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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Frank J. Tipler

... digitale Unsterblichkeit erreicht wird. Voraussetzung dafür ist, dass die im Universum vorhandene Information bei aller Größe letztlich endlich ist und die …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und wissenschaftlicher Hintergrund
  2. 2. Zeitreisen und Tipler-Zylinder
  3. 3. Omegapunkt und digitale Unsterblichkeit
  4. 4. Physikalische Deutung des Christentums
  5. 5. Kritik und Einordnung

Person und wissenschaftlicher Hintergrund

Frank Jennings Tipler III, geboren am 1. Februar 1947 in Andalusia im US-Bundesstaat Alabama, ist ein US-amerikanischer Physiker. Er studierte Physik und Mathematik unter anderem an der Oxford University, der University of Texas at Austin, am Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik in München sowie an den Universitäten Bern und Wien. Seit 1987 ist er Professor für mathematische Physik an der Tulane University in New Orleans. Seine Spezialgebiete sind Kosmologie, Allgemeine Relativitätstheorie, Elementarteilchenphysik und Komplexitätstheorie.

Tipler gehört der International Society for Complexity, Information, and Design an, die als Teil der allgemein neokreationistisch eingeordneten Intelligent-Design-Bewegung gilt. Bekannt wurde er besonders durch populärwissenschaftliche und teilweise umstrittene Bücher, in denen er physikalische Kosmologie mit religiösen Vorstellungen verbindet. Dazu zählen The Anthropic Cosmological Principle, gemeinsam mit John D. Barrow, Die Physik der Unsterblichkeit und Die Physik des Christentums.

Zeitreisen und Tipler-Zylinder

1974 beschrieb Tipler mit dem sogenannten Tipler-Zylinder die erste theoretische Möglichkeit, wie eine Zeitreise in die Vergangenheit funktionieren könnte. Der Artikel führt diese Idee als einen Beitrag Tiplers zur Allgemeinen Relativitätstheorie an, erläutert ihren Aufbau und ihre physikalischen Voraussetzungen jedoch nicht näher.

Omegapunkt und digitale Unsterblichkeit

In Die Physik der Unsterblichkeit – Moderne Kosmologie, Gott und die Auferstehung der Toten von 1994 verbindet Tipler die Starke KI, das Anthropische Prinzip, Kosmologie und Religion. Das Anthropische Prinzip bezieht die Eigenschaften des Universums auf die Bedingungen, unter denen menschliche Beobachter existieren können. Tipler betrachtet besonders die Feinstrukturkonstante als starken Hinweis darauf, dass die Schöpfung des Kosmos auf den Menschen ausgerichtet sei. Er versteht den geschichtlichen Fortschritt teleologisch, also als Entwicklung auf ein finales Ziel hin, und nimmt eine grenzenlose Zukunft für intelligentes Leben und menschliche Kultur an. Seine Haltung wird als utopische Form des Pantheismus beschrieben; Tipler selbst bezeichnete sich damals als Deisten aus wissenschaftlicher Einsicht.

Gemeinsam mit verwandten Überlegungen des Informatikers Hans Moravec und des Philosophen Robert Nozick entwickelte Tipler als extremer Reduktionist eine Theorie eines Auferstehungsmechanismus. Nach seiner Omegapunkt-Theorie läuft die Entwicklung des Universums auf den Punkt Omega zu. Dort sammelt sich alles virtuell oder materiell Existierende. Weil die Information an diesem Punkt vollkommen sein soll, werde dieser letzte Moment von den zukünftigen Wesen als unendlich lange erlebt. Aus unendlicher Information entstehe in der Ewigkeit der vollendete Gott. Den Heiligen Geist sieht Tipler durch die universelle Wellenfunktion dargestellt, die nach der Kopenhagener Deutung alle Informationen über das Universum enthält. Für einen Sohn Gottes im biblischen Sinn bleibt in dieser Darstellung kein Platz, sofern nicht die Entstehung des Lebens und besonders der Menschheit in der Evolution selbst so verstanden wird.

Die zentrale praktische These lautet, dass zukünftige, den gesamten Kosmos umfassende Computerprogramme alle früheren Existenzen und Lebensformen rekonstruieren beziehungsweise neu erschaffen könnten. Dadurch solle digitale Unsterblichkeit entstehen. Dafür müssten zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die gesamte Informationsmenge des Universums müsste trotz ihrer Größe endlich sein, und die Menschheit müsste sich durch Raumfahrt im ganzen Universum ausbreiten können, um die notwendige Informationsverarbeitung einzurichten.

Da kohlenstoffbasiertes menschliches Leben nach Tipler in fernster Zukunft nicht überleben könne, sollen nanotechnologische Von-Neumann-Sonden die künftigen Träger der menschlichen Kultur werden. Von-Neumann-Sonden sind Maschinen, die sich selbst vervielfältigen können. Ein entsprechendes Konzept hatte auch Richard Feynman 1959 in seinem Vortrag There’s Plenty of Room at the Bottom formuliert. Tipler ordnet die Theologie als Teilgebiet der Physik ein und versucht, seine Omegapunkt-Theorie mit der Eschatologie, also den Vorstellungen der Weltreligionen über die letzten Dinge und das Ende der Welt, in Übereinstimmung zu bringen. Der betreffende Teil des Wikipedia-Artikels wird ausdrücklich als nicht hinreichend belegt gekennzeichnet.

Physikalische Deutung des Christentums

In Die Physik des Christentums deutet Tipler die kosmologische Singularität – den Ursprung von allem außerhalb von Raum und Zeit – als den jüdisch-christlichen Gott. Gegenüber Die Physik der Unsterblichkeit verändert sich seine religiöse Position deutlich: Dort hatte er sich noch als Deist bezeichnet und die Existenz eines Gottessohnes im biblischen Sinn ausdrücklich abgelehnt; im späteren Buch tritt er als gläubiger Christ auf.

Tipler vertritt nun die Auffassung, dass Wunder wie die jungfräuliche Geburt, die Auferstehung und die Fleischwerdung nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen stünden. Er schlägt physikalische Experimente vor, die dies beweisen sollen. Der Physiker Lawrence Krauss kritisierte das Buch als Sammlung von Halbwahrheiten und Übertreibungen sowie als unkritisch und unbegründet. Er hielt es für besonders problematisch, weil Tiplers wissenschaftliche Reputation den falschen Eindruck erwecken könne, diese religiösen Thesen folgten aus der Physik und naturwissenschaftliche Näherungen seien in jedem Zusammenhang gültig.

Kritik und Einordnung

Tiplers Vorstellungen stoßen in der Fachwelt zum Teil auf heftige Kritik. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, sein Szenario beruhe auf zahlreichen unrealistischen oder nicht überprüfbaren Annahmen. Dazu gehört die ungeklärte Frage, ob die Informationsmenge im Universum endlich oder unendlich ist. Kritiker betrachten bereits die einzelnen Voraussetzungen als so spekulativ, dass sie eher der Fantasie als einer überprüfbaren wissenschaftlichen Theorie zuzurechnen seien. Außerdem werden die Zielgerichtetheit seines Modells und sein weltanschaulicher beziehungsweise religiöser Charakter als unwissenschaftlich kritisiert.

David Deutsch unterstützt Teile der physikalischen Überlegungen, lehnt jedoch deren religiöse Auslegung ab. Andere Fachleute urteilen wesentlich schärfer: George F. R. Ellis bezeichnete Tiplers Arbeit in Nature als „Meisterstück der Pseudowissenschaft“. Chris Clarke schrieb in Physics Today, seine erste Reaktion auf die Ideen sei gewesen, Tipler sei verrückt geworden. Gebhard Grübl von der Universität Innsbruck verglich den Entwurf scherzhaft mit einem Einfall aus einer feuchtfröhlichen Physikerrunde zu später Stunde. Auch aus theologischer Sicht gibt es Ablehnung: Hans-Dieter Mutschler bewertet Tiplers Thesen als Überschreitung der Grenzen der Naturwissenschaft.

Die wichtigsten Veröffentlichungen sind The Anthropic Cosmological Principle von Tipler und John D. Barrow aus dem Jahr 1985, das Tipler als frühe Version der Omegapunkttheorie bezeichnet, The Physics of Immortality beziehungsweise die deutsche Ausgabe Die Physik der Unsterblichkeit von 1994 sowie Die Physik des Christentums von 2008.

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