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Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Nordbahnhof Stuttgart
Fast alle diese Menschen wurden dann in der Shoah (NS-Judenverfolgung) bis 1945 ermordet. Mauer mit den Daten der Deportationen aus Stuttgart Die Gleise und …
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Bedeutung und Gestaltung der Gedenkstätte
Die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Nordbahnhof Stuttgart erinnert an die Deportationen unter dem nationalsozialistischen Regime. Von diesem Ort wurden zwischen 1941 und 1944 mehr als 2600 Jüdinnen und Juden sowie 260 Sinti aus Stuttgart, Württemberg und Hohenzollern „in den Osten“ deportiert, also zur Ermordung. Fast alle wurden bis 1945 in der Shoah, der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung der Juden, getötet.
Sie befindet sich auf dem alten Güterbahngelände am „inneren Nordbahnhof“ zwischen Pragfriedhof und Nordbahnhofstraße. Ursprüngliche Schienen und Prellböcke sind dort erhalten. Eine 70 Meter lange Mauer begrenzt die fünf Gleise; auf ihr stehen die Namen der von der Stuttgarter Gestapodienststelle deportierten jüdischen Einwohner der Region Stuttgart und der Sinti aus ganz Südwestdeutschland. Eine überdachte Wand am Ende der Gleise informiert über die rassistischen Verfolgungsmaßnahmen vor Ort.
Im November 2025 entfernte die Deutsche Bahn drei der fünf Gleise, um ein Habitat für Mauereidechsen anzulegen. Dies geschah mit Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes; die Gedenkstätte wurde bei der Planung offenbar übersehen.
Deportationen und Folgen
Der erste Zug verließ den Nordbahnhof am 1. Dezember 1941 mit etwa tausend gefangenen Menschen in Richtung Riga zum Konzentrationslager Jungfernhof der SS. Bis auf rund zwanzig Personen wurden sie ermordet.
Weitere Sammeldeportationen führten am 26. April 1942 mit 285 Personen nach Iżbica bei Lublin; anschließend wurden sie in den Vernichtungslagern Belzec und Lublin-Majdanek ermordet, es gab keine Überlebenden. Am 13. Juli 1942 wurden 40 Personen nach Auschwitz deportiert, ebenfalls ohne Überlebende. Am 22. August 1942 wurden etwa 1100 Personen nach Theresienstadt gebracht; ungefähr 50 überlebten.
Am 1. März 1943 deportierte man 35 Personen nach Auschwitz, von denen eine Person überlebte. Am 15. März 1943 folgte die Deportation von 234 Sinti nach Auschwitz; fast niemand überlebte. Am 17. April 1943 wurden 20 Personen nach Theresienstadt und Auschwitz deportiert, vier überlebten. Am 17. Juni 1943 gingen 15 Personen nach Auschwitz, von denen die meisten ermordet wurden, sowie rund zehn nach Theresienstadt. Am 24. September wurden zwei Personen nach Auschwitz deportiert.
Am 11. Januar 1944 wurden 80 sogenannte „Mischehepartner“ nach Theresienstadt deportiert; ungefähr 60 überlebten. Am 30. November 1944 folgte eine Deportation solcher Menschen in das Durchgangslager Bietigheim; ein Teil wurde in ein Lager bei Wolfenbüttel weitertransportiert. Am 12. Februar 1945 wurden von Bietigheim aus weitere Menschen nach Theresienstadt deportiert. Von etwa 160 Personen überlebten wegen des raschen Kriegsendes fast alle.
Planung, Namenswand und Eröffnung
Geplant wurde die Gedenkstätte von den Architekten Ole und Anne-Christin Saß. Der Verein Zeichen der Erinnerung e.V. setzte sie um; zu seinem Vorstand gehörte unter anderem Roland Ostertag. Die Stiftung Geißstraße Sieben initiierte die Vereinsgründung und veröffentlichte 60 Jahre nach der Deportation der Stuttgarter Juden ein Denkblatt. Weil das Gelände im Zusammenhang mit Stuttgart 21 überbaut werden sollte, entstand die Initiative, die Gleise als Erinnerungsstätte zu bewahren. Eine Flatterbandaktion sperrte den Ort als Tatort ab.
Die Stiftung schrieb mit dem Infoladen Nordbahnhof einen internationalen Studentenwettbewerb aus. Nach einem Workshop mit mehr als 50 Studierenden und Professoren aus Deutschland, Italien und der Schweiz wurde der Entwurf von Anne-Christin und Ole Saß im Mai 2002 ausgezeichnet. Der Stuttgarter Gemeinderat billigte die Umsetzung am Inneren Nordbahnhof.
Das Bürgerprojekt Die AnStifter unterstützte die Arbeit. Beate Müller recherchierte von Dezember 2004 bis Januar 2006 mehr als 2000 Namen jüdischer Deportierter; sie wurden an der Außenwand angebracht. Bis April 2008 wurden etwa 300 weitere Namen gefunden, die damals noch nicht auf der Wand standen. Dort finden sich auch Inge Auerbacher und ihre Eltern, die Theresienstadt überlebten. 2008 ergänzte man die Namen der 260 deportierten Sinti sowie die Deportation vom 15. März 1943. Dr. Stephan M. Janker erstellte mit Elke Martin nachträglich eine Liste von Geburts- und Deportationsdaten.
Das Projekt kostete 500.000 Euro; Stadt Stuttgart und Spender trugen jeweils die Hälfte. Am 14. Juni 2006 wurde die Gedenkstätte der Öffentlichkeit übergeben.