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Geographie Deutschlands

Die föderal aufgebaute Bundesrepublik besteht aus 16 Gliedstaaten, die offiziell als Länder (Bundesländer) bezeichnet werden. Die Stadtstaaten Berlin und …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Großräume
  2. 2. Gesteinsbau und Landschaftsformen
  3. 3. Klima, Gewässer und Böden
  4. 4. Pflanzen, Tiere und Schutzgebiete
  5. 5. Staatsgebiet, Länder und Bevölkerung
  6. 6. Wirtschaft, Rohstoffe und Verkehrsnetze

Überblick und Großräume

Die Geographie Deutschlands beschreibt die physische Beschaffenheit des Staatsgebietes der Bundesrepublik Deutschland und die Wechselwirkungen zwischen Lebensraum und Bevölkerung. Deutschland erstreckt sich von Sylt bis zum Allgäu über 876 km in Nord-Süd-Richtung und von der Nähe Görlitz bis zur Nähe Aachen über 640 km in Ost-West-Richtung.

Die wichtigsten Großräume sind die Gewässer und Inseln von Nord- und Ostsee, das Norddeutsche Tiefland, die Mittelgebirgsschwelle, das Südwestdeutsche Schichtstufenland, das Alpenvorland und die Alpen. Besonders prägend waren die Gletscher der letzten Kaltzeiten: Sie formten Seen, Flüsse und Böden. Auch die regionale Verteilung von Bevölkerung und Wirtschaft wird von geographischen Bedingungen beeinflusst.

Gesteinsbau und Landschaftsformen

Geologisch lässt sich Deutschland in vier Bereiche einteilen: den eiszeitlich geprägten Norden, die Mittelgebirge, den durch die Alpenentstehung beeinflussten Süden bis zum Alpenrand und die kleinen Flächenanteile der deutschen Alpen. Der Norden ist vor allem von quartären Gletscher- und Schmelzwassersedimenten bedeckt, darunter Sande, Moränen und große Findlinge aus Skandinavien.

In Mittel- und Süddeutschland prägen variszisches Grundgebirge und mesozoisches Deckgebirge die Landschaft. Zum Kristallin gehören metamorphe Gesteine wie Gneis, Glimmerschiefer und Amphibolit sowie Granite; Beispiele sind Schwarzwald, Fichtelgebirge und Erzgebirge. Schiefergebirge bestehen unter anderem aus Grauwacke, Tonschiefer und „Diabas“; dazu zählen Rheinisches Schiefergebirge, Harz und Thüringisch-Fränkisch-Vogtländisches Schiefergebirge. Die heutigen Mittelgebirgsformen entstanden durch erneute Heraushebung im Tertiär im Zusammenhang mit der Alpenbildung.

Wichtige Rohstoffräume hängen mit der Geologie zusammen: Steinkohle des Ruhrkarbons entstand im Oberkarbon, Braunkohle liegt vor allem in tertiären Ablagerungen des Rheinischen Reviers, bei Helmstedt, Halle–Leipzig und in der Niederlausitz. Zechstein liefert Stein- und Kalisalze; Salzstöcke liegen besonders im Untergrund Norddeutschlands. Trias-Gesteine gliedern sich in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. Kalksteine des Oberjura bauen Schwäbische und Fränkische Alb auf und enthalten Archaeopteryx.

Oberrheingraben und Alpenvorland sind junge Senkungsgebiete. Tertiärer Vulkanismus hinterließ vor allem Basalt, etwa im Vogelsberg, Westerwald und in der Rhön. Die Eifel ist geringfügig vulkanisch aktiv: Kohlendioxidreiche Quellen heißen Mofetten; der Geysir Andernach erreicht 50 bis 60 m und ist der höchste Kaltwassergeysir der Erde. Deutschland liegt vollständig auf der Eurasischen Platte und hat insgesamt geringe Erdbebenaktivität; häufiger treten Beben am Niederrhein, im Oberrheingraben und im Vogtland auf.

Das Norddeutsche Tiefland ist etwa 200 km breit und umfasst Marschen, Geest, Urstromtäler, Endmoränen und Sander. Die Ostseeküste besitzt Förden, Buchten und Bodden; an der Nordsee entstanden Wattenmeer und Marschland. Die Alpen sind Klima- und Wasserscheide. Ihr deutscher Anteil gehört zu den Nördlichen Kalkalpen. Gletscher formten im Alpenvorland unter anderem Bodensee und Münchner Schotterebene. Die Zugspitze ist mit 2962 m Deutschlands höchster Berg; der Watzmann erreicht 2713 m und ist der höchste vollständig in Deutschland liegende Berg.

Klima, Gewässer und Böden

Deutschland liegt in der gemäßigten Klimazone und Westwindzone, zwischen maritimem und kontinentalem Klima. Der Golfstrom sorgt für ungewöhnlich milde Werte in dieser Breitenlage. Der Föhn tritt im Erzgebirge und Alpenvorland auf; Alpenföhn kann Stürme bis 150 km/h auslösen und im Winter und Frühjahr die Schneeschmelze verstärken.

Für 1961–1990 beträgt das deutschlandweite Jahresmittel der Temperatur 8,4 °C, des Niederschlags 700 mm und der Regentage 178,2. Die regionalen Unterschiede sind groß: Südbaden und die Oberrheinische Tiefebene erreichen über 11 °C Jahresmittel, Oberstdorf liegt unter 6 °C. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes lagen 14 der 15 Jahre seit 1990 über dem langjährigen Mittel von 8,3 °C; 2000 wurden 9,9 °C erreicht. Der Frühling beginnt im Mittel fünf Tage früher pro Jahrzehnt. Dürren, Orkane, Hochwasser, Hagel, Frost und Hitze können erhebliche Schäden verursachen.

Bedeutende Bundeswasserstraßen sind Donau, Rhein, Elbe und Oder. Seen dienen als Trinkwasserspeicher. Der Bodensee ist der größte natürliche See, die Müritz ein wichtiger See der Mecklenburgischen Seenplatte und der Chiemsee der größte Voralpensee. Der Bleiloch-Stausee staut 215 Millionen m³ Wasser der Saale, die Rurtalsperre 205 Millionen m³ und der Edersee 202 Millionen m³. Rügen, Usedom und Fehmarn sind große Ostseeinseln; Sylt und Borkum liegen in der Nordsee. Helgoland gehört weder zum Zollgebiet der Union noch zum deutschen Steuergebiet.

Böden werden unter anderem durch Landwirtschaftliche Vergleichszahl, Ackerzahl und Grünlandzahl bewertet. Besonders fruchtbare Lössböden liegen am Südrand des Norddeutschen Tieflands, etwa in Soester, Hildesheimer und Magdeburger Börde. Marschböden an der Küste sind ertragreich, während Geest, Flugsandgebiete und zum Podsol degenerierte Heideböden meist sehr mager sind. In Mittelgebirgen überwiegen magere, oft bewaldete Böden; ertragreiche Böden Süddeutschlands liegen besonders an Rhein, Main und Donau.

Pflanzen, Tiere und Schutzgebiete

Seit knapp 7000 Jahren haben Ackerbau und Viehzucht die ursprünglichen Landschaften in Kulturlandschaften umgewandelt. 2011 galten 33 % der Fläche als naturbetont und 67 % als kulturbetont. Wald bedeckt rund 11,4 Millionen Hektar beziehungsweise 32,0 % der Staatsfläche; naturnahe Altwälder sind jedoch selten, echte Urwälder gibt es nur als winzige Relikte. Wirtschaftswälder bestehen in niedrigen Lagen oft aus Kiefern- und Fichtenreinbeständen statt aus naturnahen Laub- und Mischwäldern.

Die potenzielle natürliche Vegetation, also die Vegetation ohne menschliche Nutzung, wäre in tiefen Lagen vor allem Laubwald mit Stieleiche, Hainbuche und Rotbuche. Nach Osten wäre der Kiefernanteil wegen des kontinentaleren Klimas höher. Mit der Höhe nähme der Anteil von Fichte und Weißtanne zu. Die natürliche Waldgrenze liegt bei etwa 1800 m. Natürlich unbewaldet wären unter anderem Hochmoore, Dünen, Salzmarschen sowie sehr hohe Alpengipfel. Viele wichtige Nutzpflanzen, etwa Weizen, Gerste, Kartoffel und Mais, sind nicht ursprünglich aus Mitteleuropa.

Die Tierwelt wurde stark durch Menschen verändert. In Laubwäldern leben unter anderem Marder, Dam- und Rothirsche, Rehe, Wildschweine und Füchse. Biber, Fischotter und Wildkatze sind selten oder wieder eingebürgert. Viele Großsäuger wurden verdrängt oder ausgerottet; Luchs und Wolf kehren teilweise zurück. Seit etwa 2000 bilden Wölfe wieder Rudel, zunächst in der Lausitz, später auch in Niedersachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im März 2010 wurde im Rothaargebirge eine Wisentherde angesiedelt; Wiederansiedlungen sind wegen Schäden an Haustieren oder Bäumen umstritten.

Seeadler brüten mit etwa 500 Paaren vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Das Wattenmeer ist Rastplatz für zehn bis zwölf Millionen Zugvögel pro Jahr und Lebensraum von Seehunden, Kegelrobben und Schweinswalen. Neozoen, also durch Menschen eingeführte und dauerhaft angesiedelte Tierarten, sind beispielsweise Waschbär, Marderhund, Halsbandsittich und Nilgans.

Deutschland gehört zu einer atlantischen, kontinental-mitteleuropäischen und alpinen biogeographischen Region. Nach FFH-Richtlinie sind zusammenhängende Schutzgebietsnetze auszuweisen. 2004 waren etwa 10 % der Landesfläche als FFH- oder Vogelschutzgebiete gemeldet. Stand Dezember 2003 entfielen 2,9 % der Landfläche auf Naturschutzgebiete, 0,54 % auf Nationalparks ohne Wasserflächen, etwa 3 % auf Biosphärenreservate, 29,7 % auf Landschaftsschutzgebiete und 22,4 % auf Naturparks. Naturschutz ist nach Art. 20a Grundgesetz öffentliche Aufgabe; § 1 Bundesnaturschutzgesetz nennt die Erhaltung von Natur und Landschaft als Ziel.

Staatsgebiet, Länder und Bevölkerung

Deutschland liegt zwischen 47°16′15″ und 55°03′33″ nördlicher Breite sowie 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Es besteht aus 16 Ländern. Berlin und Hamburg sind Stadtstaaten und zugleich Einheitsgemeinden; Bremen ist ein Zwei-Städte-Staat aus Bremen und Bremerhaven. Die im Artikel aufgeführten Daten ergeben für Deutschland 357.340 km², 80.523.746 Einwohner und 225 Einwohner pro km².

Deutschland grenzt an neun Staaten: Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Die Landgrenzen sind zusammen 3876 km lang. Für den Bodensee gibt es keinen völkerrechtlich anerkannten Grenzverlauf; Österreich vertritt gemeinsames Territorium für die übrige Seefläche, die Schweiz eine Realteilung nach dem Äquidistanzprinzip, Deutschland keine offizielle Sichtweise. Büsingen am Hochrhein ist mit 7,62 km² die größte deutsche Exklave. Das deutsche Küstenmeer ist maximal 12 Seemeilen breit und umfasst rund 16.900 km².

Siedlungs- und Verkehrsfläche betrug 2004 45.621 km² oder 12,8 % der Landesfläche. Sie wuchs von etwa 40.300 km² im Jahr 1992 auf rund 51.500 km² im Jahr 2019. Hohe Bevölkerungsdichten finden sich vor allem im Westen und Südwesten, besonders in der sogenannten Blauen Banane. Zu den größten Metropolregionen gehören Rhein-Ruhr, Berlin-Brandenburg, Rhein-Main, Stuttgart, Hamburg und München. Die einwohnerstärksten Länder sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

2004 lebten rund 83 Millionen Menschen in Deutschland, darunter etwa 75 Millionen deutsche Staatsbürger. Es gab 705.622 Lebendgeburten und 818.271 Sterbefälle. 780.175 Menschen wanderten zu und 697.633 wanderten aus. Die Bevölkerung lebte in 39,1 Millionen Haushalten, darunter 14,6 Millionen Einpersonenhaushalte. Die Bedeutung der deutschen Mittellage für geschichtliche Entwicklungen wird im Artikel unterschiedlich beurteilt: Einige Historiker betonen sie stark, Sozialhistoriker wie Jürgen Kocka verweisen dagegen vor allem auf politische und soziale Faktoren.

Wirtschaft, Rohstoffe und Verkehrsnetze

Die Wirtschaftsleistung ist regional unterschiedlich. Beim Pro-Kopf-BIP 2012 lag Hamburg mit 53.091 über dem Durchschnitt von 32.281, Mecklenburg-Vorpommern mit 22.620, Thüringen mit 22.241 und Sachsen-Anhalt mit 22.933 darunter. Als Ursachen nennt der Artikel die deutsche Wiedervereinigung vom 3. Oktober 1990, Unterschiede zwischen Stadt- und Flächenstaaten sowie die regionale Verteilung wachsender und schrumpfender Branchen.

Im Primärsektor betrug die landwirtschaftliche Anbaufläche 2004 189.324 km². Sie umfasste unter anderem 7 Millionen Hektar Getreide, davon 3,1 Millionen ha Weizen und 2 Millionen ha Gerste, 1,3 Millionen ha Ölfrüchte, 440.000 ha Zuckerrüben, 300.000 ha Kartoffeln, 4,9 Millionen ha Dauergrünland und 100.000 ha Rebland. Wichtige Lagerstätten sind Steinkohle im Ruhrgebiet, Saarland und Aachener Revier, Braunkohle in mehreren Revieren sowie Erdöl und Erdgas im Norddeutschen Tiefland und in der Nordsee. Weiterhin bedeutsam sind Salze und Kali, nutzbare Gesteine, Wasser, Windenergie, Sonnenenergie, Biomasse und Geothermie.

Verkehrssysteme verteilen Personen, Güter und Informationen räumlich und fördern die Stadtentwicklung. Die Binnenschifffahrt nutzt rund 7300 km Binnenwasserstraßen und transportiert etwa 240 Millionen Tonnen Fracht. Bedeutende Kanäle sind der 99 km lange Nord-Ostsee-Kanal, der 325,7 km lange Mittellandkanal und der Main-Donau-Kanal, der Nordsee und Schwarzes Meer schiffbar verbindet. Wichtige Seehäfen liegen in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven, wichtige Binnenhäfen in Duisburg-Ruhrort, Köln, Ludwigshafen, Karlsruhe und Regensburg.

1994 bestand das Straßennetz aus 11.080 km Bundesautobahnen, 42.000 km Bundesstraßen, 88.100 km Landesstraßen und 414.000 km Gemeindestraßen. Das Eisenbahnnetz erreichte 1842 knapp 1000 km und um 1860 10.000 km; die 115 km lange Leipzig-Dresdner Eisenbahn von 1839/40 war die erste deutsche Fernbahn. 2010 gab es 20.743 Lokomotiven und Triebwagen, 9.253 Reisezugwagen und 119.040 Güterwagen. Für moderne Kommunikation beeinflussen Gelände, Bebauung, Vegetation, Antennen, Sendeleistung und Mobilfunkstandard die Größe von Funkzellen; in Tunneln und dicht bebauten Räumen werden besondere Anlagen oder Mikrozellen benötigt.

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