Ebenen gibt es vor allem in Kantō um Tōkyō und Kansai zwischen Kyōto, Osaka und Kōbe; beide Räume sind dicht besiedelt. Wegen des knappen Flachlands werden Berghänge durch Terrassenfeldbau genutzt.
Der nördlichste Punkt ist umstritten: Ohne die im Kurilenkonflikt beanspruchten Gebiete ist es Kap Sōya auf Hokkaidō bei 45° 31′ 21,7″ N, 141° 56′ 10,6″ O. Südlichster Punkt ist Okinotorishima, westlichster die Westspitze Yonagunis und östlichster Minami-Torishima.
Entstehung und politische Einteilung
Der heutige japanische Archipel entstand ungefähr vor 16 bis zwei Millionen Jahren, vom Miozän bis zum Pliozän. Vor rund 30 Millionen Jahren gab es weder das Japanische noch das Ochotskische Meer; Japan war Teil des Kontinents. Vor etwa 19 Millionen Jahren entstand durch einen sich mit Wasser füllenden Riss zunächst das Japanische Meer als Binnensee. In den folgenden vier Millionen Jahren vergrößerte es sich. Südwestjapan drehte sich um etwa 45 Grad im Uhrzeigersinn, Nordostjapan gleichzeitig um etwa 40 Grad gegen den Uhrzeigersinn.
Zwischen 16 und 11 Millionen Jahren vor heute war Südwestjapan größtenteils Festland, während Nordostjapan weitgehend vom Meer bedeckt war. Spätere Subduktion, also das Abtauchen einer Erdplatte unter eine andere, hob den Nordosten an und bildete Ō- und Dewa-Gebirge. Das Aufbrechen des Palau-Kyūshū-Rückens verbreiterte den Ozeanboden auf der Pazifikseite; der Izu-Ogasawara-Bogen driftete nach Osten. Das dazwischenliegende Shikoku-Meerbecken bildet zusammen mit dem philippinischen Meeresboden die philippinische Platte. Verdichtete Sedimente wurden zu den Japanischen Alpen. Die Fossa Magna trennt geologisch Nordost- und Südwestjapan.
Hokkaidō entstand aus Nordwest-, Zentral- und Nordosthokkaidō. Die Kollision dieser Landmassen hob das Hidaka-Gebirge. Vor ungefähr sechs Millionen Jahren brach außerdem der Ryūkyū-Inselbogen vom Kontinent ab; es entstanden Inseln mit Korallenriffen.
Japan gliedert sich historisch in die acht Regionen Hokkaidō, Tōhoku, Kantō, Chūbu, Kinki, Chūgoku, Shikoku und Kyūshū. Politisch ist es ein zentralistischer Staat mit 47 Präfekturen. Diese führen klar umrissene Aufgaben relativ autonom aus, bleiben aber an Weisungen und Finanzierung der Zentralregierung gebunden. Die Präfekturen umfassen Groß- und Kleinstädte sowie Dörfer. Tokio ist die Ausnahme mit 23 zentralen Stadtbezirken sowie umliegenden Kleinstädten und Dörfern. Auf präfekturaler und kommunaler Ebene werden Verwaltungschefs sowie Parlamente beziehungsweise Versammlungen autonom gewählt.
Die Hauptinseln und angrenzenden Meere
Honshū ist mit etwa 230.500 km², rund 60 % der Gesamtfläche Japans, die größte Insel und das „Kernland“ mit der Hauptstadt Tokio. Sie ist etwa 1300 km lang, 50 bis 240 km breit und hat eine 5450 km lange Küste. Der Fuji ist ihr höchster Punkt. Die fruchtbare Kantō-Ebene und viele Flüsse sind bedeutsam; das Klima reicht von der kühlen Nordspitze bis zu subtropischen Gebieten im Süden.
Hokkaidō ist mit 77.984 km² die zweitgrößte Insel und bildet mit umliegenden Inseln die nördlichste sowie größte Präfektur. Höchste Erhebung ist der Asahi-dake mit 2291 m über Normalnull, größte Stadt Sapporo. Die Tsugaru-Straße trennt Hokkaidō von Honshū. Kyūshū ist 35.640 km² groß und hatte 1995 13,44 Mio. Einwohner; damit war sie die zweitbevölkerungsreichste und drittgrößte Insel. Sie ist gebirgig und besitzt aktive Vulkane, darunter Aso mit 1592 m, Sakurajima und Unzen. Wichtigste Stadt ist Fukuoka. Kyūshū hat subtropisches Klima; wichtige Erzeugnisse sind Reis, Tee, Tabak, Speisekartoffeln, Soja und Seide.
Shikoku ist mit etwa 18.000 km² die zweitkleinste Hauptinsel und hat ungefähr 4,5 Mio. Einwohner. Sie besteht aus den Präfekturen Ehime, Kagawa, Kōchi und Tokushima. Okinawa ist die kleinste Hauptinsel, zugleich größte Ryūkyū-Insel und Hauptinsel der Inselgruppe Okinawa.
Nordwestlich der Hauptinseln liegt das Japanische Meer, im Osten der Pazifik, im Norden das Ochotskische Meer. Die Ryūkyū-Inseln trennen das Ostchinesische Meer von der Philippinensee. Vor der Ostküste liegt der Japangraben, dessen tiefste Stelle 8410 m erreicht. Beim 36. Breitengrad treffen der kalte Oyashio aus dem Norden und der warme Kuroshio aus dem Süden aufeinander. Der Tsushima-Strom, ein Kuroshio-Zweig, fließt an der Westküste in das Japanische Meer.
Klima, Naturgefahren und Schutz
Japans Nord-Süd-Ausdehnung führt von der kalt-gemäßigten Zone Hokkaidōs mit kalten, schneereichen Wintern bis zu den Subtropen Okinawas. Im Winter wehen Winde vom asiatischen Kontinent zum Meer, im Sommer vom Meer zum Kontinent. Ende Juni und Anfang Juli fällt im Süden ein großer Teil des Jahresniederschlags als monsunartige Regenfront, die baiu zensen; zugleich beginnt die Taifun-Saison mit bis zu 20 Wirbelstürmen jährlich. Die Winde verstärken auch die Belastung durch grenzüberschreitende Umweltverschmutzung.
Die sechs Klimaregionen sind: Hokkaidō mit eher geringen Niederschlägen, aber langen kalten Wintern und Schneeverwehungen; die Region am Japanischen Meer mit starkem Schneefall im Winter und häufigem Föhn im Sommer; das zentrale Hochland mit großen Temperaturunterschieden und wenig Niederschlag; die Seto-Inlandsee mit ganzjährig mildem Klima; die Pazifikregion mit kalten, schneearmen Wintern und heißen, trockenen Sommern; sowie Nansei-shoto mit warmen Wintern, heißen Sommern, starken Regenzeiten und regelmäßigen Taifunen.
Japan liegt an der Bruchzone der Chinesischen, Nordamerikanischen, Philippinischen und Pazifischen Platte. Von etwa 240 Vulkanen des Pazifischen Feuerrings sind 40 aktiv. Leichte Erdbeben treten fast täglich auf, schwere in größeren Abständen, etwa 1923 in Kantō, 1995 in Kōbe und 2011 in Tōhoku. Besonders Tōkyō ist gefährdet. Im September findet zum Jahrestag des Kanto-Erdbebens eine Katastrophenschutzübung statt.
Tsunamis sind durch unterseeische Erdbeben ausgelöste Flutwellen; in den letzten tausend Jahren starben in Japan dadurch über 160.000 Menschen. Messbojen im Pazifik bilden ein Frühwarnsystem. Regelmäßige Übungen, bis zu 10 m hohe und bis zu 25 m breite Stahlbetondeiche sowie Metalltore sollen Küstenstädte schützen. Taifune treffen im Spätsommer besonders Süden und Südwesten.
Ressourcen, Natur und Schutzgebiete
An Land sind Japans natürliche Ressourcen knapp; bedeutend sind vor allem Fischereierzeugnisse sowie einige Bergbau- und Holzindustrien. Japan besaß 2005 mit 4.074.580 Tonnen gefangenem Fisch die sechstgrößte Fangmenge weltweit und macht fast 15 % des weltweiten Fischfangs aus. Die ausschließliche Wirtschaftszone ist mit 4.479.388 km² die achtgrößte. Im Ozeanboden werden unter anderem Methanhydrat, Erdgas, metallische Minerale und Metalle der Seltenen Erden vermutet. Nahe Minami-Torishima wurden 6,8 Millionen Tonnen Metalle der Seltenen Erden entdeckt, die den nationalen Bedarf für mehr als 200 Jahre decken könnten; im östlichen Nankai-Graben werden mehrere Billionen Kubikmeter Methanhydrat geschätzt.
Japan besitzt wegen seiner Lage und der Vielfalt von Gebirgen und Inseln viele Arten. Die Hauptinseln gehören zur paläarktischen Florenregion, die Ryūkyū-Inseln zur indomalaiischen Region und die Ogasawara-Inseln zu Ozeanien. Die Ogasawara-Inseln liegen 1000 km südöstlich von Tōkyō und werden wegen endemischer, also nur dort vorkommender Arten mit den Galapagosinseln verglichen. Beispiele für Säugetiere sind Braunbär auf Hokkaidō, Asiatischer Schwarzbär, Sikahirsch, Japanischer Serau und Japanmakak. Honshū-Wolf, japanischer Seelöwe, Seeotter und Fischotter sind durch die Verstädterung ausgestorben.
Mehr als 500 Vogelarten wurden gesichtet. Japan ist eine wichtige Station für Zugvögel; Nationalvogel ist der Buntfasan. Nipponibis ist vom Aussterben bedroht. Die Okinawaralle ist flugunfähig und durch den kleinen Mungo in Teilen ihres Lebensraums ausgestorben. Warme und kalte Strömungen begünstigen Plankton und etwa 1337 Fischarten; die Küste von Sanrikuoki bis zu den Kurilen zählt zu den drei reichsten Fischgründen der Welt. Wasserverschmutzung und Betonierung von Flussbetten gefährden Arten.
68,4 % Japans sind bewaldet, überwiegend schwer zugängliche Bergwälder. Reis ist die wichtigste Kulturpflanze; angebaut werden auch Adzukibohnen, Gemüse, Zitrusfrüchte sowie Seetang und Algen. Es gibt 34 Nationalparks, 56 Quasinationalparks und 306 Präfekturnaturparks (Stand: 26. Juli 2017). Sie spiegeln die geologische und klimatische Vielfalt des Landes wider.
Städte und Infrastruktur
Die zehn größten Städte nach der Volkszählung vom 1. Oktober 2010 sind Tokio mit 8.949.447 Einwohnern, Yokohama mit 3.689.603, Osaka mit 2.666.371, Nagoya mit 2.263.907, Sapporo mit 1.914.434, Kōbe mit 1.544.873, Kyōto mit 1.474.473, Fukuoka mit 1.463.826, Kawasaki mit 1.425.678 und Saitama mit 1.222.910 Einwohnern.
Das Bahnnetz hat eine Länge von 23.577 km und lag 2004 weltweit auf Platz 14. Seine Nord-Süd-Verbindung, der Shinkansen, gilt als Lebensader des Landes. Das erste Teilstück Tōkyō–Osaka wurde zu den Olympischen Spielen 1964 eröffnet. Privatbahnen, Busse und Fähren ergänzen das Netz, sodass fast jedes Dorf und jede kleine Insel angebunden ist. Städte besitzen dichten Nahverkehr mit U-Bahnen, Straßenbahnen oder Bussen. Die Fahrpreise sind wegen fehlender staatlicher Subventionierung im Allgemeinen hoch.
Rund 45 Millionen Autos sind zugelassen. In Metropolregionen muss vor dem Autokauf ein Parkplatz nachgewiesen werden. Das mautpflichtige Autobahnnetz umfasst etwa 7000 km, weitere 2000 km waren geplant; meist gilt 100 km/h, auf vielen Abschnitten 80 km/h. Tunnel und Brücken sind wegen des Gebirges und der Inseln nötig, während Erdbeben, Taifune und Vulkanausbrüche die Infrastruktur gefährden. Strom- und Telefonleitungen verlaufen meist oberirdisch, damit sie rasch repariert werden können; Gasleitungen können bei Erdbeben Brände verursachen. Daher gibt es ein dichtes Netz von Katastrophenwarnsystemen.
Zu den größten Flughäfen zählen Tōkyō Narita, Tōkyō Haneda, Kansai International Airport und Central Japan International Airport. Die letzten drei dieser vier Flughäfen wurden auf künstlichen Inseln errichtet. Das Telefonnetz ist gut ausgebaut, fast die gesamte Bevölkerung besitzt ein Handy, und Breitbandzugang besteht mittels FTTH.