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Fußballländerspiel Deutsche Demokratische Republik – Bundesrepublik Deutschland 1974
Das Fußballländerspiel Deutsche Demokratische Republik gegen die Bundesrepublik Deutschland fand im Rahmen der Vorrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 …
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Bedeutung und Ausgangslage
Das Fußballländerspiel DDR gegen Bundesrepublik Deutschland war ein Vorrundenspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1974. Es fand am 22. Juni 1974 im Hamburger Volksparkstadion statt und blieb das einzige Aufeinandertreffen der beiden deutschen A-Nationalmannschaften. Die DDR gewann überraschend 1:0 durch Jürgen Sparwasser.
Die DDR qualifizierte sich 1974 zum einzigen Mal für eine WM-Endrunde. Bei der Auslosung am 5. Januar 1974 kam sie in Gruppe I mit Gastgeber Bundesrepublik Deutschland. DDR-Nationaltrainer Georg Buschner setzte die WM-Qualifikation als höchstes Ziel; er wollte Erfahrungen gegen die besten Nationalmannschaften der Welt sammeln.
Vor dem Spiel hatte die DDR Australien 2:0 besiegt und gegen Chile 1:1 gespielt. Die Bundesrepublik gewann 1:0 gegen Chile und 3:0 gegen Australien. Beide Teams waren bereits für die nächste Runde qualifiziert, nachdem Australien und Chile am letzten Spieltag 0:0 gespielt hatten. Daher ging es nur noch um den Gruppensieg: Der DDR half nur ein Sieg, der Bundesrepublik genügte ein Unentschieden.
Spielverlauf und Aufstellungen
Am Abend des 22. Juni 1974 neutralisierten sich beide Mannschaften zunächst weitgehend. Die größte westdeutsche Chance hatte Gerd Müller in der 39. Minute, als er den Ball aus der Drehung an den Pfosten schoss. In der 77. Minute entschied Jürgen Sparwasser das Spiel: Nach einem Konter ließ er Horst-Dieter Höttges und Berti Vogts stehen und erzielte das 0:1.
Das Spiel endete vor 60.200 Zuschauern 0:1 (0:0); Schiedsrichter war Ramón Barreto aus Uruguay. Für die Bundesrepublik spielten unter anderem Sepp Maier, Franz Beckenbauer als Kapitän, Paul Breitner, Berti Vogts und Gerd Müller; Trainer war Helmut Schön. Die DDR trat unter anderem mit Jürgen Croy, Bernd Bransch als Kapitän, Jürgen Sparwasser und Martin Hoffmann an; Trainer war Georg Buschner. Gelbe Karten erhielten Sparwasser (27.), Croy (81.) und Kreische (84.).
Gruppensieg und Folgen bei der WM
Mit dem Sieg wurde die DDR Erster der Gruppe I. Nach drei Spielen hatte sie 2 Siege, 1 Unentschieden, keine Niederlage, 4:1 Tore, eine Tordifferenz von +3 und 5:1 Punkte. Die Bundesrepublik wurde mit ebenfalls 4:1 Toren und +3 Tordifferenz Zweiter, aber mit 4:2 Punkten. Chile folgte mit 2:4 Punkten, Australien mit 1:5 Punkten.
Der Gruppensieg erwies sich für die DDR als Pyrrhussieg: In der neu eingeführten Zwischenrunde traf sie auf Brasilien (0:1), Argentinien (1:1) und die späteren Vizeweltmeister Niederlande (0:2). Für die Bundesrepublik wirkte die Niederlage nach einer Aussprache in Malente heilsam. Sie gewann danach gegen Jugoslawien 2:0, gegen Schweden 4:2 und gegen Polen 1:0. Im Finale besiegte sie die Niederlande 2:1 und wurde nach 1954 zum zweiten Mal Weltmeister.
Reaktionen und Erinnerung
Die DDR-Mannschaft bewertete den Erfolg zurückhaltend. Georg Buschner sagte: „Wir haben ein wichtiges Spiel gewonnen, mehr nicht“. Auch die offizielle DDR-Seite kommentierte die Partie wenig. Der Trikottausch fand in den Kabinen statt, weil DDR-Funktionäre ihn laut Harald Irmscher „nicht so gerne“ sahen.
Ein Teil der britischen Presse deutete den Sieg politisch: Der Sunday Telegraph schrieb „Der Osten hält seine Mauer intakt“, der Observer sprach von einem „politischen Doppelsieg der DDR“. Die Bild am Sonntag titelte in der Bundesrepublik „So nicht, Herr Schön!“ und bezeichnete das Spiel als „Schauspiel deutscher Teilung“.
Etwa 1.500 Zuschauer aus der DDR waren in Hamburg; sie waren von der SED vorgeschlagen und von der Staatssicherheit überprüft worden. Nach Berichten des MDR befanden sich darunter mehrere Hundert Inoffizielle Mitarbeiter des MfS. Eigenständig reisende DDR-Fußballfans erhielten grundsätzlich keine Genehmigung für die Reise in die Bundesrepublik. Sparwassers Trikot mit der Nummer 14 wurde 2003 ersteigert und wird seither im Bonner Haus der Geschichte ausgestellt.