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Sonderzüge in den Tod
Sonderzüge in den Tod ist der Titel einer Wanderausstellung, die an die Deportation hunderttausender Menschen durch die damalige Reichsbahn in die …
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Ausstellung über Deportationen
„Sonderzüge in den Tod“ war eine Wanderausstellung zur Deportation hunderttausender Menschen durch die damalige Reichsbahn in nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager. Sie sollte an die Rolle der Eisenbahn bei diesen Verbrechen erinnern. Die Ausstellung wurde 2006 in Frankreich und ab 2008 in veränderter Form in Deutschland gezeigt, vor allem in Bahnhöfen. Bis 2015 war sie an 44 Orten zu sehen; mehr als 400.000 Menschen besuchten sie.
Konzept und Stationen
Die Deutsche Bahn entwickelte die Ausstellung gemeinsam mit Beate und Serge Klarsfeld sowie einer Bürgerinitiative. Sie übernahm Elemente der französischen Ausstellung „Enfants juifs déportés de France“, die drei Jahre lang auf Bahnhöfen der SNCF gezeigt worden war. Von 40 Informationstafeln beruhten 15 auf dieser französischen Sammlung.
Die deutsche Ausstellung eröffnete am 23. Januar 2008 im Zwischengeschoss des Bahnhofs Potsdamer Platz. Danach wurde sie unter anderem in Halle (Saale), Schwerin, Wittenberge, Münster, Köln, Frankfurt am Main, Dresden, München und Mannheim gezeigt. 2009 folgten zunächst Hanau, Chemnitz und das Jüdische Museum in Dorsten. Nach Schätzungen der Deutschen Bahn AG hatten bis April 2008 rund 30.000 Menschen die Ausstellung besucht. Sie sollte anschließend kostenlos an interessierte Städte verliehen werden.
Streit über Ausstellungsorte
Der Ausstellung ging ein öffentlicher Konflikt zwischen Beate und Serge Klarsfeld und der DB AG voraus. Die DB hatte zunächst abgelehnt, die französische Ausstellung auf deutschen Bahnhöfen zu zeigen.
DB-Vorstandsvorsitzender Hartmut Mehdorn erklärte im November 2006, Bahnhöfe seien wegen „Hast und Eile“ keine geeigneten Orte für eine ernsthafte und vertiefte Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Eine solche Präsentation könne seiner Ansicht nach sogar „kontraproduktiv“ sein; er bezeichnete dies als „Shock and go“. Mehdorn verwies zugleich auf die Dauerausstellung im DB-Museum Nürnberg, die jährlich 200.000 Menschen besuche, auf die Beteiligung am Entschädigungsfonds für ehemalige Zwangsarbeiter, die Aufklärung von Auszubildenden und die Unterstützung des Films „Der letzte Zug“.
Am 1. Dezember 2006 vereinbarten Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Mehdorn schließlich die Einrichtung einer Wanderausstellung auf Bahnhöfen zu den Deportationen.
Weiterführende Materialien
Als ergänzende Materialien nennt der Artikel unter anderem die Dokumentationen „Nach Fahrplan in den Tod – Europas Bahnen und der Holocaust“ von Wolfgang Schoen und Frank Gutermuth (2011, 90 Minuten), die vor allem die Kollaboration der SNCF behandelt, sowie „Akte D (2/3) – Das Kriegserbe der Bahn“ von Winfried Oelsner (2014, 45 Minuten). Letztere thematisiert unter anderem den Einfluss der NS-Politik, die Ostbahn, Julius Dorpmüller, Albert Ganzenmüller, die Finanzierung der Deportationszüge und den Einsatz von fast 500.000 Zwangsarbeiterinnen.
Genannt werden außerdem Literatur zur Rolle der Reichsbahn und zu Deportationen, etwa die Begleitpublikation „Sonderzüge in den Tod. Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn“ von Andreas Engwert und Susanne Kill (2009) sowie Werke von Raul Hilberg, Serge Klarsfeld, Heiner Lichtenstein, Alfred Gottwaldt und Diana Schulle.