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Feldrede
Die Feldrede (auch Feldpredigt) ist ein Textabschnitt des Lukasevangeliums (Lk 6,17–49 EU) im Neuen Testament, in dem Jesus von Nazaret seine Lehre …
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Bedeutung und Aufbau der Feldrede
Die Feldrede oder Feldpredigt ist ein Abschnitt des Lukasevangeliums im Neuen Testament (Lk 6,17–49 EU). In ihr verkündet Jesus von Nazaret seine Lehre. Die rahmenden Verse 6,20a und 7,1 lassen erkennen, dass der Evangelist die Rede als zusammenhängende Einheit gestaltet.
Sie besteht aus drei Teilen. Nach einer Einführung (6,17–19) folgen Seligpreisungen (6,20–23) und vier Weherufe an Reiche, Satte, Lachende und von allen Gelobte (6,24–26). Die Weherufe stehen nicht in der Bergpredigt.
Der mittlere Teil behandelt Feindesliebe, Gewaltverzicht, die Goldene Regel, den Verzicht auf endgültiges Richten anderer sowie das Schenken. Der letzte Teil verwendet Bildworte: den blinden Blindenführer, das Verhältnis von Jünger und Lehrer, Splitter und Balken, Baum und Frucht, den Menschen und sein Inneres sowie das richtige und falsche Bauen.
Beziehung zur Bergpredigt
Die Feldrede hat viele Parallelen zur wesentlich längeren Bergpredigt im Matthäusevangelium (Mt 5,1–7,29). Fast alle Worte der Feldrede finden sich auch dort; zahlreiche Aussagen der Bergpredigt, die in der Feldrede fehlen, ordnet Lukas an anderer Stelle seines Evangeliums ein, meist im Reisebericht. Gemeinsame Worte stehen häufig in derselben Reihenfolge.
Für dieses Verhältnis gibt es drei Deutungsversuche: Matthäus und Lukas nutzten eine Logienquelle und überarbeiteten sie; sie verwendeten zusätzlich verschiedene Vorlagen; oder Lukas kannte das Matthäusevangelium. Die Beobachtungen führten besonders zur Vermutung einer schriftlich vorliegenden griechischen Logienquelle Q. Matthäus habe sie mit weiterem Stoff ergänzt.
Nach dieser Darstellung bewahrt Lukas die Fassung der Quelle in der Feldrede eher, während Matthäus stärker redaktionell eingreift. Zugleich übersetzt Lukas Jesu Worte für ein griechisches Publikum: Nicht die Tora mit ihren Einzelgeboten bildet seinen hauptsächlichen Bezugsrahmen, sondern das griechische Ethos.
Seligpreisungen, Weherufe und ethische Forderungen
Wie die Bergpredigt beginnt die Feldrede mit Seligpreisungen, doch Lukas redet die Jünger unmittelbar an: „Selig seid ihr; denn das Reich Gottes ist euer“. Vier Seligpreisungen stehen vier Weherufen gegenüber. Die ersten drei sind knapp, die jeweils vierten ausführlicher.
„Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes“ (Vers 20): Πτοχός bezeichnet den Bettelarmen; nicht Armut an sich gilt als positiv, sondern Gottes nahe Rehabilitation der Armen. Den Hungernden wird Sättigung verheißen, den Weinenden Lachen. Dem entsprechen die Weherufe: Reiche haben ihren Trost bereits empfangen; wer jetzt satt ist, wird hungern; wer jetzt lacht, wird klagen und weinen. Wer um des Menschensohnes willen gehasst, ausgestoßen und geschmäht wird, soll sich über den großen Lohn im Himmel freuen; umgekehrt trifft ein Wehe diejenigen, die von allen gelobt werden, wie einst die falschen Propheten.
Die als Einheit überlieferte Seligpreisung der Armen, Hungernden und Weinenden wird gewöhnlich Jesus von Nazaret zugeschrieben. Lukas änderte dabei vermutlich die ursprüngliche dritte Person Plural in die direkte Anrede der zweiten Person Plural. Die Weherufe gelten als sekundär und als „blasses negatives Abbild der Seligpreisungen“. Dass Matthäus sie ausgelassen haben sollte, obwohl sie in seiner Quelle standen, erscheint schwer erklärbar; daher wird mit abweichenden Q-Fassungen für Matthäus und Lukas gerechnet (QMt und QLk).
Feindesliebe, Urteil und Gleichnisse
Die Feindesliebe wird bei Lukas für wohlhabendere Leser aktualisiert: Sie müssen eher Beschimpfung als Verfolgung erwarten und können anderen Gutes tun oder finanzielle Unterstützung geben. Zum Gewaltverzicht gehört die Vorstellung, einem Räuber auch das zu geben, wonach er greift. Matthäus denkt dagegen an ein jüdisches Gericht, das die Unterkleidung, aber nicht den zum Schlafen dienenden Mantel konfiszieren durfte. Die Goldene Regel und die Forderung, nicht zu richten, gehören ebenfalls in diesen Teil. Nicht zu richten bedeutet, kein endgültiges Urteil über andere Menschen zu fällen.
Das Lohnbild in V. 38b beschreibt einen Kunden, der Ware in den Falten seiner Kleidung (εις τὸν κόλπον) aufnimmt, und einen besonders zuvorkommenden Händler: Er schüttelt Getreide im Messgerät und füllt weiter nach, bis es überläuft.
Lukas bezeichnet den dritten Teil in 6,39 als „Gleichnisrede“ (παραβολή) und sammelt Logien Jesu mit Bildcharakter. Der blinde Blindenführer, Baum und Früchte sowie Splitter und Balken warnen davor, anderen helfen oder sie beurteilen zu wollen, solange man selbst blind ist. Als mögliche blinde Blindenführer werden Pharisäer, christliche Gemeindeleiter oder alle Christen genannt. Beim Bild der zwei Häuser kontrastiert Matthäus Stein und Sand, Lukas dagegen Sand und Erde; Lukas betont vor allem den Vorteil eines Fundaments.